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Die OUYA im Test

In 30 Monaten zu einer Summe 8,5 Millionen US-Dollar und innerhalb von 9 Monaten zu einer marktreifen und hoch frequentierten Konsole. Die Auslieferung der ersten finalen Exemplare begann am 28.03. dieses Jahres und wird am 25. Juni durch die offizielle Markteinführung in den USA abgelöst. Hierzulande ist die Android basierte Konsole aller Voraussicht nach nur kurze Zeit später über die Amazon Plattform verfügbar.

Wir haben die über Kickstarter finanzierte Android Konsole OUYA auf Herz und Nieren getestet. Diese wird voraussichtlich in den nächsten Wochen dieses Jahres über Amazon, zum Preis von 119,99 Euro, veröffentlicht und basiert auf Googles Android der Version 4.1.

OUYA Verpackung

OUYA Datenblatt
Prozessor NVIDIA Tegra 3 Quad-Core
Arbeitsspeicher 1 GB
Interner Flash Speicher 8 GB (über USB erweiterbar)
USB 1 x USB 2.0, 1 x Micro-USB
Konnektivität Wi-Fi (802.11 /b/g/n), Ethernet Port, Bluetooth
Abmessungen 75mm x 75mm x 82mm
Gewicht 300 Gramm
Spielangebot 136 (Stand 10.06.2013)

Das Konzept dieser Konsole ist relativ einfach und übersichtlich. Ziel bei der Umsetzung war es, eine für alle bezahlbare Konsole zu kreieren, welche das Spielen auf dem heimischen Fernseher wieder attraktiv macht. Mittel zur Umsetzung ist unter anderem das „First Try then Pay“ Konzept welches konsequent bei jedem Spiel eingehalten werden muss. Dieses bietet die Möglichkeit, jedes verfügbare Spiel für die Konsole vor dem Kauf ausgiebig zu testen. Die Entwickler haben jedoch die Möglichkeit den Umfang eines Spieles massiv einzuschränken um dem, potenziellen, Endkunden, nur eine Vorschau zu bieten. Dies geschieht in der Praxis beispielsweise durch Zeitliche Beschränkung (Pix’n Love Rush) oder Credits die man pro Spielsitzung verbraucht, sich jedoch täglich regenerieren (Canabalt HD).

OUYA Pressefoto

Die Umsetzung dieser Idee ist Hardware- sowie Softwaretechnisch gelungen. Die Konsole selbst sieht, trotz Ober- und Unterseite aus Plastik, dank dem verwendeten gebürsteten Aluminium hochwertig aus. Die Anschlussmöglichkeiten an der Konsole selbst beschränken sich auf ein Minimum. So gibt es, als Alternative zur Verbindung per WLAN, die Möglichkeit die Konsole per Ethernet Kabel mit dem Internet zu verbinden. Des Weiteren befindet sich ein HDMI Port zum Anschluss an den Fernseher als auch ein Micro USB Port für Entwickler auf der Rückseite der kleinen Konsole. Mit ihren Maßen von 75mm x 75mm x 82mm besitzt sie eine Größe ähnlich der berühmten Rubiks Cubes (Zauberwürfel).

OUYA Frontansicht

Zur Speichererweiterung findet sich dort zudem ein USB 2.0 Anschluss der die Möglichkeit bietet, die internen 8 Gigabyte, von denen rund 5,4 zur eigenen Verfügung stehen, zu erweitern. Ähnlich minimalistisch ist auch der einzige Knopf der Konsole, dieser befindet sich auf der Oberseite und wird zum ein- oder ausschalten genutzt.

Das innere der Konsole erreicht man durch entfernen der 4 Innensechskant (Inbus) Schrauben und Abnehmen der Kunststoffabdeckung.

OUYA Oben offen

Dort befindet sich die Platine auf welcher alle Systemkomponenten platziert wurden. Wie schon zu sehen ist der Ethernet-Port eher aufgelegt als befestigt, dies beeinträchtigt die Funktionsweise nicht, hätte aber gründlicher gemacht werden können.

OUYA Platine

Der Controller schließt sich der Designlinie der Konsole an verzichtet auf überflüssige Elemente. Wie alle aktuellen Konsolen-Controller besitzt auch der Controller der Ouya zwei Analogsticks, ein Steuerkreuz (D-Pad), 4 Aktions- und 4 Schultertasten. Die Aktionstasten sind hier jedoch nicht wie üblich mit A, B, X, Y, beschriftet sondern bilden im Uhrzeigersinn gelesen den Namen der Konsole O, U, Y, A.

OUYA Controller

Zur Rückkehr in das Hauptmenü und zum starten des Controllers bei Einschalten der Konsole befindet sich ein Button zwischen D-Pad und rechtem Analogstick. Dieser muss zweimal in Folge gedrückt werden um in das Menü zurückzukehren. Der Druckpunkt der Tasten ist sehr gut und sie lassen sich komfortabel bedienen. Das Problem welches einige Käufer hatten, die ihre Konsole frühzeitig über Kickstarter erhalten haben, bei dem sich die Buttons in der Aluminiumabdeckung verkantet haben, lies sich nicht reproduzieren. Zudem wurde auch über merkliche Latenzen zwischen Eingabe und Ausführung berichtet. Diese konnten ab einer Entfernung von über 3 Metern zur Konsole reproduziert werden. Die Bluetooth Verbindung scheint in diesem Fall keine große Distanz überbrücken zu können. Alternativ lassen sich jedoch handelsübliche USB Controller verwenden, da deren Verwendung bereits im Android Basisystems verankert ist. Zudem ist, durch die Verwendung von Bluetooth als Übertragungstechnologie für den Controller, die Möglichkeit gegeben, einen Xbox 360 Controller (dessen Tastenbelegung identisch ist) per Bluetooth oder Kabel an die OUYA anzuschliessen.

Der Kontroller liegt gut in der Hand und macht einen soliden Eindruck. Mit Energie versorgt wird dieser über, unter Abdeckungen liegenden, reguläre AA-Batterien die im Kauf inbegriffen waren.

OUYA Controller offen

Wichtig für das Spielerlebnis ist weiterhin die Gestaltung des Interfaces. Dieses lässt sich derzeit, trotz Umstellung der Systemsprache auf Deutsch, nur in Englisch nutzen.

Ouya Interface Startbildschirm

Die Navigation erfolgt mit Mauszeiger und Touchpad oder per Analogstick/D-Pad. Unterteilt wird zu Beginn in 4 Menüpunkte. Unter PLAY finden sich alle schon heruntergeladen und / oder zur Installation bereiten Spiele. DISCOVER bietet Zugriff auf alle Spiele die derzeit zur Installation bereit stehen. An Entwickler und Menschen welche eigene Applikationen installieren richtet sich MAKE, dort kann auf den Systemeigenen Browser zugegriffen werden um bspw. eigene Programme zu installieren. Zuletzt bietet MANAGE den Zugriff auf jegliche Systemeinstellungen, wie auch das Standard Android Einstellungsmenü.

OUYA Interface PLAY

Interessant bei Betrachtung des Shops sind die verwendeten, eher unüblichen, Kategorien.

OUYA Interface DISCOVER

So lässt sich nicht erkennen nach welchen Kriterien Spiele in eine bestimme Kategorie fallen und auch aus den Namen dieser lässt sich das nicht eindeutig herleiten. So ist relativ klar das STAFFPICKS mit Spielen bestückt ist, die vom Team ausgewählt werden. Bei CHECK IT bleibt eine Erklärung hingegen offen. Wann werden Spiele dort gelistet und ist möglicherweise sogar eine finanzielle Gegenleistung erforderlich um dort gelistet zu werden. Unter Genres setzt sich dieses Bild fort. Die Spiele welche in der Kategorie SANDBOX präsentiert werden, haben es, laut Aussagen der Macher, in Ihrer Qualität und Beliebtheit noch nicht in das reguläre Angebot geschafft, können dort aber trotzdem von jedem Interessierten heruntergeladen und ausprobiert werden.

OUYA Interface Discover 2

Hier sollte nachgebessert werden um dem Benutzer eine einfachere Navigation zu bieten. Die Möglichkeit gute Spiele zu finden gestaltet sich durchaus schwieriger als es vermutlich sein müsste.

Mit 136 Spielen ist das Angebot deutlich geringer als anfangs erwartet und versprochen. Trotzdem findet sich der ein oder andere bekannte Name in der Liste der bereits verfügbaren Spiele. So hat Square Enix mit Final Fantasy III bereits einen, mit 23 Jahren eher alten, aber immer noch guten Titel für die OUYA veröffentlicht. Bekannt ist ebenfalls TwitchTV welche bereits seit April eine Applikation zum Anschauen von dort gehosteten Livestream veröffentlicht hat. Folgend finden sich nur noch bekannte aber unpopuläre Titel. Dazu zählen unter anderen Canabalt und TuneIn.

OUYA Spieleangebot

Unterstützung zugesagt hatte auch der Erfinder von Minecraft, Notch, der bei genug Interesse bereit ist, eine OUYA Version des Welterfolges zu veröffentlichen. Dieses ist bis dato nicht

Die primäre Aufgabe einer solchen multimedialen Box liegt nicht zwingend bei Spielen. Ähnlich wie ihre großen Konkurrenten lässt sie sich als Mediacenter nutzen. Als Software lässt sich dafür beispielsweise XBMC einsetzen.

OUYA XMBC

Dieses kann von USB Speicher alle populären Medienformate abspielen. In unserem Test funktionierte das Abspielen einer digitalisierten Blu-ray mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel ruckelfrei und ohne Probleme. Rein Leistungstechnisch spielt die Konsole, dank der Möglichkeit der höheren Taktrate durch den verbauten Lüfter, in der oberen Liga der Smartphone Flaggschiffe mit.

OUYA Benchmark

OUYA Benchmark

OUYA Benchmark

OUYA Benchmark

OUYA Pressefoto

Die OUYA stellt eine gelungene Mischung aus Preis und Leistung dar. Der für das System optimierte Tegra Chip von NVIDIA leistet, in Verbund mit der verbauten Kühlung, gute Dienste und sorgt für eine stabile Spielumgebung. Android sorgt zudem für eine Offenheit die Spielkonsolen nicht oft mit sich bringen. So überzeugt besonders XBMC als Mediencenter für den heimischen Fernseher. Verarbeitungstechnisch wurde gute, wenn auch nicht perfekte Arbeit geleistet. Besonders der Controller hätte einen Leistungsfähigeren Chip für höhere Distanzen vertragen. Zudem ist das Spielangebot zum derzeitigen Zeitpunkt noch deutlich ausbaufähig und kein Kaufargument.

Alles in allem ist die Konsole, welche sich bereits jetzt über Amazon vorbestellen lässt, ihr Geld wert. Selbstverständlich gibt es einige Baustellen, diese gehören aber in die Kategorie der Kinderkrankheiten und können über ein Software Update behoben werden. Im Vergleich mit etablierten Konsolen schneidet sich selbstverständlich nicht annähernd gut ab, dafür wurde sie aber auch nicht geschaffen. Sie richtet sich mit ihrem vielfältigen Angebot, in Spiele- und Medienhinsicht, an jeden, der den Inhalt auf seinem Fernseher interaktiv gestalten möchte. Sei dies nun durch Spiele, oder durch das Abspielen von Medien über eine entsprechende Applikation.

Jeder dessen Interesse geweckt wurde, kann sich die Konsole Amazon für 119,99 Euro vorbestellen.


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