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anidées Ai-06B: Erstes PC-Gehäuse vom Neueinsteiger anidées

Es kommt nicht allzu oft vor, dass man wirklich interessante Nachrichten von neuen Herstellern bekommt. Meist kommt man schnell zu dem Entschluss, dass man von dieser neuen und meist ach so innovativen Firma wohl nie wieder etwas hören wird. Doch mit dem neu vorgestellten Hersteller „anidées“ könnte der Gehäusemarkt durchaus einen interessanten neuen Mitspieler bekommen haben, der in diesem Review zum ersten Mal sein Potential aufzeigen muss.

Einleitung:

Den Anspruch den man sich bei anidées derweilen stellt ist nicht einfach. So will man endlich auf das User Feedback der Community hören und den Usern simpel das bieten was sie wollen und brauchen. Man kann gespannt sein wie sich diese Geschichte entwickeln wird. Dem Firmennamen, welcher in Anlehnung an das Wort „Idee“ entstand, kann man dabei einigen Optimismus abgewinnen.
Ein Erstlingswerk unter die Lupe zu nehmen ist auch für uns nicht ganz so alltäglich. Hat man doch bei vielen Firmen schon Referenzpunkte, müssen diese hier erst neu entdeckt und verglichen werden. Das macht es zum einen spannender als auch komplizierter. Schon in der Schule sagte man uns ja, Fehler sind da um gemacht zu werden, aber bitte nur einmal. Doch wo setzt man diesen Maßstab an. Lässt man dem Neuling vielleicht den ein oder anderen Patzer durchgehen oder vergleicht man ihn mit dem was ihm gegenübersteht – die harte Konkurrenz. In beiden Fällen wird es ein interessanter Einblick und wir sind gespannt, ob das auf den  unspektakulären Namen „AI-06“ getaufte Gehäuse in der hart umkämpften Mittelklasse mithalten kann oder ob es sogar neue Maßstäbe setzt.

Wir danken an dieser Stelle Caseking, welche uns freundlicherweise ein Muster für das heutige Review zur Verfügung stellten.

<h1>Impressionen: Außen</h1>
Alles beginnt in irgendeiner Form mit einem Karton, zumindest fast alles. Im Fall des „AI-06“ ist dieser Anfang sehr bescheiden ausgefallen. Das einzige was den Karton von anidèes von außen als Gehäuse erkennen lässt sind die in vielen Sprachen verfassten Worte „PC Gehäuse“. Denn auch, wenn darunter überdimensional der Produktname steht, weiß der Karton mit Infos zu geizen. Auf einer der Seiten findet man nach einigen Umläufen dann aber doch eine Tabelle mit allen Technischen Daten. Beim Design kann man nur auf ein Ausstellungsstück zurückgreifen oder sich überraschen lassen.
Da wir nun gedanklich das Case aus seinem Karton befreit haben, können wir uns dem ersten Design widmen welches anidées auf die Beine gestellt hat. Unser erster Eindruck fällt sehr positiv aus. Die mattschwarze Front mit gebürstetem Aluminium, Vertiefungen und frischen Linien weiß zu gefallen. Dabei  orientiert man sich zwar scheinbar an den aktuellen Top Designs anderer Hersteller, aber das ist ja nichts Schlechtes. Denn trotz alle dem verpackt man das Ganze in einer eigenen Formsprache, welche auf elegante Weise edle und eher technische Designelemente miteinander verbindet.
Einmal bei der Front angefangen fällt uns gleich ein kleines Detail ins Auge, bzw. auch eher nicht, denn man findet an der schlicht gestalteten Front kein Logo! Das würden wir uns aus Designgründen bei viel mehr Herstellern wünschen. Die sehr cleane Front gewinnt aber nicht nur durch den Logoverzicht dazu, sondern auch durch ihre Tür, welche sehr gut in das Erscheinungsbild integriert ist. Auch wenn Türen wohl einer der größten Diskussionspunkte bei Gehäuse bleiben wird, im Fall des AI-06 ist diese zu mindestens optisch sehr gut umgesetzt. Technisch gesehen gibt es aber durchaus ein paar kleine Kritikpunkte, die sich anidées zu Herzen nehmen sollte. Da wären zum ersten die Scharniere. Man wirbt damit, dem Kunden die Möglichkeit zu geben die Tür mit seiner Öffnungsrichtig anpassen zu können. Das ist formal auch richtig und gewährleistet, nur machen die einfachen Kunststoffscharniere mit ihrer filigranen Bauweise nicht gerade den stabilsten und langlebigsten Eindruck. Man sollte sich also vielleicht nicht jede Woche umentscheiden was das Wechseln angeht. Davon einmal abgesehen ist es sehr einfach die Scharniere in ihrer Position zu tauschen. Nur das Umbauen der Schließmagneten ist auf normalem Wege nicht umsetzbar. Umgeben ist die Tür weiterhin von einer tiefen Sicke, welche vom Boden links und rechts neben der Tür bis über das Dach führt. Seitlich in der Sicke befinden sich viele kleine Belüftungsöffnungen. Wohlgemerkt der einzige Weg über den Luft in das Gehäuse rein und wieder heraus kommt. Hier stand wohl Design über Funktion, denn durch die indirekte Luftzu- und abfuhr wird der eigentliche Luftfluss gestört, was sich nicht zuletzt in einem durchaus geringerem Luftdurchsatz auswirken kann. Dabei fällt ein weiter Schwachpunkt auf, den wir an dieser Stelle vorwegnehmen möchten. Die eigentlichen Lüfterlöcher am Gehäuse sind vorbildlich groß, am Meshgitter jedoch verwendet man wiederrum ein sehr kleines Lochmaß, was dann auch noch mit einem sehr dicken Staubfilter aus Schaumstoff regelrecht gestopft wird. Alles in allem im Bereich der Frontpartie ein sehr restriktiver Aufbau.
Hinter der Tür präsentieren sich schließlich drei 5,25‘ Zoll Blenden im oberen Bereich. Unter diesen befindet sich das Lüftergitter aus Mesh für den einen, im Auslieferungszustand montierten 140 mm Lüfter. Platz ist an dieser Stelle für zwei. Das Gitter ist dabei trapezartig ausgestellt um den Luftfluss zu den seitlich, in der Tür befindlichen Öffnungen zu optimieren. Gegen übermäßigen Staubbefall im Inneren ist dieser Bereich mit einem Filter ausgestattet. Dieser lässt sich aber leider nur sehr umständlich reinigen, und zwar indem man die komplette Frontblende entfernt, von hinten zwei Schrauben löst, um den gesamten Meshgittereinsatz zu entfernen. Und selbst dann müsste man, um zu reinigen noch das Meshgitter von seinem Kunststoffrahmen lösen. Die Blenden für die 5,25‘ Zoll Schächte sind erfreulicherweise direkt von außen zu entfernen. Auch diese enthalten einen kleinen Meshgittereinsatz und sind mit einem Staubfilter ausgestattet.

Mehr ist hinter der Tür nicht zu holen, also schnell zu einem der Highlights des Gehäuses – dem Front(top)panel.
Bei einem Blick auf den vorderen Fachbereich fällt sofort der großzügige Anschlussbereich auf. Dieser ist elegant in das dort verlegte Aluminium eingearbeitet und weiß zu gefallen. Dabei wird durch kleine Vertiefungen im Aluminium in einem Bereich für Power/Resetschalter inkl. LEDs  und in einen für Anschlüsse unterteilt. In letzterem stehen dem gemeinen Nutzer sechs USB Ports zur Verfügung. Diese setzten sich aus zwei USB 3.0 und vier USB 2.0 Anschlüssen zusammen. Das ist für diese Klasse mehr als vorbildlich. Dazu gesellen sich dann noch Mikrofon- und Kopfhöreranschluss. Aufdrucke auf dem Panel zeigen dabei die Funktion an. Der Power- und Resetschalter hätten unserer Meinung nach jedoch etwas hochwertiger ausfallen dürfen. Generell machen die Kunststoffanbauteile einen schlechteren Eindruck als das sonst hervorstechende Aluminium. Auffallend ist auf dem Dach auch wieder, dass keine direkte Luftaustrittsöffnung vorhanden ist, denn der Deckel geht geschlossen bis an das Heck durch. Einzig in der schon bei der Front erwähnten Sicke befinden sich Lüftungslöcher.


Am Heck lassen sich dann schlussendlich noch drei Schlauchdurchführungen und ein vorinstallierter 120 mm Lüfter ausmachen. Eine Option auf 140 mm ist in diesem Fall auch nicht vorgesehen. Das 7+1 Design der Slotblenden ist zwar auch nicht neu, aber durchaus sehr dienlich, wenn es darum geht in dem einen zusätzlichen Slot optionale Lüftersteuerungen unterzubringen. Unter dem Gehäuse geht es des Weiteren recht offenherzig zu. Sowohl unter dem Netzteil, als auch in dem Bereich davor befinden sich große Öffnungswaben, welche nun aber mit einem weniger restriktiven Kunststoffstaubfilter ausgestattet sind, wie man ihn auch von anderen Herstellern kennt.

Unsere erste Betrachtung deckt eines deutlich auf. Das Design kann sich im aktuellen Vergleich mehr als nur sehen lassen und ist unserer Meinung nach sehr gelungen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass sich Bereiche wie die Belüftung doch zum Teil deutlich dem Design unterordnen müssen und dadurch sehr restriktiv ausfallen. Qualitativ spielt anidées jedoch auf einen hohen Niveau, an welchem wir nur, den für unseren Geschmack nicht ganz passenden, Kunststoff zu bemängeln haben.

<h1>Impressionen: Innen</h1>

Im Inneren geht es genau so schwarz weiter wie es außen angefangen hat. Struktur und Farbton sind dabei identisch mit den lackierten Außenbauteilen. Das Platzangebot ist fürs erste klassentypisch einzuordnen. Wie alle Gehäuse es gemein haben die sich in der Mittelklasse tummeln, ist es nicht deren Problem den nötigen Platz bereitzustellen den aktuelle Hardware einnimmt. Jedoch bietet es ein paar Zentimeter weniger als das erst vor kurzem getestete Corsair Carbide 500R, was gleichzeitig wohl auch einer der ärgsten Konkurrenten des AI-06 ist.

Aber der Reihe nach. Lassen wir nach den ersten Gedanken den Blick über den großflächigen Mainboardtray mit seinen vielen Vertiefungen schweifen, fallen sofort die fünf Kabelmanagement Löcher auf. Alle sind wie es sich gehört mit einer Gummilippe ausgestattet. Leider fiel schon beim ersten Anfassen auf, dass diese zum Teil doch sehr leicht herausrutschen, wenn man mal nicht ganz so lieb mit ihnen umgeht. Auf der anderen Seite sieht es allerdings weniger rosig aus, denn hinter dem Mainboardtray sind es gerade einmal ca. 1,5cm bis zu Seitenwand. Das ist für ein Gehäuse dieser Größe mit entsprechender Hardware sehr eng bemessen und verlangt einiges an Kabel-Verlege-Strategie ab, um zu verhindern, dass sich am Ende die Seitenwand nach außen beult. Auffällig und eher selten sind zwei kleine Platinen die sich auf dem Mainboardtray befinden. Eine davon direkt hinter dem Netzteil, die andere auf Höhe des ersten 5,25‘ Zoll Schachtes. Über diese werden insgesamt acht 3 Pol Lüfteranschlüsse bereitgestellt, welche über einen 4 Pin Molex Stecker mit Strom versorgt werden. Damit ist für jeden im Gehäuse verfügbaren Lüfterplatz ein Anschluss vorhanden. Im Zweifelsfall kann so auf den Kauf einer zusätzlichen Lüftersteuerung verzichtet werden, denn die Anschlüsse auf dem Mainboard hat man ja meist auch noch, auch wenn so nur eine Regelung über die mainboardinterne Steuerung bzw. Adapterkabel möglich ist.
Kommen wir nun zu einer kleinen Kuriosität. Diese ist im Bereich der Netzteilbefestigung zu finden und wird durch ein Klettband dargestellt, welche der Netzteilbefestigung dienen soll. Als vollwertigen Montageersatz sollte man dieses unter keinen Umständen ansehen, denn auf der meist eher glatten Oberfläche von Netzteilen rutsch dieses einfach weg lässt dem Netzteil so viel Spiel das man es unbedingt anschrauben sollte. An ein Halten gegen horizontale Verschiebungen ist also nicht zu denken. Welchen Sinn es erfüllen sollte ist uns schleierhaft, man hätte es auch einfach weglassen können. Sinnvollere Lösungen sind da zum Beispiel bei Lian Li zu finden. Besser gelöst sind dagegen der Antivibrations- und Belüftungseigenschaften. Das Netzteil liegt an Flächen zum Gehäuse auf weichem Schaumstoff auf und die großflächigen Löcher sorgen für eine gute Luftversorgung, welche an dieser Ecke des Gehäuses auch nicht zu sehr vom Staubfilter behindert wird. Hinter dem Netzteil geht diese Wabenfläche weiter und bietet Platz für zwei Lüfter mit entweder 120 oder 140 mm. Dabei ist zu beachten, dass sich auf dem Areal einer dieser Lüfter im Normalfall der HDD Käfig befindet. Wer dort einen zweiten Lüfter montieren will muss also auf den unteren HDD Käfig verzichten.

Wie schon zu erkennen ist, setzt auch anidées auf die in der Mittelklasse mittlerweile zum guten Ton gehörende Teilung der Festplattenplätze in mehrere kleine Einzelrahmen. So stehen dem User jeweils zwei Rahmen mit drei 2,5 bzw. 3,5 Zoll Plätzen zur Verfügung. Zusätzlich befindet sich direkt unter den 5,25 Zoll Schächten ein fest montierter einzelner Rahmen für jeweils eine 2,5 oder 3,5 Zoll Festplatte. Damit steht auch bei kompletter Entnahme der zwei unteren Käfige immer ein vollwertiger Festplattenplatz zur Verfügung, was je nach Systemwahl deutliche Vorteile bringt, da nicht ein ganzer Käfig für nur eine Festplatte Raum wegnimmt. Die Arretierung wird über einzelne Metallrahmen gelöst. Auf diesen werden die Festplatten mit Schrauben fixiert und sind über Gummipuffer vom Rahmen entkoppelt. Die Rahmen selbst jedoch sind nicht vom Gehäuse entkoppelt, sitzen aber im Vergleich zu anderen Hersteller wesentlich straffer, was vermeintliche Vibrationen ebenso eindämmen sollte. Etwas ungünstiger gestaltet ist dagegen der sehr geringe Abstand zwischen Laufwerkskäfig und Frontlüfter.
Der Bereich für 5,25 Zoll Geräte ist recht unspektakulär gehalten und bietet drei vollwertige Plätze für diese an. Auf eine schraubenlose Montage wurde dabei vollkommen verzichtet, was wir in dem Fall als nicht wirklich tragisch ansehen, da sich der Nutzen in Grenzen hält. Erwähnenswert ist jedoch, dass sich im untersten Schacht ein zusätzlicher Rahmen für die Montage von 3,5 Zoll Geräten befindet.
Im Dach angekommen fallen vor allem die ausgestellten Lüfterplätze auf. An diesen lassen sich jeweils 120 bzw. 140 mm Lüfter montieren. Diese haben durch die kleine Ausbeulung nach außen immerhin etwas mehr Luft zum Mainboard und kollidieren nicht mit diesem. Man könnte meinen hier würde sich doch perfekt die Montage eines Radiators umsetzen lassen, doch weit gefehlt. Es ist einfach zu wenig Platz. Denn die Kunststoffverkleidung lässt sich an dieser Stelle nicht weiter öffnen und eine Außenmontage der Lüfter ist nicht möglich. Aber einmal davon abgesehen ist durch die sehr großen Waben eine recht gute passive Zirkulation gewährleistet, denn vormontiert sind an dieser Stelle keine Lüfter. Der einzige Lüfter den anidées noch verbaut hat befindet sich im Heck und ist 120 mm groß. Direkt über diesem an der Kante zum Dach befinden sich auch die drei Schlauchdurchführungen.

Zusammenfassend hinterlässt der Innenraum einen äußerst soliden Eindruck mit Detailschwächen im Bereich Kühlung und Kabelmanagement. Auf etwaige Kunststoffteile wurde hier weitestgehend verzichtet, was uns sehr zusagt. Die mattschwarze Lackierung kann sich sehen lassen und scharfe Kanten waren auch keine Vorhanden. Das Fehlen einer komplett schraubenlosen Montage lässt sich nicht wirklich bemängeln, da diese in den meisten Fällen eh durch Schrauben ergänzt werden muss.




Praxis
Zu Beginn wollen wir kurz einen Blick auf das Zubehör werfen, welches für die Montage des Systems benötigt wird. Die junge Firma anidées geht dabei keine großen Experimente ein. Auf Grund der fehlenden werkzeuglosen Befestigungsmöglichkeiten hat man sich aber dazu entschlossen einige der Schrauben in Form von Thumbscrews beizulegen. Ebenfalls vorhanden sind einige Kabelbinder, die wie wir später noch sehen auch dringend notwendig sind. Ein kleines Tool, welches wir so noch nie gesehen haben, hat uns besonders gefallen. Und zwar handelt es sich um einen Adapter für die Mainboardabstandshalter. Dieser funktioniert dabei wie eine Überwurfmutter und macht das rein und raus Schrauben der Abstandshalter doch erheblich einfacher. Einfachheit war auch beim Handbuch angesagt, aber im Prinzip braucht es auch keinen Roman um ein Gehäuse zu erklären. Schmerzlich vermisst haben wir einen Adapter für den USB3.0 Anschluss. Dieser verfügt nur über einen internen Anschluss, was die Kompatibilität zu nicht ganz so aktuellen Systemen doch erheblich einschränkt. Denn nicht einmal alle aktuellen Mainboards verfügen über einen solchen Anschluss. So wird es wohl vielen Käufern unmöglich sein den frontseitigen USB 3.0 Anschluss zu nutzen. Dafür hat man aber zwei 3 Pol Lüfterverlängerungskabel mit jeweils 5 bzw. 7V beigelegt.

Beim Einbau unserer Testhardware ging es erst ohne Probleme gut voran. Der Einbau unseres mATX Mainbooards, inklusive Umbau der Abstandhalter lief, dank Tool schnell durch. Auch die solide Montage der Festplatte konnte überzeugen und ging leicht von der Hand. Leider zeigte sich hier aber auch die Kehrseite der straff sitzenden Vollmetallrahmen, denn diese hinterließen schon nach wenigen Benutzungen unschöne Kratzer am Festplattenkäfig. Nachfolgend kam es platzbedingt zu der einen oder anderen Problemstelle. So verdeckt unser ca. 16cm langes Testnetzteil schon einen Teil der ersten Kabelöffnung im Mainboardtray. Beim Verlegen hinter dem Mainboardtray ging es im AI-06 ebenfalls recht beengt zu. Gerademal etwas mehr als 1,5 cm stehen dort für Kabel zur Verfügung. Ohne ein geschicktes Verlegen und Verzurren der Kabel ist so ein Ausbeulen der Seitenwand vorprogrammiert. Konkurrenten wie Corsair bieten hier deutlich mehr Komfort. Auch die etwas geringere Tiefe macht sich hier leicht bemerkbar und lässt im Vergleich mit anderen Gehäusen dieser Klasse etwas beengte Gefühle aufkommen. So bietet das Case mit allen Festplattenkäfigen auch gerade mal etwas mehr als 30 cm Einbautiefe für Grafikkarten. Als kleiner Fehlgriff erschien uns auch die Materialwahl bei den Gummilippen im Mainboardtray. Denn diese neigten beim Durchschieben von Kabeln sehr schnell dazu sich herausziehen zu lassen und ließen sich aufgrund des weichen Materials auch nur schwer wieder einfädeln. Als das Testsystem nun komplett verbaut war, ging es an die Betriebsgeräusche. Hier fiel das Gehäuse wieder weniger negativ auf. Zwar ist das Betriebsgeräusch wahrnehmbar, aber noch weit davon entfernt störend zu sein. Lediglich bei geöffneter Tür erschienen uns die Strömungsgeräusche des Frontlüfters störend. Gleichzeitig war aber auch festzustellen, dass der Luftstrom hinter dem Frontlüfter durch die sehr eng davor befindlichen HDD Käfige eher  einem lauen Lüftchen glich. Mit einem abmontierten Käfig sah die Sache schon etwas besser aus. Wem die Lautstärke im Ausgangszustand zu laut ist, dem seien die zwei beigelegten Adapter ans Herz gelegt. Werden dieses installiert ist das Gehäuse kaum noch von der restlichen Umgebung wahrzunehmen. Leider wird darunter der eh schon schwache Luftstrom im Gehäuse leiden. Mit aktuellen High End Komponenten könnte es auf diese Art und Weise durchaus kuschelig in dem Gehäuse zugehen.

<h1>Fazit:</h1>
Was bleibt nach diesem ersten Gehäuse aus dem Hause anidées hängen. Was schreiben wir auf das erste Blatt mit der Überschrift eines noch jungen Herstellers, der den Gehäusemarkt aufmischen will. Es bleibt nach diesem Test vor allem ein grundsolider Eindruck zurück, den das Erstlingswerk hier abgelegt hat. Qualitativ spielt man von Beginn an weit oben mit. Kritik üben wir nur an den etwas schwachen Türscharnieren und dem nicht ganz so hochwertig aussehenden Kunststoff. Die Lackierung, sowie alle Metallarbeiten dagegen sind einwandfrei!  Typische Anfängerfehler sucht man vergeblich bei diesem Gehäuse, eher zeigen sich noch verbesserungsfähige Detaillösungen. So bietet das AI-06B eine gute Ausstattung im Bereich Anschlüsse und Lüfterplätze, hätte in seiner Auslieferungsversion aber auch einen Lüfter mehr vertragen können. Das Design ist spannend und zugleich sehr elegant gehalten aber auch Ursache für den eher restriktiven Luftstrom. Man bekommt stark das Gefühl das sich die Belüftungsleistung hier oft hinten anstellen musste. Ebenso bietet das Grundchassis eine enorme Flexibilität im Bereich der alternativen Kühlmöglichkeiten, die zum Teil durch die Anbauteile zunichte gemacht wird. Dass es im Zuge seiner für diese Klasse kompakten Abmessungen kein neues Platzwunder ist, ist dabei nicht mal das große Problem. Denn auf der anderen Seite lassen sich Ideen finden, bei denen sich auch andere Hersteller eine Scheibe abschneiden können. So gefiel uns die Aufteilung der Festplattenkäfige, wie auch die zusätzlichen kleinen Anschlussplatinen für Lüfter. Es ist aber am Ende die Summe dieser kleinen Baustellen die dem Gehäuse die Krönung etwas versalzen. Denn für den angegebenen Startpreis von 110€ für die von uns getestete Standardversion zeigt sich hier eine Menge Potenzial. Wer also nicht so markenfixiert ist und mit den kleinen Macken leben kann, bekommt eine Menge Gehäuse für sein Geld.  Und es bleibt äußerst spannend wie sich das hier aufgebotene Potenzial weiterentwickelt!

 

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