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Netgear Powerline Music Streaming Box im Kurztest

Und wieder gibt es heute einen neuen Teil in unserer Serie "Gadgets, die das Leben erleichtern können". Dabei dreht sich alles um das Thema Powerline-Netzwerk, also die Erweiterung des lokalen Netzwerks (LAN) über die Steckdose. Das Ganze ist schon längst nichts Neues mehr und bietet mittlerweile sogar ordentliche Bandbreiten und damit eine gute Möglichkeit, um das Netzwerk auch über größere Distanzen oder durch dicke Wände zu erweitern.

Ein ganz anderes Thema ist jedoch die Anbindung von Lautsprechern und USB Geräten über längere Entfernungen – und genau hier setzt die Netgear Powerline Music Streaming Box an. Dabei handelt es sich um ein Set aus zwei Powerline Adaptern, die ein solches Netzwerk ermöglichen, aber auch noch ein gewisses Extra an Bord haben. So findet sich an einem der beiden Adapter ein USB Port, an dem zahlreiche Geräte angeschlossen werden können, sei es nun ein Drucker bzw. Scanner, ein USB Stick oder eine Festplatte und sogar Lautsprecher.

Netgear Music Streaming Box 1

Lautsprecher an einem USB Port? Dazu liegt dem Set ein entsprechendes Kabel mit einem integrierten Chip bei, das die entsprechenden Daten decodiert. Schon können problemlos normale 2.0 Lautsprecher per 3,5 mm Klinke oder auch per Cinch angeschlossen werden und man hat eine recht einfache Lösung, um Audio-Signale über die Steckdose zu übertragen. Die wichtigste Frage, nämlich ob das Ganze in der Praxis auch so einfach funktioniert, wollen wir heute klären.

Wie immer geht an dieser Stelle noch an Dank an das Team von Netgear, die uns ein Testexemplar des genannten Sets zur Verfügung gestellt haben.

Hat man sich einmal für die Powerline Music Streaming Box entschieden und sie sich nach Hause bestellt bekommt man einen recht kleinen Karton, in dem sich alles befindet, was wir für den Betrieb benötigen. Dazu gehören der "normale" Powerline AV+ 200 Nano Adapter (XAV1601), der Powerline Music Extender (XAU2511), das bereits erwähnte 1,80 m lange USB-auf-Klinke/Cinch Kabel sowie zwei 2,0 m lange Ethernet-Kabel, um die Adapter auch im normalen Powerline-Betrieb nutzen zu können. Dazu gesellen sich noch eine recht ausführliche gedruckte Anleitung sowie eine CD mit einer digitalen Version der Anleitung und der benötigten Software.

Der Powerline AV+ 200 Nano Adapter von Netgear ist scheinbar schon etwas älter, was daran erkennbar ist, dass er nur zum deutschen Stecker-Typ F, dem bekannten Schukostecker, und nicht zum ähnlich aufgebauten französischen Stecker-Typ E kompatibel ist. Mit 105 x 58 x 41 mm fällt er recht kompakt aus und bietet einen 200 MBit/s Powerline-AV-Anschluss und einen 10/100 MBit/s Ethernet-Port, über den er mit einem Router verbunden wird. Schön ist, dass die Kontakte eine Kindersicherung aufweisen. Wie immer sollte der Adapter nicht an eine Verteilerleiste gesteckt werden, die maximale Stromstärke von angeschlossenen Geräten liegt bei 16 Ampere.

Der Powerline Music Extender ist zu beiden Steckertypen kompatibel, fällt aber mit 112 x 74 x 45 mm ein gutes Stück größer aus. Dieser bietet neben dem 200 MBit/s Powerline-AV-Anschluss und dem 10/100 MBit/s Ethernet-Port auch einen USB 2.0 Anschluss und einen Ein-/Ausschalter. Hier gelten ebenfalls die oben genannten Bedingungen.

Nach dem ersten Anstecken beider Adapter wird das Netzwerk selbständig eingerichtet und nach kurzer Zeit steht die Verbindung. Per Knopfdruck an den Adaptern lässt sich die Verbindung automatisch verschlüsseln, ansonsten kann über die Netgear Powerline Utility Software auch ein eigenes Passwort vergeben werden. Der normale Netzwerkbetrieb läuft reibungslos, ist hier aber nicht weiter von Belang, da wir uns voll auf den USB Port konzentrieren wollen.

Beginnen wir mit dem einfachsten Einsatzzweck – dem Netzwerkspeicher. Dazu wird ein beliebiger Stick oder eine Festplatte an den USB Port angeschlossen. Über das Netzwerkinterface lassen sich Dinge wie Ordner-Name, Lese- und Schreibrechte und auch der Zugriff über HTTP oder FTP einstellen. In einem kurzen Test mit einem SanDisk Cruzer erreichten wir bei der Übertragung einer *.rar Datei am PC eine Geschwindigkeit von ca. 18 MB/s, über den Extender sank die Geschwindigkeit auf 3 MB/s, sowohl bei Zugriff über den Windows Explorer als auch per FTP-Client. Als NAS ist er also nicht wirklich zu gebrauchen, eher für den schnellen Austausch kleiner Dateien. Dazu kommt ein weiteres Problem, denn unsere beiden getesteten USB 3.0 Sticks wurden nicht erkannt, vermutlich ist der Extender gänzlich inkompatibel dazu.

Die zweite Aufgabe, die Anbindung eines Druckers, meistert Netgear allerdings mit Bravour. Ein angeschlossener HP Deskjet F4580 wurde problemlos erkannt und für das gesamte Netzwerk bereitgestellt, auch ohne Netgear USB Media Extender Software. Die Treiber besorgt sich Windows 7 über Windows Update von selbst, sodass auch hier keine weitere Installation notwendig ist. Scanvorgänge sind ebenfalls kein Problem und lassen sich wahlweise über das Windows-interne Tool oder die genannte Software durchführen, die ein paar zusätzliche Funktionen bietet.

Das beworbene Einsatzgebiet bleibt jedoch die Audio-Übertragung, um die es jetzt geht. Um dieses Feature zu nutzen gibt es verschiedene Wege. Der einfachste Weg ist die Verwendung als AirPlay Gerät, womit die angeschlossenen Lautsprecher einfach über iTunes, iOS Geräte oder auch Android Geräte mit einem entsprechenden Player (z.B. Twonky) angesteuert werden kann. Die zweite Möglichkeit ist die Installation der Software, woraufhin der PC die Lautsprecher erkennt, so kann man sie als Wiedergabegerät auswählen. In beiden Fällen erfolgt die Wiedergabe stark verzögert (2-4 Sekunden) und deutlich lauter als an der Quelle selbst, die Qualität bleibt gut, wird aber gefühlt ebenfalls etwas eingeschränkt. Für Filme ist der Music Extender somit nicht zu gebrauchen. Lautstärkeänderungen werden merkwürdigerweise sofort übernommen – scheinbar ist der im Kabel integrierte Chip das entscheidende Element. Ein Firmware-Update brachte hier schon Besserung, möglicherweise kann das zukünftig weiter gesteigert werden.

Zum Abschluss des heutigen Tests betrachten wir das Ganze mit gemischten Gefühlen.  Die Grundidee hinter dem Powerline Music Extender ist nicht schlecht, denn wenn Musik schon über WLAN und Bluetooth gestreamt werden kann, wieso nicht einfach über die Steckdose? Allerdings leidet der Extender noch an diversen Kinderkrankheiten, die man möglicherweise in einer zweiten Auflage ausbügeln könnte. Da wären zum Beispiel die teils extrem hohe Verzögerung bei der Wiedergabe von Musik oder auch die fehlende Unterstützung für USB 3.0 Speichermedien. Gleichzeitig sollte der Datendurchsatz über den USB Port etwas gesteigert werden, um es tatsächlich sinnvoll als kleines NAS nutzen zu können. Darüber hinaus würde eine DLNA-Zertifizierung die Wiedergabe mit Nicht-iOS-Geräten deutlich vereinfachen.

Netgear Music Streaming Box 1

Grundsätzlich erfüllt die Netgear Music Streaming Box jedoch ihren Zweck und kann eben bei Besitzern eines iPhones oder iPods voll punkten. Durch das Adapter-Kabel lassen sich sowohl herkömmliche Computer-Boxen als auch HiFi-Lautsprecher anschließen und betreiben. Der Preis dafür ist jedoch nicht ganz ohne, denn gleich 82,95 Euro (Geizhals.de / Stand 03.04.2013) werden für die Music Streaming Box fällig. Vergleichbare Sets ohne den USB Port sind bereits für die Hälfte erhältlich. Dazu kommt, dass der Preis des Music Extenders allein, also ohne zweiten Adapter, mit 87,00 Euro (Geizhals.de / Stand 03.04.2013) sogar darüber liegt, was ärgerlich sein dürfte, falls bereits ein Powerline-Netzwerk vorhanden ist. Deswegen bleibt ein Award zum jetzigen Zeitpunkt aus, sollte man die genannten Probleme ausbessern könnte sich das aber ändern.


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