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PowerColor Radeon HD 7870 Myst. Edition im Test

Während große Konzerne in der Regel mit Innovationen den Markt antreiben sind kleinere Unternehmen oft gezwungen effizient zu arbeiten, um dennoch mithalten zu können. So war es auch oft bei AMD, die immer wieder nicht gänzlich funktionsfähige Chips mit etwas beschnittenen Funktionen zu niedrigeren Preisen auf den Markt gebracht haben. Um scheinbar vor dem Start der nächsten Grafikkarten-Generation die Lager zu leeren haben eine Handvoll Hersteller kürzlich eine Radeon HD 7870 präsentiert, die jedoch auf dem Tahiti Kern der HD 7900 Reihe basiert.

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Etwas Ähnliches wurde bereits bei der vorherigen Generation in Form der Radeon HD 6790 durchgeführt, nun hat man sich jedoch dazu entschieden, den Namen einer bereits existierenden Grafikkarte zu übernehmen. Demnach ist Verwirrung schon vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz wollen wir uns heute mit der Leistung des Neulings beschäftigen, um die Frage zu klären, ob es sich dabei um ein gutes Schnäppchen oder doch nur um Abzocke handelt.

PowerColor HD7870 Myst 3

Interessant dürfte das Ergebnis allemal werden, da sich die neuen Karten preislich im Mittelfeld bewegen und die kleine Lücke zwischen HD 7870 GHz Edition und HD 7950 schließen sollen. Als Konkurrenten von Nvidia dürften aus finanzieller Sicht sowohl die GeForce GTX 660 als auch die GTX 660 Ti in Frage kommen, die in dem heutigen Test allerdings nicht mit einbezogen wurden. Die Kombination aus Graphics Core Next (GCN) Architektur und aktuellen Schnittstellen wie DirectX 11.1 und PCI Express 3.0 klingen auf dem Papier recht gut, interessanter dürfte jedoch die Frage werden, inwiefern man die fehlenden Radeon Cores des verwendeten Tahiti LE Chips mit einem höheren Kerntakt kompensieren kann. Alles Wissenswerte zum vermutlich letzten Ableger der "Southern Islands" Familie findet ihr auf den nächsten Seiten.

Bevor es richtig los geht richten wir wie immer einen Dank an das Team von PowerColor, das uns freundlicherweise ein Testmuster bereitgestellt hat.

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Technische Daten Wie die meisten anderen aktuellen Grafikkarten wird auch der Chip der vor uns liegenden HD 7870 Myst. im 28 Nanometer Prozess gefertigt. Der Clou an der Karte ist allerdings, dass man nicht wie eigentlich üblich den Pitcairn-Chip verlötet, sondern stattdessen auf den größeren Tahiti-Chip der HD 7900 Serie zurückgreift, diesen jedoch etwas beschneidet. Folglich finden wir auch hier einen Chip mit einer Fläche von 365 mm², in dem sich laut AMD 4,31 Mrd. Transistoren befinden. Zum Vergleich: Die Grafikkarten mit Pitcairn-Chip kommen auf lediglich 2,8 Mrd. Transistoren bei einer Fläche von 212 mm².

Durch die Verwendung der Graphics Core Next Architektur ist auch die Radeon HD 7870 Myst. aus den Compute Units (CUs) aufgebaut. Von den physikalisch vorhandenen 32 Stück sind allerdings nur noch 24 funktionsfähig, was auch die Anzahl der verfügbaren Stream Prozessoren von 2.048 auf 1.536 Stück senkt. Damit liegt man über der HD 7870 GHz Edition mit 1.280 Stream Prozessoren und unter der HD 7950 mit 1.792 Stream Prozessoren. Die restlichen Daten umfassen die davon unabhängigen 32 ROPs sowie 96 Textureinheiten. Das Speicherinterface wurde bei diesen Karten auf 256 Bit geschrumpft, womit es sich auf ein Level mit normalen HD 7870 GHz Edition Karten stellt und die Speichermenge ebenfalls auf 2 GB sinken lässt.

Den Titel GHz Edition dürfen diese speziellen Karten nicht tragen, der Grund dafür ist auch schnell gefunden. Statt mit 1.000 MHz wird unser Testmuster mit einem Kerntakt von 925 MHz betrieben, der sich jedoch bei genügend Luft auf 975 MHz unter Last erhöhen kann – Stichwort Boost. Der Speichertakt wurde hier auf 1.500 MHz angehoben, was durch den verwendeten GDDR5 Speicher effektiv 6.000 MHz entspricht. Durch die Kombination aus geschrumpftem Speicherinterface und gehobenem Takt kann man sich auch bei der Speicherbandbreite genau zwischen HD 7870 GHz Edition und HD 7950 einordnen.

Merkwürdigerweise ist nirgendwo eine Angabe zur Leistungsaufnahme der Radeon HD 7870 Myst. zu finden, es wird lediglich ein Netzteil mit mindestens 500 Watt empfohlen. Auf der Karte selbst sind zwei 6-Pin Stromstecker vorhanden, was einen Rahmen von maximal 225 Watt erlaubt. Inwiefern man diesen auch ausreizt wird sich später im Test zeigen.

Zum Abschluss noch die gewohnte Übersicht ähnlicher Grafikkarten:

 

GTX 660 Ti
HD 7870
HD 7870 Myst.
HD 7950
Codename
GK104 Pitcairn
Tahiti
Tahiti
Fertigung 28 nm
28 nm
28 nm
28 nm
Transistoren
ca. 3,54 Mrd.
ca. 2,8 Mrd.
ca. 4,31 Mrd.
ca. 4,31 Mrd.
Kerntakt 915 MHz
1.000 MHz
925 MHz
800 MHz
Shader-Einheiten 1.344 (1D) 1.280 (1D) 1.536 (1D)
1.792 (1D)
Boosttakt 980 MHz -
975 MHz -
Speichertakt
6.008 MHz
4.800 MHz
6.000 MHz
5.000 MHz
Speicherart GDDR5
GDDR5
GDDR5
GDDR5
Speicherinterface 192 Bit
256 Bit
256 Bit
384 Bit
FLOPs (MAD)
2.459 GFLOPs
2.560 GFLOPs
2.841 GFLOPs
2.867 GFLOPs
ROPs 24
32
32
32
TMUs
112 80 96
112
DirectX DX11.1
DX11.1
DX11.1
DX11.1
Leistungsaufnahme
typisch / maximal
134 / 165 Watt 175 / ? Watt - / - Watt - / 200 Watt
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Karte im Detail Unser heutiges Testmuster stammt wieder einmal aus dem Hause PowerColor, die exakte Bezeichnung der Grafikkarte lautet PowerColor PCS+ HD 7870 Myst. Edition. Wirklich mysteriös ist daran allerdings nichts, wenn man denn weiß, dass sich hier ein anderer Grafikchip verbirgt. Das Kürzel PCS steht für "Professional Cooling System" und verweist auf den eigenen Kühler, der auf der HD 7870 Myst. genutzt wird. Dieser soll das Ganze – wie immer – leiser kühlen und gleichzeitig niedrigere Temperaturen als andere Kühler erreichen.

Der Karton ist wieder PowerColor-typisch gestaltet, birgt dieses Mal jedoch ein 3D-Modell eines Fahrzeugs auf der Vorderseite. Gleichzeitig wird die Karte als "UEFI Ready" angepriesen, was einen schnelleren Bootvorgang unter Windows 8 ermöglichen soll. Rückseitig finden wir diverse Informationen über die Systemvoraussetzungen zum problemlosen Betrieb und den Besonderheiten der Grafikkarte. Dazu gehört hier vor allem das Gold Power Kit mit einer digitalen PWM Spannungsversorgung, DrMOS Transistoren und Spulen mit Eisenkernen. Alles in allem eine etwas abgespeckte Variante des Platinum Power Kits der PowerColor HD 7870 PCS+ Vortex II.

Versteckt im Inneren finden wir das sehr spärlich ausgefallene Zubehör in Form einer Treiber CD, einer kurzen Anleitung sowie eines mini DisplayPort-auf-DisplayPort Adapters. Das "klassische" Zubehör wie einen DVI-auf-VGA-Adapter oder eine CrossFire Brücke sucht man hier vergeblich, was für eine Karte in dieser Preisklasse etwas fragwürdig ist.

Rein optisch macht die HD 7870 Myst. einiges her, was wohl vor allem an der Kühlerabdeckung liegen dürfte. Diese ist hier aus Metall statt aus Kunststoff gefertigt, was das Ganze in Kombination mit dem AMD Logo am Slotblech etwas wertiger wirken lässt. Bekanntermaßen leitet Metall jedoch Strom, weswegen zwischen Karte und Abdeckung drei Abstandshalter aus Gummi angebracht sind. In der Länge misst die Karte 26,7 Zentimeter, womit sie sich einmal mehr zwischen HD 7870 und HD 7950 ansiedelt. Die Unterschiede zur HD 7950 werden auch äußerlich schnell sichtbar – so ist nur eine CrossFire Schnittstelle vorhanden und auch der Dual BIOS Schalter fehlt. Zur Stromversorgung werden zwei 6-Pin Stromstecker benötigt, auf der Rückseite findet sich nichts Auffälliges. Auf der Platine selbst befindet sich ein weiterer kleiner Kühlkörper für die Spannungswandler, da diese ebenfalls eine hohe Wärme abgeben können. Interessanterweise werden auf dieser Karte Speicherchips von Elpida verwendet, die vermutlich erst die hohen Taktraten ermöglichen.

Der hier verwendete PCS Kühler ist lediglich durch vier Schrauben mit der Platine verschraubt und besitzt einen 92 Millimeter Lüfter zur Zufuhr von Frischluft. Darunter sitzt eine Konstruktion bestehend aus zwei S-förmigen Heatpipes mit je 6 und 8 Millimetern Durchmesser und einer U-förmigen 6 Millimeter dicken Heatpipe sowie zahlreichen Aluminiumfinnen, die die Wärme des Grafikchips an die umgebende Luft abgeben sollen. Die Heatpipes berühren dabei auch hier direkt den Chip, was die Kühlleistung verbessern soll.

Am Slotblech wird das übliche Programm an Anschlüssen geboten, genauer gesagt je ein DVI-I und HDMI 1.4a Ausgang sowie zwei mini DisplayPort 1.2 Anschlüsse. Dadurch lässt sich ohne viel Aufwand ein Eyefinity-Setup mit vier Bildschirmen erstellen.

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Testsystem Als Grundlage für unser Testsystem nutzen wir ein Lancool K63 Gehäuse, das durch die vielen Lüfter gut belüftet ist und auch für große Grafikkarten genug Platz bietet. Damit auch aktuelle Grafikkarten nicht in ihrer Leistung beschränkt werden nutzen wir einen Intel Core i7-2600K, welcher auf 4,1 GHz übertaktet wurde, in Verbindung mit einem Gigabyte GA-Z68X-UD7-B3 Mainboard. Als Netzteil kommt ein Scythe Chouriki Plug-In mit 850 Watt zum Einsatz, das im Zweifelsfall auch problemlos CrossFire und SLI Gespanne betreiben kann.

Als Massenspeicher dient eine Corsair Force 3 120 GB, auf der das Betriebssystem und die meisten Benchmarks untergebracht werden. Spiele hingegen finden auf der Western Digital WD5000AACS mit 500 GB Platz. Als schnellen Zwischenspeicher haben wir ein 4 GB Kit von G.Skill aus der ECO Reihe mit 1.600 MHz verwendet.

Zur Kühlung des Hauptprozessors setzen wir auf eine H80 Wasserkühlung von Corsair, die mit Halterungen für alle aktuellen Sockel perfekt ausgestattet ist und auch alle Chips bei einer guten Temperatur halten kann. Allerdings wurde sie mit zwei Nanoxia FX-1250 Lüftern versehen, um die Lautstärke etwas zu dämpfen.

Grafikkarten Testsystem

Zur Ermittlung der Werte wurden folgende Grafikkarten und Treiber verwendet: - AMD Radeon HD 7950 3 GB - Catalyst 13.1 - 9.12.0.0 - PowerColor Radeon HD 7870 Myst. 2 GB - Catalyst 12.11 - 9.10.0.0 - PowerColor Radeon HD 7870 2 GB Vortex II - Catalyst 12.4 - 8.961.0.0 - Gigabyte Radeon HD 7850 Windforce 2X - Catalyst 12.4 - 8.961.0.0 - Zotac GTX 580 AMP!² 3 GB (mit Referenztakt) - GeForce Treiber 285.62

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Synthetische Benchmarks Den Anfang in Sachen Benchmarks machen bei uns die synthetischen Benchmarks. Konkret setzen wir dabei auf den älteren DirectX 10 Benchmark 3DMark Vantage sowie die aufpolierte Version mit DirectX 11, den 3DMark 11. Als Programmierer von Benchmarks hat Futuremark bereits einige Erfahrung und lastet bereits seit (Grafikkarten-)Generationen die Grafikchips so stark aus, wie es zu erscheinen kein erhältliches Spiel schafft. Das ist allerdings auch wichtig, da die Lebenszeit des Benchmarks so deutlich verlängert wird. Der 3DMark 06 aus dem Jahr 2006 beispielsweise lieferte damals klare Ergebnisse, heute unterscheiden sich die Werte der verschiedenen Karten nur noch minimal.

Zusätzlich haben wir auch den Unigine Heaven Benchmark mit einbezogen, der zur Einführung der Radeon HD 5000 Karten als erster DirectX 11 Benchmark erhältlich war. Durch die zahlreichen Patches sind alte Ergebnisse mitunter nicht zu vergleichen, doch der Vollständigkeit halber wollten wir ihn nicht auslassen.

Im 3DMark Vantage wird ziemlich gut deutlich, was wir bereits zu Beginn vermutet haben. So passt die HD 7870 Myst. perfekt zwischen die normale HD 7870 GHz Edition und die HD 7950, wobei man eher zu letzterer neigt. Der einzige Konkurrent von Nvidia im Testfeld - die GeForce GTX 580 - wird ohne Probleme abgehängt.

Im 3DMark 11 ist das Ergebnis im Performance Preset etwas überraschend, da sich unser Testmuster vor die HD 7950 schiebt. Scheinbar kann man hier aus dem höheren Takt in Verbindung mit dem Boost mehr Punkte gewinnen. Im Extreme Preset kehrt sich die Reihenfolge wieder um, wenn auch nur mit einer knappen Führung der HD 7950.

AA off / Tessellation normal

8x AA / Tessellation extreme

Auch im Heaven Benchmark positioniert man sich wieder zwischen den beiden Konkurrenten. Insgesamt bestätigt sich also das Bild des Lückenfüllers, wobei diese Reihenfolge vor allem für Auflösungen im Bereich von 1.920 x 1.080 Pixeln zutrifft. Bei noch höheren Auflösungen oder extrem detailreichen Texturen wird die HD 7950 vermutlich von dem zusätzlichen Grafikspeicher profitieren können. So viel also zur Theorie, kommen wir zu der ersten Reihe Spiele Benchmarks!

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Spiele Benchmarks Teil 1 Wir haben die bisher genutzten Grafikkarten in insgesamt sechs Spielen gebencht, darunter sind ANNO 2070, Deus Ex: Human Revolution, DiRT 3, Metro 2033, Crysis 2 und Battlefield 3. Vielleicht fällt es manchen auf: Es handelt sich dabei ausschließlich um DirectX 11 Titel. Wie bereits zuvor mit dem 3DMark 06 angedeutet eignen sich DirectX 9 Spiele wie The Elder Scrolls V - Skyrim oder Call of Duty: Modern Warfare 3 nur noch begrenzt um die Leistung aktueller Grafikkarten zu messen. Nichts desto trotz bekommen wir so einen guten Einblick in die Leistung unserer Karten.

1.920 x 1.080, AA an

1.680 x 1.050, AA an

In dem beliebten Strategiespiel ANNO 2070, was durchaus sehr Hardware-hungrig sein kann, ist die Myst. Karte ungefähr gleichauf mit der HD 7950, aber auch der Abstand zur HD 7870 GHz Edition ist nicht besonders groß. Bei einer niedrigeren Auflösung kann man sich sogar knapp an die Spitze setzen, was man wohl unter anderem wieder dem Boost zu verdanken hat.

1.920 x 1.080, MLAA

1.680 x 1.050, MLAA

 

Im Titel Deus Ex sind sich alle drei Grafikkarten, die wir hier hauptsächlich vergleichen, recht ähnlich. Bei FullHD Auflösung kann sich die HD 7950 an ihren gewohnten Platz an der Spitze setzen, bei gesenkter Auflösung ist kaum ein Unterschied zu erkennen.

1.920 x 1.080, 8x AA

1.680 x 1.050, 8x AA

In dem Rennspiel hat man es - wie auch immer - geschafft sich mit einigen FPS mehr an die Spitze zu kämpfen. Vermutlich ist das auch wieder dem Boost Modus zu verdanken, wodurch der Abstand zur normalen HD 7870 GHz Edition viel deutlicher wird. Nach diesem leichten Einstieg folgen wie immer die wirklich anspruchsvollen Titel!

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Spiele Benchmarks Teil 2 Wie so oft in der Spielegeschichte sind die bisher gebenchten Spiele auch recht anspruchsvoll, doch wirkliche Maßstäbe setzt immer wieder ein Genre: Nämlich das der Ego-Shooter. Und genau davon haben wir jetzt auch wieder drei Stück, die mit zu den leistungshungrigsten Titeln gehören.

1.920 x 1.080, 4x MSAA

1.680 x 1.050, 4x MSAA

In dem Shooter Metro 2033, wohl einem der Hardware-Fresser schlechthin, wird der hardwareseitige Vorteil der HD 7950 sehr deutlich. Durch die hohe Auslastung der Grafikkarten fällt der Boost hier weniger ins Gewicht, sodass man sich dem "großen Bruder" geschlagen geben muss.

1.920 x 1.080, Ultra Settings

1.680 x 1.050, Ultra Settings

Bei Crysis 2 mit DirectX 11 Patch wird wieder bestätigt, was wir schon zuvor sehen konnten. Bei FullHD Auflösung liegt die HD 7950 vorn, senken wir die Auflösung kann sich die Myst. sogar wieder an die Spitze schieben. Der Vorsprung liegt zwar im Bereich der Messtoleranz, interessant ist er aber allemal.

1.920 x 1.080, Ultra Settings

1.680 x 1.050, Ultra Settings

Die Ergebnisse von Battlefield 3 bestätigen die aus Crysis 2 nochmals. Der Abstand zu den anderen beiden HD 7800 Karten resultiert vor allem aus der Wahl der Treiber, da AMD dort in der Zwischenzeit viel getan hat. Insgesamt dürften die Diagrame also für sich sprechen.

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Overclocking Mittlerweile dürfte es kein Geheimnis mehr sein, dass in den Grafikkarten der HD 7000 Familie ein enormes Übertaktungs-Potential steckt. Bereits unser ursprüngliches Radeon HD 7950 Testmuster konnten wir stark übertakten, inzwischen ist der Fertigungsprozess weiter ausgereift und so hat auch unsere HD 7870 Myst. einiges zu bieten. Wie viel genau, das werden wir jetzt sehen.

Der Standard-Takt unseres Testmusters liegt bei 925 MHz, wird unter Last jedoch unter der Voraussetzung, dass noch etwas Luft zur TDP ist, dynamisch auf 975 MHz angehoben. Der Speichertakt liegt von Werk aus bei 1.500 MHz. Mit dem noch recht frischen Powerup Tuner V0.2 von PowerColor haben wir den Kerntakt in mehreren Stufen auf bis zu 1.225 MHz anheben können, die Spannung wurde dabei bei 1,25 Volt belassen. Der Speicher hatte etwas weniger Spielraum und konnte maximal auf 1.650 MHz übertaktet werden.

Da der Turbo abhängig von der Auslastung agiert ist es wichtig, im Catalyst Control Center die PowerTune Option auf +20% zu stellen. Nach dieser Änderung lässt sich bereits ein kleiner Leistungssprung ohne Taktänderung im 3DMark 11 feststellen, da der Boost öfter eingreift. Allgemein betrachtet kommen wir bei einer maximalen Taktsteigerung von ca. 25% auf ein Plus im 3DMark 11 Performance Preset von ca. 15%. Auch in Crysis 2 lässt sich ein FPS-Gewinn von ca. 15% ausmachen. Alles in allem ist also noch ordentlich Potential vorhanden, mit erhöhter Spannung lässt sich möglicherweise noch etwas mehr aus dem Tahiti Chip herauskitzeln. Die Leistungsaufnahme ist erstaunlicherweise lediglich um 17 bzw. 29 Watt unter Last bei Crysis 2 gestiegen.

Ausnahmsweise folgt an dieser Stelle noch ein kleiner Absatz zum Thema CrossFire. Bekanntermaßen müssen bei AMD zum Betrieb von zwei Grafikkarten nur die Chips gleich sein, sodass sich auch eine HD 7970 und eine HD 7950 zusammen betreiben lassen. Da die Myst. ebenfalls über einen Tahiti Kern verfügt sollte CrossFire theoretisch auch hier möglich sein, jedoch wurde das CF-Gespann bei uns unter verschiedenen Treibern nicht erkannt. Laut Verpackung ist CrossFire nur mit anderen Tahiti LE Karten möglich.

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Leistungsaufnahme & Kühlung In Zeiten der Energiewende haben immer mehr Personen den Drang dazu, bei ihren gekauften Komponenten auf die Leistungsaufnahme zu achten. Abgesehen davon bedeutet mehr Verbrauch auch mehr Abwärme und damit meist auch mehr Lärm bei der Kühlung. Da bei allen Radeon HD 7870 Grafikkarten mit Tahiti LE Kern eine offizielle Angabe zur TDP fehlt müssen wir uns hier auf unsere eigenen Messungen verlassen um zu sehen, wie sich die Karte verhält. Da die Spannung mit 1,25 Volt deutlich höher ist als bei der HD 7950 ist allerdings ein recht hoher Wert zu erwarten. Wie immer lassen wir dabei einmal den PC im Leerlauf wenn wir messen, spielen eine Szene des Films Sherlock Holmes in 1080p mit GPU-Beschleunigung im VLC-Player ab und laden einen Spielstand aus Crysis 2, um den Stromverbrauch beim Spielen zu simulieren.

Im Idle-Zustand liegt die Myst. im selben Bereich wie die anderen Vertreter von AMD, auch wenn man knapp darüber liegt. Der Unterschied ist aber eher minimal und deshalb nicht weiter von Belang. Merkwürdiger ist eher, dass scheinbar im Grafikkarten BIOS die Unterstützung für "ZeroCore Power" fehlt, sodass sich die Grafikkarte nicht abschaltet, wenn Windows den Monitor abschaltet. Dadurch läuft auch der Lüfter im Leerlauf weiter, was für etwas mehr Lärm sorgt. Auch das ist etwas ärgerlich, aber nicht weiter schlimm.

Unter Last gibt es eine kleine böse Überraschung. Durch die hohe Standard-Spannung von 1,25 Volt liegt der Verbrauch noch ein ganzes Stück über dem der HD 7950 – ganz zu schweigen von der HD 7870 GHz Edition. Insgesamt ist man auch gar nicht so weit von einer HD 7970 entfernt, die gleichzeitig deutlich mehr Leistung bietet. Von einem "grünen Wunder" kann also in keinster Weise die Rede sein.

Als wir unseren Film abspielten zeigt sich auch hier, was zu erwarten war. Der Verbrauch liegt deutlich über dem der anderen Karten, auch wenn es insgesamt noch im vertretbaren Bereich liegt. Für ein Media Center sollte man also lieber zu einer anderen Karte greifen.

Da es von AMD bei dieser Karte kein offizielles Referenzmodell gibt waren die Boardparter gezwungen, ihre eigenen Kühler auf die neuen Grafikkarten zu setzen. Im Falle von PowerColor ist es eine ähnliche Kühllösung wie bei VTX3D, was an dem gemeinsamen Mutterkonzern liegen dürfte. Durch die massive 8 Millimeter Heatpipe und die beiden kleinen Heatpipes ist generell ein gutes Grundgerüst gegeben, dazu kommt ein 92 Millimeter Lüfter, der das Ganze mit Frischluft versorgt. Dieser ist mittig platziert und zieht demnach die Luft von unten an und stößt die erhitzte Luft am Slotblech oder wieder Richtung Gehäuse-Inneres aus.

Im Alltag erfüllt der Kühler auch weitestgehend seine Aufgabe, im Leerlauf ist er kaum hörbar und erreicht auch akzeptable Temperaturen von ca. 30 °C. ZeroCore Power wird leider nicht unterstützt, sodass der Lüfter auch weiter läuft, wenn sich der Computer längere Zeit im Leerlauf befindet. Unter Last sieht das dann alles etwas anders aus. Im Gegensatz zu Kühlern mit zwei verbauten Lüftern hat der Kühler auf der Myst. Karte alle Hände voll zu tun, um den Chip auf Temperatur zu halten. Im MSI Kombustor erreichen wir nach einer gewissen Zeit eine Temperatur von 81 °C bei einer Kühlerauslastung von 42%, bei Crysis 2 werden es immerhin noch 72 °C. In beiden Fällen wird der Lüfter deutlich hörbar und bei geöffnetem Gehäuse auch relativ nervig, bei geschlossenem Gehäuse unter dem Schreibtisch sollte es nicht weiter stören. Sollte man doch zwei dieser Grafikkarten im CrossFire-Betrieb nutzen gilt es allerdings auch etwas zu beachten. Einerseits wird die Luftzufuhr durch die Position des Lüfters stark eingeschränkt, andererseits kann es im schlimmsten Fall durch die metallische Abdeckung zu einem Kurzschluss auf der unteren Karte kommen. Hier muss man einfach aufpassen.

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Fazit Zum Abschluss des Tests gilt es wie immer alles nochmals etwas knapper zusammenzufassen. Die Radeon HD 7870 mit Tahiti LE Kern ist an sich eine gute Entscheidung seitens AMD, um die Lager zu leeren und dem ein oder anderen Kunden ein Schnäppchen zu ermöglichen. Pünktlich vor dem Start der kommenden HD 8000 Generation wird man damit auch die Chips los, die nicht vollständig funktionsfähig sind – der Umwelt zuliebe! Zusätzlich hat man die Lücke zwischen Radeon HD 7870 GHz Edition und HD 7950 gut gefüllt, auch wenn sich die Myst. Karte eher zur HD 7950 annähert. In vielen Fällen kann man mit diesem Konkurrenten sogar mithalten, lediglich wenn man auf höheren Auflösungen als FullHD spielt sollte man doch lieber zur HD 7950 greifen.

PowerColor HD7870 Myst 3

Diese spezielle Grafikkarte wird bisher nur von vier Herstellern angeboten, was sich vermutlich auch in Zukunft nicht ändern wird. Abgesehen davon verfügen alle Karten über die gleichen Spezifikationen von 925 MHz Kerntakt (975 MHz Boost) und 1.500 MHz Speichertakt. Mit dem als Download erhältlichen Powerup Tuner waren wir in der Lage die Taktraten auf bis zu 1.225 MHz Kerntakt und 1.650 MHz Speichertakt anzuheben, was einen Performance Vorteil von ca. 15 % mit sich gebracht hat. Andere Tools sind ebenfalls verfügbar, zur Anpassung der Spannung sollte man jedoch auf das Programm von PowerColor zurückgreifen.

Die Kühllösung kann leider nur als "okay" abgestempelt werden, da die erreichten Temperaturen doch relativ hoch ausgefallen sind. Dafür macht die Konstruktion optisch einiges her, was wohl vor allem an der Metall-Abdeckung liegen dürfte. Zwar besteht dadurch stets die "Gefahr" eines Kurzschlusses, jedoch sollte nichts passieren solange man halbwegs achtsam an seinem PC schraubt. Mit welchen Karten man sich bei den Angaben auf dem Karton wie "15% kühler" vergleichen will ist uns auch bis heute nicht klar, da es kein Referenz-Modell gibt.

Das Zubehör der Radeon HD 7870 Myst. fällt leider unterdurchschnittlich aus und umfasst lediglich einen mini DisplayPort-auf-DisplayPort Adapter, eine kurze Anleitung und eine Treiber CD. Für diesen Preis könnte man wirklich etwas mehr erwarten. Da AMDs Never Settle Programm mittlerweile auch abgelaufen ist erhält man keine Spiele beim Kauf einer Grafikkarte dazu.

PowerColor HD7870 Myst Award

Der Preis der Myst. liegt derzeit bei 202,44 Euro (Geizhals.de / Stand 21.01.2013) und damit nur rund 15 Euro über dem regulären Preis einer HD 7870 GHz Edition. In Anbetracht der Leistung und der Overclocking-Fähigkeiten kann man diese "HD 7870 XT" wohl als Geheimtipp und Schnäppchen bezeichnen. Aus diesem Grund bekommt unser heutiges Testmuster eine Empfehlung von uns, da es sich um eine rundum gelungene Grafikkarte handelt. Naja, fast. Bis auf die Lautstärke unter Volllast und die Leistungsaufnahme, die wiederum etwas gegen den Umwelt-Gedanken sprechen, hat man aber ein gutes Paket schnüren können, an dem die Besitzer mit Sicherheit einige Freude haben werden.

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