Games Testbericht Rollenspiel Games Testbericht

Tiefe Gewässer? Risen 2: Dark Waters im Test

Piranha Bytes ist wohl eine der bekanntesten deutschen Rollenspielschmieden. Die Gothic-Reihe erreichte bei den Fans Kultstatus und man hoffte seit Gothic 3 auf ein regelrechtes "Comeback" des Programmierers im Genre. Drei Jahre später kam dann die große Hoffnung der Community: Risen. Doch auch wenn das Spiel meist als "gut" gehandelt wurde, reichte es dennoch nicht an die Genialität der ersten beiden Gothic Teile heran. Das Kampfsystem, die Dramaturgie und noch einiges mehr ließen den Spielspaß deutlich leiden. In Sachen Bugs konnte man jedoch punkten – denn Risen war das erste Spiel der Essener mit nahezu keinen Spielfehlern. Nun erwartete man sehnsüchtig einen Nachfolger. Dieser erschien vor Kurzem und sollte einige Probleme beheben, wie es ein Nachfolger auch tun soll. Es stellt sich nur die Frage: Wird das der Softwareschmiede gelingen? Schon vor der Veröffentlichung erfuhren wir, dass es sich nun mehr um die Welt der Piraten drehen soll. Auch die aus Teil 1 bekannten Gnome sollen eine wichtigere Rolle für die Story spielen. An sich klingt all dies sehr erfolgversprechend und die Tatsache, dass man bereits vor fast zehn Jahren Erfahrung als Pirat in Gothic 2 sammelte, lässt die Community auf einen Erfolg hoffen und dieser scheint auch schon fast sicher angesichts der Vorankündigungen.

Altersfreigabe Gemäß § 14 JuSchG ist ''Risen 2: Dark Waters" in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben

Systemanforderungen

Hierbei handelt es sich um die Mindestanforderungen:

Risen 2 Dark Waters Review

  • Betriebssystem: Windows XP Service Pack 2
  • Software: Steam Client
  • Prozessor: Dual Core mit 2,1 GHz
  • Speicher: 2 GB System-RAM
  • Festplatte: 5,5 GB freier Festplattenspeicher
  • Grafikspeicher: 512 MB
  • Grafikkarte: Radeon 3870 / GeForce 8800 GTX
  • DirectX: DirectX 9.1c oder höher
  • Soundkarte: DirectX-kompatibel
  • Tastatur/Maus oder Gamepad erforderlich
  • Internetverbindung zur Online-Aktivierung

Testsystem

Das Spiel lief mit den hohen Grafikdetails bei einer Auflösung von 1280 * 1024 Pixeln im Schnitt mit 45 FPS flüssig auf unserem Testsystem:

  • Windows 7 Home Premium
  • AMD Phenom II X4 B40 übertaktet auf 3,3 GHz
  • 8 GB DDR3 RAM
  • ATI Radeon HD 5870 1GB

Risen 2 Dark Waters Review

Zehn Jahre nach dem Geschehen in Risen schlüpft man erneut in die Rolle des namenlosen Helden. Man ist zu Beginn Mitglied der Inquisition und im Rang eines Leutnants auf der Insel Caldera tätig – zumindest sollte man dies sein. Denn der Titanenbekämpfer aus Teil 1 wurde zu einem jämmerlichen Säufer. Doch als eines Tages ein Schiff Caldera ansteuert und von einem riesigen Kraken zerstört wird, soll man den Strand nach Überlebenden absuchen und der Held ist - selbstverständlich - sofort bereit diesen Job zu übernehmen. Während man nun den Strand absucht, trifft man sofort auf eine alte Bekannte: Patty. Nachdem man die erste Quest hat, erfährt man worum es sich im weiteren Spielverlauf drehen soll. Die Inquisition hat einen neuen Feind – Mara. Mara kontrolliert die Meere mithilfe eines Riesenkraken und dieser Kraken zerstört alles, was Mara im Weg ist. Und im Weg ist ihr viel: die Inquisition selbst und natürlich auch die Piraten. Zumindest die meisten. Das Ziel ist nun klar: Man muss Mara töten, um wieder Ruhe in die Welt zu bringen. Doch wie soll man das anstellen?

Risen 2 Dark Waters Review

Ganz einfach – wir brauchen ein mächtiges Artefakt um sie zu beseitigen. Patty unterbreitet einem auch direkt einen Vorschlag, welcher einen in den weiteren Spielverlauf entlässt. Sie hilft einem das Artefakt zu finden, im Gegenzug müssen wir ihr helfen ihren Vater – Kapitän Stahlbart – zu finden. Gesagt getan. Nach einer Absprache mit dem Kommandanten wird man nun als „verdeckter Ermittler“ losgeschickt, um sich unter die Piraten zu mischen. Erstes Ziel stellt dabei die Insel Takarigua dar. Ist man nun auf dem „karibischen Traum“ gelandet, erhält man eine grundlegende Einführung in das Gameplay und führt einige Quests aus, um den Spielverlauf voranzutreiben. Soweit so gut sollte man denken. Doch bereits nach diesem kurzen Stück fehlt einem das gewisse Etwas im Spiel. Mara ist viel mehr ein Name und nicht der Inbegriff von Angst und Schrecken, wie man es z.B. vom Schläfer oder den mystischen Drachen von Khorinis kannte. Auch bleiben fast alle Charaktere sehr oberflächlich, der eigene mit eingeschlossen. Denn der nach zehn Jahren zum Trinker mutierte Held ist in keiner Weise verbittert, voller alter Weisheit oder Sonstiges. Er ist nach wie vor voller Tatendrang und man kommt sich wie in der Zeit zurückversetzt vor, als wäre man schon wieder der Wasserträger der Großen – dabei müsste man doch eigentlich selbst ein Großer sein? Und was trieb der Charakter in den zehn vergangenen Jahren? Man hinterlässt hier eine große Grauzone, welche eigentlich großes Potential für Charaktereinschnitte bietet. Auch wenn etwas mehr Spielzeit nicht geschadet hätte und dies vor allem angesichts des Anfangsszenarios kein Problem gewesen wäre, stellt sie mit 30 Stunden einen akzeptablen Wert dar.

Wie bereits erwähnt, erhält man auf der Insel Takarigua eine Einführung in so gut wie alle Gebiete des Gameplay. Was einen bereits vor der Einführung auffällt, sind – selbstverständlich – die Dialoge und insbesondere die damit verbundene Wortwahl. Dies ist nämlich, wie von Piranha Bytes gewohnt sehr rau und passt sehr gut auf das Leben eines Piraten. Man erkennt auf Anhieb, ob das Gegenüber ein wahrer Seebär ist mit harten Ausdrücken oder doch nur ein Weichei mit wenig eindrucksvollen Sprüchen. Kurz danach kommt auch eines der neuen Features: Partner. Von Anfang an zählt die Piratentochter Patty zu unserer Crew und im weiteren Spielverlauf lernt der Held immer mehr Personen kennen, welche sich einem anschließen können. Anschließen – wozu? Wie es zu erwarten war, erhält man im Spiel ein Schiff, mit dem man nach Bestehen der Einführung selbst bestimmen kann, wohin der Kurs gehen soll. So hat man die Möglichkeit sämtliche Inseln – nach deren Freischaltung – anzusteuern, um dort die Story fortzusetzen. Auch implementierte man ein "Schatzsystem", mit dem man Schätze suchen kann, welche mit reichlich Gold bestückt sind. Zudem baute man einige neue Minispiele mit ein, u.a. Wettsaufen und Wettschießen. Auch hier hatte man so gut wie immer seinen Spaß. Eine gute Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger stellen auch – endlich – neue Texturen für NPCs dar. Es sieht nicht jede dritte Person gleich aus und auch die Frauen kann man nun unterscheiden. Entsprechend fällt es einem auch leicht, für die zahlreich vorhandenen Quests die Auftraggeber zu differenzieren. Denn an mangelnder Arbeit kann man sich nicht beklagen. Risen 2 Dark Waters Review Es gibt ausgewogen viele Nebenquests, welche eine gute Abwechslung zum Hauptstrang des Spiels darstellen. Auch führen sie einen durch die sehr schön gestaltete Welt von Risen 2. Man startet kurz auf dem düsteren Caldera und kommt danach direkt auf die tropische Insel Takarigua. Zumindest diese ersten beiden Inseln bieten Abwechslung: Denn mehr Vielfalt gibt es nicht. Alle folgenden Inseln bzw. Küstenabschnitte sind ähnlich wie Takarigua gestrickt: viel tropischer Dschungel. Der Flair der Tropen ist zwar in den ersten Spielstunden nett, doch nach 20 oder gar 30 Stunden Spieldauer wird dies einfach nur noch öde und langweilig. Gleiches gilt für die Monster, die einem begegnen. Diese bleiben im Großen und Ganzen immer die Gleichen.

Auch das Herstellen von verschiedenen Items,wie Schwerter, Tränke etc., ist weniger ansprechend gestaltet als wir es von Piranha Bytes kennen. Es fehlt hier einfach an Tiefgang: Bis auf einige wenige antike Schwerter, welche man zusammensetzen kann bzw. das Brauen von – so gut wie – sinnlosen Tränken gibt das Spiel nicht viel her. Auch Amulette, Ringe etc. muss man nicht zwingendermaßen selbst herstellen, das direkte Kaufen ist meist nicht viel teurer. Dennoch kann man es als akzeptabel betrachten denn schaut man nur auf Arcania weiß man, dass es hätte noch schlimmer kommen können. Risen 2 Dark Waters Review Äußerst negativ aufgefallen ist hingegen das Diebesleben. Bis auf einige Male „Taschendiebstahl“ klicken kann man in Risen 2 nicht viel tun, denn auch das Knacken von Truhen ist keine Herausforderung. Schade eigentlich, in Risen waren die Möglichkeiten schon deutlich besser als im Nachfolger. Genauso einfallslos ist das Kampfsystem gestaltet. Vom Säbelrasseln ist hier keine Spur, viel mehr findet man sich in einem unendlichen Geklicke wieder, was aber wohl auch in den immer wiederkehrenden Gegnertypen begründet liegt. Einzig die schmutzigen Tricks brachten hier mal einen frischen Wind rein, denn die Musketen, Pistolen oder Bomben führen genau wie ein klassischer Schwertkampf nur zu einer Klickschlacht. Das neue Skillsystem kann man ebenfalls als einen der weniger gelungenen Parts des Spiels betrachten. Das Blut – die Lebenspunkte – steigern sich nicht mehr, sondern man kann mithilfe von Ruhm – Erfahrungspunkten – seine Einzelfähigkeiten steigen. Die da wären: Nahkampf, Fernkampf, Härte, Gerissenheit und Voodoo. Störend daran ist, dass man mit dem Erhöhen von Nahkampf sämtliche Nahkampfskills beeinflusst und nicht einzeln, z.B. die Stichwaffenfähigkeiten, steigern kann. Ebenso ist das Lernen von einem Lehrer nun viel mehr eine Geldsache, denn bereits für die kleinsten Tricks verlangen die NPCs bereits am Anfang massenweise Gold. Positiv jedoch fallen die kleinen Gimmicks auf, wie etwa ein dressiertes Äffchen, welches für einen Items stehlen kann oder eine Voodoopuppe, mit der man so gut wie immer einen alternativen Weg aufgezeigt bekommt. Risen 2 Dark Waters Review Auf Positives folgt jedoch direkt wieder Negatives: Man hat das Springen erneuert. Das wurde dabei jedoch auf eine eigentümliche Weise gelöst. Denn steht man vor einer Mauer, auf welche man nicht springen soll, so springt der Held gefühlt 10 cm hoch, steht man jedoch vor einer für das Klettern programmierten Klippen – welche zudem eindeutige Wegweiser sind, da an ihrer Spitze meist eine Schatztruhe wartet – überwindet der Charakter teils auch 3 Meter hohe Wände.

Risen 2 Dark Waters Review

Es gibt noch zahlreiche weitere, kleinere Kritikpunkte am Gameplay. Einer davon ist, dass man nicht mehr auf gebratenes Fleisch oder Brot zurückgreift, sondern auf Proviant. Brät man Fleisch oder findet man Karotten, so wird dies immer zu Proviant. Zwar ist dieses „Zusammenschmeißen“ völlig belanglos für den Spielverlauf, dennoch war eine Differenzierung der Nahrungsmittel nicht verkehrt, weshalb man dies nun auflöst, ist uns unklar. Genauso werden NPCs kaum wütend, selbst wenn man sich mit ihnen geprügelt hat, ist dies nach einigen wenigen Stunden verflogen und insbesondere dies kannte man aus Gothic deutlich besser und vor allem realistischer. Mindestens genau so fragwürdig erscheint das Fehlen von Teleportzaubern und das Einführen vom „Schnellen Reisen“, da der Teleport schon seit jeher etwas ganz typisches für Piranha Bytes darstellte. Insgesamt war das Gameplay etwas enttäuschend, lieferte jedoch ein recht stimmiges und durchaus spielbares Gesamtpaket ab, auch wenn es im Vergleich zu Risen zurückstecken muss.

Risen 2 Dark Waters Review

Entgegen all den Kritikpunkten an Gameplay und Story, lieferte man in Sachen Grafik ein rundes Gesamtpaket ab. Denn den tropischen Flair der Inseln kann man gut vermitteln. Zumindest fühlt man sich schon mitten im Karibik-Urlaub – wäre da nur nicht die ständig drohende Gefahr von Monstern im Nacken. Nimmt man sich jedoch einmal Zeit, nachdem man Dutzende Viecher zur Strecke gebracht hat und blickt in ein Dschungeltal oder genießt den Sonnenuntergang am Strand, so lässt dies einen zumindest für einen kurzen Moment aufatmen. Auch der Charakter selbst ist schön anzusehen. Denn egal ob der musketentragende Inquisitor, der schwertkämpfende Dieb oder der Voodoohexer – er passt in die Landschaft und auch mit einem Seidenhemd fügt sich der Held gut in die Landschaft ein. Auch in Hinsicht der Hardwareanforderungen kann man nicht klagen. Denn selbst mit etwas schwächerer Hardware bekommt man hier was Ordentliches dargestellt für das Rollenspielgenre.

Risen 2 Dark Waters Review

Nicht positiv sticht diesmal jedoch die Musik heraus. Denn auch wenn das Gefiedel anfangs noch gut zu passen scheint, so wandelt es sich während des Spielverlaufs nicht merklich. Immer dasselbe Gedudel liegt einem im Ohr. Nur gut dass hier kein Ohrwurmfaktor, wie in älteren Titeln der Softwareschmiede besteht – nach dem Ausschalten des Spiels ist man den Ton dann nämlich los. Positiv in Sachen des Sounds fiel jedoch die deutsche Synchronisation auf. Hier kann man nichts kritisieren.

Risen 2 Dark Waters Review

Wem kann man Risen 2: Dark Water empfehlen wäre nun wohl die Frage, die sich stellt. Insgesamt bleibt zu sagen, dass das Spiel eher eine Enttäuschung, als die Erfüllung unserer Hoffnungen war. Denn auch wenn man mit einer guten Grafik punkten kann, steht dem direkt eine mangelnde Spielmusik gegenüber. Risen 2 Dark Waters Review Auch die in Sachen Dramaturgie eher flache Story, ist kein Pluspunkt für das Spiel. Daran ändert auch die umfangreiche Anzahl an Quests nichts. Und so könnte man die Serie auch fortsetzen, denn auf etwas Positives kommt meist mindestens ein negativer Aspekt. Anfangs machte das Spiel einen sehr guten Eindruck, man hatte richtig Lust weiter zu reisen, um die Welt zu entdecken. Doch der Spielspaß wurde schnell ausgebremst, als man bemerkte, dass man sich immer wieder in Dschungel, Dschungel und noch mehr Dschungel wiederfindet.

Aber zumindest manch ein Dialog brachte einen zum Schmunzeln. Entsprechend fällt auch unsere Beurteilung aus. Man vermisst das ganze Spiel über ein richtiges Feeling und es sollte sich nur derjenige an das Spiel heranwagen, wer sich wirklich als Fan der Gothicreihe bzw. des ersten Risen bezeichnet. Denn Spieler, die schon im ersten Teil eher Langeweile denn Spielspaß erfuhren, werden mit diesem Titel höchstwahrscheinlich sehr unglücklich.

Quelle: PCMasters

Welovetech