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Topspiel mit Topspeed? F1 2011 im Test

Mit F1 2011 haben die Rennspielspezialisten von Codemasters auch in diesem Jahr das offizielle Spiel zur sogenannten Königsklasse des Motorsports abgeliefert, das vollständige Lizenzpaket mit Fahrern, Strecken, Teams und Sponsoren ist dementsprechend ebenfalls mit von der Partie. Angesichts dieser Ausgangsbedingungen und der guten Erfahrungen mit früheren Spielen von Codemasters gingen wir also mit Vorfreude an den neuen Titel. Nach der Installation hätte es mit der Rennaction losgehen sollen, doch das Spiel startete nicht. Das einzige was vom Spiel zu sehen war, war eine Fehlermeldung des verwendeten Kopierschutzes. SecuROM meldet, dass ein benötigtes Sicherheitsmodul nicht geladen werden konnte. Erst nach einiger Recherche bekamen wir das Spiel zum laufen, dass dafür ein neues Windows 7 Benutzerkonto notwendig war sorgte für einigen Ärger, schließlich handelt es sich bei unserem Testexemplar um ein vollwertiges Original des Spiels.

Nachdem das Spiel dann endlich gestartet war öffnete sich ein Fenster welches wir mit der altbewährten Tastenkombination Alt + Enter in den Vollbildmodus geschaltet haben. Das Spiel begrüßt uns nach einigen Videos mit dem Hinweis, dass zum Speichern von Spielfortschritten oder Spielerprofilen eine Verbindung zum Games for Windows Live Dienst erforderlich ist. Da wir noch nicht direkt ins Spiel einsteigen wollen schieben wir diesen Schritt jedoch vorerst auf. Wir schauen uns zunächst in den Menüs um und passen die Einstellungen für die Steuerung an. Da auf der Verpackung ausgefeilte Grafik und DirectX 11 Unterstützung versprochen werden begeben wir uns auch ins Menü für die Grafikeinstellungen.

Der Menüaufbau und auch einige Features wie die Auswahl eines Spitznamens mit dem der Renningenieur den Fahrer anspricht sind alte Bekannte und kommen in den letzten Jahren gehäuft in Rennspielen von Codemasters vor. Dies erleichtert den Einstieg in die Menüstruktur und sorgt dafür, dass man sich schnell zurecht findet

Systemanforderungen & Performance Bevor es mit der Rennaction losgehen konnte wollten wir sicherstellen, dass die maximalen Grafikdetails aktiviert sind. Gemäß den auf der Verpackung angegebenen Systemanforderungen sollte dies auf dem verwendeten Testsystem kein Problem darstellen. Die offiziellen Mindestanforderungen lauten wie folgt:
  • Windows XP mit Service Pack 3, Windows Vista oder Windows 7
  • Intel Core 2 Duo Prozessor mit 2,4 GHz bzw. AMD Athlon X2 5400+ oder besser
  • 2 Gigabyte Arbeitsspeicher
  • 12,5 Gigabyte Speicherplatz auf einer Festplatte bzw. SSD
  • Nvidia GeForce 7800 bzw. ATI Radeon X1800 oder besser.
Da unser Testrechner diese Anforderungen deutlich übersteigt haben wir alle Einstellungen auf die höchste verfügbare Option gestellt, DirectX 11 aktiviert und eine Bildschirmauflösung von 1920 * 1080 Pixeln gewählt. Da das Spiel einen integrierten Benchmark besitzt konnten wir die Performance auch gleich testen. Unser Testsystem basiert auf einem Intel Core i5-2500K, der auf 4,5 Ghz übertaktet wurde. Ihm steht eine nicht übertaktete AMD Radeon HD 6970 zu Seite und das System ist mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher ausgestattet. Bei diesem Benchmark erreichte unser System im Durchschnitt 68 und im Minimum 59 Frames pro Sekunde. Im nachfolgenden Video ist das Ergebnis etwas schlechter, da auch die Software zum Mitschneiden von Bild und Ton einen Teil der Systemleistung beansprucht hat.

Grafik & Sound Wie bereits im Video vom Ingamebenchmark deutlich wurde, haben die Entwickler ihre Aufmerksamkeit bei der Grafik in erster Linie auf die äußere Oberfläche der Autos und auf die Strecken gerichtet. Schnell wird deutlich, dass am Innenleben der Fahrzeuge, abgesehen von den Lenkrädern und den Händen des Fahrers, der Modellierung von Menschen und einigen Details gespart wurde. Auch andere Umgebungen abseits der eigentlichen Strecke, wie die Boxengasse und der Fahrertruck, haben deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als der Rennbetrieb.

Die Bereiche auf die sich die Entwickler konzentriert haben sind allerdings durchweg gelungen. Speziell bei guten Lichtverhältnissen kommt Freude an der Grafik auf. Auch die Optik von Regenrennen haben die Entwickler gut umgesetzt, die Sichtverhältnisse sind schlecht und die Wagen knapp vor einem wirbeln zusätzliches Wasser von der Strecke auf.

Besonders positiv ist in unserem Test der große Preis von Singapur aufgefallen, dieses Rennen wird bei Nacht und unter Flutlicht ausgetragen und grenzt sich somit in der Optik am stärksten von allen anderen Rennen ab.

Auch die Gesichter der prominenteren Fahrer sind gut umgesetzt worden, beim Jubel nach der Zieleinfahrt lässt sich gut erkennen welcher Konkurrent dem vom Spieler gesteuerten Fahrer auf die Schulter klopft und ihm so zum Sieg gratuliert. Der Sound passt generell gut zum Spiel, das Kreischen der Motoren und gelegentlich quietschende Reifen lassen echten Rennspaß aufkommen. Ein kleiner Kritikpunkt sind lediglich die Kommentare des Renningenieurs, abgesehen davon, dass diese sich irgendwann (wie es bei Rennspielen eben so ist) anfangen zu wiederholen sind die Tipps die er dem Fahrer gibt nicht immer die nützlichsten. Als Beispiel sei hier die Aufforderung weiterhin zu „pushen“ genannt, es kommt wohl jeder Spieler selbstständig auf die Idee, das Gaspedal mit voller Kraft zu betätigen wenn die Zeitmessungen darauf hinweisen, dass der Hintermann Kurve für Kurve näher kommt. Wenn man von diesen kleinen Schwächen absieht passt der Sound gut zum Spiel, reicht aber nicht ganz an das Level der Grafik heran. Bei der Übersetzung ins Deutsche hat man keine Fehler gemacht, alle Sätze und Kommentare sind stimmig und auf eine unnötige Übersetzung von in der Formel 1 üblichen Anglizismen hat man lobenswerterweise verzichtet.

Der Karrieremodus Bei anderen Spielen würde an dieser Stelle die Geschichte des Spiels behandelt werden, da diese bei Rennspielen aber naturgemäß minimalistisch ausfällt oder vollständig fehlt befassen wir uns stattdessen mit dem Karrieremodus. Die Ausgangssituation ist schnell erzählt, der Spieler startet als junger Fahrer in seine erste Formel 1 Saison und hat Angebote von mehreren Teams, die aktuell nicht unbedingt zu den erfolgreichsten gehören. Ziel des Karrieremodus ist es, spätestens in der fünften Saison die Fahrerweltmeisterschaft zu gewinnen. Der Spieler wählt also eines der Teams, die ihm zu Beginn seiner Karriere ein Cockpit anbieten, aus und fährt ab sofort als zweiter Fahrer für dieses Team. Den Status der teaminternen Nummer Eins kann man sich im Laufe der Saison erarbeiten, wenn man denn oft genug besser abschneidet als der Teamkollege. Im Fahrertruck steht dem jungen Fahrer ein Laptop zur Kommunikation mit seiner Managerin, die Auswahl des Helmdesigns und ein Saisonkalender zur Verfügung.

Vor dem ersten Rennwochenende wird der Spieler bereits erstmals von einem Reporter, der ihm im Verlauf seiner Karriere noch öfter begegnen wird, interviewt. Vor jedem einzelnen Rennwochenende können die Bedingungen wie die Länge des Rennens oder verschiedene Schwierigkeitsdetails eingestellt werden. Um einen zusätzlichen Reiz zu bieten werden in jeder Session, vom ersten freien Training bis zum Rennen Ziele vom Teamchef vorgegeben, dies sind in der Regel zu unterbietende Rundenzeiten oder zu erreichende Platzierungen. Für jedes erreichte Ergebnis erhält der Spieler ein paar Erfahrungspunkte auf seinem Konto (und noch ein paar mehr wenn die Zusatzziele des Teamchefs erfüllt wurden), welches seinen Ruf in der Branche repräsentiert, gutgeschrieben. Mit fortschreitender Karriereentwicklung und besser werdenden Ergebnissen steigen auch die Erwartungen des Teamchefs. Nach einem guten Ergebnis im Rennen oder Qualifying gibt es einigen Jubel zu sehen, nach einem schlechten Ergebnis ist dementsprechend getrübte Stimmung zu erkennen.

Schlägt sich der junge Fahrer gut werden ihm im Laufe der Zeit andere Teams ein Angebot für die nachfolgende Saison machen. Die Managerin informiert den Fahrer darüber per E-Mail und gibt eine Empfehlung bezüglich Annahme oder Ablehnung für dieses Angebot ab. Einige dieser Angebote haben klare Termine bis zu welchem Zeitpunkt die Teams eine Antwort wollen, andere sind unbefristet und werden vom jeweiligen Team zurückgezogen wenn sie glauben zu lange warten zu müssen. Je besser man in der Saison dasteht, desto hochkarätiger sind die Teams, die dem Fahrer ein Angebot unterbreiten und natürlich werden die Interviewanfragen des einzigen im Spiel enthaltenen Reporters mehr werden.

Gewinnt man am Ende einer Saison den Titel als Fahrerweltmeister erhält man eine Trophäe. Eine Siegerehrung oder einen besonderen Ausdruck der Freude, der über den im laufe der Sasion gewöhnlichen Jubel für ein gewonnenes Rennen hinausgeht, erwartet man vergeblich. Die Tatsache, dass man für den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft nur mit einer Einblendung geehrt wird und es keine besondere Siegesfeier o.ä. gibt war nach einigen anstrengenden Rennen doch eine kleine Enttäuschung.

Mehrspielermodi Abgesehen vom Karrieremodus steht in F1 2011 nur ein weiterer Einzelspielermodus zur Verfügung, im Modus „Grand Prix“ können bis zu 20 beliebige Rennwochenden zu einer selbst zusammengestellten Saison kombiniert werden. Es ist aber genauso gut möglich nur ein einzelnes Rennen zu fahren oder eine Strecke mehrfach zu dieser selbst gestalteten Saison hinzuzufügen, etwas vielseitiger sieht es da bei den Mehrspielermodi aus. Über das Internet oder ein lokales Netzwerk können Rennen gegen bis zu 15 weitere Spieler ausgetragen werden, die übrigen acht Fahrer die das Feld auf 24 vervollständigen werden von der KI übernommen. Zusätzlich bietet der Splitscreenmodus die Möglichkeit zu zweit an einem PC zu spielen, eine gute Möglichkeit um einem Freund das Spiel zu zeigen und sich mit ihm zu messen, ohne dass ein zweites Exemplar des Spiels notwendig wird. Besonders gefallen hat uns die Co-Op Meisterschaft, hier treten zwei Spieler als Teamkollegen in einem Rennstall an und versuchen gemeinsam die Weltmeisterschaft für ihr Team zu gewinnen. Ein menschlicher Teamkollege ist natürlich deutlich hilfreicher als einer der vom Computer gesteuert wird, so kann man sich beispielsweise absprechen und dem in der Gesamtwertung besser platzierten Fahrer im entscheidenden Rennen den Rücken freihalten und die Verfolger ein bisschen aufhalten anstatt gemeinsam im Höchsttempo das Rennen anzuführen.

Die Rennaction Nach einem Überblick über die verschiedenen Spielmodi, wobei besonders der Karrieremodus durch die hohe Anzahl an Optionen auch Langzeitspaß und -motivation vermittelt, kommen wir nun zum Herzstück des Spiels: die eigentliche Rennaction auf der Strecke. F1 2011 bietet eine große Bandbreite an Einstellungen, angefangen bei einer eingeblendeten Ideallinie, über verschiedene Fahrhilfen bis zum Schadensmodell und den Fähigkeiten der gegnerischen Fahrer. So kann jeder Spieler seine eigene Balance zwischen einem Vollgasspiel und einer relativ anspruchsvollen Rennsimulation finden und nach und nach sein Geschick verbessern, indem er die Hilfen reduziert. Diese Vielseitigkeit ist ein enormer Pluspunkt, denn so können Einsteiger und erfahrene Rennspielfans gleichermaßen ein Spiel erhalten, welches ihnen zusagt.

Die Bedienung mit der Tastatur geht gut von der Hand, ein Lenkrad oder einen anderen für Spiele konzipierten Controller hatten wir während unseres Tests leider nicht zur Verfügung. Auf der Strecke kommt man schnell in enge Zweikämpfe und wenn man einmal Rad an Rad mit einem Rivalen auf die Kurve zu donnert, sollte man sich nicht zu sehr von der beeindruckenden Optik ablenken lassen. Es genügt ein kurzer Blick über die Schulter um die genaue Position des Gegners zu ermitteln, danach fährt man mit Kampflinie durch die Kurve, um so wichtige Punkte zu verteidigen. Die Duelle mit computergesteuerten Gegnern machen Spaß und sehen gut aus, je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad sind schnelle Reaktionen und ein gutes Auge für die Lücke zum Überholen mehr oder weniger wichtig. Auf leichteren Einstellungen lassen sich die Gegner fast auf der gesamten Strecke ohne große Gegenwehr überholen, auf höherem Niveau verteidigen diese ihre Position und man muss vorsichtig sein, um vor lauter Angriffslust keinen Crash zu riskieren.

Auch beim Start des Rennens kommt es zu spannenden Situationen, beginnt man ein Rennen von der Poleposition muss man sich sofort vor Gegnern die möglicherweise besser beschleunigen hüten, während Fahrer die weiter hinten im Feld ins Rennen gehen bereits in der ersten Kurve viele Plätze gewinnen aber im Falle eines Unfalls auch verlieren können. Mit ein wenig Geschick und Glück kann man so auch von einem mittelmäßigen Startplatz aus ein sehr gutes Rennen fahren und möglicherweise den Sieg erringen. Durch die KERS (kurzer Leistungsschub durch nutzbar gemachte Bremsenergie) und DRS (verstellbarer Heckflügel) Systeme kommt es des öfteren zu spannenden Zweikämpfen, in der vorigen Runde ausmanövrierte Gegner versuchen beispielsweise am Ende einer langen Geraden mit Geschwindigkeitsüberschuss ihre zuvor verlorene Position zurück zu erobern, dann geben sie ihren Überholversuch teilweise erst sehr spät auf und halten auch dann noch dagegen wenn man sie schon sehr weit an den Rand der Strecke zwingt. Für Fans der Formel 1, die sicher diverse spannende Duelle und Zweikämpfe als Zuschauer miterlebt haben ist dies sicher ein besonderer Spaß, denn im Straßenverkehr kann man die spektakulären Überholmanöver der Rennfahrer bekanntlich nicht nachspielen. Fazit Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Kopierschutz konnte F1 2011 einen guten Eindruck hinterlassen. Der Karrieremodus bietet Langzeitmotivation und kann den individuellen Vorlieben sehr flexibel angepasst werden, so kommen sowohl Vollgasfans, die sich eher auf Grafik und spektakuläre Überholmanöver freuen ebenso auf ihre Kosten wie Simulationsfans, die einen Bogen um eingeblendete Ideallinien und Fahrhilfen machen. Die Grafik kann in den wichtigen Bereichen überzeugen und hat nur an unwichtigen Stellen kleine Schwächen, ein paar mehr Details bei einer Kohlefaserplatte im Innenraum des Rennwagens wären zwar schön gewesen, sind aber nicht notwendig. Gleiches gilt für die Gestaltung der Boxencrew, ein paar weniger Kanten im Gesicht der Mechaniker wären schön gewesen, aber auf den Rennbetrieb nehmen diese keinen Einfluss. Die Autos und Strecken sehen durchweg gut aus! Der Sound passt gut zum Spiel, kleinere genretypische Schwächen kann man angesichts des Spielspaßes leicht verzeihen. Übersetzungsfehl,er wie sie sich in den letzten Jahren an manchen Stellen häufen, finden sich in diesem Spiel keine.

Die Bedienung lässt sich ebenso wie das Schwierigkeitslevel sehr individuell einstellen, wir vermuten dass das Spiel mit Lenkrad oder Gamepad noch mehr Spaß macht, sind aber auch mit der Steuerung per Tastatur wunderbar zurecht gekommen. Die hohe Bandbreite an Schwierigkeitsoptionen bietet auch dahingehend eine Langzeitmotivation, dass man sich selbst mit steigender Schwierigkeit neue Herausforderungen bieten kann, es besteht doch ein deutlicher Unterschied zwischen einem Rennen mit komplett eingeblendeter Ideallinie und Bremsassistent auf der einen und einem Rennen mit manueller Schaltung und Gegnern mit der höchsten einstellbaren Stufe fahrerischen Könnens auf der anderen Seite. Formel 1 Fans die an jedem Rennsonntag vor dem Fernseher sitzen oder möglicherweise sogar gelegentlich zu einem Rennen reisen dürften an diesem Spiel ebenso Gefallen finden wie alle anderen Rennspielfans ohne besondere Sympathie für die Königsklasse auch. Spieler die verschiedene Genres spielen, ohne eines (in diesem Fall Rennspiele) besonders zu mögen und auch kein gesteigertes interesse an Vettel, Schumacher und co. haben, sind mit einem Spiel welches verschiedene Rennserien und Fahrzeugklassen enthält (und damit mehr Abwechslung bietet) besser beraten. F1 2011 bildet den bunten Rennzirkus der Formel 1 insgesamt sehr gut ab und ist für den nun beginnenden Herbst eine gute Option um freie Zeit zu füllen und erhält von uns folgende Wertung:


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