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Lego City Undercover: The Chase Begins für Nintendo 3DS im Test

Wer bei dem Namen McCain an Pommes denkt, der ist hier vollkommen falsch. Dieser coole Nachname gehört nämlich nicht zu einer Firma, welche auf die Herstellung von Kartoffelprodukten spezialisiert ist, sondern zu einem schier gnadenlosen Polizisten. Chase McCain sorgt im neuesten Klötzchen-Spiel mal wieder für Recht und Ordnung in Lego City. Wieder? Ja richtig, denn immerhin erschien vor knapp einem Monat mit Lego City Undercover ein wunderbarer Open-World-GTA-Klon für die Nintendo Wii U.

Lego City Undercover The Chase Begins Opener

Nun, mit Lego City Undercover: The Chase Begins will man den Erfolg auch auf Nintendos kleinen Handheld zaubern. Dabei bauen die Entwickler auf das bewährte Konzept und passen es hier und da an die Begebenheiten des Nintendo 3DS an. Ein besonderes Highlight ist dabei die Story: Wie es der Titel bereits verrät, wird in The Chase Begins natürlich nicht das weitere Leben im ruhigen Lego City erzählt, sondern viel mehr erleben wir die Anfänge von Chase‘s Karriere. Ob man dabei Klötze staunen kann, oder viel mehr die schmerzenden Blöcke unter dem Sofakissen hervorholen sollte, verraten wir euch auf den kommenden Seiten.

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 1

Wir danken an dieser Stelle dem Presse-Team von Popular PR und Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

Generell spielt The Chase Begins zwei Jahre vor den Ereignissen aus Lego City Undercover: Chase McCain hat gerade die Polizei-Akademie abgeschlossen und möchte nicht nur dafür sorgen, dass fiese Spieler nicht die Welt zerstören, sondern natürlich auch für Gerechtigkeit in Lego City kämpfen. Hochmotiviert merkt der Frischling jedoch schnell, dass die Karriereleiter nicht im Handumdrehen erklommen werden kann. So gilt es zu Beginn des Titels rundliche Zucker-Leckereien für den Donut-süchtigen Officer Dunby zu besorgen. Dabei stolpert er mehr oder weniger über die Schurken der Kloppergang und erkennt immer mehr, wie gut organisiert das Verbrechen in seiner Lieblingsstadt ist. Um die Wurzel des Bösen zu beseitigen, deckt Chase Details der Kriminalität in Lego City auf, versucht die Schurken zu stoppen und Fiesling Rex Fury (schon bekannt aus dem ersten Teil!) dingfest zu machen.

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 2

Abgesehen von Chase und Rex Fury tauchen natürlich weitere Charaktere aus Lego City Undercover auf, während die Macher eine recht amüsante Geschichte erzählen. Aber gut, Kenner der Lego-Spiele bzw. des „Vorgängers“ wissen ja, wie der übliche Humor ist. Dennoch wird die Geschichte von Anfang an konsequent verfolgt und dank der kleineren Informationsblöckchen im Laufe des Spiels lockt uns die Neugier immer wieder vor das tragbare Spielgerät. Zugegeben, die Geschichte von Lego City Undercover ist nun nicht zwingend ein Meisterwerk an Spannung, aber dennoch kann sie aufgrund der guten und Lego-typischen Inszenierung überzeugen.

Es scheint auf den ersten Blick so, als ob Lego City Undercover: The Chase Begins alles richtig macht: Die Baustein-Verbrecherjagd tritt somit in die Fußstapfen des erfolgreichen Nintendo Wii U-Spiels, kann allerdings nicht gänzlich überzeugen. Während die Optik generell gut aussieht, möchte man nicht über den nächsten Block hinausschauen. Zu schnell erkennt man graue Nebelwände in der Ferne und das, obwohl in Lego City so gut wie immer Sonnenschein herrscht. Gleichzeitig ist zwar der Charme des Spiels samt liebevollen Details erhalten geblieben, kann aber aufgrund der niedrigen Texturen und des langsamen Grafikaufbaus nicht wirklich überzeugen. Hat man diese Details im Hinterkopf, ist es umso fraglicher, wieso auch die Handheld-Version mit Ladezeiten von fast einer Minute permanent den Spielfluss unterbricht. Aber gut, eine Großstadt hat eben mit Smog (Weitsicht nur wenige Meter!) zu kämpfen. Wenn er wenigstens in 3D gut aussehen würde...oder nicht ruckeln und zuckeln würde...

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 3

Wesentlich schlimmer sind da die Einsparungen bezüglich des Themas Sound: Die Dialoge mit den schussligen Charakteren haben einen immer wieder amüsiert und den weiteren Verlauf der Geschichte stets aufrecht erhalten. Schade nur, dass dieses geliebte Feature bei Lego City Undercover: The Chase Begins fast vollständig verschwunden ist. Es gibt nur noch in den recht seltenen Zwischensequenzen Sprachausgabe, alle anderen Storyabschnitte müssen in Textform bewältigt werden.

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 6

Neben der fehlenden Synchronisation ist es gleichzeitig recht still in Lego City, da es häufig überhaupt gar keine Hintergrundmusik gibt. Ist schon nervig, wenn das permanente Klirren der Blöcke lauter ist als der LKW, der nur knapp einen Zentimeter an der Hauptfigur vorbei fährt. Zum Glück gibt es manchmal, bei Verfolgungsjagden oder anderen Aktivitäten, noch einen Track, welcher aus der Wii U-Version bekannt sein sollte, doch wirklich stimmungsvoll ist im guten alten Blockstädtchen wenig.

Spielprinzip und Spielwelt sind - manch einer mag es bereits vermutet haben - komplett identisch zur Nintendo Wii U-Version. In der freibegehbaren Welt gilt es also, neben dem Fangen von Schurken, auch noch die Stadt zu erkunden, Missionen zu erfüllen und möglichst viele Studs (=Münzen) oder Supersteine einzusammeln. Während sich die Geschichte immer mehr verdichtet, habt ihr Gelegenheit Sehenswürdigkeiten (z.B. Golden-Gate-Bridge) oder Stadtteile (z.B. Nationalpark oder die Gefängnisinsel) zu suchen. Suchen? Eigentlich befinden sie sich am gewohnten Ort.

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 4

Gott sei Dank müssen die unterschiedlichen Missionen nicht per Fuß entdeckt werden, denn es gibt mehr als 50 Fortbewegungsmittel. Schade nur, dass sich Auto, Hubschrauber oder Schiff irgendwie gleich steuern lassen. Apropos Steuerung: in Lego City Undercover: The Chase Begins werden eigentlich nur drei Knöpfe so wirklich benutzt, viel lernen oder beherrschen muss man also nicht.

Das Hauptaugenmerk in dem circa zehn stündigen Spiel ist der clevere Einsatz der unterschiedlichen Kostüme. So ist man als Standard-Chase mit einer Enterhaken-Pistole unterwegs, als Räuber können Safes geknackt werden und als Bauarbeiter lassen sich dank Presslufthammer versteckte Spielsteinchen finden. Interessant ist dabei, dass bei manchen Kostümen, welche übrigens im Laufe des Spiels erst gefunden bzw. freigespielt werden müssen, der Touchscreen zum Einsatz kommt. Leider sind es mal wieder die gleichen Elemente wie bei der Nintendo Wii U, was natürlich dem wunderbaren Einsatz und dem geschickt versteckten Back-Tracking keinen Abbruch tut. Generell vermisst man das GamePad in The Chase Begins eigentlich überhaupt nicht, da alle Elemente, wie Stadtplan, Tipps und Kostümwechsel, hervorragend auf dem Touchscreen funktionieren. Wenn nur nicht die bereits angesprochenen Ladezeiten wären...

Lego City Undercover  The Chase Begins Screenshot 5

Da die Fieslinge sich nicht einfach brav abtransportieren lassen, gilt es natürlich manches Mal auch die Fäuste herauszuholen. Dank Judo-Kenntnissen (X-Taste) werden Gegner schnell auf die imaginäre Matte geworfen, was durch Lego-Steine sicherlich weh tut. Zwar sind die Kampfsequenzen nett in Szene gesetzt, sie dürften aber nur die wenigsten Spieler direkt fordern. Diese Einschätzung trifft übrigens auf das gesamte Spiel zu und so bleibt der Ausflug nach Lego City nicht mehr als eine nette Herausforderung für zwischendurch. Übrigens lockern die Abwechslungsreichen und oftmals taktischen Bosse die Atmosphäre auf. Gott sei Dank können die mehr oder minder verschiedenen Missionstypen ebenfalls die sonst eher träge Stimmung retten, von dem witzigen und charmanten Polizei-Film-Flair brauchen wir ja gar nicht weiter reden. Nach der Hauptstory ist Lego City Undercover: The Chase Begins noch nicht vorbei, da Chase durch das Zerstören von Umgebungsobjekten unzählige Steinchen einsammeln kann. Mittels diesen ist es einfach diverse Superbauten zu errichten, wie zum Beispiel einen Helikopterplatz, mit welchem es möglich ist per Schnellreisefunktion zwischen den unterschiedlichen Stadtteilen zu wechseln. Ansonsten gilt es natürlich noch alle möglichen Goldenen Steine oder alle Kostüme zu finden und freizuschalten. Will man alles erreichen, kann sich die Spieldauer sicherlich noch um fünf bis zehn Stunden verlängern.

Wie wir feststellen mussten, haben die Entwickler wohl doch während dem Mampfen der eingangs erwähnten Pommes zu viele Bausteine für ein wirklich erstklassiges Spiel vergessen: Die Geschichte kann noch mehr oder minder überzeugen, doch die Umsetzung hätte deutlich besser sein können. Der Nintendo 3DS ist zwar leistungsschwächer als die Nintendo Wii U, dennoch hätten die starken Ladezeiten, die verschwommenen Grafiken samt Pop-Ups, die fehlende Sprachausgabe und Hintergrundmusik nicht sein müssen bzw. dürfen. Sicherlich, der Titel macht dennoch Spaß, aber weiß man, wie Lego City Undercover - The Chase Begins eigentlich hätte aussehen können, ist diese billig wirkende Portierung fast schon frech. Ist man Neueinsteiger im Lego-Videospiel-Bereich oder kennt man die Wii U-Version nicht, so kann man (fast) bedenkenlos zugreifen. Allen anderen raten wir mit dem Kauf abzuwarten, bis der Preis (ca. 39,90 Euro) in eine angenehmere Richtung zeigt.

Stärken des Spiels:

  • Offene Spielwelt
  • Viele verschiedene Kostüme
  • Guter Einbau der 3DS-Features

Schwächen des Spiels:

  • Fehlende Sprachausgabe; Hintergrundmusik oftmals nicht vorhanden
  • Schwierigkeitsgrad zu leicht
  • Unerträgliche Ladezeiten
  • Grafische Präsentation mangelhaft
  • Abgesehen von der Story identisch zur Wii U-Version

Insgesamt erhält Lego City Undercover - The Chase Begins von uns folgende Wertung:


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