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Lian Li PC-V1020R - Lady in Red

Oft schenkt man einem Gehäuse wenig Beachtung und erst recht will man an dieser Stelle Geld sparen. Doch all die Plastikmonster, die die Welt schon hervorgebracht hat, gewinnen nicht wirklich einen Design Preis. Hin und wieder gönnt sich, bzw. seiner Hardware, der eine oder andere doch mal ein Gehäuse der gehobenen Klasse.

Einleitung:


In genau diesem Areal wird man kaum am Primus Lian Li vorbeikommen. Heute wagen wir uns selbst für die gehobenen Verhältnisse in Preisregionen vor, wofür sich andere unter uns ganze PCs kaufen. Genauer geht es heute um die Weiterentwicklung des PC-V1000, welches seiner Zeit noch als BTX Case konstruiert war. Das neue PC-V1020 geht wieder auf traditionelle Pfade zurück und stellt sich in unserem Fall in einem extravaganten roten aluminium Kleid vor.

 

 

 

An dieser Stelle wollen wir uns auch gleich für die gute Zusammenarbeit mit Lian Li und Caseking bedanken, welche dieses Review ermöglichten.

 

Impressionen - Außen:


Beim ersten Auspacken des neuen PC-V1020R werden die Sinne des Käufers im wahrsten Sinne gestreichelt. Und im Prinzip erwartet man auch einiges, denn man hat schließlich soeben ein wahrlich preisintensives Case vor sich, welches nur von wenigen anderen noch überboten wird. Genießt man in diesem Fall dann den Moment erblicken die Augen in unserem Fall das tadellos eloxierte Rot, welches auf dem gebürsteten Aluminium sanft das Tageslicht reflektiert und in verschiedenen Rottönen scheint. Man streicht über das wie aus einem Stück gefräste Chassis und spürt gefühlt jede einzelne Riefe Im Metall. Alles wirkt massiv, aber mit einer Leichtigkeit die nur weniger Gehäusehersteller bieten können und dann auch in solch einer Perfektion zur Schau stellen.

 

Am Design der PC-V Serie hat sich allerdings äußerlich recht wenig getan. Man setzt mit dem PC-V weiterhin auf Offenheit und Eleganz. Man könnte fast meinen, es handele sich eher um ein Möbelstück, welches zufälligerweise Platz für einen PC hat.

 

So wurde die Front getreu diesem Motto mit hunderten von Löchern versehen, welche jedoch trotz allem dem nicht zu viel der Innenansicht freigeben, als man im ersten Moment vermuten könnte. Die drei 5,25 Zoll Schächte fügen sich mit ihren geschlossenen Blenden perfekt in das Design der Front ein. Wäre diese ebenfalls gelocht gewesen wäre dieser Designpunkt sicherlich weniger zur Geltung bekommen.

 

Schweift der Blick weiter nach oben findet sich das Toppanel, der Power und Reset Button. Hier gibt es dann auch die erste Neuheit für die von Lian Li in letzter Zeit nicht gerade wenig Promotion gemacht hatte. Im neuen Toppanel finden sich nun vollwertige USB3.0 kompatible Anschlüsse, welche natürlich abwärtskompatibel zu USB2.0 sind. Damit hat der User alle Möglichkeiten den neuen Standard schnell zu sich nach Hause zu holen. Neben diese verfügt es dann noch über einen eSATA Port und die üblichen Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer. Wie nicht anderes zu erwarten war, wird das Panel wieder von einem Schlichten aber eleganten Aluminiumdeckel abgedeckt wenn es mal nicht benötigt wird.

 

Ansonsten lassen sich auf dem Dach nur noch Lüfterlöcher des Toplüfters ausmachen, welche sich dem Design der Front anpassen. Weiter hinten wurde zum Glück an dem ausziehbaren Mainboardtray festgehalten. Dieser macht den Ein und Ausbau erheblich leichter und verhindert langes rumgefummel an engen Ecken. Damit dann aber nichts wackelt und die Statik nicht weiter geschwächt wird, ist die massive Abschlussblende mit Zahlreichen schrauben mit dem Gehäuse verbunden. Im Keller findet sich dann noch die Lian Li typische Netzteilblende, durch welche das Netzteil von hinten eingeschoben wird.

 

Sind wir mit unserem Blick somit eine Runde um das neue PC-V1020R gefahren, sind zum Schluss nur die für die Serie markanten Rollen zu erwähnen, auf welchen das PC-V1020R steht. Diese lassen sie für den festen Stand an der Frontachse blockieren. Löst man sie, lässt sich das Case ganz entspannt vor einem herschieben, anstatt es heben zu müssen.

 

Nichts lässt sich an diesem Case nichts finden, egal wie oft man über die Oberflächen mit adlergleichem Blick geht, was den hochwertigen Eindruck schmälert.

 

 

 

Zubehör:


Bei all dem überschwänglichen Luxus den das Case von außen versprüht, bleibt es jedoch beim Zubehör etwas zurückhaltend. In einem extra Karton im Inneren des Cases lassen sich alle Schrauben finden, welche passend zum Innenraum in Schwarz gehalten wurden. Damit diese später nicht im wilden Getümmel der Montage verschollen gehen, gibt’s ein kleines Sortierschächtelchen dazu. Weiter finden sich unzählige Gummi Bumper für die Festplattenmontage und ein paar Kabelbinder. An dieser Stelle kann man erwähnen, dass man bei der Preisklasse dieses Gehäuses ruhig ein paar Kabelbinder mehr und anderes Kabelmanagement Zubehör hätte reinpacken können. Um in den 3,5 Zoll Laufwerkschächten auch kleine 2,5 Zoll Festplatten verbauen zu können, gibt’s dafür einen Adapter aus Aluminium, welcher ebenfalls schwarz ist.

 

 

 

 

Um die an der Front befindlichen USB Ports zu versorgen und mit dem restlichen System zu verbinden, geht man einen etwas anderen Weg als die meisten Hersteller. Alle Ports des Frontpanel haben intern vollwertige USB3.0 Stecker, welche sich nur über einen Adapter mit dem Internen USB Ports des Mainboard verbinden lassen. Da dieser Adapter aber nur einmal im Zubehör vorhanden ist, bleibt einem keine andere Wahl, als die anderen zwei Ports einmal durch das Case nach außen zu führen, um diese dann am Backpanel anzuschließen. Dafür wurde dann noch an eine passende Blende gedacht, welche es ermöglich, das USB Kabel durch eine der Slotblenden zu führen. Dabei erweist sich das Kabel jedoch je nach Art des Weges als etwas zu kurz geraten.

 

Impressionen – Innen:


Der Blick in das Innere des Cases entlockt dem User sicher das ein oder andere Lächeln, denn entgegen der schwarzen und silbernen Version des Cases ist die rote Version nicht nur aufgrund der äußeren Gestaltung etwas teuer als die anderen Beiden. Auch das Innere trägt zum höheren Preis bei, denn dieses ist komplett in schwarz gehüllt und passt so hervorragend zum Rot. Doch der Innenraum im Luxus Case hat mehr zu bieten. So lässt dieser sich nahezu komplett frei räumen, sowohl der große HDD Frame als auch der gesamte Mainboardtray samt Rückseite des Cases lassen sich entfernen. Ebenfalls mit einem Handgriff zu entfernen sind die drei 140mm Lüfter, welche sich auf Front und Top verteilen. In diesem Zustand ist nicht mehr viel übrig, was dem Case Stabilität gibt. Und so ist auch im verbauten Zustand die Stabilität der filigranen Rahmenkonstruktion nicht mit massiven Stahlblechkonstruktionen zu vergleichen.

 

In der Oberklasse erfindet sich Lian Li freilich nicht neu, ist man hier doch zu Hause. So ist auch der Aufbau des HDD Frame wohlbekannt aus der gesamten Modellpalette des Hauses. Die Festplatten werden in diesem einzeln über Gummipuffer eingeschoben, welche die Vibrationen mindern sollen. Im Test zeigt sich das die Festplattengeräuche erfolgreich abgedämpft werden, jedoch auf Grund der leichten Alukonstruktion nicht ganz verschwinden. Sie werden lediglich abgedumpft, was aber wesentlich angenehmer ist als ein hohes Surren der Platten ohne irgendeine Dämpfung. Genau vor dem für sieben HDDs ausreichend Dimensionierten HDD Frame befinden sich die zwei 140 mm Lüfter. Diese sorgen mit maximal 1000u/min für genug Frischluft und gehen angenehm leise zu werke. Montiert sind sie gemeinsam auf einem weiteren vom Case entkoppelten Gestell, welches sich mit wenigen Handgriffen ausbauen lässt um z.B. die Staubgitter zu reinigen. Passend zur Farbe des Gehäuses leuchten diese rot statt in blau (Silber/Schwarz Version) .

 

Weitere Lüfter befinden sich dann noch im Top und im Heck des Cases. Dabei verrichtet im Top der gleiche 140 mm Lüfter seinen Dienst, wie er in der Front zu finden ist. Natürlich ist auch dieser über einen zusätzlichen Frame vom Case entkoppelt. Im Heck arbeitet dagegen nur ein 120 mm Lüfter. Auch hier wurde an eine Entkopplung gedacht.

 

Im Bereich der 5,25‘‘ Schächte hat man sich im Vergleich zum früheren PC-V1000 auf nun drei Schächte beschränkt. Im Prinzip reich das für die meisten User auch vollkommen aus. So lassen sich ohne Probleme Lautwerke und mögliche Kontrollereinheiten unterbringen. Im untersten Schacht wurde dabei auch an einen entsprechen Adapter für 3,5‘‘ Geräte gedacht, damit wo möglich noch Floppy Drives, aber wohl eher kleine Cardreader oder Lüfterkontroller Platz finden.

 

In Bezug auf die scheinbar bei einigen Usern neu entdeckte Ordnung im PC, ist es ja schon nahezu unmöglich für einen Hersteller heute noch Gehäuse ohne entsprechende Kabelmanagment Elemente auszuliefern, geschweige denn zu entwerfen. Und so weist auch das PC-V 1020R einige Features auf, welche dem Kabel Management dienlich sind. So befindet sich im genau hinter dem Netzteil eine Klemmschiene in welcher sind die Kabelstränge ordnen lassen um sie dann weiter hinter dem Mainboardtray zu verlegen. Hinter diesem ist dann auch für eine 24 Pol Leitung genug Platz. An entsprechenden Arealen sind Aussparungen zum durchführen von Kabeln. Alles in allem lassen sich die Kabel eigentlich gut und ohne Platzprobleme verlegen.

 

 

 

 

Einbau: inkl. Wasserkühlung


Der Einbau der Standardkomponenten verlief problemlos und die Verarbeitung zeigte an keiner Stelle schwächen, wie man sie sonst bei günstigen Gehäusen spätestens beim Einbau feststellt. Denn möglicherweise jeder hat sich schon einmal an einem schlecht verarbeiteten Case geschnitten oder sich sonstige Wunden zugefügt. Da weiß man es zu schätzen Gehäuse ohne scharfkantige Teile zu verwenden. In unserem Fall gab es rein gar nichts auszusetzen. Der Einbau der Festplatten für die mitgelieferten Gummipuffer geht einfach von der Hand.

 

Etwas fummelig wird es lediglich bei der Netzteilmontage, vor allem wenn dieses zur längeren Fraktion gehört und nicht über ein Kabelmanagement verfügt. Dann muss der gesamte Kabelstrang durch das Netzteilloch gebracht werden, was je nach Menge der Kabel nervig sein kann.

 

 

 

 

Wir wollten in diesem Kapitel nicht einfach nur den Einbau eines Standard Systems überprüfen, sondern wir wollten schauen in wie fern sich in diesem Edel Case eine weitestgehend Interne Wasserkühlung verbauen lässt. Eine Auslagerung der Komponenten kam für den Test nicht in Frage, da man sich ja keine großen Gehäuse kauft, um dann doch wieder alles nach Außen legen zu müssen. In nahezu allen Fällen ist vor allem die Wahl des Radiators das größte Problem. Hier hat man dann die Qual der Wahl, aber leider nicht wenn man eine interne Wasserkühlung verbauen möchte. Hier ist vorher Maß zunehmen, den nicht immer passt jeder Radiator auch später an seinen gedachten Platz.

 

Im Falle des PC-V1020R war zwar schnell entschieden das System auf einem 280er Radiator für 2 * 140 mm Lüfter aufzubauen. Erschwerend kam jedoch hinzu, dass trotz des guten Platzangebots nur einer der derzeitig verfügbaren 280er Radiatoren wirklich passt. Letztendlich fand so ein Hardwarelabs Black ICE SR1 280 in der Front Platz. Begrenzender Faktor war dabei die Höhe der Flutkammern, welche aufgrund der HDD Frame Plattform im Boden des Gehäuses nach oben gedreht werden mussten, dort allerdings finden nur Flutkammern mit 20 mm Höhe Platz.

 

Einzig der von uns verwendete Ausgleichbehälter musste am Heck außen montiert werden. Alternativen wie All in One AGP Pumpendeckel würden diesen Umstand verbessern. Trotz alle dem ließ sich auch bei unserer Variante der Schlauch problemlos durch die Schlauchdurchführungen schieben. Probleme könnte es hier nur mit Schlauchdicken über 16 mm geben.

 

Auch beim Einbau der restlichen Komponenten gibt es nichts was den Einbau behindert. Auch CPU Kühler mit größeren Backplates, wie der von uns eingesetzte Aqua Computer Kryos XT, sind ohne weiteres durch das große Montageloch im Mainboardtray zugänglich.

 

 

 

 

 

Fazit:

 

Bleibt uns nun die Aufgabe einmal einen Schritt zurück zu treten und das Gesamtpaket zu betrachten. Denn es ist Lian Li ein würdiger Nachfolger der PC-V Serie gelungen, welcher sich in so gut wie keiner Disziplin die Blöße gibt. Die Qualität ist auf sehr hohen Niveau, das Design ist edel und zurückhalten, wenn auch vielleicht etwas nüchtern. Es bildet einen Kontrast zu den zum Teil überladenen Gamer Gehäusen und das kommt bei vielen Käufern gut an. In Fall des PC-V1020 spricht man auch eher gut betuchte User an. Denn manch Einer würde sich beim Preis von gut 320€ wohl über Sinn und Zweck den Kopf zerbrechen. Doch wir halten fest, dass man ebenso der Ansicht sein kann hier mehr als nur ein Gehäuse gekauft zu haben. Das neue PC-V 1020 versprüht etwas von einem exklusiven Möbelstück. Es ist zu schade um unter dem Tisch einzustauben, dafür ist es zu schick und zu teuer gewesen. Da schaut man auch irgendwie darüber hin weg, dass das Zubehör etwas magerer Ausfällt als bei anderen Gehäusen.

 

Gamer und genauso User mit einem Hang zu schlichten und edlen Gehäusen, welche nicht einfach irgendeinen Plastikbomber haben wollen, sich aber auch den Luxus eines 320€ Gehäuses leisten können, haben ihr Geld hier bestens angelegt. Qualitativ gibt es am Preis auf Grund des Material und Entwicklungseinsatzes eigentlich kaum etwas aus zu setzen. Zumal zu erwähnen sei, das die Schwarze wie auch Silberne Version ab ca. 250€ zu bekommen sind. Jedoch muss hier auf ein lackiertes Inneres verzichtet werden. Alles in Allem eine klare Empfehlung all denen, die edle und schlichte Gehäuse der gehobenen Klasse favorisieren.

 

 

 

 

 

 

 

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