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Sony Xperia Z im Test

Seit der Trennung des Joint-Venture mit Ericsson hat Sony einige Plätze im Wettbewerb gutgemacht, spätestens mit dem neuen Xperia Z spielt Sony wieder oben in der Smartphone-Welt mit. Bereits nach einem ersten Eindruck hatte uns das Flaggschiff im Februar neugierig auf mehr gemacht. Nun konnten wir es über einen längeren Zeitraum testen, um das Xperia Z genauer unter die Lupe zu nehmen. So viel sei schon verraten: Das Xperia Z ist ein großer Wurf geworden, die Konkurrenz hat aber auch nicht geschlafen.

Sony Xperia Z

Das Datenblatt zählt auf jeden Fall schon zu den Stärken des Sony-Smartphones. Ein Qualcomm S4 SoC (System on a Chip) mit 1,5 GHz Quad-Core-Prozessor und 2 GB RAM sorgen für viel Power. Die Adreno 320 GPU sichert außerdem ausreichend Grafikleistung zu. Das Highlight ist allerdings der 5 Zoll große Bildschirm mit FullHD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel). Mit einer effektiven Pixeldichte von 441 ppi kann von herkömmlichen Pixeln kaum noch die Rede sein, zumindest offenbaren sich dem Auge keine einzelnen Bildpunkte mehr.

Sony Xperia Z Datenblatt
Bildschirm 5 Zoll
Auflösung 1920 x 1080 Pixel
Prozessor Qualcomm S4 Pro Quad-Core 4 x 1,5GHz
Arbeitsspeicher 2 GB
Speicher 16 GB
Akku 2330 mAh

Sony fährt bei seinem Smartphone-Design schon länger eine klare Linie, das Xperia Z stellt dabei keine Ausnahme dar. So findet man die Bezeichnung „Barrenform“ wohl bei keinem anderen Hersteller so exakt umgesetzt. Bis auf minimal abgerundete Ecken hat das Xperia keine Kurven oder Wölbungen. Die Front beherbergt den Bildschirm, das Sony-Logo und die Frontkamera sowie eine Benachrichtigungs-LED. Die High-End-Hardware benötigt offenbar viel an Platz, denn der Rahmen über und unter dem Display hätte aus optischer und vor allem ergonomischer Sicht deutlich dünner sein können. Mit dem kantigen Design wirken Vorder- und Rückseite damit ziemlich riesig und massig. Dabei ist das Sony-Smartphone nur einige Millimeter größer als die Flaggschiffe der vergangenen Generation. Die Rückseite ist ebenfalls minimalistisch gehalten. Die violette Farbe (auch in Schwarz und Weiß erhältlich) sorgt für Abwechslung und eine eigene Design-Note. Unter der Hauptkamera finden wir dort nur einen „XPERIA“-Schriftzug und weitere kleine Beschriftungen. Beide Seiten sind von einer schützenden Mineralglas-Schicht bedeckt. Das ergibt einen wertigen Eindruck, besonders die farbige Rückseite fällt damit aber auch ständig mit fettigen, verschmierten Fingerabdrücken auf.

Sony Xperia Z Lieferumfang

Der Rahmen besteht teils aus Kunstsoff, teils aus dem Rückseiten-Material. Optisch macht das einen guten Eindruck. Technisch war das wahrscheinlich vor allem durch die diversen Tasten und Klappen bedingt. Mittig auf der rechten Seite finden wir den Power-Button und die Lautstärke-Wippe. Die unkonventionelle Positionierung des Power-Buttons ist besonders bei dem großen Xperia Z eine gute Entscheidung gewesen. So ist die Taste auch in einer Hand gehalten gut mit dem Daumen zu erreichen. Die Größe sorgt außerdem für ein leichtes Ertasten. Der Druckpunkt und das Design erinnern dabei an einen Kamera-Auslöser und alte Sony-Ericsson Modelle. Die Lautstärke Wippe darunter ist deutlich filigraner und wackelt leicht, klappert aber nicht. Der Druckpunkt hätte hier aber deutlicher sein können. Die Positionierung unter dem Power-Button ist außerdem zu niedrig, über diesem wäre die Erreichbarkeit besser gewesen.

Sony Xperia Z

Die Öffnungen für micro-Sim-Karte, Klinkenstecker – und erfreulicherweise micro-SD-Karte – sind hinter eigenen Klappen verborgen. Ebenso der USB-Kabel-Anschluss. Leider verwendet Sony hierfür keinen micro-USB-Port, sondern einen eigenen Anschluss. Damit wird die wasser- und staubdichte Eigenschaft des Xperia Z gewährleistet. Beim Öffnen dieser ist aber immer etwas „Fingerspitzengefühl“ gefragt, hilfreich sind lange Nägel. Immerhin hat man nicht das Gefühl, gleich etwas abzubrechen. Besonders das Verstecken des Klinkensteckers ist aber unpraktisch, wenn man das Handy mit angeschlossenen Kopfhörern in der Hosentasche verstauen will. Dann hat man doch etwas Sorge, dass die Klappe irgendwo hängen bleibt und abreißt.

Sony Xperia Z Anschlüsse

Die Verarbeitung und Materialien machen einen sehr guten und wertigen Eindruck. Nur die oberen Spaltmaße zwischen Vorder- sowie Rückseite und dem Rahmen sind etwas zu groß geraten. Dennoch wird Sony seinem guten Ruf wieder gerecht. Allerdings leidet die Ergonomie des Smartphones unter dem Design. Mit einer Hand kommt man alleine schon wegen der Bildschirmgröße beim Bedienen an seine Grenzen, mit zwei Händen ist das deutlich angenehmer. Das kantige Gehäuse liegt auch nicht besonders schön in der Hand. Das Design lässt das Xperia vor allem noch größer erscheinen, als es ohnehin schon ist.

Bildschirmdiagonale und Pixel scheinen derzeit vorherrschendes Verkaufsargument zu sein. Neben den standardmäßig fortentwickelten Chipsätzen setzen alle Hersteller auf steigende Bildschirmgrößen und Pixeldichten. Beim ersteren kratzt Sony aber langsam am Rande des Sinnvollen. Die Ergonomie leidet einfach zu stark unter dem enormen Gehäuse, so wirklich anfreunden konnten wir uns damit nicht. Dabei sind die Unterschiede in der Bedienung zu 4,7 Zoll Geräten kaum greifbar. Die enorme Pixeldichte von 441 ppi dank FullHD-Auflösung kann schon mehr Begeisterung hervorrufen. Einzelne Pixel lassen sich nicht mehr ausmachen. Dabei sind Unterschiede zu Smartphones mit einer 300er Pixeldichte aber auch kaum noch sichtbar. Schaden richtet die Auflösung aber nicht an.

Sony Xperia Z

Sony Xperia Z Screenshot

Allerdings kann das Display des Xperia Z trotzdem im Vergleich nicht ganz überzeugen. Die Farben sind außergewöhnlich blass. Auch die Blickwinkelstabilität kann mit kaum einem Konkurrenten mithalten. Schon bei einem leicht schiefen Blickwinkel wirkt alles wie mit einem grauen Schleier überzogen. Dabei vergleichen wir nicht mit den knalligen Farben der hochgelobten (und ebenso umstrittenen) AMOLED-Displays von Samsung, sondern mit aktuellen HTC- oder LG-Geräten. Natürlich bewegt sich auch das Xperia Z im erträglichen Bereich für alle Alltagstätigkeiten. Dennoch hätte man in dieser Preisklasse etwas mehr erwarten können, besonders bei der beworbenen Mobile BRAVIA Engine 2.

Die installierte Tastatur von Sony ist etwas gewöhnungsbedürftig. Am Ende hätte uns die Standard Google-Tastatur besser gefallen. Größter Schwachpunkt sind die fehlenden Zahlen im normalen Layout. Anstatt durch einen längeren Druck auf einen Buchsstaben, gelangen wir nur durch das Umschalten zur Sonderzeichen-Tastatur zu den Ziffern. Kein wirklicher Nachteil, sondern nur etwas ungewohnt, sind die gängigen Satzzeichen. Diese werden nicht neben der Leertaste angezeigt, sondern ersetzen die Wortvorschläge über der Tastatur, wenn gerade kein Wort getippt wird. Die Tastatur ist schön groß und bietet viel Platz zwischen den Buttons, das minimiert Tippfehler. Auch das Wischen über die Tasten unterstütz sie.

Sony Xperia Z Screenshot

Auf dem Xperia Z läuft aktuell Android 4.1.2. Auch Sony hat es sich nicht nehmen lassen eine eigene Oberfläche über das System zu legen. Diese ist aber so minimalistisch gehalten, dass sich auch Vanilla-Android-Fans damit anfreunden könnten. Die Home-Screens sind bis auf eigene Widgets und Icons kaum verändert. Löblich ist das neue Menü für Widgets. Beim Hinzufügen lassen sich die Widgets direkt in der Größe und Position verändern, ohne erst auf den Homescreen zurückzugehen. Auch die App-Übersicht hat eine Sonderfunktion erhalten. So kann sich der Nutzer entscheiden, in welcher Reihenfolge die Apps angezeigt werden. Der Lockscreen ist neu gestaltet, bietet aber keinen Neugewinn für den Nutzer. Das Oberflächen-Design passt insgesamt gut zum ebenfalls einfachen und geradlinigen Gehäuse.

Der Snapdragon Chipsatz sorgt für viel Leistung und damit flüssige Bedienung. Dennoch hakt das System sporadisch für wenige Millisekunden. Nicht wirklich tragisch also, das geht aber noch etwas besser. Im Allgemeinen zählt der Snapdragon S4 Quad-Core zwar zum High-End-Bereich, die Konkurrenz kann aber teilweise schon mit den neuen S600 Chips aufwarten und hat damit die Nase etwas weiter vorn. Dennoch kann man das Xperia Z als durchaus zeitgemäß bezeichnen, die Leistungsunterschiede werden wohl nur Power-User feststellen. Viel Aufwand hat Sony bei der Software-Ausstattung für das Xperia Z betrieben. So sind eigene Apps für Bilder, Videos und Musik an Bord. Außerdem sind einige Apps aus dem Play Store vorinstalliert. Darunter eine Notiz-, Barcode- und Antiviren-App. Leider lassen sich nur die wenigsten davon auf Wunsch wieder deinstallieren. Das wird Android-Puristen ärgern. In der Ansicht der zuletzt geöffneten Apps hat Sony eine Leiste für diverse Mini-Apps eingerichtet, die sich über den aktuellen Bildschirm legen lassen. Das erinnert an das ähnliche Konzept von Samsung, und auch hier lassen sich nur wenige dafür optimierte Apps nutzen.

Sony Xperia Z Screenshot

Besonders positiv hervorzuheben sind aber die neuen Energie-Optionen. So lassen sich im „Stamina-Modus“ die Datenverbindungen deaktivieren, sobald der Bildschirm ausgeschaltet wird. Der „Akkuschonmodus“ geht noch weiter und regelt die Bildschirmhelligkeit oder den Bildschirm-Timeout, schaltet die Vibration ab oder deaktiviert einzelne Verbindungen. Zusätzlich lassen sich diese Modi automatisch einschalten, sobald der Akkustand unter einen bestimmten Wert fällt. Noch eine Besonderheit ist der ortsbezogene Wifi-Dienst, der das WLAN Modul automatisch ein- und ausschaltet, je nachdem wo man sich gerade befindet. Was man ansonsten erst durch diverse Apps nachinstallieren müsste, liefert Sony hier in einem benutzerfreundlichen Gesamtpaket gleich mit – super!

Die Multimedia-Eigenschaften von Smartphones sind wohl inzwischen mindestens so wichtig wie deren „smarten“ Eigenschaften. Dementsprechend bietet das Xperia Z mit seinem großen Bildschirm viel Platz für Bilder, Videos und Spiele. Wenn auch mit einem etwas blassen Eindruck. Bei der Kamera hat Sony nicht gespart, satte 13 Megapixel und eine eigene „Überlegene Automatik“ sollen für überzeugende Bilder sorgen. Am Ende bleibt es allerdings – wie immer – eine Handy-Kamera. Manche Flächen überstrahlen zu stark, manche sind zu dunkel. Extreme Lichtverhältnisse sind auch hier Gift für die Bildqualität. Zugegeben handelt es sich hierbei um eine sehr gute Handy-Kamera, besonders das alte Problem Bildrauschen hat Sony gut in den Griff bekommen. Denkbar ungünstig ist die Positionierung der Kamera am linken, oberen Rand. Denn genau dort hält man schnell die Finger ins Bild, wenn das Smartphone im Querformat gehalten wird. Positiv dagegen ist, dass die Kamera nicht aus dem Gehäuse herausragt und somit nicht so anfällig für Kratzer ist.

Sony Xperia Z Kamerabild

Sony Xperia Z Kamerabild

Sony Xperia Z Kamerabild

Sony Xperia Z Screenshot

Stark und zugleich schwach präsentiert sich das Xperia Z bei der Musikwiedergabe. Der Lautsprecher des Sony ist ein kleiner Schlitz an der rechten unteren Seite, ungünstigerweise also genau dort, wo Rechtshänder das Smartphone halten. Das ist aber insofern nicht schlimm, als dass diese wohl die schlechtesten Lautsprecher sind, die wir in letzter Zeit in der Hand hatten. Damit kommt von vorneherein keine Lust auf, diese zu nutzen. Das mitgelieferte In-Ear-Headset macht vergleichsweise eine gute Figur, übersteuert aber schnell bei höheren Lautstärken. Sobald wir ernsthafte Kopfhörer einsetzen, sieht das aber zum Glück anders aus. Neben der Google Music App befindet sich auch die Sony Walkman App auf dem Xperia Z, beide liefern eine ordentliche Soundqualität ab. Bei Bluetooth-Kopfhörern sieht das wieder anders aus, hier leidet die Qualität übermäßig.

Der Qualcomm Chipsatz sorgt auch bei Spielen für ausreichend Leistung. Selbst GTA Vice City bleibt bei maximalen Grafikeinstellungen noch spielbar, wenn auch nicht ganz flüssig. Das ist ein guter Wert, wie auch die Benchmarks zeigen. An GTA knabbern noch alle mobilen Geräte. Beim Spielen im Querformat fällt das kantige Design am meisten auf, eine angenehme Haltung gibt es eigentlich nicht. Spätestens wenn viel gespielt und gesurft wird, stößt auch der Akku an seine Grenzen. 2330 mAh Kapazität entsprechen dem aktuellen Standard, mehr als ein Tag Laufzeit darf man sich nicht versprechen. Die hohe Auflösung entpuppt sich außerdem als außerordentlicher Stromfresser. Power-User sollten besser ein Ladekabel dabei haben. Ohne Sonys Energiesparfunktionen zu nutzen, kommt man bei regelmäßiger Nutzung nicht über den Tag.

Sony Xperia Z Benchmark Quadrant

Sony Xperia Z Benchmark AnTuTu

Sony Xperia Z Benchmark Vellamo HTML5

Sony Xperia Z Benchmark Vellamo Metal

Sony Xperia Z Benchmark Browsermark 2.0

Sony Xperia Z Benchmark Sunspider

Das Sony Xperia Z ist zweifelsfrei ein sehr gutes, zeitgemäßes High-End-Smartphone. Dabei gibt es aber ein paar Punkte, die unangenehm auffallen. Design ist Geschmackssache, das Sony bleibt dabei schlicht und edel und kann durchaus bei den Materialien überzeugen. Darunter leidet die Ergonomie des Xperia Z aber so stark, dass man es vor dem Kauf lieber einmal in die Hand nehmen sollte. Etwas unumstrittener dürfte der blasse Bildschirm sein, zusammen mit der geringen Blickwinkelstabilität haben wir hier eindeutig mehr erwartet. Beim Bildschirm gilt wieder einmal: Auflösung ist nicht alles. Die Pixeldichte kann durchaus überzeugen, die Konkurrenz hat aber ein besseres Bild zu bieten. Der Qualcomm S4 SoC (System on a Chip) verhält sich ähnlich. Oft verbaut hat er sich bereits bewährt und sorgt auch in Zukunft noch für gute Leistung. Dennoch gibt es im High-End Bereich mit dem Qualcomm S600 und bald S800 Chipsatz noch besseres.

Sony Xperia Z

Am Ende ist das Sony Xperia Z ein solides und wirklich schönes Smartphone, echte Begeisterung bleibt aber aus. Großer Pluspunkt bleibt das wasser- und staubdichte Gehäuse. Außerdem überzeugen die Hardware, die hohe Auflösung, die angepassten Oberflächen und Systemeinstellungen sowie eine vergleichsweise gute Kamera. Für derzeit rund 480€ (Stand 10.05.2013, idealo.de) ist das Xperia Z sogar eines der preiswerteren Flaggschiffe. Für manche mag es damit genau das richtige Gerät sein, eine allgemeine Empfehlung können wir auf der anderen Seite aber auch nicht aussprechen.


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