CPU Prozessoren

AMD Phenom II X4 940 Black Edition

Erst sind es die Spinnen, nun sind die Drachen los. Und mit der Kraft der neuen Dragon Plattform soll es wieder Bergauf gehen mit AMD und dem Quadcore-Versuch Nummer zwei. Es hat lange gedauert, bis man öffentlich zugab, dass der Start des Phenom wohl nicht so lief, wie er laufen sollte. Die Folgen waren große Umstrukturierungen, die auch vor der obersten Etage nicht Halt machten. Doch auch einer wie AMD lernt aus Fehlern und in wie fern man in den AMD Labs aus den Fehlern des Phenoms gelernt hat, soll nun der Phenom 2 beweisen.

  Im Vorfeld wurde die Werbetrommel für AMD Verhältnisse kräftig geschlagen und es entstand ein regelrechter Hype um den neuen Phenom 2. Vom neuen Overclocking Wunder war da die Rede, doch ob das der Wahrheit entspricht, werden wir in diesem Review aufzeigen.   An dieser Stelle wollen wir uns bei Michael Schmid von AMD und HPM Computer bedanken, welche uns die Testmuster zur Verfügung stellten.  

  AMD Phenom II   Unter der Haube hat sich beim neuen Phenom 2 einiges getan. So ist dies der erste 45nm Quadcore bzw. generell die erste 45nm DIE, die man bei AMD fertigt. Und auch mit der neuen Strukturgröße setzt man noch auf das Silicon on Isolator (SOI) Herstellungsverfahren, welches seit dem Athlon 64 K8 Verwendung findet. Die kleineren Strukturen geben viel Platz für neue Transistoren. Und so wird die Platzersparnis genutzt, um die Transistorzahl von 450 Mil. auf 758 Mil. zu erhöhen. Die meisten der Transistoren werden dabei wohl auf dem neuen 6 Mb großen L3-Cache zurückfallen. Trotz dieser fast Verdopplung der Transistorzahl wurde die DIE Fläche von 285 mm² auf 258 mm² gesenkt. Der L1- und L2-Cache wurden nicht berührt, so bleibt hier vorerst alles beim Alten. Auch geändert haben sich die Spezifikationen, in der der neue Kern arbeiten „darf“. Immerhin eine Spanne von 0,875 bis 1,5V lässt AMD für den neuen Phenom 2 zu. Somit erlaubt man den Kunden eine Spannung von bis zu 1,5V, was einen direkt zum übertakten animiert.  

    Die Box   Auch dieses Mal haben wir uns wieder eine Box Version zum Test herangezogen. Denn so banal es einem auch immer erscheinen mag, die Verpackung ist meist das erste, was man von einem Produkt sieht und somit ein wichtiger Faktor. Und da scheint es um so verwunderlicher, dass man bei AMD trotz des erzeugten Hypes zu regelrechten Minimalismus neigt, wenn es um die Verpackung des neuen Hoffnungskindes „Phenom 2“ geht. Da kommt einem die Verpackung des ersten Phenoms fast wie ein Farbenmeer vor. Das einzige, was die neue Verpackung ziert, ist ein nicht zu übersehendes Phenom 2 Logo. Der Rest ist in schwarz gehalten und somit etwas trist. Was die Innereien angeht, hat sich ebenfalls nicht viel getan. Der Kühler ist noch der Selbe wie schon die Jahre zuvor, das Casebadget kommt im neuen Phenom 2 Design und die Anleitung ist die Altgewohnte. Und ganz wichtig: auch Windowshopper kommen wieder nicht zu kurz. So bleibt man dabei, wie schon seit Begin an, die CPU an der Seite durch ein Sichtfenster zu präsentieren.  
    Das Testsystem   Wie schon zum Launch der Spider Plattform ist auch Gigabyte bei der Dragon Plattform wieder Exklusivpate und stellt mit dem Gigabyte 790GP DS4H das Referenzboard für AMD. Auch wir testen auf eben dieser Platine. Im Vordergrund soll der Vergleich zum Vorgänger hergestellt werden, um zu sehen, was sich alles getan hat während eines Jahres Entwicklungszeit. Auf einen Vergleich zum Intel Core i7 haben wir hier aus diversen Gründen verzichtet. Einen Vergleich zu einem Intel Q9450 bzw. Q9550 hätten wir uns hier gern erlaubt, doch war es uns nicht möglich im Testzeitraum ein solches System zu beschaffen.   Die restliche Hardware:  

 

    Synthetische Benchmarks   Traditionell beginnen wir mit unseren synthetischen Benchmarks, um die theoretischen Werte des Phenom 2 unter Beweis zu stellen. Dabei gab es einige Änderungen, um den Test zum Teil zu aktualisieren und um ihn zum Teil Userwünschen anzupassen. So wurde der PCMark 05 durch seinen Nachfolger ersetzt und es kam auch der neue 3DMark mit in die Tabelle. Auch neu hinzugekommen ist TrueCrypt und POV-Ray. Bei Beiden nutzen wir die integrierten Benchmarkfunktionen, welche die Leistung der CPUs noch differenzierter Darstellen sollen.  

  Bei unserer Taktgegenüberstellung zeigt sich, dass sich das Warten scheinbar gelohnt hat. In einigen der Tests, wie z.B. den CPU Scores der 3Dmarks, beim POV-Ray Test oder auch Winrar deklassiert der Nachfolger seinen älteren Bruder ohne Gnade und zieht an ihm Vorbei. In nahezu allen Test liegt der Phenom 2 vor dem Phenom, kann sich aber hier und da nicht ernsthaft absetzen. Stark überrascht waren wir von dem extrem starken Abfall der ALU Leistung im SiSoft Sandra Test. Woher dieser rührt, können wir uns nicht erklären, doch dieser Fehler ist es, welcher dem Phenom 2 im Schnitt seine gesamte Statistik quasi „versaut“. Auch auf Nachfrage bei AMD fanden wir keine Lösung für dieses Problem. Doch das bleibt auch der einzige wirklich grobe Schnitzer auf der weisen Weste des neuen Sterns.   Game Benchmarks   Natürlich sollen auch echte Spiele Benchmarks nicht fehlen. Aufgrund von Zeitknappheit haben wir uns dabei für Crysis, Far Cry 2 und Anno 1701 entschieden. Getestet wird wieder Clock by Clock um den echten Leistungszuwachs deutlich zu machen, welcher sich hinter den kleinen aber feinen Detailverbesserungen verbirgt. Dateilverbesserungen sollen dem Phenom 2 dabei nach vorn bringen und zum Sieg verhelfen.  

  Und es bewahrheitet sich. In nahezu jedem Scenario kann sich der neuen Ableger vor seinen alten Rivalen setzen und ihn selbst in eigentlich GPU limitierten Einstellungen kann er sich leicht absetzen. Nimmt man nun eine Dual-GPU Konfiguration, sollte sich dieser Vorteil sogar noch deutlicher zeigen. In nicht GPU limitierenden Einstellungen baut der Phenom2 immerhin einen Vorsprung von mehr als 10 FPS auf und sogar der kleine 2,5 Ghz Phenom 2 vermag unserem 3Ghz Phenom 1 Modell den Rang abzulaufen.     Overclocking   Es war ja nun ein regelrechter Hype, der sich um die Overclocking-Eigenschaften der neuen Quadcore gebildet hatte. Da schreibt man bei AMD davon, dass mit Luftkühlung bis zu 4Ghz möglich seien und auf internationalen Events lässt man sich dann mit der schnellsten Quadcore aller Zeiten feiern. Immerhin 6,5 Ghz holte man mit flüssigem Helium aus der neuen 45nm Core heraus. Eingefleischte AMD Jünger wollten es ja kaum glauben, waren doch solche Taktraten eher in den nächtlichen Träumen dieser zu finden. Die Realität holt die meisten AMD-ler mit schwersten Mitteln meist schon bei 4Ghz ein. Und nun soll alles so einfach werden? Auch wir wollten uns natürlich von diesen Eigenschaften überzeugen und nahmen uns unsere beiden Phenom 2 X4 940 BE einmal zur Brust.   Da unsere Black Edition einen offenen Multiplikator hat, testen wir fürs erste diesen, doch recht bequemen Weg des Übertaktens. Ohne weitere Spannungsanhebungen waren so mit beiden CPUs 3,3 Ghz stabil zu betreiben. Mit einer leichten Spannungsanhebung auf 1,4V waren dann 3,6Ghz ohne Probleme erreichbar und auch stabil. Für 3,8 Ghz waren wieder 0,05V mehr nötig. Diese 3,8 Ghz waren damit recht einfach erreicht. Kritisch wurde es erst über diesem Punkt. Egal welchen Weg wir gingen, 4 Ghz waren mit einer Luftkühlung, welche aus einen Scythe Mugen 2 bestand, nicht lauffähig. Um trotz alledem das Maximum auszuloten, bauten wir das System auf eine Wasserkühlung um. Hier waren die 4 Ghz mit 1,55V zwar lauffähig, stabil ist aber was anderes. Für ein paar Vergleichsbenchmarks hat es dann aber doch gereicht. Das absolute Maximum beider CPUs zeichnete sich bei knapp über 4,1 Ghz und 1,58V an. Stabil war dabei aber nichts mehr.   Da natürlich nicht jeder eine CPU mit freiem Multiplikator besitzt, testeten wir auch den maximalen HT-Takt. Dieser zeigte sich beim Phenom 1 als recht zickig, erreichte man einen Wert über 250 Mhz, konnte man sich schon glücklich schätzen. Wir erreichten mit unseren Vergleichs Phenom 9750 immerhin bis zu 280 Mhz. Doch der Phenom 2 macht Schluss mit diesem Flaschenhals und lies sich auch noch mit annähernd 350 Mhz zum booten bewegen.   Abschließen nun noch ein Paar Benchmarks zur Performanceverdeutlichung.  

    Fazit  

  Platzte der Phenom „1“ noch mit eher pubertären Problemen ins Haus und zeigte sich ebenso zickig wie von Kinderkrankheiten befallen, ist es erstaunlich zu sehen, wie der damals kleine doch erwachsen geworden ist. Den anfänglichen Frustspeck hat er nun endlich mit Vernunft abgelegt und präsentiert sich nun also potenter Erwachsener. Er hat gelernt effektiver zu arbeiten, seine Sachen schneller und sicherer über die Bühne zu bringen und dabei noch Luft nach oben zu haben. Alles in Allem: Er ist sparsamer, schneller und besser übertaktbar. So vermag er endlich in Konkurrenz zu Intel treten zu können, doch der Thron ist noch weit entfernt. Trotz alle dem bleibt uns nichts weiter zusagen, als das AMD mit dem Phenom 2 alles richtig gemacht hat. Auch der Preis hat sich schon nach wenigen Wochen in nahezu unschlagbare Bereiche begeben. So ist unser Testmodell Phenom 2 X4 940 Black Edition schon für rund 200 bis 230€ erhältlich.   Er ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und das wollen wir prämieren. So hat sich der Phenom 2 eine klare Empfehlung verdient.  


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