LibreOffice mit neuer Strategie  Bild © Document FoundationLibreOffice mit neuer Strategie (Bild © Document Foundation)

Ein modularer Ansatz für die Entwicklung

Um die Risiken zu minimieren, die mit umfangreichen Software-Abhängigkeiten verbunden sind, unterteilt die neue Strategie das Projekt in mehrere unabhängige Initiativen. Jeder Arbeitsschritt - von der Neugestaltung der Benutzeroberfläche bis hin zur Serverintegration - ist so strukturiert, dass er einen eigenständigen Wert hat, damit der Fortschritt in einem Bereich nicht durch Verzögerungen in einem anderen aufgehalten wird.

Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht das Bestreben, die Wiederverwendung von Code zu maximieren. Durch die Nutzung des bestehenden Desktop-Quellcodes für Web- und Mobilversionen sollen Kompatibilitätslücken und eingeschränkte Funktionen vermieden werden, die oft in den Webversionen kommerzieller Wettbewerber zu finden sind.

Technische Umsetzung und WebAssembly

Die technische Roadmap legt den Schwerpunkt auf die Verwendung von WebAssembly, um die LibreOffice-Engine in Webbrowsern einzusetzen. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Projekt, ein hohes Maß an Funktionalität beizubehalten, ohne dass die Software komplett neu geschrieben werden muss. Auch die mobile Entwicklung wird sich auf das Qt 6 VCL-Backend konzentrieren, um das Desktop-Erlebnis auf Android- und iOS-Plattformen zu bringen.

Um diese Clients zu ergänzen, beinhaltet die Strategie die Entwicklung eines First-Party-Dokumentenservers. Im Gegensatz zu den Cloud-Ökosystemen der großen Branchenakteure soll dieser Server leichtgewichtig und kostengünstig zu hosten sein, um eine dezentrale Landschaft kleiner Cloud-Anbieter zu fördern.

Fokus auf Nachhaltigkeit und On-Premises-Hosting

Ein wichtiger Grund für diese Strategie sind die steigenden Kosten für den Betrieb von Rechenzentren und die zunehmenden Vorschriften zur Nachhaltigkeit von Software. Durch die Verlagerung schwerer Berechnungen auf die Clientseite reduziert die vorgeschlagene Architektur den Energie- und Speicherbedarf der Serverbetreiber. Damit entspricht das Projekt internationalen Ökodesign-Prinzipien, wie z. B. dem französischen RGESN V2, was es zu einer realisierbaren Option für die Beschaffung durch Behörden und Institutionen macht.

Darüber hinaus wird in dem Vorschlag das Vor-Ort-Hosting als Hauptunterscheidungsmerkmal genannt. Während die derzeitigen Marktführer von lokalen Hosting-Optionen abgerückt sind, will LibreOffice den Nutzern und Organisationen die volle Kontrolle über ihre Daten und Infrastruktur geben.

Weg zur technischen Parität

Die Strategie trägt der Tatsache Rechnung, dass Microsoft 365 und Google Workspace zwar den Markt dominieren, ihre Webangebote aber oft die Tiefe zugunsten der Einfachheit opfern. LibreOffice will diese Lücke schließen, indem es auf allen Plattformen ein vollständiges Funktionsangebot bereitstellt.

Die Roadmap beginnt mit der Implementierung einer responsiven Benutzeroberfläche und der Stabilisierung des WebAssembly-Prototyps. Danach wird sich der Schwerpunkt auf die mobile Verteilung und die Einführung eines Client-Server-Frameworks für die gemeinsame Bearbeitung verlagern. Dieses Kollaborationsmodell wird einen einzigen maßgeblichen Status für Dokumente einrichten und ist ein notwendiger Vorläufer für fortgeschrittene Peer-to-Peer-Netzwerke.