Hardware Testbericht Gehäuse Hardware Testbericht

BitFenix Ronin im Test

Das taiwanesische Unternehmen BitFenix ist zwar erst seit gut drei Jahren auf dem deutschen Markt vertreten und gehört damit im Gehäuse-Sektor eher zu den Jungspunden denn den alten Hasen, konnte sich aber dennoch durch Produkte wie dem Dauerbrenner Shinobi seinen Kundenkreis erarbeiten. Nun ist mit dem BitFenix Ronin ein neues Gehäuse der gehobenen Mittelklasse erhältlich, welches wir hiermit für euch unter die Lupe nehmen.

Seite 1

Wo die Stärken und Schwächen des 201 x 481 x 490 Millimeter großen BitFenix Ronin liegen, ob es seinen Preis wert ist und für welche Zielgruppe es vorrangig geeignet ist, werden wir in diesem Test zu ermitteln versuchen. Zuvor bedanken wir uns jedoch herzlich bei Caseking für die problemlose Bereitstellung des Testmusters.

BitFenix Ronin - Verpackung


BitFenix Ronin-Spezifikationen
Abmessungen 201 x 481 x 490 mm (B x H x T)
Mainboard-Formfaktor ITX, mATX, ATX
Material Stahl, Kunststoff
Gewicht 9,4 kg
Erweiterungs-Slots 7
Einschübe extern 3 x 5,25“, 0 x 3,5“
Einschübe intern 6 x 3,5“, 6 x 2,5“ (in 3,5“-Einschüben)
I/O-Panel HD-Audio, 2 x USB 3.0, 2 x USB 2.0
Grafikkartenlänge 310 / 420 mm (mit / ohne oberen HDD-Käfig)
CPU-Kühlerhöhe ca. 161 mm
Belüftung Serie 1 x 120 mm (Front, 1000 U/min), 1 x 120 mm (Heck, 1000 U/min)
Belüftung maximal 2 x 120 mm (Front), 1 x 120/92 mm (Heck), 2 x 140/120 mm (Deckel), 1 x 120 mm (Boden)

 

Seite 2

Die Außenansicht des BitFenix Ronin wird unter anderem von der herstellertypischen SofTouch-Oberfläche, welche den Kunststoffaufsätzen an Front und Deckel eine für dieses Material durchaus hochwertige Haptik beschert, dominiert. Für optische Akzente sorgen zwei außen an den Aufsätzen verlaufende Mesh-Leisten sowie das aus Aluminium gefertigte Herstellerlogo, das farblich die einzige Abhebung vom durchweg schwarz lackierten Exterieur bildet. Am linken Seitenteil befindet sich darüber hinaus ein großflächiges Plexiglasfenster, das sich in der Höhe nicht etwa von seiner Fassung abhebt, sondern sauber in das Seitenteil eingelassen wurde. Vorbildlich.

BitFenix Ronin - außen

Am Heck des BitFenix Ronin findet sich zwar wenig Neues, doch das war an dieser Stelle auch nicht zu erwarten. Sieben Erweiterungsslots entsprechen ATX-Standard, zwei Schlauchdurchführungen für extern angelegte Wasserkühlungen gehören ebenso zum guten Ton, wie es bei den zur Demontage der Seitenteile werkzeugfrei lösbaren Rändelschrauben der Fall ist. Unterhalb des Gehäuses kommen vier Standfüße mit entkoppelnden Gummisohlen sowie ein magnetisch gehaltener Staubfilter für die Lufteinlässe im Boden zum Vorschein.

Das I/O-Panel besteht aus jeweils zwei USB 2.0- und USB 3.0-Buchsen sowie HD-Audio-Anschlüssen. Jeder einzelne Anschluss, ebenso wie Power- und Reset-Schalter, wurde dabei sauber und wackelfrei in den Deckel-Aufsatz eingelassen, was für eine hochwertige Verarbeitungsqualität spricht. Nimmt man beide Kunststoffaufsätze ab, erblickt man frontseitig zunächst einen 120-mm-Lüfter inklusive angeschraubtem Staubfilter. Darüber hinaus offenbaren sich weitere Belüftungsmöglichkeiten an Front – für einen weiteren 120-mm-Ventilator – und Deckel – für bis zu zwei Lüfter mit 120 oder 140 Millimetern Kantenlänge. Ein kleiner Wermutstropfen ist an dieser Stelle der gänzlich fehlende Staubfilter im Deckel, da der Staub unserer Ansicht nach dadurch besonders im ausgeschalteten Zustand relativ ungehindert durch die zahlreich vorhandenen Lufteinlässe eindringen dürfte.

BitFenix Ronin - Frontpanel

Etwas schade ist außerdem, dass das BitFenix Ronin zwar drei 5,25“-Laufwerksschächte besitzt, werksseitig jedoch nur einem davon eine problemlose Zugänglichkeit von Außen ermöglicht wurde. In den beiden unteren Schächten befinden sich nämlich noch die nicht entfernten Blecheinsätze. Dies mag möglicherweise Fertigungskosten sparen, ist jedoch nicht die Lösung, die wir bei einem Gehäuse dieser Preisklasse erwarten.

Insgesamt können wir dem BitFenix Ronin äußerlich jedoch eine gute Verarbeitungsqualität attestieren. Die Lackierung gibt keinerlei Anlass zur Kritik, ebensowenig die Spaltmaße. Auch die Anbringung der Anbauteile ist insofern gelungen, als diese sehr stabil ist und nahezu toleranzfrei ist.

Seite 3

Beim Blick in den komplett schwarz lackierten Innenraum des BitFenix Ronin fällt zunächst die Sichtblende ins Auge, die den Bereich von den Erweiterungsschächten bis hin zum Netzteil verdeckt. Optisch mag dies zum Ausblenden eines etwaigen Kabelchaos mit Sicherheit eine nette Lösung sein, die jedoch auch auf der praktischen Seite überzeugt: Das Ein- und Ausbauen dieser Blende funktioniert durch simples Zusammendrücken dreier Plastiknasen nämlich schnell und ohne großen Kraftaufwand.

BitFenix Ronin - Abdeckung

Abseits dessen lassen sich gerade im Bereich des Mainboard-Trays und der Kabelmanagement-Öffnungen, die weiterhin ohne Gummieinsätze auskommen müssen, noch gewisse Verwandschaften zum Shinobi ausmachen, während das komplette Areal um den Festplattenkäfig nicht nur durch eine Drehung um 90 Grad umgestaltet wurde. Dieser ist beim Ronin nämlich zweigeteilt, wobei sich das obere Segment und damit drei der insgesamt sechs 3,5“-Einschübe herausnehmen lässt, um Platz für Erweiterungskarten mit deutlicher Überlänge zu schaffen oder dem Frontlüfter seine Arbeit zu erleichtern. Die Montage von 3,5“-Laufwerken versteht sich dabei komplett werkzeuglos, lediglich zum Einsetzen von 2,5“-Festplatten oder -SSDs sind Schrauben und Werkzeug vonnöten.

BitFenix Ronin - 5.25-Zoll-Slots

Mit Schnellverschlüssen versehen wurden auch die 5,25“-Einschübe. Das Netzteil findet im Boden auf vier Gummipuffern seinen Platz, direkt daneben besteht im Boden die Möglichkeit, einen weiteren 120-mm-Lüfter zu montieren. Die Rückseite des Mainboard-Trays offeriert diverse Ösen zum Fixieren dort verlegter Kabel. Positiv fällt außerdem auf, dass BitFenix hier an eine Öffnung gedacht hat, die das rückseitige Verlegen des EPS12V-Kabels ermöglicht.

Somit fällt unser Zwischenfazit zum Innenraum des BitFenix Ronin positiv aus, die Verarbeitung bestätigt den vom Exterieur hinterlassenen Eindruck: Weder finden sich scharfe Kanten, noch unsauber entgratete Gewinde oder Mängel bei der Lackierung. Auch die Verwindungssteifigkeit der Seitenteile sowie des Chassis selbst erscheint angemessen.

Seite 4

Beginnen wir mit dem Lieferumfang des BitFenix Ronin: Dieser umfasst neben allen zur Montage benötigten Schrauben auch zehn Kabelbinder zum Verfeinern des Kabelmanagements sowie eine Blende zum Konvertieren eines 5,25“-Schachtes in einen externen 3,5“-Einschub. Ebenso sind ein 120-mm-Staubfilter sowie eine englischsprachige Bedienungsanleitung mit schwarz-weißen Illustrationen enthalten, weshalb sich der Lieferumfang insgesamt als üppig beschreiben lässt. Einzig die Besitzer älterer Mainboards werden einen Adapter vom internen USB 3.0 auf internes USB 2.0 vermissen, da ihnen so die vollständige Nutzung des Frontpanels verwehrt bleibt. Da sich unter aktuellen Mainboards jedoch kaum noch Exemplare ohne internes USB 3.0 finden lassen, betrachten wir die Beigabe eines passenden Adapters nicht mehr als Muss.

BitFenix Ronin - Lieferumfang

Das Einsetzen der Hardware ins BitFenix Ronin erweist sich als unproblematisch und schnell von der Hand gehendes Unterfangen, was nicht nur an den Schnellverschlüssen der Laufwerke liegt. Nein, besonders weniger versierten Schraubern kommt entgegen, dass BitFenix durch Gravuren auf dem Mainboard-Träger für diverse Formfaktoren genau deklariert, wo die jeweiligen Abstandshalter zu montieren sind. Auch die Grafikkarte ist schnell eingesetzt und mittels Thumbscrews fixiert.

BitFenix Ronin - Deckel

Im Deckel besteht weiterhin die Möglichkeit, an der Unterseite der Lüfterbefestigungen zusätzlich zu oben montierten Ventilatoren einen 240-mm-Radiator zu montieren. Hier messen wir zum Mainboard einen Abstand von etwa 33 Millimetern (siehe Fotostrecke), weshalb eine Unterstützung gängiger Komplettsets wie der Corsair H100i oder der Cooler Master Seidon 240M in ihrer jeweiligen Vollständigkeit gegeben ist.

Zwar setzt BitFenix mit gut 22 Millimetern Raum zum Kabelverlegen auf der Rückseite keine neuen Bestmarken, weshalb je nach Länge und Dicke der Kabel ein wenig Kraft beim Wiederaufsetzen des rechten Seitenteils gefordert ist, doch hier erweist sich die Sichtblende als pfiffiges Feature: Wer nämlich auf einen „cleanen“ Innenraum achtet, muss im Ronin gar nicht alle Kabel auf der Rückseite verlegen, damit diese aus dem Sichtfeld verschwinden.


Abstand zwischen Mainboardträger und Seitenteil
BitFenix Ronin 22 Millimeter
Corsair Carbide 400R 27 Millimeter
Corsair Obsidian 550D 20 Millimeter
Fractal Design Define R4 22 Millimeter

 

Seite 5

Der Eindruck, den das BitFenix Ronin im laufenden Betrieb hinterlässt, ist – und das lässt sich nur schwer kürzer oder treffender beschreiben – stark. Dies liegt besonders an den installierten Lüftern, von denen sich aus einer gewöhnlichen „Schreibtischdistanz“ von ungefähr einem halben Meter nur ein sehr leises Luftrauschen vernehmen lässt. Nebengeräusche, wie beispielsweise ein schleifendes oder klackerndes Lager, sind nicht auszumachen. Für die Lüfterbestückung hat sich BitFenix also ein ausdrückliches Lob verdient, denn derartige Qualitäten sind in dieser Preisklasse beileibe keine Selbstverständlichkeit, leider nicht einmal in noch höheren.

Ebenfalls überzeugen kann die Entkopplung der 3,5“-Festplatten, die selbst bei älteren „Radaubrüdern“ mit 7200 U/Min effektiv die Übertragungen von Vibrationen und somit Lärm auf das Chassis verhindert. Selbiges gilt auch für die gummierten Standfüße, auf denen das Ronin sicher, entkoppelt und rutschfest steht.

Die Temperaturen unter zwanzigminütiger Vollast, die wir mithilfe der kostenlosen Tools Prime95 für die CPU sowie FurMark für die Grafikkarte simulieren und mit CoreTemp überwachen, bewegen sich hingegen eher im Mittelfeld, ohne jedoch überhöht zu sein. Unser AMD Phenom II X4 955 BE mit 3,2 GHz erreicht 63°C, während die Radeon HD 4890, die mit einer Leistungsaufnahme von circa 180 Watt in dieser Hinsicht aktuellen Mittelklassekarten ähnelt, bis zu 72°C warm wird. Angesichts der leisen Standardlüfter sind diese Werte in Ordnung, jedenfalls hat BitFenix unserer Ansicht nach einen durchaus sinnvollen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke gefunden.

Seite 6
Seite 7

BitFenix Ronin - außen

Letzten Endes bleibt uns das BitFenix Ronin als überzeugendes, hochwertiges Gehäuse in der oberen Mittelklasse in Erinnerung. Das Platzangebot ist ausreichend für alle aktuellen Consumer-Grafikkarten und den Großteil aktueller Tower-Kühler, auch wenn an dieser Stelle mit knapp über 16 Zentimetern in der Höhe keine neue Bestmarke gesetzt wird. Zeitgemäß präsentieren sich auch weitere Ausstattungsaspekte, etwa das umfangreich ausgestattete Frontpanel oder Schnellverschlüsse für 5,25- und 3,5-Zoll-Laufwerke sowie nicht zuletzt der modulare Festplattenkäfig, mit dem sich je nach persönlichem Gusto entweder zahlreiche Festplatten, oder deutlich überlange Erweitungskarten montieren lassen.

BitFenix Ronin - Award

Dass BitFenix trotz dieser Aktualisierungen nicht die Grundtugenden eines guten Gehäuses zu berücksichtigen vergisst, macht das Ronin für sich betrachtet empfehlenswert. An der grundsätzlichen Verarbeitung und den zum Einsatz kommenden Materialien gibt es nämlich wenig auszusetzen, während die SofTouch-Oberfläche eine angenehme, hochwertige Haptik beschert. Bei angeschaltetem Rechner enttäuscht der Testkandidat ebensowenig, da den beiden vorinstallierten Lüftern eine geringe Lautstärke attestiert werden kann, ohne dass dabei die Systemtemperaturen kritisch werden.

Doch wie lässt sich die gebotene Leistung im Verhältnis zum Marktpreis einorden? Fällt dieser angemessen aus? Wir meinen: Ja. Mit einem Kurs von aktuell rund 75€ laut Geizhals ordnet sich das BitFenix Ronin in der breit besetzten Klasse des oberen Mittelfeldes ein, bietet jedoch eine Ausstattung, die etwas oberhalb des klassenüblichen Durchschnitts liegt.

Somit kann man bei diesem Gehäuse beruhigt zugreifen, ohne dabei Angst vor technischen, funktionalen Defiziten haben zu müssen oder für das Gebotene unverhältnismäßig viel Geld aus seiner Tasche gezogen zu bekommen. Wer also nach einem Midi-Tower mit solidem Platzangebot, überzeugender Qualität und ansprechender Funktionalität sucht und dabei trotz geringer Lautstärke nicht auf ein Seitenfenster verzichten möchte, kann das BitFenix Ronin guten Gewissens in seine Suche mit einbeziehen.


Welovetech