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BitFenix Prodigy

Kaum aus dem Sommerurlaub zurück stand vor unserer Tür auf einmal etwas Sonderbares. Ein Logo stach hervor und man erkannte sofort seinen Schöpfer – BitFenix. Dann stellte sich das kleine sonderbare Wesen als Prodigy vor. Das Wunderki

Gänzlich in unschuldigem weiß gekleidet und mit klaren Kurven spielend will es uns mit seiner sanften Oberfläche umgarnen. Doch der Kleine hat es, weiß Gott, Faust dick hinter den Ohren. Nicht weniger als ein ausgewachsener Gaming PC soll sich darin verstauen lassen. Geschützt und in Szene gesetzt von spielerisch schwebenden Bügeln aus höchst flexiblem Kunststoff. Doch BitFenix spricht auch davon, man könne hier eine komplette Wasserkühlung unterbekommen.

 

 

All das baut auf dem immer beliebter werdenden Mini-ITX Formfaktor auf, für welchen es mittlerweile durchaus schon so etwas wie High End Mainboards gibt, die auch auf diesem kleinen Format waschechte Pixelschleudern zaubern lassen. Es war also nur eine Frage der Zeit bis auch BitFenix ein Gehäuse für genau diesen Markt präsentiert. Sie haben sich Zeit gelassen und offensichtlich einiges an Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Ob man damit dem Namen gerecht wird und wir wahrlich ein kleines Wunderkind zu Gesicht bekommen, muss der Test nun zeigen.

BitFenix Prodigy Review

Es ist wohl kaum verwunderlich, dass man sich beim ersten Betrachten des Prodigy Gehäuses zwangsläufig an einen Apple Mac erinnert fühlt. Zumindest hat man sich bei einem entscheidenden Element, den Griffen, doch deutlich vom Apple Tower inspirieren lassen. Der Erste wäre BitFenix damit schon lange nicht mehr. Bevor nun aber jeder an Wurfgriffe denkt, dem sei gesagt, dass diese Griffe bzw. Standfüße bei BitFenix doch einem größeren Zweck dienen sollen. Durch den Einsatz eines neuen und hochflexiblen Kunststoffs Namens „Fyberflex“ lassen sich die geschwungenen Flügel sehr stark verformen, ohne dass sie dabei irgendeinen Schaden nehmen. Im unwahrscheinlichen Fall einen Sturzes im Getümmel einer LAN könnten diese sogar als eine Art Aufprallschutz durchgehen. Zudem sollen sie auch Vibrationen davon abhalten durch das Gehäuse auf den Untergrund überzugehen.

BitFenix Prodigy Review

Die Kunststoffanbauteile sind dabei alle mit einer weißen Softtouch Oberfläche ausgestattet. Zusammen mit den matt-weißen Metallteilen ergibt dabei eine sehr gelungene Optik mit ruhigen und eleganten Linien. Entgegen der schwarzen Version des BitFenix Prodigy verfügt die von uns getestete weiße Version an der Front jedoch nicht über ein Meshgitter, sondern ist komplett geschlossen. Einzig winzige Luftöffnungen am Rand der schwarz umrahmten Abdeckung lassen den intern verbauten 120 mm Lüfter Luft ansaugen. Im Vergleich zieht die weiße Version damit deutlich den Kürzeren im Bezug auf die Performance, könnte aber wiederum mit besseren Werten bei der Geräuschdämpfung punkten. Da uns aber leider keine schwarze Version zur Verfügung steht, können wir diese Vermutung nicht bestätigen. Das einzige dominante Merkmal an der Front ist das schwarze Firmenlogo. Die Abdeckung des 5,25 Zoll Schachtes dagegen ist schlicht in Weiß gehalten und wird mit einem schmalen schwarzen Rand von der Front abgesetzt.

BitFenix Prodigy Review

Wer an der Front ein Panel mit Power / Reset Button und Konsorten sucht, der wird dies vergeblich tun, denn das Panel ist an die rechte Seitenwand gewandert. Dort bietet es neben dem angesprochenen Power und Reset Button zwei USB 3.0 Ports und die Audioanschlüsse. Nicht jedem wird diese Lösung gefallen, doch zum Wohle einer sauberen Front war wohl kaum ein anderer Weg möglich. Das Dach, auch ein möglicher Ausweichort, wird schon von einem großen Meshgitter in Beschlag genommen unter welchem sich bis zu zwei 120 mm Lüfter verbauen lassen. Das Gitter lässt sich einfach entnehmen und verfügt glücklicherweise über einen Staubfilter. BitFenix spricht hier sogar davon, dass man in dem Gehäuse problemlos einen 240er Radiator verbauen können soll – ob dem so ist werden wir später klären. Der restliche freie Raum liegt unter den Flügeln und würde das anbringen von USB Sticks unmöglich machen.

BitFenix Prodigy Review

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Am Heck lässt sich trotz des kleinen Gehäuseformats ein großer 140 mm Lüfter verbauen. Standardmäßig geht hier allerdings wie in der Front ein 120 mm Lüfter zu Werke. Das Netzteil wird von außen in das Gehäuse eingeschoben und mit einer zusätzlichen Blende verschraubt. An Erweiterungsslots bietet das Gehäuse die für das verwendete Mainboardformat typischen 2 Slots. Der Montage einer Dual-Slot-Grafikkarte stünde so also nichts im Wege, dafür würden sich in diesem Fall aber auch keine weiteren Elemente wie Soundkarten oder ähnliches unterbringen lassen können. Um einer solchen Konstellation auch im Bereich der Kühlung Herr zu werden, verfügt das linke Seitenpanel über einen großflächig gelochten Bereich auf Höhe der Grafikkarte.

Zusammengefasst macht das kleine Prodigy Gehäuse von außen durchaus etwas her. Die Formensprache ist klar, modern und unserer Auffassung nach sehr elegant für ein Gehäuse dieser Größe. Auch die Verarbeitung enttäuscht zu keiner Zeit. Sowohl die Softtouch Oberfläche der Kunststoffteile, als auch die Lackierung der Metallflächen wirken hochwertig und ohne Fehler. Qualitativ gibt man sich hier auf den ersten Blick die Blöße.

BitFenix Prodigy Review

Beim BitFenix Prodigy handeltes sich zwar um ein Gehäuse für ITX Mainboards, das kleinste seiner Klasse ist es aber bei weitem nicht. Seine Größe hat schon eher etwas von einem µATX Gehäuse. Man könnte den Ingenieuren also auf den ersten Blick absolute Platzverschwendung vorwerfen. Aber das Prodigy will ja nicht als schmaler HTPC verstauben. Vielmehr, und das wird am Innenraum sichtbar, will es ein kompakter Power PC sein.

BitFenix Prodigy Review

Das Mainboard im ITX Format liegt horizontal auf dem Mainboardtray, welcher gleichzeitig auch die Kammer für das Netzteil abtrennt. Links und rechts auf diesem Tray befinden sich jeweils zwei Öffnungen für Kabel und auch an dessen Rückwand befindet sich links und rechts eine Öffnung zum durchführen von Kabeln. Auf den ersten Blick eine sinnvolle Funktion, auch ganz ohne Gummilippen jeglicher Art. Problematisch wird diese strikte Abgrenzung nur bei der Wahl des Netzteils, denn länger als 16 cm sollte dieses bei der vorhandenen Tiefe von ca. 17,5 cm nicht sein. Und auch ein schnelles An- und Abstecken von modularen Kabeln ist nicht möglich. Dafür muss in jedem Fall das Netzteil ausgebaut werden. In Anbetracht dessen, dass man aber in der 16 cm Klasse Netzteile mit bis zu 800 Watt und mehr bekommt, sollte diese Einschränkung aber nicht all zu sehr ins Gewicht fallen. In jedem Fall würden wir ein modulares Netzteil bevorzugen, um den Innenraum nicht unnötig vollzustopfen. Wiederum keine Platzprobleme wird man bei der Kühlerwahl haben, denn hier können durchaus auch potente Kühler verwendet werden, genügend Kopffreiheit bietet das Gehäuse jedenfalls. Beschränkt wird die Wahl hier mehr von den am Markt angebotenen Mainboards und ihrem nah an den Grafikkartenslot gerückten Prozessorsockel.

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Von dieser Gehäuse-unabhängigen Problematik einmal abgesehen passt in das Raumwunder viel und auch die Variabilität lässt kaum zu wünschen übrig. In Sachen Festplattenkapazität kann man es mit den großen Gehäusen aufnehmen. So passen stattliche fünf 3,5 bzw. 2,5 Zoll Festplatten in die beiden drehbaren Käfige hinter dem Mainboard. Zwei im unteren und drei im oberen. Beide Käfige lassen sich mit wenigen Handgriffen entfernen, was wiederum Raum für größere Hardware oder zum Beispiel eine Wasserkühlung geben würde. Wer sich jetzt aber berechtigterweise fragt, wo man dann seine Festplatten unterbringen soll, dem seien die zwei zusätzlichen 2,5 Zoll Schächte in der rechten Seitenwand ans Herz gelegt. Diese haben zwar die 2,5 Zoll Einschränkung, bieten aber immerhin Platz für eine System SSD und eine Daten HDD. Zusätzlich lassen sich auch an die Wand des Mainboardtrays noch zwei 2,5 Zoll Festplatten schrauben. Wie man es auch dreht und wendet, mit dieser Kombination aus zwei Käfigen und den zusätzlichen Plätzen bietet man dem Kunden eine Menge Freiheit bei der Nutzung des Innenraums. Mit dem Verzicht auf den oberen HDD Käfig lässt sich so auch Platz für alle aktuellen Grafikkarten machen, welche sonst in kleinen Gehäusen auf Grund ihrer Länge nicht hineinpassen. Mit nur einem 5,25 Zoll Schacht werden zwar viele zurechtkommen, aber gleichzeitig wird das auch vielen genau einer zu wenig sein. Hier muss man einfach abwägen, was man braucht.

BitFenix Prodigy Review

Das Lüftungskonzept fällt in so einem kleinen Gehäuse normalerweise recht kompakt aus. Nicht aber im Prodigy. In der Front befindet sich der serienmäßige 120 mm Lüfter. Optional lassen sich davon aber zwei verbauen oder jeweils ein 140, 180, 200 oder sogar ein 230 mm Lüfter. Im Dach bis zu zweimal 120 mm. Am Heck immerhin 120 oder 140 mm. Im Boden sind Schlitze für die Belüftung des Netzteils vorhanden. Sowohl diese, als auch das Gitter im Dach sind mit einem Staubfilter ausgestattet.

Der überzeugende Eindruck der Äußerlichkeiten setzt sich auch im Innenraum fort. Trotz der kleinen Einschränkung beim Netzteil bekommt man viel Funktionalität und Variabilität in die Hand gedrückt - und alles ist in unschuldiges Weiß gehüllt.

BitFenix Prodigy Review

Gespannt waren wir, wie sich das Gehäuse in der Praxis schlägt. Das Prodigy ist bei weitem nicht das kleinste Gehäuse, welches wir in unseren Händen hielten. Bei kleinen Gehäusen, und zu denen zählt es nun mal, kann der Einbau der Hardware schon mal zur Qual werden.

 

Das unbequemste beim Einbau der Hardware im BitFenix Prodigy ist unserer Meinung nach das Netzteil. Hier sollte man wirklich gut auf die Länge achten. Schon mit 16 cm langen Modellen kann es hier verdammt eng zugehen. Mit unserem 15 cm langen Netzteil war der Einbau problemlos. Bei dem von uns getesteten 16 cm Modell ohne Kabelmanagment musste man schon kräftig drücken um das dicke Kabelbündel am Ende so stark zu pressen, damit alles in das Gehäuse passte. Komfortabel sind dagegen die zwei vergleichsweise großen Kammern links und rechts neben dem Netzteil, in welchen sich sehr schön die überflüssigen Kabel verstauen lassen. Auch die Öffnungen lassen sich gut in das Setup mit einbeziehen. Der Einbau des Mainboards, welches wie üblich von nur vier Schrauben gehalten wird, ist dank der Freiheit über dem Mainboard einfach. Das einzige, was man braucht, ist ein nicht allzu langer Schraubenzieher. Sollte man sich, wie es von BitFenix angedacht ist, einen Gamer PC in das Wunderkind einbauen, so wird man sich auch auf eine andere Art und Weise über den zur Verfügung stehenden Freiraum freuen. Denn die gebotenen 19 - 20 cm in der Höhe sind perfekt für noch so große High Performance Kühler. Einzig das Mainboardlayout könnte hier zum Problem werden, denn bei aktuellen Sockel 1155 Mainboards sitzt dieser sehr nah an der Grafikkarte. Jedoch wäre es so auch möglich auf Basis der neuen AMD Trinity APUs eine passive Luftkühlung umzusetzen.

BitFenix Prodigy Review

Und wer es auf die Spitze treiben will, der bekommt mit guter Planung auch ohne Probleme eine Wasserkühlung in dieses Gehäuse hinein. Natürlich beschränkt die Größe des Gehäuses, aber über Dach und Front stehen bei weglassen der großen HDD Käfige und des 5,25 Zoll Schachts viele Kombinationswege von unterschiedlichen Radiatorgrößen zur Verfügung, welche auch ein High Performance System kühlen können sollten. Doch auch mit Luftkühlungen ist einiges drin.

Beim Thema Performance und Betrieb gibt es sowohl Gutes als auch Schlechtes zu berichten. Fangen wir mit dem Guten an – die Lautstärke. Die von BitFenix verbauten Lüfter lassen sich aus einer Entfernung von ca. 1 m nicht mal bei geöffnetem Gehäuse orten. Jedes Summen einer Festplatte ist lauter. Erreicht wird das mit einer sehr geringen Umdrehungszahl von gerade einmal 600 U/min. Das hat natürlich auch den Nebeneffekt, dass die Kühlleistung nicht die beste ist. Zwar sollte es auf Grund der weitestgehend offenen Bauweise nicht an Frischluft mangeln, das was der Frontlüfter fördert fühlt sich allerdings eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein an. Eine andere eher negative Eigenschaft betrifft die HDD Kunststoff-Frames. Diese sitzen sehr Locker in ihrem metallischen Käfig und neigen dort zum klappern. Zwar sind die Festplatten im Kunststoffrahmen mit Gummidämpfern ausgestattet, der Rahmen selbst macht sich jedoch durchaus bemerkbar. So bringt es auch wenig, dass das Gehäuse zum Boden hin mit den FiberFlex Bögen „entkoppelt“ ist. Hier könnte man sich mit Einlagen aus Moosgummi Abhilfe schaffen.

BitFenix Prodigy Review

Zum Schluss des Tests musste wir dann nach ein paar Tagen leider noch feststellen, dass sich an den Auflageflächen der unteren Bügel mit dem Boden die Softtouch Oberfläche abgerieben hatte. Prinzipiell ist dies durchaus nicht zu vermeiden, doch das sich diese schon nach zwei dreimal hin und herschieben ablöst war dann doch etwas überraschend. Am restlichen Gehäuse gab es mit Abrieb zu keiner Zeit Probleme. Vielleicht wäre es

Der von BitFenix ausgewählte Produktname lässt gewisse Erwartungen hochkommen. Ist es richtig einem Gehäuse den Namen Prodigy zu geben? Kann es diesem Namen überhaupt gerecht werden? Nach dem Test können wir diese Frage auf jeden Fall mit einem Ja beantworten. Unserer Meinung nach hat man bei vielen Aspekten des Gehäuses genau die richtige Mitte getroffen und dabei auf ein immer stärker wachsendes Pferd namens Mini-ITX gesetzt. Erst dieser kleine Formfaktor erlaubt solch ein Gehäuse. Es ist nicht zu groß geraten, aber auch nicht zu klein. Der vorhandene Platz wird sehr gut genutzt. Weder an Festplattenkäfigen mangelt es, noch muss man sich bei der Wahl der Grafikkarte einschränken. Selbst die Installation der größten derzeit verfügbaren CPU Kühler ist möglich, wenn das Mainboardlayout mitspielt. Hinzu kommt die Flexibilität auch eine Wasserkühlung verbauen zu können, sofern man mit den damit verbunden Einschränkungen leben kann. Das alles ist verpackt in einem edlen weißen Finish, welches absolut im Trend ist.

 

 

Doch bei all dem Lob muss man auch die Schwächen offen auf den Tisch legen. Von der Kühlleistung der ausgelieferten Konfiguration sind keine Wunder zu erwarten. Die nahezu komplett verbaute Front lässt dem dortigen Lüfter kaum genug Luft zum Atmen. Hinzu kommen leichten Schwächten wegen der etwas wackeligen Festplattenrahmen aus Kunststoff. Diese neigen bei aktiveren Festplatten dazu, im Metallrahmen zu klappern. Auch das schnelle ablösen der Softtouch Oberfläche an den Standpunkten des Gehäuses hätte man anderweitig verhindern können.

Das Gesamtpaket hat uns trotz alledem sehr zugesagt, vor allem wenn man auf den veranschlagten Preis schaut. Denn dieser geht mit gerade einmal 69,90 Euro für das Gebotene absolut in Ordnung. Wer also mit dem Gedanken spielt einen Gaming PC aufzubauen, dabei aber ein handliches Format bevorzugt, der wird mit dem Wunderkind aka BitFenix Prodigy sicher glücklich.

Quelle: Eigen

Welovetech