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Fractal Design Arc XL im Test

Nachdem wir uns zuletzt verstärkt der Familie der platzsparenden ITX-Gehäuse gewidmet haben, werfen wir heute einen Blick auf den exakten Gegenspieler: einen Big-Tower. Dieser stammt aus der Feder der schwedischen Gehäuse-Schmiede Fractal Design und ordnet sich innerhalb deren Arc-Serie ein. Schon am Namen lässt sich entnehmen, dass das hier getestete Arc XL neben dem Arc Midi und dem Arc Mini als großer Bruder innerhalb dieser schlichten, auf guten Airflow bedachten Reihe anzusehen ist.

Fractal Design Arc XL - Front

Dabei geht das Fractal Design Arc XL mit durchaus eindrucksvollen Abmessungen von 232 x 572 x 552 Millimetern mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 110 Euro bereits im gehobenen Segment auf Punktejagd. Im folgenden Test wird der Big-Tower beweisen müssen, welchen Mehrwert an verfügbarem Platz und Features ein großes Gehäuse bietet und ob es in der Lage ist, mit der bravourösen Performance mitzuhalten, die das Node 304 als kleinstes Gehäuse aus dem Hause Fractal Design zuletzt bieten konnte.

Wir bedanken uns bei Fractal Design und Markensturm für die freundliche Bereitstellung unseres Testmusters.


Fractal Design Arc XL - Spezifikationen
Abmessungen 232 x 572 x 552 mm (B x H x T)
Mainboard-Formfaktor ITX, µATX, ATX, E-ATX, XL-ATX
Gewicht 13,8 kg
Erweiterungs-Slots 9
Einschübe extern 4 x 5,25“
Einschübe intern 8 x 2,5“ / 3,5“; 2 x 2,5“ (hinter Mainboardträger)
I/O-Panel HD-Audio, 2 x USB 3.0, 2 x USB 2.0
Grafikkartenlänge 330 / 480 mm (mit / ohne oberen HDD-Käfig)
CPU-Kühlerhöhe ca. 180 mm
Netzteil ATX, max. 180 / 345 mm (mit / ohne Lüfter im Boden)
Belüftung Serie 1 x 140 mm (Front), 1 x 140 mm (Heck), 1 x 140 mm (Deckel) - alle: 1000 U/Min
Belüftung maximal 2 x 120 / 140 mm (Front), 1 x 120 / 140 mm (Heck), 3 x 120 / 140 mm (Deckel), 1 x 120 / 140 mm (Boden)
Besonderheit Lüftersteuerung für drei Lüfter, Wasserkühlungs-Optionen

 

Impressionen – Außen

Im Außenbereich setzt das Fractal Design Arc XL auf eine ähnliche Linienführung und Formensprache wie die meisten Produkte der Schweden: es dominiert die Ruhe, eine schlichte Eleganz wird unter anderem durch die Front in Aluminium-Optik vermittelt. Allerdings bleibt es hier bei der Optik, denn tatsächlich kommt Kunststoff als Werkstoff zum Einsatz. Nichtsdestotrotz gibt es an der grundlegenden Verarbeitungsqualität nichts zu bemängeln; die Anbauteile an Front und Deckel sitzen ausgesprochen stabil an ihrem Platz, was zur Verwindungssteifigkeit des gesamten Chassis passt - diese ist zwar nicht überragend, jedoch auch weit davon entfernt, sich als Negativaspekt auszuwirken. Da das Arc XL im Gegensatz zu den Define-Gehäusen keine Fronttür besitzt, bleibt im Frontbereich der Blick auf die vier 5,25-Zoll-Laufwerksschächte stets frei. Auch das Frontpanel ist in diesem Bereich platziert und mit HD-Audio sowie jeweils zwei USB-2.0- und USB-3.0-Buchsen zeitgemäß ausgestattet. Zusätzlich spendiert Fractal Design seinem größten Schützling hier allerdings noch eine Lüftersteuerung, die sich durch einen kleinen Schalter mit klar definierten Raststufen für fünf, sieben und zwölf Volt bemerkbar macht.

Fractal Design Arc XL - Front-Grill

Auffällig sind darüber hinaus zwei große Mesh-Einsätze, die charakteristisch für die gesamte Arc-Familie sind. Einer von diesen befindet sich unterhalb der Laufwerkseinschübe an der Vorderseite, ein anderer zieht sich beinahe über die komplette Länge des Deckels. Fractal Design möchte dem Arc XL auf diese Weise einen guten Airflow ermöglichen und schafft vielfältige Möglichkeiten zur Montage von Ventilatoren oder Wasserkühlungs-Radiatoren. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle die Qualität des Meshs, denn trotz der Größe erleben wir eine ebene Fläche und keinerlei Aufwellungen oder ähnliches. Einen weiteren Pluspunkt stellt die werkzeugfreie Entfernbarkeit des frontseitigen Mesh-Elements dar, die eine schnelle Lüftermontage und Reinigung des integrierten Staubfilters ermöglicht. Auch der Deckel des Arc XL lässt sich unter Zuhilfenahme zweier Thumbscrews rasch demontieren.

Fractal Design Arc XL - Unten

Das linke Seitenteil wird wiederum von einem Sichtfenster, das Sicht auf den Bereich des Mainboardträgers gewährt, dominiert. In seinen Stahlrahmen ist es dabei ähnlich tadellos eingelassen, wie wir es zuletzt beim BitFenix Ronin erlebten. Auch die grundsätzliche Stabilität beider Seitenteile geht für einen Tower dieser Größe noch in Ordnung; ist beim rechten Exemplar, aus dem kein Sichtfenster ausgeschnitten wurde, sogar als sehr gut zu bezeichnen. Am Heck des Fractal Design Arc XL erleben wir keine Überraschungen; die neun Erweiterungsslots ergeben sich aus der Kompatibilität, die bis hin zu XL-ATX-Mainboards reicht. Die Unterseite kann mit einem werkzeugfrei nach hinten entnehmbaren Staubfilter überzeugen, der neben dem Netzteil auch die Lüfterposition im Boden abdeckt.

Insgesamt müssen wir dem Arc XL bis hierhin folglich attestieren, dass es dem eigenen Anspruch, ein Premiumprodukt zu sein, zumindest im Außenbereich gerecht wird. Dies liegt selbstverständlich nicht allein an der edlen Optik des Big-Towers, sondern insbesondere an den aufgezählten funktionalen und qualitativen Aspekten, die bis ins Detail überzeugen können. Ob sich dieser Eindruck im Innenraum bestätigt, ermitteln wir auf der folgenden Seite.

Wie aufgrund der Außenmaße von 232 x 572 x 552 Millimetern nicht anders zu erwarten, präsentiert sich der Innenraum des Arc XL hinsichtlich seines Platzangebots sehr großzügig. An erster Stelle ist hierbei der ausladende Mainboardträger zu nennen, der selbst von den Mainboard-Übergrößen E-ATX und XL-ATX nicht vor Probleme gestellt wird. Um diesen herum gruppieren sich insgesamt sieben Kabeldurchführungen, die allesamt von Gummieinsätzen geschützt werden. Vorteilhaft zu vermerken ist, dass Fractal Design hier eine Durchführung so einrückt, dass auch bei kleineren ATX-Platinen ein optimales Kabelmanagement möglich ist.

Fractal Design Arc XL - Offen

Eine Besonderheit stellt im Arc XL die hohe Variabilität bei der Festplattenmontage dar: Maximal lassen sich bis zu acht Laufwerke im 2,5- oder 3,5-Zoll-Format in einem Festplattenträger unterbringen, der in zwei Module geteilt ist. Das obere Segment lässt sich hierbei nicht nur durch das Herausdrehen zweier Thumbscrews entfernen, was die maximale Grafikkartenlänge erhöht; sondern wahlweise auch längs oder quer zum Luftstrom ausrichten, um den jeweils idealen Kompromiss aus Kühlleistung und leichter Erreichbarkeit der Laufwerke zu erlangen. Das Neuausrichten des unteren Abteils ist hingegen nur unter Zuhilfenahme eines Schraubenziehers möglich; hier ist dafür neben einer Rotation um 90 Grad auch in zwei Stufen ein Verschieben in Richtung des Netzteils möglich, um eine Radiatormontage am vorderen Lüfterträger zu realisieren. Zwei weitere Montagebuchten, die diesmal ausschließlich der 2,5-Zoll-Zunft vorbehalten sind, befinden sich an der Rückseite des Mainboard-Trägers.

Der angesprochene Radiator selbst darf im Frontbereich dem 240-mm-Format entsprechen und maximal 11 Zentimeter dick sein, was selbst für leistungsfähige Modelle inklusive zusätzlicher Lüfter ausreicht. Der Einbau eines ebensolchen Wärmetauschers ist weiterhin im Deckel möglich, wobei sich hier alternativ auch ein 280- oder 360-mm-Slim-Radiator befestigen lässt. Abschließend können Boden (120 mm) und Heck (140 oder 120 mm) jeweils noch einen weiteren Radiator aufnehmen, weshalb wir dem Arc XL eine außergewöhnliche Tauglichkeit für Wasserkühlungen bestätigen können. Die Netzteilmontage erfolgt darüber hinaus nicht nur, wie es mittlerweile bei den meisten Gehäusen an der Tagesordnung ist, vom Boden entkoppelt, sondern durch ein Zwischenstück aus Schaumstoff auch vom Heck - ein weiteres Detail, das den Premiumanspruch unterstreicht.

Somit bleibt nach dem Blick ins Interieur des Fractal Design Arc XL festzuhalten, dass sich der hochwertige Eindruck des Außenbereichs nahtlos hierhin überträgt. Das überdurchschnittliche Platzangebot überrascht für einen Big-Tower dabei noch am wenigsten, viel mehr weiß der Schwede durch seine Variabilität hinsichtlich der Festplatten- und Wasserkühlungs-Kompatibilität zu überzeugen. Erwähnenswert ist auch die hohe Qualität der Lackierung, die innen wie außen gleichmäßig ausfällt und durch ihre extreme Kratzfestigkeit zu überzeugen weiß.

Werfen wir vorab einen Blick auf den Lieferumfang des Arc XL: Dieser gestaltet sich mit den benötigten Schrauben, sechs Kabelbindern sowie einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung, welche die Eigenschaften des Gehäuses knapp in Text und Bild erläutert, zwar zweckmäßig, aber auch knapp. So vermissen wir etwa Zubehör wie einen Einbaurahmen für externe 3,5-Zoll-Laufwerke, die sich im Arc XL aufgrunddessen nur mit zusätzlich zu erwerbenden Adaptern verwenden lassen. Ein feines Detail ist dagegen das beiliegende Tool, mit Hilfe dessen sich die Mainboard-Abstandshalter komfortabler verschrauben lassen.

Fractal Design Arc XL - HDD-Montage

Wie wir beim nächsten Arbeitsschritt feststellen, ist dieses Werkzeug jedoch auch bitter nötig. Unser Arc XL leidet nämlich an einer typischen “Fractal Design”-Krankheit: den offenbar überlackierten Gewinden, die wir zuletzt schon beim Node 304 feststellen konnten. Nur von Hand lassen sich die Abstandshalter folglich kaum eindrehen, unter Zuhilfenahme des Tools sowie eines Schraubenziehers gelingt dies jedoch einigermaßen problemlos. Der weitere Einbau von Mainboard, Grafikkarte und Netzteil erfolgt aufgrund des komfortablen Platzangebots dagegen ohne Komplikationen. Da Fractal Design sämtlichen Laufwerksschächten kein Schnellverschlusssystem vorsieht, erfordert dieser Montageschritt etwas mehr Zeit, als dies bei Konkurrenzmodellen womöglich der Fall wäre.

Im Gegenzug sitzen Festplatten und SSDs am Ende sehr sicher an ihrem Platz, wobei dies bei 3,5-Zoll-Hardware aufgrund von jeweils vier Gummi-Zwischenstücken sogar entkoppelt der Fall ist. Wer den Fesplattenträgern - beispielsweise für Transporte seines Systems - einen besonders stabilen Halt verpassen will, erhält vom Arc XL darüber hinaus die Möglichkeit, jeden der acht Festplatteneinschübe im Frontbereich zusätzlich durch eine Schraube an seinen Rahmen zu koppeln. Im normalen Betrieb zu Hause ist dies jedoch nicht erforderlich, da die Toleranzen gering ausfallen; sich die Laufwerksträger also auch “freischwebend” sicher an ihrem Platz befinden.

Mit einem Zwischenraum von etwa 28 Millimetern bietet das Fractal Design Arc XL überdurchschnittlich viel Platz zum unauffälligen Verlegen der Kabelstränge und setzt in unserem Ranking zugleich knapp eine neue Bestmarke. Daher können wir bezüglich der Verkabelung unserer Hardware nicht von Problemen berichten. Trotz des Big-Tower-Formats fällt die Kabellänge der von uns überprüften Modelle be quiet! L8-CM-430 sowie Seasonic X-560 währenddessen stets ausreichend aus, was nie den Wunsch nach etwaigen Verlängerungen aufkommen lässt.

Abstand zwischen Mainboardträger und Seitenteil
BitFenix Ronin 22 Millimeter
Corsair Carbide 400R 27 Millimeter
Corsair Obsidian 550D 20 Millimeter
Fractal Design Arc XL 28 Millimeter
Fractal Design Define R4 22 Millimeter

 

Der Eindruck, den das Fractal Design Arc XL im laufenden Betrieb hinterlässt, hängt maßgeblich von der gewählten Lüfterspannung ab. Entscheidet man sich für die niedrigste Regelstufe von fünf Volt, rotieren die drei Vertreter aus Fractal Designs hauseigener Silent R2-Serie derart leise vor sich hin, dass sie sich aus einer herkömmlichen Arbeitsentfernung bei einem unter dem Schreibtisch positionierten Gehäuse akustisch kaum mehr ausmachen lassen. Etwas Schatten werfen jedoch die höheren Betriebsspannungen: Wählt man den Mittelweg von sieben Volt, bewegen sich die Geräusche des eigentlichen Luftstroms zwar subjektiv noch auf einem angenehmen Niveau, doch emittiert der Lüfter im Deckel nun nicht zu überhörende Nebengeräusche.

Fractal Design Arc XL - Hardware

Diese lassen sich am ehesten als Brummen charakterisieren und sind augenscheinlich nicht auf einen schlicht defekten Lüfter - sprich einen Einzelfall - zurückzuführen. Viel mehr scheint dem 140-mm-Silent-R2 die hängende Ausrichtung des Lüfterrades nicht zu bekommen. Da sich das beschriebene Brummen nach dem Wechsel auf die Maximalspannung von zwölf Volt abermals verstärkt und auch das Luftrauschen akustisch sehr in den Vordergrund tritt, können wir diese Einstellung für den Dauerbetrieb nicht empfehlen. Insgesamt hätte dem Arc XL eine etwas höherwertige Lüfterbestückung gut zu Gesicht gestanden.

Da sich nichtsdestotrotz auch aktuelle Gaming-Systeme, in unserem Falle ein AMD A10-6700 sowie eine PowerColor Radeon HD7870 Vortex II, mit der mit der minimalen Regelstufe unterhalb ihrer Temperatur-Grenzwerte betreiben lassen, ist die vorgetragene Kritik nicht überzubewerten. Ein Austausch der Serienebelüftung ist für einen unproblematischen und angenehmen Betrieb am heimischen Arbeitsplatz nämlich ausdrücklich nicht vonnöten. Als gänzlich unproblematisch können wir dagegen die von Fractal Design vorgenommenen Entkopplungsmaßnahmen bei Festplatten und Netzteil titulieren, denn eine Vibrations- übertragung auf das Chassis findet praktisch kaum statt und verursacht daher keinerlei Lärmbelastung.

Fractal Design Arc XL - Front Detail

Fractal Design Arc XL - Award

Zusammenfassend liefert Fractal Design mit dem Arc XL nicht nur ein überdurchschnittlich großes, sondern auch ein überdurchschnittlich gutes Gehäuse. Besonders in Details gelingt es dem skandinavischen Big-Tower dabei zu punkten, beispielsweise durch die mitgelieferte Lüftersteuerung, die zusätzlichen SSD-Mountings oder die sehr variablen Festplattenkäfige. Letztere ermöglichen nicht nur die Montage von bis zu acht Laufwerken, sondern eröffnen darüber hinaus vielfältige Optionen, eine interne Wasserkühlung zu verwenden.

Doch gänzlich ohne Kritik kann sich das Arc XL nicht durch unseren Testparcours hangeln, da Fractal Design sich in puncto Lieferumfang ein wenig zu geizig gibt. Wir vermissen hier insbesondere eine Laufwerksblende, die etwa die Verwendung eines Kartenlesers ermöglichen würde und eigentlich zum guten “Ausstattungs-Ton” gehört. Auch wäre es für den Hersteller wohl ein Leichtes gewesen, der Lüftersteuerung noch einige zusätzliche 3-Pin-Anschlüsse zu spendieren, denn so ist diese mit der werksseitig montierten Belüftung bereits ausgelastet. Die drei Lüfter selbst hinterlassen dabei einen zwiegespaltenen Eindruck: Auf einer Betriebsspannung von fünf Volt präsentieren sie sich sehr leise und generieren auch für leistungsfähige Systeme eine völlig ausreichende Kühlleistung, doch bei höheren Spannungen stören bisweilen Nebengeräusche der Lager.

Bleibt noch der Blick auf den Preis: Im Geizhals-Preisvergleich taucht das Arc XL aktuell ab knapp über 90 Euro auf, was für ein Gehäuse mit einem derart großzügigen Platzangebot und der gegebenen Quailität angemessen ist. Da das Arc XL über weiteste Strecken durchaus zu gefallen weiß und Kritikpunkte zwar vorhanden sind, sich jedoch lediglich auf kleinere Details beziehen, kommen wir insgesamt auf eine Wertung von 90 Prozent.


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