Hardware Testbericht Gehäuse Hardware

Lian Li PC-A51B PC-Gehäuse im Test

Obwohl es erst frisch auf dem deutschen Markt erhältlich ist, befindet sich das Lian Li PC-A51 in den einschlägigen Kreisen bereits seit einigen Monaten im Gespräch. Der Grund dafür ist ungewöhnlich, aber simpel: Der taiwanesische Gehäusespezialist hatte im vergangenen November diverse Kanäle genutzt, um die Online-Community in die finale Entwicklung des Alu-Towers einzubeziehen. Das Ergebnis ist nun ein 230 x 393 x 489 Millimeter großer Midi-Tower, der in vier Versionen erhältlich ist.

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So bietet Lian Li zunächst zwei Ableger mit großflächigem Sichtfenster an: Das PC-A51WX mit komplett schwarzer Lackierung sowie das PC-A51WRX mit einzelnen roten Akzentuierungen. Ohne Sichtfenster sind das in silberner Farbe gehaltene PC-A51A und abschließend das PC-A51B, welches wir heute unserem Test unterziehen werden. Ob die Unterstützung der Community ein rundes Produkt geschaffen hat oder das viel bemühte Sprichwort, wonach viele Köche den Brei verderben, ein weiteres Mal zutreffend ist, werden wir im Folgenden ermitteln.

Lian Li PC-A51B - Front

Vorab möchten wir uns bei Lian Li und Caseking für die freundliche Bereitstellung des Testmusters bedanken.


Lian Li PC-A51B - Spezifikationen
Abmessungen 230 x 393 x 489 mm (B x H x T)
Mainboard-Formfaktor ITX, µATX, ATX
Gewicht 4,9 kg
Erweiterungs-Slots 7
Einschübe extern 1 x 5,25“
Einschübe intern 5 x 2,5“ / 3,5“; 3 x 2,5“ (bei demontierten HDD-Brackets); 1 x 2,5” (Boden)
I/O-Panel HD-Audio, 4 x USB 3.0
Grafikkartenlänge 280 / 400 mm (mit / ohne oberen HDD-Käfig)
CPU-Kühlerhöhe ca. 175 mm
Netzteil ATX, max. 160 mm, vorne montiert
Belüftung Serie 1 x 140 mm (Front), 1 x 120 mm (Heck)
Belüftung maximal 1 x 140 mm (Front), 1 x 120 mm (Heck), 2 x 120 / 140 mm (Deckel), 1 x 120 / 140 mm (Boden)
Besonderheit Radiator-Mounting im Deckel (240 / 280 mm)

 

Impressionen - Außen

Auf den ersten Blick ist das PC-A51B als typisches Lian Li zu identifizieren. Die Linienführung ist betont klassisch, geradlinig; lediglich die Front zeigt sich rechts und links leicht abgeschrägt. Als Werkstoff kommt schwarz gebürstetes Aluminium zum Einsatz, lediglich Boden und Heck bleiben unlackiert. Uns stört dies jedoch nicht, da diese Flächen im täglichen Gebrauch ohnehin kaum einsehbar sind; für den Hersteller gäbe es also weitaus schlechtere Möglichkeiten, Herstellungskosten zu sparen. Die Verarbeitungsqualität im Außenbereich des A51 ist zudem durchweg tadellos: nirgends finden sich scharfe Kanten, die Spaltmaße sind gleichmäßig gering.

Lian Li PC-A51B - Top Offen

Zentral im oberen Bereich der Vorderseite gelegen ist das I/O-Panel des Midi-Towers, das neben HD-Audio über vier USB-3.0-Anschlüsse verfügt, die alle zeitgemäß über den internen 20-Pol-Pfostensteckverbinder angebunden werden. Direkt unterhalb platziert Lian Li den externen 5,25-Zoll-Schacht, der ein etwaiges optisches Laufwerk erfreulicherweise hinter einer (demontierbaren) Aluminiumblende verschwinden lässt, sodass kein unansehnlicher Mix aus einer Kunststoffblende und Aluminium entsteht. Unter dem Laufwerkseinschub befindet sich wiederum der Power-Button, der zwar nicht aus Aluminium gefertigt, aber dennoch ausgesprochen Exakt in seine Fassung eingelassen ist.

Obwohl sie überaus fest an ihrem Platz sitzt, genügt ein leichtes Ziehen, um die Front abzunehmen. Hinter dieser kommt auf mittlerer Höhe sodann der 140-mm-Frontlüfter zum Vorschein, der sich hinter einem werkzeugfrei herausnehmbaren Staubfilter verbirgt und herausblasend montiert ist. Lian Li setzt im PC-A51B folglich auf einen Luftstrom vom Heck zur Front. Darunter platziert Lian Li, gehalten von vier Rändelschrauben, das Bracket zur Montage des Netzteils. Die Unterseite des Aluminiumgehäuses zeigt sich ebenfalls gespickt von zwei demontierbaren Staubfiltern, die die Öffnungen des Netzteils sowie der Lüfterposition im Boden schützen.

Des Weiteren sichten wir vier silbern abgesetzte Standfüße, auf dessen Moosgummisohlen das A51B rutschfest steht. Der Blick auf den Deckel offenbart einen circa 16 x 31 Zentimeter messenden Einsatz, der sich durch das Verschieben eines Hebels entsichern und abnehmen lässt. Hinter diesem verbirgt sich - neben einem weiteren Staubfilter - das Montagesystem für zwei Gehäuselüfter respektive einen Radiator mit maximal 280-mm-Format.

Das Heck des Lian Li PC-A51B weicht etwas vom Durchschnitt der bekannten Midi-Tower ab. Zwar sind die üblichen sieben Erweiterungsslots ebenso vorhanden wie zwei Schlauchdurchführungen für Wasserkühlungen und ein 120-mm-Hecklüfter - natürlich mit Staubfilter, jedoch Frischluft ansaugend montiert -, doch die Befestigungsmöglichkeit für ein Netzteil fehlt natürlich. Stattdessen befindet sich im linken unteren Bereich der bekannte Kaltgeräteanschluss, der den Strom intern zum Netzteil im Frontbereich weiterleitet.

Bis hierhin hinterlässt das PC-A51 insgesamt einen positiven Eindruck. Materialgüte und Verarbeitungsqualität des Lian Li sind auf einem hohen Niveau, dazu ist das Chassis durch das Material Aluminium stets leicht zu handhaben, gleichzeitig aber überaus verwindungssteif. Explizit überzeugen können darüber hinaus das topaktuell ausgestattete Frontpanel sowie die vollständige Ausstattung mit Staubfiltern.

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Um in den Innenraum zu gelangen, genügt an beiden Seitenteilen das Herausdrehen von zwei Rändelschrauben. Ein kleines, aber deshalb nicht minder pfiffiges Detail ist dabei die unscheinbare Gummischeibe, die sich jeweils vor dem Schraubenkopf befindet und die Falz am Seitenteil vor den lästigen Kratzern schützt, die sicherlich vielen Gehäusebesitzern bekannt sein werden. Der Innenraum selbst präsentiert sich in unlackiertem Aluminium.

Lian Li PC-A51B - Seite 2

Ins Auge fällt im PC-A51B daneben zunächst ein großzügiger Ausschnitt für CPU-Kühler mit Backplate-Montage. Rings um diesen herum verteilen sich drei Durchführungen zum Kabelmanagement, die ebenfalls verhältnismäßig großen Formates und durch Einsätze aus Gummi geschützt sind. An Abstandshaltern sind neun Stück vormontiert, was für Hauptplatinen der vollen ATX-Spezifikation ausreichend ist. Ein kleiner Wermutstropfen ergibt sich an dieser Stelle jedoch für Besitzer von µATX-Mainboards, die im Innenraum des Lian Li zwar die entsprechenden Bohrungen für die untere Befestigungsreihe finden, im Lieferumfang jedoch nicht die dazugehörigen Abstandshalter. Dies ist insbesondere deshalb schade, da sich die bei Verwendung eines µATX-Mainboards ungenutzten Abstandshalter ohne Einsatz eines externen Werkzeugs schlicht und ergreifend nicht lösen lassen.

Lian Li PC-A51B - HDD Rack

Die fünf Festplattenhalterungen, wahlweise zu befüllen mit jeweils einem 2,5- oder 3,5-Zoll-Datenträger, sind einzeln an der Rückwand eingehangen und von jeweils zwei Rändelschrauben gesichert. Für 3,5”-Festplatten sind entkoppelnde Elemente enthalten. Uns gefällt diese Lösung insgesamt gut, da sie sich problemlos handhaben lässt und ein hohes Maß an Flexibilität garantiert. Noch gesteigert wird diese Flexibilität durch die Möglichkeit, nach der Demontage der HDD-Halterungen an derselben Stelle bis zu drei 2,5-Zoll-Laufwerke anzubringen. Ergänzend befindet sich zwischen den Befestigungsplätzen von Netzteil und Gehäuselüfter im Boden eine weitere Option, eine 2,5”-Festplatte einzubauen. Apropos Gehäuselüfter im Boden: Dieser darf technisch zwar auch über eine Kantenlänge von 140 Millimetern verfügen, die Perforierung reicht an dieser Stelle jedoch nicht über das Maß eines 120-mm-Lüfters hinaus. Wo der Sinn dieser Bauweise liegt, bleibt uns schleierhaft.

Vorbildlich löst Lian Li dagegen den 5,25-Zoll-Schacht des PC-A51B, der mit einem Schnellverschluss versehen ist. Hinsichtlich der Rückseite des Mainboardträgers ist hervorzuheben, dass Lian Li bereits ab Werk zwei Kunststoffschellen verwendet, um den Kabelstrang des Frontpanels ordentlich zu verlegen.

Folglich ergeben sich auch für den Innenraum des PC-A51 keine gravierenden Unzulänglichkeiten. Im Gegenteil, das Lian Li offeriert genau das, was wir von einem aktuellen Midi-Tower erwarten. Gut gefällt uns die Variabilität bei der Laufwerksmontage; darüber hinaus erzielt das simple Verschieben des Netzteils in den bei vielen Gehäusen quasi ungenutzten Raum im Frontbereich eine gewisse Kompaktheit.

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Lian Li PC-A51B - Lieferumfang

Den Lieferumfang des PC-A51 dimensioniert Lian Li zwar nicht üppig, aber zweckmäßig. Neben den für die Montage benötigten Schrauben finden wir zwei Kabelbinder, einen Piezo-Speaker sowie einen Adapter, um zwei der vier USB-3.0-Anschlüsse des Frontpanels an einen internen USB-2.0-Header anbinden zu können. Die Bedienungsanleitung, die anhand diverser Bilder jeden relevanten Montageschritt kurz erläutert, führt Lian Li mehrsprachig aus. Somit fehlt zwar nichts, wie bereits beschrieben wäre jedoch beispielsweise ein Tool zum Herausdrehen der Abstandshalter eine sinnvolle Ergänzung gewesen.

Der grundlegende Einbau von Mainboard und Netzteil geht mithilfe eines Schraubendrehers schnell und ohne nennenswerte Vorkommnisse vonstatten. Unerwartete Schwierigkeiten tun sich dagegen beim Einbau der Grafikkarte auf, welche nicht nur von den Festplatteneinsätzen, sondern auch vom Netzteil beeinflusst wird. Mit unserem 160 Millimeter tiefen be quiet! L8-CM-430 wird die maximale Grafikkartenlänge nämlich schon ab dem dritten Slot von oben auf knapp 27 Zentimeter limitiert - wohlgemerkt bis zur Kante des Netzteils, durch etwaige Kabelverbindungen sind üblicherweise weitere Zentimeter abzuziehen.

Somit kann die von Lian Li genannte Grafikkartenlänge von bis zu 400 Millimetern nur als zutreffend bezeichnet werden, wenn es sich bei der Karte auf der einen Seite um ein Dual-Slot-Modell, welches auf der anderen Seite die obersten beiden Erweiterungsslots gesteckt werden kann. In sämtlichen anderen Konfigurationen lässt sich diese Länge nicht realisieren, was in diesem Punkt eine genaue Planung der Hardware erfordert.

Ein adäquates Kabelmanagement lässt sich im Lian Li PC-A51B ohne Schwierigkeiten umsetzen, was in erster Linie an dem großen Zwischenraum zwischen Seitenteil und Mainboardträger liegt. Wir messen hier stolze 33 Millimeter zum Verstecken der Kabel, was in unserer Rangliste einen neuen Bestwert markiert. Auch sind die drei Durchführungen sinnvoll platziert und groß genug, um mehrere Stränge gleichzeitig zu handhaben.

Abstand zwischen Mainboardträger und Seitenteil
BitFenix Ronin 22 Millimeter
Corsair Carbide 400R 27 Millimeter
Corsair Obsidian 550D 20 Millimeter
Fractal Design Arc XL 28 Millimeter
Fractal Design Define R4 22 Millimeter
In Win 904 26 Millimeter
Lian Li PC-A51B 33 Millimeter
Zalman Z3 Plus 14 Millimeter

 

Im Betrieb trübt sich das bis dato sehr klare Bild des Lian Li etwas. Dafür verantwortlich sind die verbauten Lüfter, die bei einer Spannung von 12V einen sehr deutlich hörbaren Luftstrom erzeugen und damit für unseren Geschmack zu laut für eine längerfristige Nutzung sind. Dies muss sich insbesondere der 120-mm-Ventilator (Produktbezeichnung: “LI121225SL-4”) am Heck ankreiden lassen, der 140-mm-Frontlüfter (“LI121425QE-4-A”) agiert wesentlich unauffälliger, aber auch überhalb der Hörschwelle.

Drosselt man die Betriebsspannung der Lüfter, so beruhigt sich die Geräuschkulisse merklich. Umso ärgerlicher ist, dass das Lager des Hecklüfters nun ein störendes Klackern aufweist, denn sein Gegenspieler hinter der Front des PC-A51B darf sich bei gesenkter Spannung durchaus als ‘leise’ bezeichnen lassen. Insgesamt ist die Vorstellung der Serienbelüftung für ein Gehäuse des dreistelligen Preisbereiches aber nicht zufriedenstellend, in unserem Test haben schon weitaus günstigere Gehäuse eine bessere Performance abgeliefert.

Weitere Kritikpunkte tun sich im laufenden Betrieb allerdings nicht auf. Die Temperaturen der Hardware finden sich stets auf einem unkritischen Niveau wieder, weiterhin erfolgt eine hinreichende Entkopplung schnelldrehender 3,5-Zoll-Festplatten. Trotz des sehr leichten Chassis sind folglich keine Störgeräusche aufgrund einer Vibrationsübertragung oder ähnlichem festzustellen

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Lian Li PC-A51B - Front

Mit dem PC-A51B liefert Lian Li ein hochwertiges Gehäuse, das die klassischen Tugenden eines Lian Li - Verarbeitungs- und Materialqualität, Understatement - mit interessanten und praktischen Lösungen im Detail in einem eigenständigen Konzept vereint. Besonders positiv möchten wir neben der penibel genauen Verarbeitung auf die vollständige Ausstattung mit Staubfiltern, den außergewöhnlichen Platz zum Kabelmanagement sowie Feinheiten wie die gummierten Thumbscrews der Seitenteile hinweisen. Auch die vielseitigen Möglichkeiten im Bezug auf die Laufwerksmontage wissen zu überzeugen.

Lian Li PC-A51B - Award

Für unsere Begriffe nicht ganz Ideal umgesetzt ist hingegen das Layout des Innenraums, wo es bei vielen gängigen Kombinationen zu Konflikten zwischen Netzteil und Grafikkarte kommt. Dabei würde es schon langen, das Netzteil einen halben Zentimeter nach unten respektive das Mainboard nach oben zu verschieben: So wären die obersten drei Erweiterungsslots frei, was unserer Einschätzung nach für die meisten Anwender ausreichend sein dürfte. Unser zweiter expliziter Kritikpunkt ist die Serienbelüftung. Wir erwarten bei einem Gehäuse, das über 100 Euro kostet, eine hochwertigere Lösung.

Und damit wären wir beim Preis: das Lian Li PC-A51B ist ab knapp 110 Euro (Geizhals, 18.04.2014) erhältlich, ebenso das PC-A51A. Für die Modelle mit Seitenfenster werden im Falle des PC-A51WX circa 140 Euro beziehungsweise gut 160 Euro im Falle des PC-A51WRX fällig. Bezogen auf unseren Testkandidaten beurteilen wir diesen Preis unter Berücksichtigung der aufgezählten Aspekte im großen Ganzen zwar nicht als günstig, aber durchaus als angemessen. Insgesamt erhält das Gehäuse 81 von 100 möglichen Punkten.

PCMasters.de Osterei

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Kommentare
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Simlog schreibt:
Lian Li sehen schon immer ziemlich schick aus, leider sind die Teile aber auch immer so teuer :S. Zumindest wenn man Gehäuse in ATX-Größe will oder gar einen Big Tower.
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Jan2011 schreibt:
Rein von der abgeflachten Front, hat es mich am Anfang an das NCase M1 erinnert. Schaut mal wieder solide aus, was Lian Li da zusammen gebastelt hat. Wieso sie ihr Case inneres aber nie mit Pulvern/Eloxieren, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
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Simlog schreibt:
Eventuell schon so ein bisschen ein Markenzeichen ;), aber wer weiß.
Avatar80931_1
Frei.Wild schreibt:
Zitat von Jan2011:
Wieso sie ihr Case inneres aber nie mit Pulvern/Eloxieren, wird mir immer ein Rätsel bleiben.





Das frage ich mich auch immer.. Ich finde die Gehäuse auch wirklich schick und von der Verarbeitung brauchen wir ja garnicht erst reden, aber dieser Aluminium Look von innen kommt mir so billig rüber.. Deswegen würde mir so eins nie unter den Tisch kommen..
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Jan2011 schreibt:
Zitat von Simlog:
Eventuell schon so ein bisschen ein Markenzeichen ;), aber wer weiß.

Naja, sie bieten ja aber auch genug Gehäuse an, in denen sie zeigen das sie es auch anders können.
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Simlog schreibt:
Naja, dann vllt. einfach aus dem Grund, wieso das iPhone 3G und 3GS sowie 4 4S exakt gleich aussehen ^^ und das 5, 5S und 5C jetzt auch extrem ähnlich sind.

Sie können es einfach ^^.
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The Gitz schreibt:
Dann kann man im inneren werkeln ohne Kratzer im Lack ;)

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