Grafikkarten Testbericht

Jetway Radeon HD 2900 XT 512MB im Test

Mit der GeForce 8800 Serie konnte sich der kalifornische Grafikkartenhersteller NVIDIA deutlich von der Performance der bisherigen Top-Grafikkarten absetzen. AMD/ATI muss also nachlegen - und tut dies in Form der Radeon HD 2900-Serie. Hinter der Radeon HD 2900 XT versteckt sich der R600, um den sich gerade in der letzten Zeit viele Gerüchte gedreht haben. Wir testen wie hoch die Performancesteigerung dieser Karte ist und ob sich das Aufrüsten lohnt.

Für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung des Testmusters möchten wir uns vorneweg bei Dollarshops.eu bedanken. Erwerben kann man die Radeon HD 2900 XT von Jetway ab sofort bei Dollarshops.eu.

Ausdrücklicher Dank gilt zudem den Firmen Enermax (Enermax Galaxy 850W, leistungsstarkes Netzteil zum stabilen Betrieb der neuen Grafikkarte), Foxconn (GeForce 8800 GTX und 8800 GTS) sowie Sapphire Technology (Radeon X1950 XTX) für die unkomplizierte Bereitstellung der Testmuster für diesen Artikel.

Vorwort

Gamer und Multimedia-Fans können aufatmen. Das Warten hat ein Ende. Endlich ist er da, der neuen R600 Grafikchip aus dem Hause AMD/ATI. PCMasters.de möchte mit diesem Artikel einen Ausblick auf das neue Flaggschiff Radeon HD 2900 XT bieten. Aber bevor es zu den heiss erwarteten Benchmarkergebnissen geht, wo sich der neue Sprössling gegen die GeForce 8800 Serie von NVIDIA behaupten musste, möchten wir die wesentlichen Neuerungen zusammenfassen und die Radeon HD 2900 XT von Jetway näher vorstellen.

Technische Daten

Verschaffen wir uns erstmal mit der nachfolgenden Tabelle einen Überblick über die Spezifikationen der Radeon HD 2900 XT im Vergleich zu anderen aktuellen Grafikkarten:

AMD/ATI Radeon HD 2900 XT im Vergleich

Ausstattung

Radeon X1950 XTX

GeForce 7900 GTX

GeForce 8800 GTX

Radeon HD 2900 XT

Codename

R580+

G71

G80

R600

Fertigungsprozess

90 nm

90 nm

90 nm

80 nm

Transistoren

ca. 384 Mio.

ca. 278 Mio.

ca. 681 Mio.

ca. 700 Mio.

Texture Units

16

24

128 Stream-

Prozessoren

320 Stream-

Prozessoren

Pixel Shader

48

48

Vertex Shader

8

8

Shader Model/DirectX

3.0/9.0c

3.0/9.0c

4.0/10

4.0/10

Chiptakt

650 MHz 650 MHz

576 MHz

742 MHz

Speichertakt

1000 MHz

800 MHz

900 MHz

828 MHz

Speicherinterface

256 bit

256 bit

384 bit

512 bit

Speicher

512 MB GDDR4

512 MB GDDR3

768 MB GDDR3

512 MB GDDR3

RAMDAC

400 MHz

400 MHz

400 MHz

400 MHz

Speicherbandbreite

64 GB/s

51,2 GB/s

86,4 GB/s

106 GB/s

ROPs

16

16

24 16

Interface

PCIe

PCIe

PCIe

PCIe

Während die Baureihen Radeon HD 2600 und HD 2400 bereits auf dem 65 nm Fertigungsprozess basieren, muss für die Radeon HD 2900 mit ihren 700 Millionen Transistoren der 80 nm Prozess herhalten. Die neue Grafikchipgeneration unterstützt Microsoft DirectX 10 und Shader Model 4.0 in vollem Umfang. Weiterhin bieten die Karten der Radeon HD 2000 Generation vollständige HDCP-Unterstützung für Bild und Ton. Neu ist auch die vielzitierte und komplett in Hardware gegossene Unified-Shader-Architektur, die unabhängig alle Arten von Rechenoperationen wie Vertex-, Pixel- und Geometrieanweisungen durchführen kann.

R600-Architektur im Detail

Wie man der Tabelle entnehmen kann, wurde vornehmlich an den Frequenzen der Karte gedreht. Der Shader-Core besteht bei der Radeon HD 2900 XT aus 320 Stream-Prozessoren mit je 742 MHz. Im Gegensatz zu NVIDIA bilden bei AMD je fünf Stream Prozessoren eine Shader-Einheit, so dass man bei der Radeon HD 2900 XT auf insgesamt 64 Einheiten kommt, welche in der Lage sind, jeweils bis zu 5 Instruktionen pro Takt (5D) zu bearbeiten. Ausgestattet ist die Karte mit sechzehn 32 MByte Speicherchips von Hynix mit der Typenbezeichnung HY5RS573225A FP-1 650A; insgesamt steht 512 MByte GDDR3 Hochleistungsspeicher zur Verfügung, der mit realen 825 MHz (1650 MHz effektiv) taktet und über ein 512-Bit breites Speicherinterface angebunden ist. Hieraus ergibt sich eine theoretische Speicherbandbreite von 106 GB/s. AMD/ATI setzt also nicht auf modernen GDDR4-RAM, sondern belässt es bei kostengünstigeren GDDR3-Bausteinen, obwohl der R600 bereits auf die Unterstützung von GDDR4 Speicher ausgelegt ist.

Die Karte im Detail

Nachdem AMD/ATI in letzter Zeit immer häufiger Beschwerden über die Geräuschkulisse ihrer Grafikkarten anhören mussten, stellten sie mit der Radeon HD 2900 XT ein neues, durchdachteres Kühlungssystem vor, um die enorme Abwärme der Radeon HD 2900 XT zu bewältigen. Aber wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Um eine ausreichende Energieversorgung zu gewährleisten, müssen bei der Grafikkarte gleich zwei Stromversorgungsstecker angeschlossen werden. Laut Hersteller benötigt die Grafikkarte unter "Worst-Case-Bedingungen" eine elektrische Leistung von zirka 215 Watt. Mit der Folge, dass man auf opulentere Kühlmaßnahmen zurückgreifen muss.

Unter der roten Abdeckung der Radeon HD 2900 XT verbirgt sich ein massiver Kupferkern. Um ein Beschädigen der GPU, wie z.B. ein nicht perfekt montierter Kühler, zu vermeiden, ist der Kühler auf Druckfedern gelagert und kann so Schieflagen ausgleichen. Beim Kühlerdesign setzt man auf eine Vapor Chamber Kühlung. Die Kupferbodenplatte im Inneren ist hohl, sie bildet also eine Kammer (Chamber) über dem Kern. Diese Kammer ist mit einer Kühlflüssigkeit gefüllt, welche die Wärme gleichmäßig an die Kühllamellen abgibt. Gleichzeitig ist sie aber auch mit zwei Heatpipes verbunden, die die Wärme auf den hinteren Teil des Kühlers transferieren.

Zusätzlich zum GPU-Kühler nutzt AMD/ATI ein Aluminiumprofil zur Kühlung der Speicherchips, das u.a. auch zur Stabilisierung des PCBs dient. Den Motor des Ganzen bildet ein Radiallüfter, der einem aus der GeForce 8800 Serie schon bekannt ist. Doch verfügt der Lüfter von AMD/ATI über einiges an mehr Power, was sich leider auch in der oft kritisierten, aber fast schon gewohnten Lautstärke der ATI Karte, spätestens seit den X1800ern, bemerkbar gemacht hat. Die Karte ist zwar immerhin leiser als die Vorgängergeneration, aber an NVIDIA kommt sie einfach nicht ran.

Der Kühler benötigt zwei Steckplätze, wobei der 70 mm große Radiallüfter die warme Luft aus dem Gehäuse herausbläst, so dass das Gehäuseinnere nicht unnötig aufgeheizt wird. Jetway hält sich bei der Radeon HD 2900XT, die sich in einem ansprechenden Design präsentiert, voll und ganz an die Referenzvorgaben von AMD/ATI. Das PCB der Radeon HD 2900 XT ist ATI-typisch rot gefärbt. Die Länge des PCBs beträgt 24 cm (9,5 Zoll), weswegen der Einbau in jedes im Handel erhältliche Gehäuse kein Problem darstellen sollte.  Das Gewicht der Grafikkarte ist recht hoch, so dass man beim Einbau vorsichtig zu Werke gehen sollte. An der Verarbeitung des Kühlers gibt es nichts auszusetzen, das gesamte Kühlsystem ist gut verarbeitet und wurde ordentlich montiert.

Testsystem

Um den Prozessor halbwegs als limitierenden Faktor auszuschließen, haben wir unseren Intel Core 2 Duo E6300 auf 3508 MHz übertaktet. Als Testsystem kommt das DFI Infinity P965-S Mainboard zum Einsatz. Ein 2048MB Mushkin XP2-8500 Extreme Performance Speicherkit fungierte als Arbeitsspeicher, dessen Taktfrequenz im Verhältnis 1:1 zum FSB lag. Mit Strom versorgt wurde die gesamte Hardware von einem Enermax Galaxy 850W. Als Betriebssystem diente Microsoft Windows XP mit Service Pack 2 und DirectX 9.0c.

Der NVIDIA ForceWare in der Version 158.22, 94.24 und der ATI Catalyst 7.5 kamen als Grafiktreiber zum Einsatz.

Selbst im alten, stark prozessorlastigen 3DMark01SE kann die Radeon HD 2900 XT noch einige Punkte herausholen.

In synthetischen Benchmarks kann sich die Radeon HD 2900 XT deutlich vom Rest absetzen.

Ein Einbruch der FPS ohne AA und AF. Schuld an der Misere sind hier die aktuellen Treiber von AMD/ATI, die noch verbessert werden müssen.

In Half Life 2: Lost Coast zieht die Radeon HD 2900 XT allen Mitstreitern souverän davon.

Hier muss sich die Radeon HD 2900 XT deutlich von der GeForce 8800 Serie geschlagen geben.

In S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl zeigt die Radeon HD 2900 XT eine gute Leistung.

Hier wird die Radeon HD 2900 XT deutlich in die Schranken verwiesen.

Fazit

Die Radeon HD 2900 XT von AMD/ATI ist zweifelsfrei eine konsequente Weiterentwicklung. Nach zahlreichen Releaseverschiebungen ist der erhoffte Schlag gegen NVIDIA aber nicht gelungen, so dass die Jetway Radeon HD 2900 XT nicht die derzeit schnellste Grafiklösung am Markt darstellt. Als Hauptkonkurrent nennt AMD/ATI die GeForce 8800 GTS von NVIDIA. Ein bisschen verwunderlich ist das Ergebnis schon. Schuld an der Misere sind vor allem die Treiber, die man unbedingt noch weiter verbessern muss.

Der wesentliche Kritikpunkt ist aber auf jeden Fall der extrem hohe Energieverbrauch, der eine nicht mehr tolerierbare Wärmeentwicklung zur Folge hat. Auch die daraus resultierende Lautstärke ist unter Last einfach nicht mehr erträglich. Hauptursache für die enorme Temperaturentwicklung sind hierfür offenbar die höheren Leckströme. Allerdings sollen sich die Leckströme mit Hilfe der anstehenden Prozesstechnologie um ein Vielfaches reduzieren lassen.

Geiz ist geil; aber diesmal mit Köpfchen. Positiv anzumerken ist immerhin das herausragende Preis-/Leistungsverhältnis der Radeon HD 2900 XT. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt bei etwa 399,- Euro, wobei der zu erwartende Straßenpreis um einiges darunter liegen dürfte. AMD/ATI wird die aktuellen Probleme mit Sicherheit zu lösen wissen und wird mit ein wenig mehr als nur guten Vorsätzen NVIDIA mit einem mächtigen neuen Gegner konfrontieren. Wir sind sehr gespannt und werden unsere treuen Leser weiter auf dem Laufenden halten.


Welovetech