Apps
Hardware Testbericht Multimedia Testbericht

Blackberry Playbook im Test - Business- oder Alltags-Gerät?

Im Playbook von RIM findet man zwar keine Dating-Tricks, dafür aber das erste Blackberry Tablet mit dem neuen QNX Neutrino basierten Betriebssystem. Das Playbook ist nun schon eine längere Zeit auf dem Markt, hatte aber seine Anfangsschwierigkeiten. Ohne ein gekoppeltes Blackberry Smartphone gab es keine eigenständigen Email- oder Kalender-Apps. Damit war das Playbook nur bedingt als Standalone-Gerät nutzbar, was den Kundenkreis nicht gerade vergrößert hat. Das QNX basierte Blackberry Playbook <abbr title="Betriebssystem (Operating System)">OS</abbr> wurde nun auf die Version 2.0 geupdatet und beinhaltet doch noch Apps für die Organizer Funktionen. Außerdem werden durch eine spezielle Runtime einige Android Apps auf dem Tablet nutzbar. Grund genug, das nicht mehr ganz frische Blackberry Playbook noch durch einen Test-Parcours zu schicken. Vielleicht erweist sich das preisgünstige Tablet ja auch für private Kunden als nützlich.

 

Blackberry Playbook Datenblatt
Bildschirmdiagonale 7 Zoll
Auflösung 1024 x 600 Pixel
Prozessor 2 x 1 GHz ARM Cortex-A9
Arbeitsspeicher 1 GB
Speicher 16/ 32/ 64 GB
Akku 5.400 mAh

<h1>Design und Verarbeitung</h1> Das Design des Blackberry Playbook lässt sich am besten mit dezent und konservativ beschreiben. Viele Details findet man nicht am Gehäuse. Bis auf die vier Tasten an der Kopfseite und dem Blackberry Logo ist das Tablet komplett in schwarz gehalten. Der 7 Zoll Touchscreen ist von einem auffällig breiten Rahmen umgeben. Der Rand steht ein wenig hervor, um das Glas beim Hinlegen vor Kratzern zu bewahren. Über dem Display sind eine rote LED und Frontkamera platziert. Rechts und links befinden sich zwei Lautsprecher im Rand, an der Unterseite sitzen USB-, Docking- und micro HDMI-Anschluss. Einen Klinkenstecker finden wir an der rechten oberen Ecke. <p style="text-align: center;"> </p> <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td></td> </tr> </tbody> </table> <p style="text-align: center;"> </p>

Die Vorderseite besteht aus einer großen Glasoberfläche. Der darin integrierte Rahmen ist berührungsempfindlich und für die einfache Bedienung außergewöhnlich breit. Dadurch wird das ganze Gerät für ein 7 Zoll Tablet überdurchschnittlich groß. Mit Maßen von 194 x 130 mm, einem Gewicht von 425 Gramm und einer Tiefe von 1 cm, kann man das Playbook nicht mehr als handlich bezeichnen. Die Rückseite besteht aus einem angenehm weichen Kunststoff, der aber eine kleine Nebenwirkung mit sich bringt. Obwohl Neugeräte oftmals nicht wirklich angenehm riechen, ist das Playbook wegen seiner Penetranz in dieser Eigenschaft explizit zu erwähnen. Noch nach einer Woche haben die Hände einen unangenehmen Geruch vom Halten des Playbooks angenommen. Nach drei Wochen kann man das Playbook immerhin nicht mehr von weitem erschnüffeln, der Kunststoff riecht aber immer noch auffällig. Abgesehen vom Geruch, ist die Rückseite mit Blackberry-Logo schön geworden und sorgt für einen sicheren Halt. <p style="text-align: center;"> </p> <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td></td> </tr> </tbody> </table> <p style="text-align: center;"> </p> Die Verarbeitung kann im Großen und Ganzen überzeugen, doch fallen schnell ein paar Details auf. Sowohl die LED als auch die Frontkamera sind nicht exakt mittig in die Gehäuse-Öffnung eingepasst. Außerdem vermisst man beim Einstecken von Kopfhörern ein richtiges Einrasten des Klinkensteckers. Im Allgemeinen fühlt sich das Playbook aber sehr wertig und angenehm an. Damit das auch so bleibt, liefert RIM eine Tasche für das Playbook mit. Diese hat einen Gummizug an der Öffnung, der das Tablet zwar sicher in der Tasche hält, das Herausziehen aber umständlich macht. So taugt die Tasche nur als Schutz für längere Reisen. Wer eine Schutzhülle für den Alltag möchte, muss diese noch extra kaufen. Neben der Tasche finden wir noch das Ladegerät sowie ein USB-Kabel in der Verpackung. <h1>Display und Tastatur</h1> Das 7 Zoll Display hat eine Auflösung von 1024 x 600 Pixel und eine kräftige Farbwiedergabe. Der Touchscreen reagiert präzise und ist Multitouch-fähig, für die Gestensteuerung des Blackberry Playbook OS ist auch der komplette Rahmen berührungsempfindlich. Die Helligkeit des Bildschirms lässt sich bequem aus der oberen Menüleiste heraus regeln. Meist ist das spiegelnde Display sehr gut ablesbar, auch die Blickwinkelstabilität kann überzeugen. Für die Nutzung im Freien hätte aber eine noch höhere Helligkeitsstufe nicht geschadet. <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td></td> </tr> </tbody> </table> <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td>
</td> </tr> </tbody> </table>

Bei den vier Hardware-Tasten des Playbook hat sich Blackberry allerdings nicht verkünstelt. Im Allgemeinen sind diese etwas klein geraten, zumal bei der Tiefe des Tablets Platz genug für größere Tasten wäre. Die Power-Taste ist dabei so klein und flach, dass man schon eher dazu geneigt ist, diese mit dem Fingernagel zu bedienen. Bereits nach drei Wochen saß die Taste nicht mehr sauber in der Fassung und blieb beim Loslassen kurz in der Gehäuse-Öffnung hängen. Glücklicherweise lässt sich das Playbook auch durch eine Geste aufwecken und über die Menüleiste in den Standby-Modus versetzen. Die drei Media-Tasten sind immerhin etwas größer, aber zu flach für deren weichen Druckpunkt. Die eingeblendete Tastatur sorgt bei der Größe des Bildschirms natürlich für Treffsicherheit. Mit großen Händen kann man mit beiden Daumen tippen, kleinere Hände lassen das nicht mehr zu. Beim Tippen mittig gelegener Tasten, Links oder Buttons, sollte der berührungsempfindliche Rahmen dabei nicht mit dem Handballen berührt werden. <h1>Menüführung und Bedienung</h1> Neben dem sehr guten Preis/ Leistungs-Verhältnis bei den aktuellen Angeboten von 200€, ist das Betriebssystem des Playbooks das zweite große Highlight. Gleich zu Anfang sei gesagt, dass das Bedienungs-Konzept auffällig stark dem Palm WebOS ähnelt. Da WebOS aber nach dem aktuellen Stand wohl tot ist, sei diese Anlehnung gestattet, denn ansonsten wäre eine grandiose Benutzeroberfläche verloren gegangen. Das hier sogenannte Blackberry Playbook OS, wobei es sich um ein QNX Neutrino basiertes Betriebssystem handelt, kommt komplett ohne Tasten aus. Der Power-Knopf wird nur benötigt, falls das Playbook einmal komplett heruntergefahren ist. Ansonsten stellen die vier Hardware-Tasten nur eine Alternative zu den integrierten Software-Lösungen dar. Die einzelnen Apps werden in eigenen Fenstern geöffnet, die zu Kacheln minimiert werden können, um parallel andere Apps aufzurufen. Zwischen den Kacheln lässt sich jederzeit wechseln, da das PlaybookOS Multitasking beherrscht. Eine Kernfunktion nimmt dabei der berührungsempfindliche Rahmen um das Display ein. Ein Wisch vom unteren Rahmen ins Display minimiert die App und zeigt das App-Menü sowie die anderen laufenden Apps bzw. Kacheln. Ein Wisch von oben blendet die jeweils verfügbaren Optionen einer App ein. Ein Rechts- bzw. Links- Wisch wechselt direkt zur nächstanliegenden Kachel. Das Tablet lässt sich sogar durch einen Wisch über das komplette Display aus dem Standby aufwecken. Die Bedienung fühlt sich damit sehr viel dynamischer an, als mit statischen Tasten, zumal auch der Rahmen einwandfrei reagiert. Das „herumwischen“ macht nicht nur wirklich Spaß, sondern ist mindestens genauso schnell, wie herkömmliche Bedienungs-Konzepte mit festen Tasten. Dass die Menüs sowie die ein- und ausklappenden Leisten so schön und flüssig dargestellt werden, ist wohl der guten Hardware-Ausstattung zu verdanken. Der 1 GHz Dual-Core Prozessor mit 1 GB RAM zählt nicht mehr zu der Topausstattung, reicht aber auch noch aus, um Spiele auf dem großen Display zu befeuern. Ursprünglich war das Blackberry Playbook nur als Erweiterung zu einem Blackberry Smartphone nutzbar. Mit der Playbook OS Version 2.0 sind nun aber endlich eigenständige Email-, Kalender- und Kontaktbuch-Apps auf dem Playbook vertreten. Somit kann es auch von Privatkunden als Standalone-Gerät genutzt werden. Der Business-Herkunft sind die ausgesprochen gut geratenen Organizer Apps zu verdanken. Während das Einbinden eines GMX-Kontos noch etwas knifflig war, kommt das Gerät automatisch sehr gut mit Googlemail Konten klar und beherrscht auch einige dessen Kalender-Funktionen. Wer Facebook nutzt, findet dessen Kontakte und Nachrichten ebenfalls in den jeweiligen Apps. Zur Synchronisierung kann man das Playbook entweder per Bluetooth an sein Blackberry Smartphone koppeln oder es per WLAN bzw. wiederum über das gekoppelte Smartphone, mit dem Internet verbinden. Die Terminerinnerung funktioniert auch dann noch, wenn das Tablet keine Internetverbindung mehr hat. <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td></td> </tr> </tbody> </table> <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td>
</td> </tr> </tbody> </table>

Dagegen unverständlich sind der langsame Browser und der Blackberry App-Marktplatz “App World”. Bis alle Elemente einer Website geladen sind, vergehen je nach Komplexität einige Sekunden. Wer noch beim Seitenaufbau ungeduldig herumscrollt, bekommt eine hässliche leere Hintergrund-Grafik zu sehen. Immerhin kann der Browser, einmal geladen, gut mit Flash-Inhalten umgehen. Deutlich peinlicher ist die hauseigene App World, in der man nicht in der Lage ist, flüssig zu scrollen. Dass die App-Kategorien übersichtlich geordnet sind hilft da auch nicht mehr viel. Einige der originalen Apps leiden unter demselben Problem, dazu gehören auch der Musik-Player oder Datei-Explorer. Warum ist Blackberry selbst in Software-Version 2.0 nicht in der Lage, die eigenen Apps flüssig laufen zu lassen, während der Prozessor Spiele und Filme parallel im Multitasking-Betrieb antreiben kann? <h1>Multimedia</h1> Die App-Vielfalt kann bei weitem nicht mit dem Apple App Store oder Google Play Store mithalten. Die Preise dagegen leider schon. Dem neuen Betriebssystem ist eine Android Runtime zu verdanken, mit deren Hilfe nach und nach einige Android Apps in die Blackberry App World Einzug halten. Die wichtigsten Apps sind inzwischen vertreten. So gibt es einige Drittanbieter-Apps z.B. für die Dropbox oder den Google-Reader. Spiele gibt es zwar nicht allzu viele, für zwischendurch sind aber inzwischen Hits wie Asphalt 6, NFS Undercover oder Modern Combat 2 vertreten und derzeit sogar umsonst erhältlich. Der Klassiker Angry Birds schlägt aber mit stolzen 4,49€ zu Buche. Android Apps von Drittanbietern, abseits der App World, werden nach aktuellem Stand allerdings bald vom Playbook verbannt, um der Software-Piraterie entgegen zu wirken. Damit wäre man auf die derzeit beschränkte offizielle App-Auswahl beschränkt. Die Apps allgemein und Spiele im speziellen sehen in der Regel sehr gut auf dem Playbook aus und laufen durchweg flüssig. Dagegen können die zwei Kameras kaum überzeugen. Die 3 MP Frontkamera ist für Video-Telefonate ausreichend, die 5 MP Hauptkamera aber allenfalls für Schnappschüsse geeignet. Als Kamera-Ersatz unterwegs sind Tablets aber natürlich auch nicht gedacht. Dennoch enttäuscht das extreme Bildrauschen. Mindestens so schlimm ist die fast nicht vorhandene Schärfe und Farbkraft der Bilder. Videos können zwar in 1080p aufgenommen werden, doch ist das eher vergeudeter Speicherplatz. Schon kleinere Auflösungen sind zu verrauscht, um auf großen Bildschirmen angeschaut zu werden. <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td></td> </tr> </tbody> </table> <table style="text-align: center;" border="0"> <tbody> <tr> <td></td> <td>
</td> </tr> </tbody> </table>

Als kleines Wunder haben wir dafür die Lautsprecher erlebt. Die Klangfülle und besonders die Tiefen übertreffen einige Notebooks, obwohl das vergleichsweise dünne Tablet noch weniger Platz für Resonanzkörper bietet. Schade dass bei eingesteckten Kopfhörern die Tiefen etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt werden. Für Filme und nicht audiophile Menschen leisten beide Tonausgaben aber eine gute Arbeit. Ebenso überzeugen kann die Akkulaufzeit. Der große 5400 mAh Akku sorgt selbst dann für lange Laufzeiten, wenn das Playbook nur als Unterhaltungs-Instrument genutzt wird. Der Standby-Betrieb ist über eine Woche lang möglich, je nachdem ob man die WLAN Verbindung aufrechterhält. Gelegentliches Surfen oder Emails checken zwischendurch stört den Akku kaum. Filme oder Spiele laufen ebenfalls sehr lange. Den Versuch, wie lange es genau aushält, haben wir nach mehreren Stunden entnervt aufgegeben. Das Playbook ist nicht so schnell klein zu kriegen. <h1>Fazit</h1> Das Blackberry Playbook hat wirklich Spaß gemacht. Das Bedienungs-Konzept macht Laune und ist dazu noch praktisch. Organizer Funktionen beherrscht es, wie man es von einem Blackberry erwarten würde. Zusätzlich kann man seine freie Zeit gut mit Spielen, Musik und Filmen auf dem Playbook verbringen. Schade dass wir ein paar recht unnötige Minuspunkte entdeckt haben. Die vier Hardware-Tasten hätte man sicherlich ohne viel Aufwand benutzerfreundlicher gestalten können. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist der Browser in Sachen Geschwindigkeit leider um Längen abgeschlagen, immerhin kann er gut mit Flash-Inhalten umgehen. Und wieso gerade die hauseigenen Apps ruckeln, ist völlig unverständlich.

Das Blackberry Playbook OS 2.0, mit eigenen Organizer-Apps und der Android Runtime, macht das Tablet nicht nur für Business-Kunden interessant. Bei einem fast unschlagbaren Preis von 200€, bekommt man ein ausgewachsenes Tablet mit vielen Einsatzmöglichkeiten. Zwar ist das Playbook schon eine Weile auf dem Markt, doch kann die Hardware noch gut mit aktuellen Herausforderungen mithalten. Bis auf die etwas missratenen Hardware-Tasten, merkt man dem Tablet kaum an, wo daran gespart wurde. Grund genug für uns, dem Blackberry Playbook den Preis/ Leistungs-Award zu verleihen.

Diesen Artikel teilen:

Welovetech