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RX 5600 XT im Kompaktformat mit ordentlich Leistung

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX im Test

Für Nutzer, die ein ITX-System bauen möchte, das auch mit einer spieletauglichen Grafikkarte bestückt werden soll, gibt es mit der Radeon RX 5600 XT ITX von PowerColor neuerdings eine spannende Option auf dem Markt. Was die sehr schlicht aussehende Karte in Sachen Leistung, Wärmeentwicklung, Geräuschpegel und Kühlung zu bieten hat, möchten wir in unserem detaillierten Test klären.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Testbericht

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX im Detail

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX GPUz Mit einer Länge von 175 mm zählt die Radeon RX 5600 XT ITX auf jeden Fall zu den kleineren Grafikkarten auf Markt. Unter der Haube steckt ein vollwertiger Navi 10 XLE Chip, wie es sich für eine RX 5600 XT gehört. Die in 7 nm gefertigte GPU basiert auf AMD’s RDNA 1.0 Architektur und wird mit 2.304 Shadereinheiten, 144 MTUs und 64 ROPs bestückt. Die Karte taktet sich nach Bedarf hoch und runter, wobei der Basistakt 1.130 MHz beträgt und der Boost zwischen 1.560 und 1.620 MHz variiert. Als Speicher wird auf 6 GB GDDR6 gesetzt, mit 1.750 MHz Takt. Die Speicherbandbreite beträgt 192bit und daraus resultiert ein Durchsatz von 336GB/s.

Die Karte unterstützt nativ PCI-Express in der 4. Generation, auch wenn wir auf Gen 3 testen. Die GPU selbst ist nicht markiert und weist keinerlei Informationen auf dem Package auf. Nur der Rahmen hält einige Infos parat, wie die Nummer 215-0917338, an der man die RX 5600 XT erkennt.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX PCB-Front

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX GDDR6 Micron 9YA77-D9WCWT Die Karte soll laut AMD-Referenz eine TDP von 160 Watt erreichen. Gespeist wird sie über nur einen zusätzlichen 8-pin-PCIe-Stromstecker. Bei einem Blick auf das PCB, sieht man den Stromversorgungsaufbau mit sieben Phasen mit DA21232 Mosfets und vier weitere mit ON Semiconductor NCP302045 (0AA193B) Mosfets, die wohl für den GDDR6 Speicher genutzt werden. Von acht möglichen GDDR6-Chips sind sechs verbaut worden. Bei den Chips greift PowerColor zu Micron Chips mit der Bezeichnung 9YA77 D9WCW.

PowerColor Radeon RX 5600 XT axrx-5600-itx-6gbd6-2dh

Design und Anschlüsse

Schaut man sich die Karte nur von außen an, erscheint sie unauffällig. Die Plastikabdeckung verbirgt den Kühler und man würde einen einfachen Alublock darunter erwarten. Doch das ist nicht der Fall. An dem Kühler ist keineswegs gespart worden, denn aktuelle Mittel- und High-End-Grafikakrten entwickelt unter Volllast ordentlich Abwärme. Der 90-mm-Axiallüfter soll die Wärme vom Kühler und der Karte wegleiten. Im Kühlsegment des Tests gehen wir genauer auf den Lüfter und den Kühlkörper ein. Der Kühler hält die 2-Slot-Vorgabe ein und soll so für höchste Kompatibilität sorgen.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Anschlüsse

Die IO-Blende ist mit diversen Luftschlitzen versehen, um die warme Luft nach außen zu drücken. Anschlussseitig bietet die Karte einen HDMI 2.0b und zwei DisplayPort 1.4 Buchsen. Die großen RX 5600 XT Karten sind meist mit vier Anschlüssen bestückt, jedoch sollten die drei vorhandenen auch für die meisten Szenarien ausreichen.

Spezifikationen:

AMD Radeon RX 5600 XT
PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX
Chip
Navi 10 XLE Chip (215-0917338)
Shadereinheiten
2.304
Chiptakt (Stock)
1.130 MHz
Chiptakt (Boost)
1.560-1.620 MHz
Verbruach
160 Watt
Vertigung
7 nm
Blockierte Slots
2
Speichergröße
6 GB GDDR6
Speichertakt
1.750 MHz
Speicherinterface
192 bit
Speicherbandbreite
336 GB/s
Lüfter
2
1 x 90 mm
PCI-Express
4.0 x16
PCIe Stromstecker
1/2x 8-Pin PCIe
1x 8-Pin PCIe
RGB-Beleuchutng
Nein
Unterstützte APIs
DirectX 12, Vulkan ,Shader Modell 6.4, OpenCL, OpenGL
Preis
Stand: 17.05.2020
n/a
335 €

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Verpackung

Lieferumfang

Die Radeon RX 5600 XT ITX wird in einem für PowerColor typischen Umkarton geliefert. Dieser ist sehr groß ausgefallen, denn man erwartet eine große Karte darin und findet im oberen Bereich eine kleine Grafikkarte vor. Man hätte hier die Karte besser mittig rein setzen sollen, um mehr Schutz zu bieten, denn genug Platz ist allemal vorhanden. Im Lieferumfang befindet sich ein Handbuch und eine Treiber-CD. Letztere sind heutzutage sehr rar geworden, weil man die neuesten Treiber meist aus dem Internet zieht. Im Falle von Windows 10, wird das direkt vom Betriebssystem erledigt. Damit gibt es keine großen Überraschungen und der Lieferumfang fällt erwartungsgemäß aus. Ein PCIe-Stromadapter auf 4-Pin-Molex ist nicht mehr zeitgemäß, weshalb wir diesen nicht vermissen.

Wir haben unser Testmuster der Grafikkarte von PowerColor erhalten. Die Bereitstellung hatte keinen Einfluss auf die Bewertung und Objektivität des Tests genommen.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX im ITX Gehäuse

Übertaktung mit AMD Software

Für die Benchmarks haben wir die Karte einmal im Werkszustand über den Benchmark-Parcours laufen lassen und ein weiteres Mal mit Übertaktung. Man würde der Radeon RX 5600 XT ITX nicht zutrauen, dass sie noch Reserven für Übertaktung aufweist, doch der Schein trügt.

Bei AMD Grafikkarten variiert der GPU-Takt je nach Anwendung und Last stark. Der Algorithmus, der für die Anpassung des Taktes zuständig ist, enstcheidet es anhand vieler Parameter. Die Taktraten springen bei manchen Anwendung sehr stark hoch und runter, weshalb man auch diesen sehr hohen Bereich beim Boost-Takt vorfindet. Hier spielen die Temperaturen natürlich eine wichtige Rolle, weshalb man sein System auch ausreichend belüften sollte.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX OC

Zur Übertaktung haben wir die AMD Radeon Software verwendet. Unter dem Reiter Performance, kann man die einzelnen Parameter tunen. Hier gibt es auch eine Auto-Tune Funktion, die den optimalen Takt ermittelt, aber der bezieht sich nur auf RAM oder GPU. Wenn man mehr will, muss man alles manuell per Hand anf´passen. Den GPU Boost haben wir von 1.620 auf 1.830 MHz angehoben und den Takt des GDDR6-Speichers von 1.750 auf 1850 MHz. Bei der GPU entspricht die Steigerung ca. 13% und beim Speicher sind es ca. 5,7%. Die Steigerung ist ordentlich, spiegelt sich aber nicht bei allen Benchmarks als solche wieder. Das liegt daran, dass die GPU selbst entscheidet, wie sie bei den einzelnen Anwendungen taktet und man selbst setzt lediglich die obere Grenze. Beim Speicher handelt es sich zum Glück um einen festen Wert.

Das Testsystem

Die Tests werden erneut in unserem ITX-Testsystem durchgeführt. Der Aufbau sieht wie folgt aus:

  • CPU: AMD Ryzen 5 2600 @ 3,7GHz 1,27850v
  • Mainboard: Asrock AB350 Gaming-ITX/ac
  • SSD: Samsung SSD 840 PRO 256 GB, Samsung 850 EVO 500 GB
  • m.2 SSD: Samsung 970 Evo MZ-V7E250BW 250 GB
  • RAM: Patriot Viper 4 16GB Kit, DDR4-3000, CL16-16-16-36 (PV416G300C6K)
  • CPU-Kühler: CRYORIG C7
  • Netzteil: Corsair SF 450 80+ Gold mit 450 Watt
  • Lüfter: 1 x 80 mm Lüfter
  • Gehäuse: Kolink Rocket

Synthetische Benchmarks

Bei Time Spy setzt sich die Radeon RX 5600 XT ITX vor der RTX 2060 und auch OC bringt eine kleine Verbesserung.

In Fire Strike Ultra gibt es einen großen Vorsprung zur RTX 2060 und auch die Übertaktung zeigt hier eine größere Wirkung. Bei Fire Strike Extreme und Standard sinkt der Abstand.

Unigine Superposition 1080p Extreme

Im Superposition Benchmark sieht man durch OC keinen Vorteil und die RTX 2060 hat hier einen klaren Vorsprung.

Unigine Valley Preset "Extreme HD"

Bei Valley liegen die Karten gleich auf, wobei die Übertaktung keinen positiven Effekt auf die Leistung hat.

Geekbench OpenCL

Bei der rohen Compute-Leistung zeigt sich ein klarer Vorteil der RX 5600 XT Karte. Auch die Übertaktung setzt hier positiv ein und bringt 7.984 Punkte extra.

VR Benchmarks

Die PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX wird als VR Ready Premium auf der Herstellerseite beworben. Der rohen Leistung nach zu urteilen, sollte das auch locker reichen für VR Spiele, denn diese sind oft sehr gut optimiert. Viele Spiele setzten anstatt hoher Details auf Ambiente zu Gunsten von hohen FPS. Darum sollte sich die Karte durchaus auch für die AAA Titel wie Half Life: Alyx gut eignen, der zu den derzeit aufwendigsten VR-Titel zählt.

In den drei VR Benchmarks liegt die RX 5600 XT ITX zwar hinter der GeForce RTX 2060, jedoch ist das nicht wild, da die Ergebnisse bei anderen Engines durchaus anders aussehen sollten. Bei VR Mark Blue liegt sie sogar gleichauf mit einer RX Vega 56.

Spiele Benchmarks

Erstaunlicherweise schlägt sich die RX 5600 XT ITX bei Crysis 3 besser als die RX Vega 56 und liegt hinter den Nvidia Karten.

Battlefield 4 und Battlefield 1 liegen den AMD Karten echt gut und auch durch höheren Takt profitieren sie hier. Sogar mit DirectX 12 scheinen sie besser klar zu kommen als DX11.

Battlefield V ist der neueste Titel mit der FrostByte Engine. AMD unterstützt bisher noch kein Raytracing, darum wird hier kein Vergleich gezogen. Was die Leistung angeht, schlägt sich die RX 5600 XT ITX dennoch sehr gut und die Übertaktung bringt knappe 5 fps mehr.

Bei Shadow of The Tomb Raider sieht man ein ähnliches Bild. Nur Übertaktung hat einen negativen Effekt. Dieses Phänomen konnten wir aber auch schon mit Nvidia Karten beobachten.

Final Fantasy XV gehört zu den Nvidia-affinen Titeln, weshalb hier deutliche Optimierungen dafür zu erwarten sind. Aus dem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die AMD Karten etwas im Nachteil sind. Die Leistung reicht aber auch für den Titel aus.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Kühler

Kompakter Kühler mit 4-Heatpipes

Wie eingangs erwähnt, sieht der verbaute Kühler nicht besonders leistungsstark aus, jedoch steckt unter dem Plastik ein ziemlich potenter Kühler. Mit insgesamt vier Kupfer-Heatpipes, nutzt man die maximal sinnvolle Menge an Pipes, die die Kupferbodenplatte bedecken. So wird eine schnelle Wärmeabführung sichergestellt. Die Pipes schweifen auseinander und gehen in sinnvollen Abständen in den Alu-Lamellenblock rein.

Der Speicher wird mitgekühlt. Für die Überbrückung des Abstands kommen Wärmeleitpads zum Einsatz, die nicht so konsistent sind, was positiv ist. Auch für die Kühlung der MOSFET Reihe ist gesorgt. Hier sieht man ein guten Anpressdruck auf dem langen Wärmeleitpad.

Der 90 mm große Lüfter ist mittig angebracht und wird per PWM Signal angesteuert. Die PWM-Kurve wurde von PowerColor so abgestimmt, dass der Lüfter unter normalen last nicht dreht. Der Lüfter dreht manchmal etwas auf, um die Temperatur wieder zu senken. Dabei hört man ihn nicht. Unter Last sieht das dann anders aus.

Die PWM-Kurve ist so gesetzt, dass sie die GPU unter 80°C hält und nicht voll aufdreht. Hier gibt es noch einen wichtigen Punkt, den man ansprechen muss. AMD setzt auf ein Array von Temperatursensoren und einer davon ist als HotSpot deklariert, weil AMD hier erwartet, dass es die heißeste Stelle sein wird. Darum lesen manche Programme einen falschen Wert, da sie nur den HotSpot auslesen aber der durchschnittliche GPU Wert liegt knapp 10-11°C drunter. Im Diagramm haben wir zum Vergleich mit vorherigen Messungen aber den Furmark Temperaturwert genommen, auch wenn der von AMD Radeon Software und GPUz 10°c drunter lag. Der Fairness halber haben wir es also so belassen und es hier genauer erklärt. Das Gleiche gilt auch für die Radeon RX 56. Wichig ist aber, dass die RX 5600 XT ITX unter Volllast so wirklich leise war.

Dennoch haben wir für die Übertaktung die PWM-Kurve angepasst. Dadurch haben wir Werte von nur noch 78°C (Furmark) erreicht. Auch die Idle Temperatur geht runter, weil der Lüfter nicht mehr bis 50°C warten muss, um aufzudrehen. Mit der angepassten Lüfterkurve wird man den Lüfter aus dem Gehäuse hören. Wer eine kühelre Karte für OC braucht, kann also die Kurve anpassen.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Wärmebildaunfahme

Der Kühler an sich arbeitet gut, was man an der Wärmebildaufnahme erkennen kann. Es gibt wenige Hotspots.

Verbrauch

Beim Verbrauch sieht man bei der PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX ein gemischtes Bild. Die Karte ist deutlich sparsamer als eine RX Vega 56, was als guten Technologievorsprung von RDNA ansehen kann. Anderseits ist die GeForce RTX 2060 sparsamer. Im Idle geben sich die ganzen Karten wenig, was sehr positiv ist, da man die Karten oft und lange im Idle-Betrieb laufen hat.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX im Systemaufbau

Fazit

Mit der Radeon RX 5600 XT ITX bringt PowerColor eine erstaunlich kompakte Karte auf den Markt, die ordentlich Leistung bietet. In den Benchmarks hat sie sich gut geschlagen und sich auf Augenhöhe mit der GeForce RTX 2060 befunden und oftmals besser als die RX Vega 56 abgeschnitten.

PowerColor Radeon RX 5600 XT ITX Award Der verbaute Kühler ist gut und ordentlich optimiert. Ab Werk ist die Karte echt leise. Der Lüfter dreht erst bei 50°C kurzzeitig auf und schaltet sich danach ab. Bei Volllast war die Karte aus einem offenen Gehäuse überraschenderweise nur minimal hörbar. Bei geschlossenem Gehäuse hört man sie nicht raus, es sei denn die Innentemperatur ist zu hoch - was aber bei allen Karten passiert. Damit ist das Kühlkonzept voll aufgegtangen, trotz der geringen Bauform.

Die Radeon RX 5600 XT ITX gibt es bisher nur bei Cyberport für 378€, wobei die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers 299€ beträgt. Die Preise werden sich voraussichtlich unterhalb der 300€ einpendeln, was sie im Preisvergleich dann auch attraktiv machen wird. Sollte das nicht zutreffen, zahlt man wohl den üblichen „ITX-Zuschlag“, der bei vielen ITX-Komponenten fällig ist, denn kleinere Komponenten gehen in kleineren Mengen und erfordern ggf. Anpassungen, die die Kosten steigern.

Wir können die Radeon RX 5600 XT ITX können Nutzern empfehlen, bei denen der Platz im Gehäuse sehr eingeschränkt ist und normale Varianten nicht passen. Sollte der Preis auf die angepeilten 299€ fallen, kann eine generelle Empfehlung ausgesprochen werden.


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