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Razer Deathstalker Ultimate im Test

PCMasters.de heißt euch willkommen zu einem Test der Superlative. Wir haben für euch das Flaggschiff von Razer getestet. Die Rede ist von der Deathstalker Ultimate. Es ist das dritte Modell von Razer, welches das Switchblade User Interface integriert hat. Dieses User Interface ist ein von Razer entwickeltes Trackpad mit vielen Funktionen. Die Tastatur ist seit September 2012 auf dem Markt. Nun konnten auch wir in den Genuss kommen, dieses Schmuckstück einmal näher zu betrachten.

Bereits zur Gamescom 2012 zeigte man uns Details der Tastatur. Ein Großteil der Redaktion konnte seitdem den Tag nicht erwarten, diese Tastatur selbst zu testen. Ob dieser Enthusiasmus berechtigt ist und was die Deathstalker Ultimate im Detail alles kann, wollen wir euch heute näher bringen. Doch zunächst ein Dankeschön an Razer für die Bereitstellung des Testexemplars.

Razer Deathstalker Ultimate 14

Bevor wir loslegen, noch eine kleine Erklärung. Wie einigen bekannt ist, benennt Razer seine Produkte nach gewissen Tierarten. Mäuse sind dabei meist nach Schlangen benannt und Tastaturen nach Spinnen. Doch die Deathstalker hat ihren Namen von einem Skorpion, die ebenfalls zu den Spinnentieren zählen. Auf Deutsch ist der Deathstalker unter dem Namen "Gelber Mittelmeer Skorpion" bekannt und zählt zu den giftigsten Skorpionen der Welt. Doch genug der Namens-Herkunft!

Razer-typisch legt man viel Wert auf das Äußere, so auch bei der Deathstalker Ultimate. Razer stuft seine eigenen Produkte in drei Kategorien ein, die Deathstalker gehört zur Elite. Auf der Front ist die Tastatur abgebildet, wobei das Switchblade Interface in 3D hervorsticht. Der Name Deathstalker wird im holografischen Schriftzug hervorgehoben. Die Rückseite bildet nochmals die Tastatur ab und gibt Informationen zu einigen Features der Deathstalker. Ganz klein finden wir noch einen lateinischen Mahnruf. Memento mori! Frei übersetzt bedeutet dies: "Gedenke, dass du sterblich bist!" 'Dieser Mahnruf wurde den im Triumph einziehenden Feldherren ins Ohr geflüstert, damit diese den Bezug zur Realität nicht verlieren.' So lautet es auf der dieser Internetseite.

Razer Deathstalker Ultimate 4

Im Inneren finden wir die Deathstalker, die wir zunächst beiseite legen. Des Weiteren finden wir einen viereckigen Umschlag. Dieser enthält eine 36-seitige, englische Gebrauchsanweisung, eine Schnellstart-Anleitung, zwei Razer-Sticker und Schutzfolien für das Touchpad. Mehr beinhaltet der aufwendig gestaltete Karton nicht.

Beginnen wir mit einer kleinen Auflistung der wichtigsten Details.

  • Switchblade User Interface
  • USB Rollover Feature
  • 1.000 Hz Polling-Rate
  • Tasten im Chiclet Design
  • Alle Tasten sind frei programmierbar
  • RGB-LEDs und Farb-Flow
  • Flaches Design
  • Anschluss: Zwei USB 2.0 Ports
  • Maße: 512 x 215 x 20 mm (LxBxH)
  • Gewicht: 1,16 kg

Razer Deathstalker Ultimate 6

Auf das Switchblade User Interface möchten wir an dieser Stelle nicht näher eingehen. Dafür haben wir in diesem Review eine extra Rubrik im Kapitel "Treiber Teil 2: Das Switchblade Interface" eingerichtet. Fangen wir also an mit der Oberfläche. Die gesamte Tastatur hat eine mattschwarze Kunststoff-Oberfläche, die sich geschmeidig anfühlt. Die Handballen Auflage ist fest mit der Tastatur verbunden und hat einen Gummiüberzug, um eine gewisse Rutschfestigkeit zu bieten. Bei der Wahl der Tasten entschied sich Razer bei der Deathstalker Ultimate für Rubber Domes anstatt mechanischer Taster. Diese kommen aber nicht im gewöhnlichen Stil, sondern im Chiclet-Design, welches man von Laptops oder Apple-Tastaturen kennt. Zudem sei bereits jetzt erwähnt, dass es die Ultimate-Version nur im englischen Tastenlayout auf dem Markt gibt.

Razer Deathstalker Ultimate 5

Neben fünf Makro-Tasten an der linken Seite der Tastatur gibt es auch eine Funktions-Taste, die der Doppelbelegung der F-Tasten dient, um die Lautstärke des PCs oder die Helligkeit der Tastatur zu regeln. Bei der Tastatur lassen sich aber nicht nur die Makro-Tasten über den Makro-Manager frei programmieren, sondern jede einzelne Taste nach Belieben belegen. Ebenfalls besitzt die Deathstalker Ultimate das Rollover-Feature, welches dafür sorgt, dass man  zehn Tasten gleichzeitig nutzen kann. Kommen wir zu der Stromversorgung der Deathstalker. Zwei USB 2.0 Ports benötigt man, um die Tastatur zu nutzen. Beleuchtungstechnisch ist die Tastatur mit RGB-LEDs ausgestattet, welche dem Nutzer eine freie Farbwahl für die Hintergrundbeleuchtung zur Verfügung stellen, sei es nun einfarbig oder im flüssigen Farbwechsel. So viel zu den Details. Schauen wir uns nun den Treiber und das Switchblade User Interface etwas genauer an.

Wie mittlerweile alle Razer Produkte sind die Treiber an das Cloud-basierte System Synapse 2.0 gebunden. Sobald man das installiert hat, erkennt das Programm die Tastatur und man kann diverse Einstellungen vornehmen. Das Menü der Deathstalker hat 5 Reiter, in denen man Beleuchtung, Tastenzuweisung, Gaming-Modus und das Switchblade Interface konfigurieren kann. Der Reiter "Anpassen" befasst sich mit der Personalisierung der Tasten. Nachdem man eine Taste angewählt hat öffnet sich ein kleines Fenster, in dem man eine gewisse Auswahl an Befehlen hat. Dort kann man auswählen, ob die Taste ihren normalen Befehl ausführen, einen zuvor aufgezeichneten Makro-Befehl ausführen oder Programme öffnen soll. In diesem Reiter kann man auch schon einige Einstellungen zum Switchblade Interface machen. Sofern man das Switchblade als Trackpad nutzen möchte, kann man die Empfindlichkeit und Geschwindigkeit ändern, aber auch das Hintergrundbild lässt sich bearbeiten. Eine kleine Ausnahme gibt es jedoch bei der Programmierung der Tasten. Die drei Tasten rechts von der F12 Taste lassen sich nicht ändern. Diese dienen um ein Makro aufzuzeichnen, den Gaming-Modus zu aktivieren und um zum Home-Menü vom Switchblade zurückzugelangen.

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Der Reiter "Beleuchtung" sollte selbsterklärend sein. Die Helligkeit der Tastatur und des Switchblade Interface lässt sich stufenlos regulieren. Außerdem kann man zwischen einer festen Farbe und einem flüssigen Übergang des Farbspektrums, dem Farb-Flow, wählen. Der Reiter "Einstellungen" ist im Grunde überflüssig, denn man kann bloß einen Haken setzen, ob das Display im Energiesparmodus des Rechners ebenfalls in den Energiesparmodus versetzt werden soll. Eine Option, die man sicherlich auch hätte woanders einbringen können. Der vorletzte Reiter befasst sich mit dem Gaming-Modus. Dieser lässt sich, wie bereits erwähnt, direkt über eine Taste an- und ausschalten. Im Treiber lässt sich einstellen, welche Funktionen bei eingeschaltetem Modus deaktiviert werden sollen. Dabei stehen die Windows-Taste, und die Befehle Alt+Tab und Alt+F4 zur Auswahl.

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Während man zwischen den Reitern hin und her schaltet bleibt der linke Abschnitt für Profile immer sichtbar. Somit lassen sich verschiedene Profile erstellen und personalisieren. Diese Profile kann man über Shortcuts wechseln, sie lassen sich aber auch manuell exportieren und importieren um beispielsweise seine angelegten Profile mit Freunden oder Clan-Kollegen zu teilen. So viel zu den allgemeinen Treibereinstellungen, kommen wir nun zu dem Switchblade Interface.

Das Switchblade User Interface, so der korrekte Name, ist schon zuvor in einigen Razer-Geräten verbaut worden. Den Anfang machte damals das Razer Switchblade Konzept, welches erstmal die Idee von Tasten mit einem darunter liegenden Display zeigte. Anschließend folgte mit dem Razer Blade der "erste richtige Gaming-Laptop", der dieses Konzept nutzte. Auf der Gamescom 2011 wurden dann einige Special Editions zu Star Wars: The Old Republic gezeigt. Darunter auch eine Tastatur, welche das Switchblade  Interface verbaut hatte. Ein Jahr später, auf der Gamescom 2012, zeigte man dann die Deathstalker Ultimate. So viel zur Vorgeschichte des Switchblades. Das Switchblade hat neben dem 4" Monitor noch zehn weitere Tasten. Unter den Tasten befindet sich zusätzlich ein Display. Sofern man sich etwas auf dem Markt auskennt, kommt einem dieses Konzept bekannt vor, die Rede ist von der Optimus Maximus. Eine Tastatur, welche das gleiche Konzept aufweist, mit dem Unterschied, dass die gesamte Tastatur solche Tasten verbaut hat. Jedoch kostet die Optimus Maximus mit 1.800 US$ ein Vielfaches der Deathstalker.

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Die dynamischen Tasten heißen im originalen "Dynamic Adaptive Tactile Keys" und haben eine Abmessung von 15 x 15 mm. Die darauf dargestellten Bilder haben eine maximale Auflösung von 115 x 115 Pixeln und können mittels Treiber geändert werden. Mit diesen Tasten kann man auf Programme zugreifen, die dann auf dem Trackpad gezeigt werden, seien es nun Facebook, Twitter, YouTube, Gmail oder ein Internetbrowser. Üblicherweise findet man bei Tastaturen an dieser Stelle das Nummernfeld. Auch dieses wurde über eine App integriert, ebenso eine Uhr und ein Media Player. Um weitere Apps zu nutzen muss man mittels Drei-Finger-Gesten nach links wischen. So kommt man zu den spielspezifischen Apps. Unterstützt werden bislang Spiele wie z.B. Battlefield 3, Skyrim, League of Legends, Team Fortress 2 und Counter Strike. In den Apps selbst hat man dann die Möglichkeit sich Statistiken anzeigen zu lassen, Waffen einzukaufen oder Zauber auszusprechen. Wer mehr Informationen darüber möchte sollte sich diese Razer-Seite mal ansehen. Im dazugehörigen App-Store finden sich bislang nur eine Handvoll weitere Apps. Sofern man jedoch selbst daran interessiert ist, etwas für das Switchblade Interface zu entwickeln, kann man sich auf der Razer Homepage dafür anmelden.

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Fahren wir fort mit der unteren Hälfte des Switchblade Interface - dem 4" Touchpad. Dieses ist circa 89 x 53 mm groß und bietet eine Auflösung von 800 x 480 Pixeln. Darunter befinden sich zwei Tasten, die als linke und rechte Maustasten benutzt werden können. Das Touchpad unterstützt Gesten mit bis zu vier Fingern. Sofern man das Pad also als Maus-Ersatz nutzen möchte, ist dies problemlos möglich. Ähnlich wie bei einem Laptop-Trackpad kann man mit einem Finger den Mauszeiger bewegen, mit zwei Fingern scrollen und mit drei Fingern ganze Seiten überspringen. Mit vier Fingern lässt sich einmal der Desktop anzeigen, sofern man alle vier Finger nach unten zieht und zweitens der Befehl "Win-Taste + Tabulator" ausführen, wenn man alle vier Finger nach oben schiebt. Die Befehle für Links und Rechts wechseln zwischen offenen Programmen. Soviel zu den Fakten. Kommen wir nun zum Praxistest.

Jetzt wird es bunt! Leider gibt es in Bezug auf das Switchblade User Interface viele negative Aspekte, die uns teilweise sogar den letzten Nerv geraubt haben. Aber fangen wir vorne an. Von der Verarbeitung her ist die Tastatur top. Der Kunststoff ist geschmeidig und fühlt sich angenehm an. Dass Razer sich für Rubber Domes entschieden hat ist eine Sache, allerdings sollte man bedenken, dass mechanische Taster den Kaufpreis der Deathstalker nur noch weiter in die Höhe getrieben hätten. Das Chiclet Design ist "chic", durch die flache Bauweise passt es zum Gesamteindruck der Tastatur. Dennoch sind mechanische Tasten qualitativ hochwertiger und würden den Kaufpreis zumindest ein wenig akzeptabler machen. Die Rubber Domes haben einen sehr weichen Druckpunkt, oft kommt es zu ungewollten doppelten Tastenanschlägen. Trotz dieses Mängels ist das Schreibgefühl angenehm. Die fest verbaute Handballenauflage mit Gummibeschichtung zieht Staub leider mehr als alles andere an. Das Problem an der Sache ist, dass dieser sich durch die fast schon klebende Wirkung nicht so einfach wegwischen lässt. Die verbauten LEDs unter den Tasten sind dafür gut. Sie decken das Farbspektrum von Gelb über über Rot, bis zu Blau in einem flüssigen Ubergang ab. Bei einem Gewicht von knapp einem Kilo liegt die Tastatur sehr stabil auf dem Tisch. Sie wandert auch bei schnellerem schreiben, oder härteren Einwirkungen nicht. Die Tastatur hat keinen USB-Hub oder sonstige Möglichkeiten etwas daran anzuschließen, was ebenfalls sehr schade ist. Wobei man dazu sagen muss, dass die Stromversorgung so schon nicht ausreicht. Zwei USB 2.0 Stecker scheinen zu wenig zu sein. Anders können wir uns das langsame Arbeiten des Switchblade Systems nicht erklären. Wenn man sich die Logitech G19 mit ihrem LCD Panel und dessen Stromversorgung ansieht, sollte auch einem Laien klar werden warum das so ist, denn Logitech entschied sich bei der G19 ein extra Netzteil einzusetzen, um genug Strom für einen stärkeren Prozessor zu liefern.

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Da wären wir bei unserem nächsten Punkt. Dem Switchblade User Interface. Angefangen dabei, dass der Treiber in regelmäßigen Abständen abstürzt, bis hin zu nicht funktionierenden LCD-Tasten bei Systemstart. Vor allem bei Verwendung an einem USB 3.0 Anschluss scheinen sich die Probleme zu häufen. Fairerweise müssen wir dazu sagen, dass der letzte Punkt über ein Firmware-Update gefixt wurde. Dennoch gibt es da noch viel zu tun. Nahezu alle Apps haken und stottern beim Benutzen. Ich als langjähriger Counter Strike Spieler habe bereits auf der Gamescom 2012 mit einem Entwickler geredet und um eine App gebeten. Dieser Wunsch wurde sogar erfüllt. Leider lässt sich die App nicht nutzen. Das Einkaufen funktioniert unsauber bis gar nicht, da die Tastatur nicht auf die Eingaben reagiert, oder erst 10 Sekunden später. Das größere Problem ist aber, dass ich kein physikalisches Nummernfeld mehr habe um einzukaufen. Ich bin gezwungen das digitale vom Switchblade Interface oder die normale Zahlenreihe zu nutzen. Da ersteres ebenfalls stottert und hakt verlängert sich meine Zeit, die ich zum Einkaufen brauche, um 3-5 Sekunden. Das führt zu taktischen Nachteilen und raubt einem nach einer gewissen Zeit die Nerven. Was dafür gut funktioniert ist der Einsatz des Trackpads als Maus-Ersatz. Alle Gesten werden gut und flüssig umgesetzt. Zuletzt ist noch zu sagen, dass es sehr gewöhnungsbedürftig ist sich auf das englische Layout einzustellen. Bislang ist immer noch nicht klar, ob und wann ein deutsches Tastatur-Layout für die Ultimate Version erscheinen wird. Genug genörgelt. Beenden wir dieses Review mit unserem Fazit.

Objektiv betrachtet ist das Gebotene einfach zu wenig für eine 250 Euro Tastatur! Das Switchblade User Interface arbeitet nicht sauber und hat mit Abstürzen zu kämpfen. Hoffnung auf Besserung gibt es aber dennoch, denn vieles davon könnte man über Treiber- und Firmware-Updates verbessern. Ob dies geschieht liegt allein in den Händen von Razer. Die Bauweise lässt sich leider nicht ändern, so ist man an Rubber Domes gebunden. Schade, denn mechanische Tasten sind in diesem Fall mehr als nur "nice-to-have". Dennoch muss man sagen, dass die Verarbeitung präzise umgesetzt wurde. Das Design im Gesamteindruck gefällt sehr. Wie bereits angesprochen kostet die Tastatur 250 Euro (Stand: 28.04.2013 / Razer Online-Shop) und ist seit September 2012 auf dem Markt erhältlich.

Wer nicht bereit ist so tief in die Tasche zu greifen, aber dennoch ein Freund von Razer ist, sollte einen Blick auf die Razer BlackWidow 2013 Ultimate werfen. Falls man dem Hersteller nichts abgewinnen kann, gibt es trotzdem genug Auswahl. So kann man problemlos zu günstigeren Alternativen wie z.B. der Tesoro Durandal oder einer Logitech G710+ greifen. Dies sind beide mechanische Tastaturen, die ihr Geld wert sind. Wer dennoch gerne eine Deathstalker haben will, kann aber auch die abgespeckte Version kaufen. Diese kostet nämlich nur 80 Euro, verzichtet dafür aber auch auf das Switchblade Interface und die RGB-LEDs. Zuletzt bleibt zu sagen, dass alles Geschmackssache ist, und jeder damit Spielen oder Schreiben soll, womit er sich wohl fühlt.


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