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Injustice: Götter unter uns im Test

Viele Leute, die sich mit der Materie nur wenig auskennen, würden schnell behaupten, dass Comics einzig ein Medium für eine jüngere Zielgruppe sind. Doch nicht nur Kinder erfreuen sich an der bunten Kunstform, sondern eine ganze Heerschar lesefreudiger Anhänger. Inzwischen geht die Industrie jedoch weitere Wege und macht die Superhelden immer massentauglicher. Das Resultat sind entsprechende Hollywood-Blockbuster und zahlreiche Videospiele, die sich mit der Thematik befassen.

Injustice Götter unter uns

Dass die hervorgebrachten Produkte oftmals zu gefallen wissen, beweisen bereits diverse Absatzzahlen. Doch gibt es immer wieder schwarze Schafe, die sich nur mit einem berühmten Franchise brüsten wollen. Den NetherRealm Studios kann man solch einen Vorwurf sicherlich nicht machen. Die Mannen haben in ihrem Genre schließlich schon so einige Erfahrungen gesammelt und sind unter anderem durch die Mortal Kombat-Reihe bekannt geworden.

Da schon besagter Titel so einige Fans um sich scharen konnte, sind das wohl gute Voraussetzungen für das jüngste Werk, das auf den Namen Injustice: Götter unter uns hört. Dabei handelt es sich abermals um einen modernen Prügler, der dieses Mal jedoch die Helden des DC-Universums in den Vordergrund stellt. Das bedeutet nicht nur weniger Blut, sondern auch jede Menge Superhelden-Action. Wir haben uns dem Kampf mit Superman und Konsorten gestellt, um euch zu berichten, ob sich der Kauf des Kampfspiels lohnt.

Injustice Götter unter uns

Heutzutage bieten selbst viele Prügelspiele eine eigene Handlung, die sich zumeist auf den jeweils gewählten Charakter beschränkt. Injustice: Götter unter uns versucht der Kampagne hingegen etwas mehr Tiefe zu verleihen und bringt alle Figuren in einem Handlungsrahmen zusammen. Daher wird zu Beginn nicht wie sonst gewohnt der gewünschte Recke gewählt. Nach und nach beschäftigt sich der Story-Modus mit fast allen Helden und ebenso einigen Schurken, sodass man genügend Möglichkeiten bekommt, sich mit verschiedenen Kämpfern auszutoben.

Injustice Götter unter uns

Im Mittelpunkt steht abermals der Konflikt zwischen der Liga der Gerechtigkeit und den Bösewichten, die den Guten den Alltag erheblich erschweren wollen. Dieses Mal droht allerdings alles vor die Hunde zu gehen, denn mitten in Supermans Wahlheimat Metropolis will der Joker eine gigantische Bombe zünden. Mit einem Knopfdruck wäre die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt. Doch gerade als er den Zünder betätigen will und damit alles auf dem Spiel steht, geschieht etwas Unerwartetes. Sowohl Helden als auch Bösewichte werden in eine parallele Dimension gezogen, die der bekannten Wirklichkeit verdammt ähnlich sieht.

Doch in diesem Universum herrschen gänzlich andere Regeln und ein bislang unbekanntes Regiment. Ein bösartiger Superman ist nämlich an der Macht und führt damit das Böse im Kampf gegen die verbliebenen Helden an. Ein merkwürdiges Bild, das sich einem zunächst bietet. Die aus der anderen Dimension gekommenen Charaktere wissen zunächst einmal nicht, was überhaupt los ist. Nach und nach schließen sie sich aber dem Kampf gegen Superman an und sorgen so für allerhand Handgemenge.

Letztlich ist der Ansatz der Handlung durchaus gelungen. Man nehme den größten Helden und macht ihn zu einem Schurken – wieso nicht? Doch die Ausführung erweist sich als eher mäßig. Injustice: Götter unter uns verzettelt sich zu sehr in actiongeladenen Bildern und bietet am Ende wenig Tiefsinn. Gerade die Dialoge weisen oftmals wenig Inhalt auf, da sie nur einen Grund suchen, um alsbald zu einem Faustkampf zu kommen. Drei bis vier Stunden verbringt man innerhalb der Kampagne. Abseits der normalen Herausforderungen und der vielen Zwischensequenzen haben die Macher versucht, das Geschehen mit kleinen Minispielen aufzulockern, die auf simplen Quick-Time-Events basieren. Doch auch diese Einlagen tragen wenig zur Unterhaltung bei und verkommen schnell zur langweiligen Nebensache. Das soll die Qualität der eigentlichen Kämpfe allerdings kaum schmälern, denn sie machen auch im Rahmen des Story-Modus definitiv Laune.

Injustice Götter unter uns

Die Kämpfer, die es in das Spiel geschafft haben, stammen wie bereits eingangs erwähnt allesamt aus den DC-Comics. Wer also mit Iron Man, Thor oder anderen Helden aus dem Hause Marvel Comics in die Schlacht ziehen möchte, ist an der gänzlich falschen Stelle. Es geht aber um nicht weniger bekannte Athleten wie etwa Batman, Green Lantern oder Wonder Woman. Die ebenfalls spielbaren Schurken stammen natürlich aus der gleichen Welt. Lex Luthor, Harley Quinn und der Joker stehen hier unter anderem zur Stelle.

In Sachen Optik ist Injustice: Götter unter uns ein zweischneidiges Schwert. Die Zwischensequenzen während der Handlung wirken nämlich oft unsauber animiert. Die Spielegrafik hingegen kommt wesentlich hübscher daher und trumpft mit einigen Attributen auf. Die Animationen können sich auf alle Fälle sehen lassen, was ebenfalls für die abwechslungsreich gestalteten Arenen gilt. Diese führen einen zu bekannten Schauplätzen, die eben auch in den Filmen beziehungsweise Comics oftmals eine wichtige Rolle spielen.

Injustice Götter unter uns

So darf man beispielsweise innerhalb von Bruce Waynes Haus die Fäuste fliegen lassen oder Kinnhaken in der Festung der Einsamkeit verteilen. Ebenfalls gibt es Ausflüge nach Atlantis und Metropolis zu bestaunen. Die Umgebungen wirken hübsch gestaltet und erinnern sofort an die jeweiligen Vorbilder. Doch auch die Charakterkonzeption lässt sich dieses Kompliment machen, sodass die Grafik trotz kleinerer Schwächen alles andere als schlecht ist.

Injustice Götter unter uns

Der Sound ist solide ausgefallen. Die Synchronisation der Figuren bringt zwar einige eher unpassende Stimmen mit sich, doch die Mehrheit der Sprecher erweist sich als motiviert. Dabei haben es auch einige bekannte Stimmen ins Spiel geschafft. Ansonsten kann man sich über den musikalischen Bereich nicht beschweren. Die Hintergrundklänge sind stimmig und die Soundeffekte voll. Mehr braucht man in einem Titel dieser Gattung nicht.

Die Steuerung lässt sich natürlich nicht separat vom Gameplay betrachten, schließlich spielt hier das Kampfsystem die beherrschende Rolle. In einem Tutorial werden einem dabei schon zu Beginn alle wichtigen Einlagen vorgestellt, die zwar erst nach und nach in Fleisch und Blut übergehen, aber so schon einmal einen ordentlichen Einstieg bescheren. Profis können ihre Steuerung anpassen und aus verschiedenen Steuerungstypen wählen. Zudem bleibt es einem selbst überlassen, ob man den Recken mit dem Digitalkreuz oder dem Analogstick bewegt.

Injustice Götter unter uns

Das Kampfsystem selbst ist eingängig, zumal man jede Aktion im Training verinnerlichen kann beziehungsweise in den Optionen eine Aktionsliste bereitgestellt bekommt. Es gibt drei einfache Angriffe, die durch die Richtungstasten verändert werden können. Außerdem lassen sich mit gezielten Kombinationen Spezialangriffe einbringen. Da kommen dann die bekannten Fähigkeiten der Charaktere ins Spiel, die man eventuell bereits in den Filmen oder Comics zu Gesicht bekommen hat. Superman nutzt etwa seinen Hitzestrahl, während Wonder Woman mit der Peitsche hantiert. Die Palette der Angriffe ist groß und aufgrund der breiten Figurenauswahl zudem ziemlich abwechslungsreich.

Die Auseinandersetzungen haben viel vom bekannten Mortal Kombat-Flair. Einige Angriffe und Aktionen ähneln dem besagten Spiel sehr, doch auch Neuerungen braucht man nicht zu vermissen. Eine besondere Anzeige, die sich in vier Abschnitte unterteilt, sollte der Spieler während des Kampfes stets im Blick haben. Einzelne Balken können Spezialangriffe verstärken, während die volle Leiste eine noch größere Schlagabfolge auslöst, die mit einer kurzen Filmsequenz einhergeht. Zum Beispiel ruft Batman dann sein Fahrzeug, das den Gegner daraufhin überfährt. Jeder Charakter verfügt natürlich über eine andere Sequenz, die immer wieder schön anzusehen ist. Schnell hat man jedoch alle Filmchen gesehen, weshalb es nett gewesen wäre, wenn die Figuren mehrere solcher Attacken spendiert bekommen hätten.

Injustice Götter unter uns

Die besagte Spezialleiste kommt im Übrigen auch bei den Wetten zum Einsatz. Jeder Kämpfer kann einmal pro Runde nach Ablauf der ersten Energieanzeige eine Art Herausforderung ausrufen. Dann hat man die Möglichkeit, einen beziehungsweise den kompletten Teil der Spezialleiste zu setzen. Je nachdem welchen Einsatz der Gegenspieler geleistet hat, kann man sich über eine teilweise Regeneration der eigenen Kraft oder einen entstandenen Schaden beim Feind freuen. Dieses System bring abermals Abwechslung ins Geschehen, wenngleich gerade zu Beginn nicht immer schlüssig ist, wie dieses Feature eigentlich funktioniert.

Etwas simpler zu verstehen ist dagegen die Interaktion mit der Umgebung. Die verschiedenen Kampfarenen bieten je nach Handlungsort einige Möglichkeiten, um in die Auseinandersetzung miteinbezogen zu werden. Da wird zum Beispiel ein umherfliegender Roboter einfach genommen und zum Gegner geworfen. Oftmals kann der Widersacher gegen Objekte getreten werden, wobei an vielen Stellen sogar Levelübergänge warten. Ein gezielter Tritt befördert den Kontrahenten dann in einen komplett anderen Bereich, der neue Gegenstände bereithält. Eine interessante Idee, die bereits in den alten Mortal Kombat-Teilen Verwendung fand, nun aber ausgebaut wurde.

Injustice Götter unter uns

Neben dem Story-Part stehen weitere Modi zur Stelle, in denen die Kämpfe mit bestimmten Voraussetzungen bestückt sind. So kann es beispielsweise sein, dass der eigene Athlet vergiftet ist und daher ständig einen Teil seiner Gesundheit verliert. Durch diese und weitere Missionen wird die Spielzeit noch ein wenig gestreckt. Wer sein Glück online versuchen möchte, kann sich natürlich mit Spielern aus der ganzen Welt messen, wobei hier außer simplen Zweikämpfen zudem nette Variationen zur Verfügung stehen. In einer Art King of the Hill muss eine Spielergruppe zum Beispiel so lange gegen den Champion antreten, bis dieser endlich besiegt wurde und der entsprechende Kämpfer seine Position einnimmt.

Injustice: Götter unter uns ist ein interessantes und vor allem vielseitiges Spiel, das sicherlich das Rad der Prügler nicht neu erfinden kann, aber dennoch verdammt viel Spaß bereitet. Die vielen bekannten Charaktere fügen sich bestens in den Kampfalltag ein und sorgen mit ihren Spezial- und Superangriffen stets für individuelle Unterhaltung. Sicherlich hätte man auf die oft plumpe Story verzichten können, doch kann man es den Machern immerhin anrechnen, dass sie sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Wer Mortal Kombat schon mochte und auf Blut verzichten kann, bekommt hiermit die spielerische Steigerung vor die Nase gesetzt. Das Kampfsystem ist eingängig und wird daher den meisten Spielern gerecht werden, wenngleich Features wie etwa die Wetten nicht immer ganz so einfach zu verstehen sind.

Stärken des Spiels:

  • Vielseitig gestaltete Arenen
  • Passende Charakterauswahl
  • Abwechslungsreiche Auseinandersetzungen
  • Stimmiges Kampfsystem

Schwächen des Spiels:

  • Teils langweiliger Story-Modus
  • Wetten nicht immer nachvollziehbar
  • Zwischensequenzen etwas trist animiert
  • Jeder Charakter nur mit einem Super-Angriff

Insgesamt erhält Injustice: Götter unter uns von uns folgende Wertung:

Injustice Götter unter uns Award


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