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Jiayu G4 im Kurztest

Muss ein ordentlich ausgestattetes Android-Smartphone unbedingt von Samsung, HTC, LG & Co. stammen und mindestens 350 Euro kosten? Nein, zumindest nicht, wenn man die Spezifikationen der Geräte sieht, wie sie beispielsweise in China angeboten werden. Auf dem asiatischen Markt gibt es zahlreiche Hersteller, die bei uns noch gänzlich unbekannt sind, etwa Amoi und Jiayu. Doch können die günstigen Smartphones überzeugen oder lohnt sich der Aufpreis für ein bekanntes Markengerät? Wir machen mit dem Jiayu G4 die Probe aufs Exempel.

Jiayu G4_Smartphone


Jiayu G4-Spezifikationen
Bildschirm 4,7 Zoll, Corning Gorilla Glas 2
Auflösung 1.280 x 720 Pixel
Prozessor MediaTek MT6589 (4x 1,2 GHz)
GPU PowerVR SGX 544MP
Arbeitsspeicher 1 GB
Speicher 4 GB, erweiterbar per microSD-Karte (max. 64 GB)
Kamera 13-Megapixel mit Blitzlicht und Autofokus, 3-Megapixel-Front-Kamera
Akku 3.000 mAh, wechselbar
Betriebssystem Android 4.2.1
Besonderheiten Zwei SIM-Karten-Slots

 

Jiayu G4_Verpackung

Mit dem Vorurteil, dass hohe Qualität ihren Preis hat, kann das Jiayu G4 locker aufräumen. Die Verarbeitung des Smartphones ist nämlich nahezu perfekt, nichts knarzt oder wackelt. Dank seiner Abrundungen sowie der gummierten Rückseite liegt das G4 zudem hervorragend in der Hand. Die Abdeckung des Smartphones ist zwar aus Plastik, jedoch merkt man dieses, zumindest im geschlossenen Zustand, überhaupt nicht. Das Jiayu fühlt sich sehr wertig an, was die passgenaue Form des Deckels bestätigt; er schließt optimal mit dem Body des G4 ab.

Jiayu G4_Rückseite

Besonders komfortabel funktioniert das Einlegen des Akkus, der SIM-Karte(n) sowie der microSD-Speicherlösung, denn anders als bei anderen Android-Smartphones, hat Jiayu auf der Rückseite eine kleine Öffnung gelassen; so lässt sich der Deckel problemlos und ohne großen Kraftaufwand entfernen. Mit verbautem Akku, der aufgrund seiner hohen Kapazität recht schwer ausfällt, wiegt das G4 exakt 151 Gramm; damit ordnet sich das Jiayu gewichtstechnisch in der Smartphone-Mittelklasse ein. Zum Vergleich: Samsungs Galaxy S4 wiegt nur 130 Gramm, das HTC One 143 Gramm und Apples iPhone 5 bringt nur 112 Gramm auf die Waage.

Jiayu G4_Unterseite_mit_Öffnung

Optisch kann sich das Jiayu G4 ebenfalls vom großen Android-Einheitsbrei abheben. Bedingt durch seine schlanke Form und sein markantes Äußeres hat das Smartphone durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Apples aktuellem iPhone-Modell, was in puncto Design sicherlich kein schlechtes Vorbild ist. In Bezug auf die Anschlussvielfalt ist Standardkost angesagt, hier gibt es einen 3,5mm-Klinken-Port für den Kopfhörer sowie einen MicroUSB-Anschluss. Knöpfe gibt ebenfalls nicht viele. Neben dem Ein-/Ausschalter an der rechten Seite gibt es nur noch die Lautstärke-Tasten auf der linken, sowie die drei Softkeys an der Unterseite des Bildschirms.

Rechte Seite, Einschalter

Jiayu G4_rechte_Seite

Linke Seite, Lautstärke-Regelung

Jiayu G4_linke_Seite

Oberseite

Jiayu G4_Oberseite

Jiayu G4_Lieferumfang

Jiayu bzw. CECT-Shop (www.cect-shop.com), der uns freundlicherweise das Testgerät zur Verfügung gestellt hat, liefert alles mit, was zum Betrieb des G4 benötigt wird. So finden sich im robusten Pappkarton, der mit chinesischen Zeichen versehen ist, ein Micro-USB-Kabel samt passendem Netzteil (und Adapter für Deutschland), ein Paar weiße Kopfhörer, die denen von Apple sehr ähnlich sind sowie das Smartphone nebst Akku.

Hier noch einmal im Detail, was beim Jiayu G4 alles mitgeliefert wird:

  • Jiayu G4-Smartphone
  • Netzteil mit Micro-USB-Kabel und passendem Stecker
  • Weiße Kopfhörer
  • 3.000 mAh-Akku
  • Kurzanleitung auf Chinesisch

Der Bildschirm des Jiayu G4 kann voll und ganz überzeugen, denn das 720p-Display (1.280 x 720 Pixel) ist scharf und blickwinkelstabil, alle Farben werden naturgetreu wiedergeben. Allerdings empfiehlt es sich, unter „Einstellungen/Display/Helligkeit“ die Helligkeit des Smartphones nach unten zu schrauben, da es bei voller Stärke nicht nur zu hell ist, sondern auch Akkuleistung kostet. Der beste Kompromiss aus Helligkeit und Akkulaufzeit ist die „Automatische Helligkeit“, auch wenn diese Einstellung auf den ersten Blick etwas dunkel erscheint.

Jiayu G4_Display

Jiayu verbaut, wie viele alle andere Smartphone-Hersteller auch, Cornings Gorilla Glas 2, was das G4 vor Kratzern und anderen Missgeschicken schützt. Während unseres Tests, zu denen auch Outdoor-Aktivitäten zählen (dazu später mehr), hat das Gorilla Glas gute Arbeit geleistet; nicht ein Kratzer ist ausfindig zu machen. Leider hat die schützende Schicht auch einen großen Nachteil, denn wie bei allen Smartphones und Tablets spiegelt das Display bei Lichteinfall, sodass es nur noch mit Mühe abgelesen werden kann. Da dieses Manko aber bei allen mobilen Devices auftaucht, bekommt das G4 keinen Punktabzug.

Jiayu G4_Tastatur

In Bezug auf die Eingabe gibt es keine Überraschung, denn das Jiayu G4 verfügt über die standardmäßige Android-Tastatur in deutscher Sprache. Das Schreiben einer E-Mail oder SMS geht damit sehr leicht von der Hand, auch wenn wir uns mittlerweile an das Wischen von Swype gewöhnt haben. Da das Smartphone über einen bereits vorinstallierten Play Store verfügt, kann die App natürlich auch problemlos geladen und installiert werden.

Zur Information: Für ein Gerät aus Fernost sind die vorinstallierten Google-Dienste (Mail, Maps & Co. müssen manuell installiert werden) keine Selbstverständlichkeit. Es gibt es durchaus Devices, bei denen die Play Store-APK manuell auf das Smartphone gebracht werden muss. Hier gilt es zu beachten, dass in den Sicherheits-Einstellungen die Option "Installation von Apps aus unbekannten Quellen zulassen" aktiviert sein muss. Ebenfalls positiv, vor allem für Frickler: Jiayu liefert das G4 gerootet aus, sodass sich Anwender nicht mehr darum zu kümmern brauchen.

Das Jiayu G4 lässt sich genauso komfortabel bedienen, wie auch jedes Android-Smartphone; einzig die Icons sehen auf den ersten Blick etwas anders aus. Um alle installierten Apps anzuzeigen, muss auf den mittig platzierten Grashalm auf dem Homescreen geklickt werden; schon öffnet sich die bekannte Oberfläche. Da das Smartphone aus China stammt, finden sich hier auch zahlreiche Apps, die mit asiatischen Schriftzeichen versehen sind. Anhand des Icons erkennt man leider nicht direkt, um was für Programme es sich handelt. Aus diesem Grund ist das Ausprobieren die beste Wahl. Leider lassen sich einige vorinstallierte Apps nicht komplett entfernen, hier gibt es gleich die Meldung "System App cannot be uninstalled".

Jiayu G4_Homescreen

Jiayu G4_Apps_1

Jiayu G4_Apps_2

Jiayu G4_Apps_3

Wie man es von anderen Android-Geräte kennt, verfügt auch das G4 über drei Softkeys ("Einstellungen", "Home-Button" und "Zurück"), die unter dem Bildschirm zu finden sind. Leider sind diese nur schwach zu erkennen, da eine Beleuchtung fehlt. Android-Nutzer wissen allerdings intuitiv, welche "Taste" wo platziert ist, sodass sich hieraus kein wirklicher Nachteil ergibt; wünschenswert wäre es dennoch!

Bei all den Lobeshymnen auf das Jiayu G4 hat das Smartphone durchaus auch seine Schwächen; insbesondere ist hier der GPS-Sensor zu nennen. Während unseres Tests haben wir das Device auch für sportliche Aktivitäten genutzt, etwa mit den Runtastic-Apps "Laufen und Fitness" sowie "Sit-ups". Letztere App funktioniert einwandfrei, da hier ausschließlich die Bewegungssensoren gefordert sind. Anders sieht es bei der Nutzung von "Laufen und Fitness" aus, hier springt das GPS-Signal ständig hin und her. Eine Strecke, die normalerweise rund 3,5 km lang ist, erkennt das G4 als 36 km; dementsprechend falsch ist auch der ermittelte Kalorienverbrauch. Seltsam ist hierbei allerdings, dass die Navigation mit den Google-eigenen Diensten ("Maps" und "Navigation") sowie mit der App "GPS Nav & Maps" reibungslos klappt; auch wenn das Auffinden des GPS-Signals relativ lange dauert (außerhalb von Gebäuden rund anderthalb Minuten).

Jiayu G4_FasterGPS

Wer ein wenig Arbeit investiert, bekommt aber auch diese Problem schnell in den Griff. Zuerst muss dazu die kostenlose App "Faster GPS" heruntergeladen werden. Da das Jiayu G4 bereits gerootet ist, geht die Installation des Programmes problemlos vonstatten. Nun muss die App gestartet werden, damit man am "NTP-Server" die gewünschten Einstellungen, also den Kontinent (Europe) sowie die Region ("Germany") auswählen kann. Die Software speichert nun den best verfügbaren Server, in unserem Fall "de.pool.ntp.org", sodass das GPS-Signal schneller gefunden werden kann. Wer möchte, kann zusätzlich noch die App "GPS Test" installieren, die den GPS-Status testet und die Ergebnisse grafisch darstellt.

Jiayu G4_GPS_Test

Ein Feature des Jiayu G4 gefällt uns besonders gut, auch wenn wir uns hier erst einmal einen Überblick verschaffen mussten. Ist das Display ausgeschaltet, informieren verschiedene Status-LEDs über die Art der Mitteilung. Die grüne Lampe zeigt an, wenn eine neue E-Mail eingetroffen ist, eine SMS wird mit einer rot-blinkenden LED symbolisiert (dauerhaft rot bedeutet, der Akku nähert sich dem Ende) und Nachrichten von sozialen Netzwerken (Facebook, WhatsApp etc.) werden mit einer blauen Status-LED kenntlich gemacht.

Jiayu stattet sein G4 mit einer 13-Megapixel-Kamera mit Blitzlichts aus, die verbaute Front-Kamera besitzt 3-Megapixel. Können die beiden im Kameras im Alltag überzeugen oder blenden sie nur mit hohen Zahlen? Eine klare Antwort: sie überzeugen. Bei Tageslicht macht die rückseitige Kamera hervorragende Bilder. Diese sind scharf und können mit natürlichen Farben punkten. Für nächtliche Schnappschüsse kann das 13-Megapixel-Modell ebenfalls genutzt werden, allerdings ist der verbaute Blitz nicht sonderlich hell, sodass aufgenomme Personen recht dunkel abgelichtet werden. Den Vergleich mit einem älteren Samsung Galaxy S3 muss die Kamera aber nicht scheuen, hier kann sie locker mithalten, nicht nur aufgrund des hervorragend funktionierenden Autofokus.

Aufgenommene Bilder bei Tageslicht

Jiayu G4_Kamera_1

Jiayu G4_Kamera_2

Die 3-Megapixel-Front-Kamera ist hingegen leider nur durchschnittlich, wobei es hier fast kein Smartphone gibt, was vollends überzeugen kann. Das Jiayu g4 reiht sich also in der Mitte ein, was für ein Gerät für unter 200 Euro eine ordentliche Leistung ist.

Aufgenommenes Bild mit der Front-Kamera

Jiayu G4_Front-Kamera

Die Akkulaufzeit ist die Paradedisziplin des G4, dafür sorgt Jiayu mit seinem dicken 3.000 mAh-Akku. Dieser hält, je nach Nutzung, bis zu sagenhaften vier Tagen. Selbst wenn mit dem Smartphone täglich E-Mails abgerufen, ständig Push-Benachrichtungen empfangen werden sowie mehrere Stunden am Tag gesurft wird, hält der Akku durchschnittlich zwei Tage, ein sehr gutes Ergebnis!

Jiayu G4_Akku

Das Jiayu G4 muss sich in puncto Geschwindigkeit nicht hinter anderen Android-Smartphones verstecken, denn die Kombination aus Vier-Kern-Prozessor und schneller PowerVR SGX544MP-GPU leistet sich kaum Schwächen. Fast alle ausprobierten Spiele (RedLine Rush, Mini Motor Racing, Granny Smith) laufen flüssig über den 4,7 Zoll-Bildschirm, lediglich Dead Trigger oder Shadowgun genehmigen sich ab und an einige kurze Ruckler, um dann wieder flüssig weiterzulaufen.

Jiayu G4_Redline_Rush

Jiayu G4_Mini_Motor_Racing

Sicherlich kann das G4 nicht mit den High-End-Smartphones à la Samsung Galaxy S4 oder HTC One mithalten, doch in seiner Preisklasse dürfte es jedes Device um Längen schlagen. Wie genau das JiaYu in den Benchmarks abschneidet, verraten wir euch im Folgenden:

Quadrant

Jiayu G4_Quadrant

Antutu

Jiayu G4_Antutu

Jiayu G4_vs. HTC One X

3DMark

Jiayu G4_3DMark_Ice Storm

Jiayu G4_3DMark_Ice Storm_Normal

Vellamo

Jiayu G4_Vellamo_Metal

Jiayu G4_Vellamo_HTML 5_1

Jiayu G4_Vellamo_HTML 5_2

Der chinesische Hersteller Jiayu liefert mit dem G4 ein sehr gutes Smartphone ab. Die nahezu perfekte Verarbeitung, kombiniert mit der schnellen Hardware, lassen die hierzulande erhältliche Konkurrenz alt aussehen; zumindest in der Preisklasse. Wer selbst ein wenig Hand anlegt und das Smartphone optimiert bzw. repariert, Stichwort GPS, bekommt für knapp 195 Euro (zuzüglich Versand und Einführumsatzsteuer, zusammen rund 225 Euro) ein gelungenes Android-Device, das vor allem bei Akkulaufzeit punkten kann; zwei volle Tage ist für ein aktuelles Smartphone hervorragend. Wer keine Angst vor dem Import hat, kann zuschlagen: mehr Smartphone fürs Geld gibt es aktuell nirgendwo!

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