Grafikkarten

Sapphire Radeon HD 4890 vs. BFG GeForce GTX 275

Die epische Schlacht zwischen Nvidia und AMD/ATI geht in die nächste Runde. Während bei den Herstellern immer weiter die Taktraten gehoben und Leistung aus den Karten "gekitzelt" wird, gibt es meist nie wirklich einen Gewinner. Und doch ist kein Ende in Sicht. Da fragt man sich was die Zukunft bringen wird. Wird es bald eine CPU/GPU-Kombination geben oder fällt die Grafikkarte gar ganz weg?

Dies alles liegt noch in den Sternen, denn zurzeit kommt ein Computer ohne GPU noch nicht aus, sei es onboard oder wie es meist der Fall ist, als zusätzliche Steckkarte.   Zwei von diesen Steckkarten im PCI-Express-Format haben den Weg in unsere Redaktion gefunden, um auf die Probe gestellt zu werden. Namentlich handelt es sich um die Modelle Radeon HD 4890 von Sapphire und GeForce GTX 275 von BFG. Wie sich beide nun bei uns schlagen und eingliedern werden, erfahrt ihr im heutigen Review.  

  An dieser Stelle möchten wir uns für die Bereitstellung der Testsamples bei Sapphire (Radeon HD 4890) und bei Interprom/BFG (GeForce GTX 275) recht herzlich bedanken.

Technische Daten   Die Radeon HD 4890 basiert auf dem RV790-Chip. Namentlich vorerst unbekannt ist sie doch nur eine RV770-GPU mit gehobenen Taktraten. Die Fertigung bleibt weiterhin bei 55 nm während 959 Mio. Transistoren darauf Platz finden. Es ändert sich also, bis auf die wirklich geringe Senkung der Transistorenanzahl nichts. 16 ROPs, 40 vollwertige Textureinheiten sowie 160 Shadereinheiten, welche in 5 Arrays angelegt sind. Die GPU (Graphics Processing Unit) ist durch ein 256 Bit Speicherinterface an den 1 GB großen GDDR5-Speicher angebunden.   Der Chip der 4890 taktet mit stolzen 850 MHz, 100 MHz mehr als der Vorgänger (4870). Der 1 GB Speicher, der auf den neuen GDDR5 Speichertyp setzt, besitzt einen 1.950 MHz Takt und ist damit auch seinem Vorgänger um 150 MHz überlegen. Die HD 4890 setzt, wie jede getestete Karte in diesem Review auf PCI-Express 16x, und nutzt eine Dual-Slot-Kühlung. Weitere Funktionen sind HDCP-Ready, DX 10.1, Shader-Model 4.1 und UVD (Unified Video Decoder). Multi-GPU-Unterstützung seitens AMD/ATI gibt es selbstverständlich auch in Form von 2 Crossfire-Anschlüssen.   Die GeForce GTX 275 nutzt ebenfalls die 55 nm aus und kommt mit satten 1,4 Milliarden Transistoren in den Handel. Basierend auf dem altbekannten GT200b-Chip, was nur eine verbesserte GT200-Variante darstellt, kommt die Karte mit 240 Shadereinheiten daher. Diese sind nicht wie bei der 4890 in 5 Arrays angeordnet, sondern in einem Array, also vollwertig. 28 ROPs und 80 Textureinheiten unterstützen die GTX 275 bei der Arbeit. Die GPU ist nicht nur mit 256 Bit, sondern mit einem 448 Bit Speicherinterface an den 896 MB großen GDDR3-Speicher angebunden.   Da es sich bei unserem Modell um eine OC Version handelt, werden leichte Takterhöhungen genutzt. Der Chiptakt rennt mit 678 MHz, während sich der Speichertakt auf 1.152 MHz einpegelt. Die GTX 275 nutzt den alten GDDR3-Speichertyp und setzt nicht wie bei AMD/ATI auf den frischen GDDR5-Speicher. Da keine Nvidia-Karte mit dem DX10.1 Standard umgehen kann, muss sich die BFG Karte noch mit DX10 und Shader-Model 4.0 herumschlagen. Dual-Slot-Kühler und Multi-GPU-Feature alias SLI sind mit an Bord. UVD wird von Nvidia nicht unterstützt, dafür aber Pure Video, was AMD/ATI wiederrum nicht auffindbar ist. Das soll nur ein kleiner Einblick in die technischen Daten der Reviewkarten sein, weiteres würde den Rahmen und Interessen sprengen.  

Sapphire Radeon HD 4890 im Detail

 

Der Karton der HD 4890, welcher wieder Sapphire-typisch gestaltet ist, kommt im optisch ansprechenden Schwarz-Blau in unsere Redaktion. Das detaillierte- 3D-Gerenderte Maskottchen zieht hierbei den Blick besonders auf sich. Das Zubehör ist ebenfalls wieder im reichlichen Maße beigefügt. So findet sich neben der normalen Anleitung eine Crossfire-Brücke, einen DVI- zu VGA-Adapter und einen DVI- zu HDMI-Adapter. Weiterhin gibt es zwei Molex zu PCI-E-Adapter, einen S-Video-Adapter und einen Chinch-Adapter.Auch Softwaremäßig spart Sapphire nicht an der falschen Ecke und hat wieder ein umfangreiches Paket beigelegt. So gibt es zusätzlich zur normalen Treiber-CD Cyberlink PowerDVD 7, Cyberlink DVD Suite und das Benchmarksprogramm 3D Mark Vantage, um die Karte richtig auf Hochtouren zu bringen.

 

Die HD 4890 selbst kommt mit rotem PCB, zwei DVI-I, einem S-Video Ausgang und zwei Crossfire-Anschlüssen in die Packung. Da solche Karten ohne Strom die Arbeit verweigern, müssen zwei zusätzliche 6-pin PCI-E Stromleitungen vom Netzteil aus gezogen werden. Die passenden Anschlüsse befinden sich wie üblich beim direkten Draufblick an der rechten oberen Ecke. Wer sich Gedanken darüber macht, ob die Karte wohl in seinem Gehäuse Platz findet, braucht sich nicht zu sorgen. Die Karte ist nur ca. 24 cm lang und dürfte somit in jedem halbwegs aktuellen Case Platz finden.

 

Der verbaute Kühler entspricht komplett dem Referenzdesign, lediglich der Aufkleber wurde seitens Sapphire geändert und angepasst. Leider hört man von Referenzkühlern selten etwas Gutes bezüglich der Lautstärke, was sich auch in diesem Fall wieder bestätigt. Im Windows-Betrieb summte die Karte vor sich hin, was noch nicht als störend empfunden werden kann. Betritt man allerdings die Gamerwelt oder startet eine Software mit unterstützten GPU-Beschleunigung (z. B. Photoshop CS4), dann wird aus dem Summen schnell ein kleiner Motor; Auf die Dauer sehr nervig. Hier könnte AMD/ATI wirklich nachbessern und endlich den Referenzlüfter verbessern. Unseres Erachtens nach ist der aktuelle Referenzlüfter viel zu laut.

 

BFG GeForce GTX 275 im Detail

 

Wechseln wir nun die Seite und schauen uns die GTX 275 von Nvidia/BFG im Detail an. Ähnlich wie bei der HD 4890 ist die Verpackung aufwendig gestaltet. Es finden sich die Farben Schwarz-Grün-Rot als Hauptfarbe, geschmückt mit einer 3D-gerenderten Figur. Verpackungsmäßig gibt es bei BFG nicht allzu viel zu entdecken. Neben einer Kurzanleitung, einem Hinweis zum Stromanshcluss und Garantieschein gibt es nur noch einen DVI- zu VGA-Adapter, einen 2-fach Molex zu PCI-E-Adapter, sowie eine Treiber-CD und zwei BFG Case-Sticker. Von weiteren Software/Games/Adapter-Zubehör fehlt jede Spur. Wer die SLI-Brücke sucht, dem muss gesagt werden, dass Nvidia die Brücken nur mit SLI-fähigen Mainboards verkauft. Im Grafikkartenkarton wird man diese also nicht finden.

 

Nun werfen wir einen Blick auf die Karte. Das PCB ist in einer tiefschwarzen Farbe getaucht worden, um besonders die Modder unter den potenziellen Käufern anzusprechen. Genauso wie die HD 4890 von Sapphire benötigt GTX 275 zwei Slots im PC. Der Unterschied liegt aber in der Länge. Während die 4890 noch mit ca. 24 cm auskam, benötigt die BFG Karte immerhin 27 cm. Deshalb ist es ratsam zuvor das Case auszumessen, um einen Fehlkauf zu vermeiden. Anschlussmäßig gibt es auch keine Neuerungen. Zwei DVI-I und ein S-Video-Ausgang stellt die Karte bereit. Ebenfalls zwei 6-Pin PCI-E Stromanschlüsse, wobei unbedingt beide Angeschlossen werden müssen. Dann noch die zwei SLI-Anschlüsse, um Nvidia Karten zu kombinieren. Der GT200b-Chip befindet sich in einem stabilen Metallrahmen. Ob dieser nur zur Stabilität oder gar zur Abschirmung genutzt wird, lässt sich nur erahnen.

 

Um alles gleich und fair zu gestalten, nahmen wir die GTX 275 ebenfalls im Referenzdesign. Gerade bei der Lautstärke kann die GTX 275 punkten. Im Windows-Betrieb ist die Karte fast unhörbar, startet man ein Game oder ähnliches, dann steigt die Lautstärke zwar etwas an, aber als störend wird es von uns nicht empfunden. Das einzigst Negative ist das Spulenfiepen, was bei der aktuellen Nvidia Generation leider häufiger vorkommt. Gerade im Gamemenü, in denen die FPS in den dreistelligen Bereich klettern, hört man das deutlich. Der Ton kommt einem leisen, aber aufdringlichen Pfeifen nah.

 

AF-Performance (Anisotrophe Filterung)

 

D3D AF-Tester, das ist der Name des Programms welches wir nun nutzen möchten, um die Anisotrophe Filterqualität der beiden Karten zu vergleichen. Jeweils ein Testbild mit 0-, 4- und 16-fach AF wird genutzt, um die Qualität zu vergleichen.

Die unteren Bilder sind, wie unschwer zu erkennen, wesentlich runder als die AMD/ATI Muster. Dieses Muster hat eher die Konturen einer Blume, bei 16-fach sogar schon fast zu einem Viereck verzogen. Bei Nvidia sieht das Muster mit 16AF noch schön rund aus, was von einer hohen Filterqualität in jedem Winkel zeugt.

Das Viereck bei AMD/ATI mit 16AF deutet daher auf eine relativ hohe Winkelabhängigkeit hin. Dies hat aber wenig zu sagen, denn der Spieler wird kaum einen Unterschied zwischen beiden Karten erkennen. Dennoch haben wir den Test durchgeführt da es uns ums Prinzip geht. Das Blumenmuster wurde übrigens von der R6xx-Generation geerbt. Die komplette R7xx-Generation scheint nun genauso weiter zu machen. Eigentlich Schade...

 


AMD/ATI 0AF

AMD/ATI 4AF

AMD/ATI 16AF

Nvidia 0AF

Nvidia 4AF

Nvidia 16AF

 

 

AA-Performance (Antialiasing)

 

Genauso wie die Anisotrophe Filterung gehört Antialiasing zu einem wichtigen Thema. Dies sorgt nämlich dafür, die typischen Treppeneffekte an den Kanten zu vermeiden, indem sie geglättet werden.

Unterschiede werden schon beim Betrachten der Bilder zum Vorschein gebracht. Während Nvidia auf der rechten Seite Pixel für Pixel zu berechnen scheint, filtert AMD/ATI links scheinbar ganze Pixelgruppen auf einmal. Wie auf den Bildern weiterhin zu erkennen, ist eine korrekte Kantenglättung und eine Pixelgenaue Verarbeitung nur bei AMD/ATI mittels Edge-Detect-Filter zu bewerkstelligen. Im Gesamtbild gibt es aber nicht wirklich einen Unterschied, vor allem Spieler werden zwischen Nvidia-AA und AMD/ATI-AA kaum Unterschiede merken.

Und trotzdem werden Spieler mit AMD/ATI 8AA Edge Detect Filter eine tadellose Glättung erleben, welches in wirklich 24AA entspricht. Ein kraftvolles System ist allerdings Pflicht, da der Filter relativ viel Leistung zieht.

 


AMD/ATI 0AA

Nvidia 0AA

AMD/ATI 4AA Box

Nvidia 4AA

AMD/ATI 4AA Narrow Tent (6AA)

Nvidia 8AA

AMD/ATI 4AA Wide Tent (8AA)

Nvidia 8QAA

AMD/ATI 4AA Edge Detect (12AA)

Nvidia 16AA

AMD/ATI 8AA Edge Detect (24AA)

Nvidia 16QAA

Benchmark- und Performance-Übersicht

 

Auf die Testwerte waren wir besonders gespannt, da hier zwei aktuelle Grafikkarten gegeneinander antraten und dabei noch Konkurrenz von Vorgängern sowie Dual-GPU-Karten bekamen. Als synthetische Benchmarks wurde 3D Mark Vantage und 3D Mark 06 aus dem Hause Futuremark genutzt. Testgames waren Crysis, Assassin's Creed, Race Driver: GRID, Devil May Cry 4, Call of Duty 4: Modern Warface, Anno 1701 und Far Cry 2.

 

 

Unser Testsystem

 

Prozessor: Intel Core2Quad Q9450 @ 3,2GHz
Arbeitsspeicher: 4GB Corsair XMS 1600 CL9 DDR3
Mainboard: ASUS P5E64 WS Evolution
Grafikkarten: Geforce GTX 295, Geforce GTX 275, Geforce GTS 250, Radeon HD 4890, Radeon HD4870 X2, Radeon HD4870, Radeon HD3780 X2
Betriebssystem: Windows Vista Ultimate 64Bit SP1
Treiber: Catalyst 8.12, Forceware 180.48, Catalyst 9.6 für Sapphire Radeon HD 4890, Forceware 186.18 für BFG GeForce GTX 275

 

 

 

  Wollen wir uns erst einmal einen groben Überblick verschaffen. Beide Karten im heutigen Review gehen unter den Single-GPUs in Führung, meistens sehr deutlich. Die Dual-GPU-Karten haben zum Teil nochmal bessere Werte, was aber auch normal ist, immerhin werden die Berechnungen von zwei Chips geleitet. Beide Karten nehmen sich in Sachen Leistung nicht viel. Das eine Game liegt der einen, das Andere der zweiten Karte mehr. Gut zu erkennen ist, dass die HD 4890 gerade mit vielen Bildverbesserern (AA/AF) stabilere FPS errechnet, als es bei der GTX 275 der Fall ist. Diese bricht zwar nicht viel, aber schon etwas ein, auch bei hohen Auflösungen. Spielt man mit dem Gedanken auf AA/AF, sowie hohe Auflösungen verzichten zu können, so ist die GTX 275 interessanter, da sie gerade in diesen Fällen  die Nase meist vorn hat. Rätsel gab uns das Spiel Anno 1701 auf, welches fast immer die gleichen Werte anzeigte, obwohl wir uns wahrlich bemühten, reale Werte zu erhalten. Vergleicht man einmal die HD 4890 mit ihrem Vorgänger der HD 4870 fällt auf, dass die 4890 rund 10% schneller rechnet. Die GTX 275 setzt sich immerhin mit 20-30% von der GTS 250 ab. Diese ist allerdings nicht ihr regulärer Vorgänger. Fazit   Kommen wir nun zum Fazit des heutigen Reviews. Beide Karten, sowohl die HD 4890 als auch die GTX 275 mussten sich bei uns beweisen und das haben sie auch. Fangen wir bei der HD 4890 an. Für Silentrechner schon mal ungeeignet, da der Referenzlüfter relativ laut daherkommt, beweist sich die Karte dennoch als wahre Maschine. Für aktuelle 170,90€ (guenstiger.de | Stand: 31.07.2009) bekommt man eine Karte mit viel zusätzlichem Zubehör, welche sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken muss. Die GTX 275 OC ist zwar direkt auch nichts für Silentrechner, aber der Luftkühler ist hier deutlich leiser als bei AMD/ATI. Nur das Spulenfiepen nervt auf Dauer. Hier muss Nvidia unbedingt nachbessern. Für 191,72€ (guenstiger.de | Stand: 31.07.2009) bekommt man mit der GTX 275 ein ordentliches Stück Leistung ins Haus, die so schnell keiner unterkriegt.   Zusammenfassend schlagen sich beide Karten sehr gut durch die Masse der Konkurrenz. Für Leute mit kleinem Case oder geringerem Portmonee sei die Sapphire HD 4890 ans Herz gelegt. Die Leistung passt, das Zubehör ist reichlich, die Karte bleibt relativ kühl, leider nur ist der Lüfter etwas laut. Wen dies nicht stört, sollte zugreifen.   Für etwa 20€ mehr gibt es die BFG GTX 275 OC. Ein mittelgroßes Case ist hier Voraussetzung, da es sonst zu Platzproblemen kommt. Das Modell ist für all diejenigen, die jeden Tropfen Leistung benötigen und bei denen das Geld keine Rolle spielt, auch wenn es sich in diesem Fall lediglich um eine Differenz von ca. 20 € handelt. Aber auch für Verbraucher mit einem Gehäuse ohne gute Lüftung ist die Karte nur bedingt zu empfehlen, da der Temperaturwert schnell sehr hoch steigt. Die HD 4890 ist hierbei deutlich kühler.   Durch die gute Leistung, den umfangreichen Lieferumfang, der geringen Abwärme und des akzeptablen Preises, hat die Sapphire Radeon HD 4890 uns überzeugt und bekommt den Preis-/Leistungsaward überreicht. Damit schießt die Karte nur knapp an dem Empfehlungsaward vorbei. Sollte AMD/ATI die Kühlung der Referenzmodelle verbessern, steht diesem Award nichts mehr im Wege. Dem gegenüber muss Nvidia das Spulenfiepen, sowie die hohe Wärme in den Griff bekommen, eine Kürzung der PCB Länge wäre wünschenswert.  


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