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Defiance für Xbox 360 im Test

Der Shooter Defiance ist erst kürzlich recht leise in den Händlerregalen gelandet. Dabei verfolgt das Projekt ziemlich große Ambitionen, schließlich will man mit dem Videospiel nicht nur ein längerfristig motivierendes Onlinespiel anbieten, sondern auch eine Verzahnung mit der gleichnamigen TV-Sendung schaffen, die jetzt ebenfalls an den Start geht. Nun könnte man meinen, dass abermals nur eine Lizenz verwurstet wird, doch genau das ist eben nicht der Fall. Dafür spricht auch, dass die Macher versprochen haben, dass sich beide Projekte wechselseitig beeinflussen sollen.

Man darf gespannt sein, welche Pläne noch in den dunklen Gemäuern von Trion Worlds lauern, denn immerhin fehlen genauere Erklärungen zur Umsetzung des konzeptionellen Rahmens. Die Grundidee klingt jedoch allemal interessant, doch Ballerspiele gibt es trotzdem zur Genüge, weshalb die berechtigte Frage bleibt, wie sich Defiance im Vergleich zur Konkurrenz durch den bleihaltigen Dschungel des Shooter-Genres schlagen kann.

Defiance Squads

Defiance ist in einer noch fernen Zukunft angesiedelt, die wieder einmal durch einen epochalen Krieg gekennzeichnet ist. Dieses Mal sollten die Menschen mit der außerirdischen Rasse der Votaner jedoch neue Feinde bekommen. Nach der entscheidenden Schlacht, in der die so genannte Archetechnologie eine ausschlaggebende Rolle gespielt hatte, kehrte weitestgehend Ruhe ein. Jedoch wurde die Erde durch die Alien-Technik grundlegend verformt, sodass vom einstigen Antlitz nur noch bergige Landschaften und karge Steppen übriggeblieben sind. Die Archeartefakte sind zwar gefährlich, aber jede Menge Geld wert, weshalb inzwischen ein florierender Handel entstanden ist.

Defiance Kampf gegen Monster bei Nacht

Richtiger Friede ist daher immer noch nicht eingekehrt. Es ist nach wie vor allerhand Getier in Form von Mutanten, Monstern und Söldnern unterwegs, die mit ihren ausschweifenden Ballerorgien für Unruhen sorgen. Und dann sind da ja noch die Archejäger, die für Geld die besagte Technologie erbeuten wollen. Der Spieler selbst schlüpft in die Rolle einer dieser Jäger und erlebt gleich zu Beginn einen Raumschiffsabsturz, bei dem der schmierige Auftraggeber abhandenkommt. So verbringt man die ersten Spielstunden mit der Suche seines Chefs und führt zudem Missionen aus, die auch für den Erhalt der Menschheit wichtig sind.

Dadurch lernt man nach und nach mehr über das Leben auf der Erde kennen, immerhin wirkt die Handlung gerade für Einsteiger relativ undurchsichtig. Wer die Story-Missionen verfolgt, wird sich dem futuristischen Setting allerdings schnell anschließen können. Darüber hinaus darf man sich aber auch in so genannten Episoden-Aufträgen austoben. Diese sind insofern Handlungsrelevant, als man hier direkt auf die virtuellen Protagonisten der TV-Serie trifft und mit ihnen gemeinsam Aufgaben erfüllt. Zum Start des Videospiels stehen aber nur eine Hand voll solcher Spezialmissionen zur Verfügung.

Hand aufs Herz: Defiance ist wahrlich kein opulentes Spiel und damit schmeichelt man dem Spektakel leider noch. Schon der erste Blick verrät, dass man aufgrund der weitläufigen und großzügig gestalteten Spielwelt auf optische Leckerbissen verzichtet haben muss, doch etwas mehr Futter für das Auge wäre wahrlich nicht verkehrt gewesen. Während die Zwischensequenzen mit schwachen Texturen und flimmernden Bildern aufwarten, sieht es auch im eigentlichen Geschehen kaum besser aus.

Defiance Kampf gegen Monster bei Tag 1

Die vielen grauen, braunen und grünen Berge wirken spätestens nach einer Stunde Spielzeit ziemlich öde. Die Prämisse einer postapokalyptischen Welt kann hier wohl kaum als Ausrede für solch eine langweilige sowie dröge Gestaltung herhalten. Animationen und Effekte sind ebenfalls kaum der Rede wert. Hinzu kommen zudem einige technische Patzer, die hoffentlich in absehbarer Zeit noch beseitigt werden. Nebst unschönen Ruckeleinlagen haben sich einige kleinere Bugs in das Spiel eingeschlichen. Während des Tests fuhren beispielsweise gerne mal herrenlose Quads an einem vorbei. Dass da schon ein Teil der Atmosphäre verloren geht, versteht sich wohl von selbst.

Defiance Kampf gegen Monster bei Tag 2

Der Sound dagegen lässt sich getrost als solide bezeichnen. Nette Hintergrundklänge und passende Soundeffekte bleiben im Gedächtnis, wobei auch die deutsche Synchronisation durchaus passabel ist. Einzig die Gegnerscharen fallen mit der Zeit mit sich ständig wiederholenden Sprüchen negativ auf. Ein wenig mehr Humor und Vielfalt hätte dem Spiel an diesem Punkt gut getan.

Die Steuerung von Defiance wird dem Spieler zu Beginn in einem kleinen Tutorial näher gebracht. Dabei bekommt man ebenfalls die Möglichkeit, alle Spezialfertigkeiten auszuprobieren, von denen sich der Protagonist eine aussuchen kann. Die Spielfigur steuert sich alles in allem recht präzise, per Knopfdruck zoomt die Waffe in eine Ziel-Perspektive, die das Anvisieren der Feinde wie in fast allen gängigen Third-Person-Shootern vereinfacht. Einzig die Menüführung gestaltet sich für Neulinge nicht ganz so einfach und übersichtlich wie man es sich gewünscht hätte. Nicht ganz unwichtige Spielmechaniken sind zum Beispiel in den Tiefen der Optionen versteckt.

Defiance Squad im Sprung

Das Spielprinzip von Defiance fußt auf einer riesigen Karte. Dort sind sämtliche verfügbaren Missionen angezeigt. Natürlich müssen immer mal wieder Aufträge erfüllt werden, damit neue hinzukommen können, jedoch gibt es auch eine beträchtliche Anzahl von Nebenaufgaben, die zusätzliche Erfahrungspunkte auf das Konto spülen. Wer nur auf ein wenig Reputation und Spaß aus ist, kann sich aber auch mit Rennen oder ähnlichen Scherzeleien beschäftigen.

Letztlich liegt es an einem selbst, wie man sich durch die Umgebung kämpft. Ein wichtiges Kriterium ist das Spielen miteinander, denn in Defiance geht es stets online zur Sache. Während der Aufträge geht es zumeist mit allerhand Waffengewalt zu. Man muss Gegnerwellen ausschalten, Items von einem zum anderen Punkt mit seinem Gefährt bringen oder sich einem besonders starken Bossgegner stellen. Dieses potenzielle Dauergeballer wäre wohl nur halb so spaßig, ohne die Unterstützung der restlichen Spielerschaft. Ist ein anderer Teilnehmer nämlich mit der gleichen Aufgabe beschäftigt wie man selbst, kann es durchaus sein, dass man gemeinsam in den Kampf zieht. Hin und wieder erledigt man seinen Kram natürlich auch allein, doch gerade diese Ungewissheit, ob nicht doch jemand menschliches an der Seite des Archejägers steht, hat einen gewissen Reiz.

Defiance Massenschlacht

Wenn man allerdings gezielt mit anderen Leuten interagieren möchte, sollten die zufälligen Ereignisse auf der Karte beachtet werden. Da stürzt dann zum Beispiel ein Teil aus dem Archegürtel vom Himmel und wird daraufhin von einem mächtigen Kontrahenten bewacht. Unzählige Kämpfer kommen dann an dieser Stelle zusammen und ringen um seltene Items. Ohnehin ist das Sammeln und Jagen nach Ausrüstung und Erfahrung essentiell. So verbessert man nämlich nicht nur die eigenen Fähigkeiten und die des Schießeisens, sondern erlangt mit der Zeit auch passive Fertigkeiten. Besonders hervorstechend sind in diesem Bereich die EGO-Kräfte, von denen sich der Protagonist zunächst eine auswählen darf. Somit bekommt man für einige Sekunden beispielsweise einen besonders starken Nahkampfangriff oder kann sich unsichtbar machen, um hinter einen Angreifer zu gelangen. Nach Benutzung bedarf es einer gewissen Abklingzeit bis das Feature erneut benutzt werden kann.

Auf einem umfangreichen Raster stehen viele dieser Befähigungen zur Ansicht beziehungsweise Freischaltung bereit, sodass man sich seinen eigenen Stil aneignen kann und eine konventionelle Klasseneinteilung kaum notwendig ist. Wahlweise können viele Items und Ausrüstungsgegenstände aber auch gekauft werden, wobei nicht nur das virtuell erbeutete Geld zur Stelle steht, sondern auch reales in Form von Mikrotransaktionen.

Defiance großes Monster

Traditionellere Gefechte können überdies auch auf klassischen PvP-Karten ausgetragen werden. Aber auch hier gilt: Solche Optionen muss man sich erst einmal mit Fleiß erkämpft haben. Wahlweise verfügt der Titel ebenfalls über einige kooperative Aufträge, bei denen bis zu vier Teilnehmer an den Start gehen können. Solche Auseinandersetzungen haben auf alle Fälle eine gewisse Würze, nur die technischen Defizite trüben immer wieder den eigentlich beständigen Eindruck.

Defiance hat immer wieder dafür gesorgt, dass wir innerlich hin- und hergerissen sind. Unter der antiquierten optischen Staubschicht wartet eigentlich ein überaus solider Mix aus klassischen Rollenspielelementen und gewohnten Shooter-Passagen. Besonders wird diese Mischung aber erst durch die Einbindung der Online-Funktionalitäten, die unglaublich viele Spieler miteinander verbindet und so den Weg für ein frisches Erlebnis ebnet. Zumindest eigentlich, denn abgesehen von der grottigen Grafik stellt sich das Spiel immer wieder selbst ein Bein. Sei es mit den technischen Schwierigkeiten, die schon bei der behäbigen künstlichen Intelligenz beginnen oder aber mit dem holprigen Einstieg. Somit wird das Spiel wohl nur eine gewisse Anzahl von Leuten erreichen. Luft nach oben ist noch vorhanden und es macht immerhin Hoffnung, dass man wohl auch weiterhin mit frischen Inhalten rechnen kann, sodass aus dem hässlichen Entlein vielleicht doch noch einmal etwas Ansehnliches hervorgehen wird.

Defiance Kampf gegen großes Monster

Stärken des Spiels:

  • Weitläufige Areale mit vielen Missionen
  • Tolles Mehrspielergefühl
  • Gelungene Implementierung verschiedener RPG-Elemente
  • Inhaltlich auf Langzeitmotivation ausgerichtet

Schwächen des Spiels:

  • Veraltete Optik und technische Schwierigkeiten
  • Öde Ausgestaltung der meisten Areale
  • KI-Mitstreiter wenig zu gebrauchen
  • Abwechslung ist nicht immer gegeben

Defiance Award


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