Phison CES 2026 (Bild © Phison)
Ein eindrucksvolles Beispiel für den Preisdruck ist die Kostenentwicklung eines 8-GB-eMMC-Chips, der in Smart-TVs der Einstiegsklasse zum Einsatz kommt. Anfang 2025 lag der Preis bei etwa 1,5 US-Dollar pro Stück, Anfang 2026 wurde derselbe Chip mit fast 20 US-Dollar angeboten. Dies entspricht einem Anstieg von 1.233 %, ein Sprung, der die Materialkosten eines Geräts unter 100 US-Dollar um 15 bis 20 US-Dollar erhöhen kann, wodurch die Gewinnmargen geschmälert werden oder das Produkt finanziell unrentabel wird.
Das Problem geht über die Kosten hinaus. Die Speicherversorgung wird mittlerweile von einigen wenigen Herstellern streng kontrolliert, die ihre Produktionskapazitäten bereits Jahre im Voraus auslasten. Das heißt, dass eine heute aufgegebene DRAM-Bestellung möglicherweise erst 2030 geliefert wird, was den OEMs wenig Spielraum lässt, um auf die Marktnachfrage oder Preisschwankungen zu reagieren.
Die Knappheit wird durch geopolitische Entwicklungen noch verschärft. Aktuelle Exportkontrollen und Handelsspannungen halten viele chinesische DRAM- und NAND-Hersteller aus der globalen Lieferkette raus, wodurch sich die Macht auf eine kleine Gruppe von Fabrikbesitzern konzentriert. Analysten gehen davon aus, dass chinesische Speicherhersteller bei einer Ausweitung der Foundry-Kapazitäten und einem Nachlassen des politischen Drucks im Laufe des Jahrzehnts wieder in den Markt eintreten könnten, was das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage möglicherweise verringern würde.
Wenn sich dieser Trend fortsetzt, droht den Herstellern von Geräten mit geringen Margen, wie Set-Top-Boxen, WLAN-Routern und preisgünstigen Smart-TVs, ein massives Aussterben, wobei viele von ihnen möglicherweise noch vor 2027 aus dem Markt ausscheiden werden. Umgekehrt könnten eine allmähliche Steigerung der Foundry-Produktion und eine Änderung der geopolitischen Politik die Krise gegen Ende des Jahrzehnts abmildern.
