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Battlefield 1: Es ist kompliziert (Testbericht)

Battlefield 1 bietet moderne Grafikpracht, versetzt die Spieler in die Zeit des ersten Weltkriegs und kommt mit einer Kampagne daher, die ganz anders ist als in allen vorherigen Teilen der Reihe. Warum unser Redakteur sich mit dem Spiel trotzdem so schwer tut und was ihn dennoch fasziniert, soll in einmal ganz anders als in einem konventionellen Testbericht beleuchtet werden.

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Battlefield 1 ScreenshotAls Fan der ersten Stunde freue ich mich regelmäßig wie das sprichwörtliche kleine Kind an Weihnachten wenn ein neues Battlefield-Spiel angekündigt bzw. veröffentlicht wird. Nach unzähligen Spielstunden in den klassischen Battlefield-Spielen (für mich sind das Battlefield 1942, Battlefield Vietnam und natürlich Battlefield 2) sind meine Erwartungen an einen neuen Ableger dieser grandiosen Reihe enorm hoch. Battlefield 3 konnte aufgrund der Veränderungen gegenüber den Vorgängern noch gefallen, Battlefield 4 war für mich jedoch nicht mehr und nicht weniger als ein mittelgroßes Grafik- und Physik-Update das zwar unterhaltsam war aber jenseits von sich schnell abnutzenden Levolution-Effekten keinen bleibenden Eindruck hinterließ.

Mit der Ankündigung von Battlefield 1 wurden Erinnerungen an Mods für Battlefield 1942, unzählige Spielstunden und entsprechend hohe Erwartungen geweckt. Nach der Installation, die auf dem PC stolze 47 GB verbraucht, macht das Spiel zunächst einen vertrauten Eindruck: Die Präsentation und die Architektur der Menüs lehnt sich stark an Star Wars: Battlefront an. Battlefield 1 hält, wie jedes klassische Battlefield-Spiel, Modi für Single- und Multiplayer bereit.

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Battlefield 1 ScreenshotIm Singleplayer-Modus brilliert Battlefield 1. Das Spiel bewegt sich gleichermaßen im Gegensatz zu klassischen Kampagnen, die den Spieler in einer festen Sequenz über die Multiplayer-Maps führen, und zeitgenössischen Story-Modi, die eine fiktive Geschichte von eskalierenden Konflikten zwischen den USA als westlicher Großmacht abwechselnd entweder Kräften aus dem mittleren Osten oder China / Russland als traditionelle Antagonisten erzählen. Battlefield 1 enthält verschiedene, aus wenigen aber recht langen Missionen zusammengesetzte Kriegsgeschichten, die sich mal enger und mal dichter an realen Vorgängen, die sich vor etwa 100 Jahren ereignet haben, orientieren.

Diese Kriegsgeschichten spielen an unterschiedlichen Schauplätzen des ersten Weltkriegs und haben alle völlig verschiedene Haupt- und Nebencharaktere, doch sie alle haben eins gemeinsam: Sie schrecken ab. Hier werden Krieg, Tod und Zerstörung nicht glorifiziert. Immer wieder wird, etwa durch den Tod eines Charakters oder einen Teil der aus dem Off eingesprochenen Gedanken der jeweiligen Hauptfigur, aufgezeigt welch eine Unmenschlichkeit Kriege sind.

Es sind diese Momente, in denen man auch als langjähriger Battlefield-Spieler, der vermutlich schon fast alles gesehen hat was sich in seit 2002 auf den verschiedenen Maps der Reihe abspielen konnte, noch immer Gänsehaut bekommt und kurz innehält.

Es sind diese Momente, in denen man den erfolgreichen Abschluss einer Kampagne oder einer Mission nicht nur mit Freude über die gewonnene Runde betrachtet, sondern mit einem mulmigen Gefühl. Es sind diese Momente, die Battlefield 1 zu einem wirklich großartigen Spiel machen.

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Auf der anderen Seite bewegt sich der Multiplayer-Modus. Große Maps, auf denen man mit Fahr- und Flugzeugen zu Lande, zu Wasser und in der Luft unterwegs ist, zählen seit Jeher zur den wichtigsten Eigenschaften die Battlefield aus der Masse der Actionspiele hervorheben. Die reine Größe der Maps und die mit Battlefield 2 eingeführte Squad-Mechanik machten es möglich, dass während einer Runde an einem Ende der Map mehrere Panzer bekämpften und belauerten, während am anderen Ende der Map ein chaotisches Infanterie-Gefecht stattfand. Über diesen unterschiedlichen Szenarien bewegten sich Flugzeuge und gelegentlich Hubschrauber die ihren ganz eigenen Kampf austrugen und sich immer wieder in die Ereignisse am Boden einmischten. Hinsichtlich des Multiplayer-Gameplays war dies vermutlich die Sternstunde von Battlefield.

Battlefield 1 ScreenshotDoch spätestens mit Battlefield 1 hat sich hier vieles geändert. Die immer realistischer werdende Grafik verstärkt naturgemäß auch den Effekt von Uniformen mit Tarnfarben und –mustern. Es wird, da kann auch die beste Spotting-Technik nur wenig dran ändern, schlicht schwieriger andere Spieler zu entdecken. Einfach aufgrund der Grafik, im Sinne des Spiels ist dies nicht. Da aber nicht nur die PCs (oder Konsolen) der Spieler, sondern auch die Server, immer leistungsstärker werden, werden die Maps mit jeder Spielegeneration größer. Somit steigt der durchschnittliche räumliche Abstand zwischen den Spielern. Dies führt, neben der steigenden Anforderung an das Mapdesign und die Ausstattung beider Teams mit Fahrzeugen vor allem zu einem veränderten Spielerverhalten. Gemessen an früheren Teilen gibt es in Battlefield 1 ein Vielfaches der Spieler die als Scharfschützen oder zumindest mit entsprechenden Waffen unterwegs sind. Battlefield war nicht immer vom Nahkampf geprägt und größere Abstände zwischen den Spielern gehören auf einigen Maps schlicht dazu. Und das war auch immer in Ordnung.

Battlefield 1 ScreenshotDoch Battlefield 1 hat einen Farbstil der überwiegend von Grau- und Brauntönen geprägt wird. Ein enger Freund meinte dazu spöttisch „Damals war die Welt ja auch schwarzweiß, kennt man ja von Fotos aus dieser Zeit“. Nein. War sie nicht. Und so sollte sie auch nicht dargestellt werden.

Battlefield 1 verbindet also bessere Camouflage-Effekte mit zu starken Grau- und Brauntönen und mehr Scharfschützen als je zuvor. Und während dies aus Sicht der einzelnen Spieler, die so relativ gut an Punkte und Fortschritte im Spiel kommen, noch verständlich ist, ist es nicht das was man von Battlefield erwarten sollte.

Es sind diese Momente in denen man ein Lensflare sieht und bereits weiß dass man gleich neu Spawnen muss.

Es sind diese Momente in denen man einen campenden Gegenspieler nicht sehen kann weil seine Uniform die gleiche graue Farbe hat wie der Boden unter ihm.

Es sind diese Momente, die Battlefield zu einem schlechten Spiel machen.

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Battlefield 1 ScreenshotBattlefield 1 verbindet, wie wenige Spiele in der jüngeren Zeit, großartige und katastrophale Momente. Wenn es mich als alten Hasen der Reihe abholt und mir nach fast 15 Jahren Battlefield noch immer neue Erfahrungen bietet, die ich so von keinem anderen Actionspiel kannte, macht es alles richtig. Es begeistert, es weckt Emotionen und es verkommt auch dank erstklassigem Missionsdesign niemals zur stumpfen Ballerorgie.

Battlefield 1 ist technisch großartig. Läuft auf aktuellen und halbaktuellen PCs ordentlich bis sehr gut und sieht trotz zu starkem Fokus auf graue und braune Farbtöne spitze aus. Licht und Schatten, die von Partikeleffekten einwandfrei ergänzt werden, sind hier Sinnbildlich für das ganze Spiel.

Battlefield 1 hat jedoch ein großes Problem mit der Art und Weise wie man im Multiplayer zu Punkten kommt und wie die technischen Eigenschaften des Spiels das Spielerverhalten beeinflussen. Wenn es sich für das eigene Statistik-Profil eher lohnt zu campen als zu erobern ist das äußerst bedenklich. Diese Spielweise kann ja sicher vielen Spielern Spaß machen, mit Battlefield hat das dann aber nicht mehr sonderlich viel zu tun.</div>

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Kommentare
Noavatar
Spektro schreibt:
Hallo,
kurzer und guter Artikel, aber ich habe da noch eine Frage!
Ab wann kann man eigentlich die Achsenmächte spielen?
Die konnte man doch sonst immer aussuchen! Hab ich das einfach übersehen?

Welovetech