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Samsung Galaxy Note 10.1 Test - Ein echtes Arbeitsgerät

Mit den Note Geräten hat Samsung eine Produkt-Linie geschaffen, die andere bereits für tot hielten. Nach dem Aufstieg der Touchscreen-Handys mit benutzerfreundlicher Oberfläche scheint der Einsatz eines Stylus wie ein Rückschritt. Doch Samsung hat uns eines Besseren gelehrt, denn schon das erste Samsung Galaxy Note Smartphone war ein durchschlagender Erfolg. Nun haben wir das Samsung Galaxy Note 10.1 Tablet im Test. Nicht mehr taufrische Hardware und ein gehobener Preis machen neugierig, ob das Note 10.1 mit seinen speziellen Features trotzdem überzeugen kann.

Samsung Galaxy Note 10.1 Datenblatt
Bildschirm 10,1 Zoll LCD
Auflösung 1280 x 800 Pixel
Prozessor 4 x 1,4 GHz Exynos 4412
Arbeitsspeicher 2 GB
Speicher 16 GB, 32 GB, 64 GB
Akku 7000 mAh

Design und Verarbeitung Samsung leidet unter einem bereits länger andauerndem Rechtsstreit, weil das Design der Galaxy Tabs dem iPad zu ähnlich sei. Im Falle des Galaxy Note 10.1 können wir Samsung aber eindeutig eine eigene Note im Design zusprechen. Unter dem Gorilla Glas sitzt um das Display ein weißer Rahmen, in dem oben Frontkamera und Lichtsensor, sowie unten ein Samsung Schriftzug platziert wurden. Um diesen Rahmen finden wir einen weiteren silbernen, der sich um die Kanten bis zur Rückseite spannt. Links und rechts sind dort nach vorne gerichtet zwei Lautsprecher eingelassen. Das Design gefällt uns sehr gut, hebt es sich immerhin etwas von der Konkurrenz ab.

Die weiße Rückseite präsentiert sich etwas konservativer mit großem Samsung-Schriftzug und einem silbernen Plastik-Einsatz, in dem Kamera und Blitz verbaut sind. Auf der Unterseite sitzt der breite Ladeanschluss. Auf der Oberseite finden wir die Klinkenbuchse, Sim- und Micro-SD-Slot, einen Infrarot-Sender sowie die Power-Taste und die Lautstärke-Wippe.

 

 

Während Samsung beim Design Initiative gezeigt hat, kränkelt die Haptik aber noch unter dem nicht zu Unrecht altbekannten „Plastik-Bomber“ Image. Wegen dem Glas und schickem Doppel-Rahmen auf der Vorderseite fällt es dort nicht auf, doch die Rückseite hat uns wirklich enttäuscht. Das glatte und billig wirkende Plastik, aus dem das Gehäuse des Note 10.1 besteht, wird der Preisklasse des Note 10.1 nicht gerecht. Es lässt sich auch deutlich eindrücken und klappert dadurch etwas beim darauf klopfen. Ein Pluspunkt ergibt sich aber durch das verwendete Plastik, mit 600 Gramm ist das Note 10.1 recht leicht und handlich.

Immerhin stimmt die Verarbeitung ebenfalls mit dem Samsung Image überein, sie ist sehr gut ausgefallen. Zwar finden wir beim genaueren Hinsehen leicht unregelmäßige Spaltmaße, doch bewegen sich diese weit unterhalb der 1-mm-Grenze. Der in die rechte untere Ecke integrierte Stylus macht dabei keine Ausnahme. Besonders schick und wertig ist dieser mit weißem Plastik und silbernem Kopfteil nicht, er passt aber ins Design. Er liegt gut in der Hand und erleichtert die Arbeit mit dem Tablet enorm. Etwas dicker könnte der Stylus zwar sein, doch wäre dann wohl ein Schubfach im Tablet nicht mehr möglich gewesen. Insgesamt sind wir glücklich über diesen Kompromiss, denn zum Mitnehmen ist die integrierte Halterung optimal.

Display und Tastatur

Das 10,1 Zoll Display überrascht und enttäuscht gleichermaßen. Denn die Auflösung von 1.280 x 800 Pixel ist nicht mehr zeitgemäß, bringen doch inzwischen viele deutlich kleinere Smartphones dieselbe Auflösung mit. Dennoch überrascht das Samsung Galaxy Note 10.1 mit einem, für eine Pixeldichte von 149 dpi, vergleichsweise scharfem Bild. Die Farbwiedergabe gefällt uns sehr gut, denn der LCD-Bildschirm ermöglicht knackige Farben, ohne zur Übertreibung wie bei den AMOLED Modellen zu neigen. Die Helligkeit des Displays kann ebenfalls überzeugen. Bei manueller Helligkeits-Steuerung lässt sich auch noch in der Sonne genug erkennen. Die automatische Steuerung nervt aber mit einem penetrant zu dunklem Bild.

 

 

Die drei Tasten auf der Oberseite sind gut zu erreichen und haben einen relativ weichen Druckpunkt, bieten aber noch genügend Widerstand, um nicht ausversehen gedrückt zu werden. Die Systemtasten sind Android 4 konform nur noch als Software-Tasten auf dem Touchscreen eingeblendet. Die von Samsung vorinstallierte Tastatur kann aber nicht begeistern. Zwar beherrscht sie wahlweise das Schreiben durch durchgehendes Wischen über die Buchstaben, die Rechtschreib-Korrektur nervt aber etwas. Sie korrigiert nicht erst am Ende des Wortes, sondern füllt sofort die Vorhersage in das Textfeld ein. Wer also der Tastatur noch unbekannte Wörter eingibt, muss mehr oder weniger blind tippen und sich von der wechselnden Vorhersage stören lassen, bevor er dann das Wort über die Vorschlags-Leiste einfügen kann. Die Standard Android Tastatur ist leider auch nicht verfügbar, denn wir hätten hier lieber gewechselt.

Menüführung und Bedienung

Vorab ein paar allgemeine Worte über Android, bevor wir zu den Extras der Note-Reihe kommen. Während unseres Tests ist das Android 4.1.1 Update eingetrudelt. Damit hat auch „Project Butter“ Einzug gehalten, mit dem vor allem die Performance des Android Systems verbessert wurde. Zwar lief auch mit Android 4.0.4 noch alles recht flüssig, an manchen Stellen hat das Update aber deutlich nachgebessert. Der Exynos 4412 Prozessor des Samsung Galaxy Note 10.1 gehört nicht mehr zum allerneusten, ist aber alles andere als veraltet. Mit einer Taktrate von 4 x 1,4 GHz ermöglicht er im Alltag des Androiden eine ruckelfreie Bedienung.

Die altbekannte Touchwiz Oberfläche von Samsung ist auch auf dem Note 10.1 installiert und scheidet die Geister. Funktional gesehen gibt es kaum etwas zu beanstanden, das farbenfrohe Design ist aber wohl nicht jedermanns Sache. Auf den fünf (wahlweise auch mehr oder weniger) Homescreens lassen sich Apps und Widgets platzieren. Die seit Android 4 eingeführte statische Leiste auf allen Home-Screens, um ausgewählte Apps zu verknüpfen, hat Samsung nicht übernommen. Die Status-Leiste hat Samsung dafür erweitert. Über den normalen Benachrichtigungen finden wir eine Steuerung der Bildschirm-Helligkeit und verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, darunter die Datenverbindungen, die Lautstärke-Regelung, den Energiesparmodus oder den Ruhemodus.

Am unteren Bildschirmrand kann man sich nun eine Leiste mit mini-Apps einblenden lassen, die einfach über den aktuellen Bildschirm angezeigt werden. Damit kann man im Hintergrund surfen und gleichzeitig einen Taschenrechner, den Kalender oder die Email-Übersicht aufrufen. Dank Multi-Tasking können auch mehrere mini-Apps eingeblendet werden, die sich verschieben und abwechselnd mit dem Hauptbildschirm nutzen lassen. Die System-Performance leidet darunter zwar etwas, doch hat sich das seit Android 4.1 gebessert. Dabei ist man aber auf die vorinstallierten Apps angewiesen, beliebige Apps lassen sich leider nicht nutzen.

 

 

Sobald man den Stylus bzw. den sogenannten S Pen herauszieht, öffnet sich auf der rechten Seite eine Übersicht mit den speziellen Apps des Note 10.1. Darunter die großartige App S Note. Speziell für den S Pen zugeschnitten, lassen sich damit Notizen und Skizzen anlegen oder PDFs kommentieren. Wahlweise kann dabei gemalt und getippt werden, oder die sehr gute Handschrifterkennung genutzt werden. Beeindruckend ist, wie gut dabei sogar große Formelgebilde und mathematische Skizzen erkannt werden. Sehr hilfreich ist dabei die Handflächen-Erkennung, so kann weiter geschrieben werden, während man das Display als Handauflage nutzt. Beim Kommentieren der PDFs ist uns die App regelmäßig abgestürzt und unsere Änderungen sind verloren gegangen. Seit dem Update auf Android 4.1.1 scheint dieser Fehler aber behoben. Trotzdem ist S Note nicht unbedingt die erste Wahl für die PDF-Bearbeitung. Die Handschrifterkennung macht die App zwar sehr attraktiv, doch dauert der Import von PDFs einerseits sehr lange, andererseits gibt es beim anschließenden Export einen erheblichen Qualitätsverlust zu verzeichnen. Ansonsten hat Samsung mit S Note aber ein ordentliches Stück Software abgeliefert, deren Bedienung zwar etwas Einarbeitung erfordert, die dann aber eine echte Hilfe bei produktiver Arbeit darstellt.

Der S Kalender bietet keine revolutionären Funktionen. Dort lässt sich der Samsung oder Google Kalender nutzen. Einen Mehrwert gegenüber der standardmäßigen Google Kalender App gibt es nicht. Beeindruckender ist da schon PS Touch. Die Photoshop Version von Adobe für unterwegs bringt eine große Funktionspalette mit sich. Neben bekannten Werkzeugen der Desktop Version sind verschiedene Filter installiert. Das Ganze lässt sich mit dem S Pen gut steuern. Für schnelle und einfache Bearbeitung von Bildern ist PS Touch wirklich nett, für professionelle Arbeit setzt man aber wohl trotzdem besser auf einen Desktop PC bzw. Mac.

Wer nicht nur Notizen, sondern große Dokumente bearbeiten möchte, für den ist Polaris Office vorinstalliert. Damit lassen sich Microsoft Word, Excel und Power Point Dokumente öffnen und bearbeiten. Die Werkzeug-Palette ist allerdings kleiner als in Microsoft Office, für die Nutzung unterwegs aber angemessen.

An anderer Stelle hat es Samsung mit seinen „S“ Apps aber etwas übertrieben. Neben dem obligatorischen Google Play Store, findet man mehr oder weniger neue Apps außerdem bei den Samsung Apps und in S Suggest, wobei wir bei keinem von den beiden bahnbrechende Angebote gefunden haben. Außerdem hat Samsung eigene Apps fürs Chatten und Musik sowie Video abspielen oder kaufen integriert. Keine davon ist den Google oder Drittanbieter Apps besonders unter- oder überlegen.

Ein weiteres Ass hat Samsung aber noch im Ärmel: Smart Remote. Damit und mit dem Infrarot-Sender lassen sich Fernseher und andere Geräte fernsteuern. Das Galaxy Note 10.1 wird damit zur Multifunktions-Fernbedienung. Auch mit einem Philips Fernseher hat die Fernbedienung im Test umgehend funktioniert. Theoretisch soll sich die App mit allen bekannten Herstellern nutzen lassen.

 

Interessant für das Arbeiten auf Grundlage eines anderen Texts o.ä. ist die Möglichkeit, zwei Bildschirme nebeneinander legen zu können. Damit kann beispielsweise links ein Artikel im Browser angezeigt werden, und rechts lassen sich dazu Notizen in S Note verfassen. Allerdings funktioniert dieses Feature nur mit den wenigen Samsung Apps und auch die System-Performance leidet merkbar. Ganz intuitiv sind die umfangreichen Optionen der Samsung Apps nicht, sie lassen sich aber durch Ausprobieren oder über eine in S Note verfügbare Anleitung erlernen.

Die Performance des Note 10.1 befindet sich noch auf hohem Niveau. Wie im Samsung Galaxy S3 arbeitet der Exynos 4412 Quad-Core mit 1,4 GHz. Dank der 2 GB RAM überholt das Galaxy Note 10.1 im Quadrant Benchmark aber das Galaxy S3. Nur das HTC One X war noch einen Ticken schneller. Mit dem Exynos 5520 Prozessor startet das Google Nexus 10 nun zwar in eine neue Hardware Generation mit ARM Cortex A15 Architektur. Trotz seinem Cortex A9 Prozessor wird sich das Samsung Galaxy Note 10.1 mit 2 GB RAM aber sicherlich noch einige Zeit als zukunftssicher erweisen.

Multimedia

Dank kräftigem Bildschirm und erweiterbarem Speicherplatz, lässt sich genügend Video-, Audio-, und Foto-Material auf dem Note 10.1 ablegen, um für viele Stunden unterhalten zu werden. Neben dem 16 GB internen Speicher lassen sich Micro-SDHC-Karten nutzen, außerdem erhält der Nutzer für zwei Jahre 50 GB Dropbox-Speicher.

 

Wer das Note 10.1 statt Fernbedienung selbst als Fernseher verwenden will, dem geht der interne Speicher wohl bald aus. Micro-SD Karten sind aber günstig zu haben, und mit bis zu 64 GB zusätzlichem Speicher dürften alle Nutzer auskommen. Wahlweise gibt es das Note 10.1 wie bei unserem Testgerät auch mit Mobilfunk-Modul, so dass Videos und Musik unterwegs geladen werden können. Die entsprechenden Angebote hat Samsung mit Musik und Video Hub schon vorinstalliert. Der Empfang ist dabei einwandfrei und auch die Ladegeschwindigkeit wird nicht durch das Tablet behindert, der Standard-Browser leistet sehr gute Arbeit. Mit einem Headset kann auch über das normale GSM-Netz telefoniert werden. Die etwas bescheidene Sprachqualität mag nicht zuletzt an dem mitgelieferten Headset liegen.

Bei bewegten Bildern und der kräftigen Farbwiedergabe des Note 10.1 fällt die geringe Pixeldichte kaum noch auf. Die Lautsprecher sind dem Nutzer entgegengerichtet und bieten sich damit an, um für das Filmschauen genutzt zu werden. Für Musik reicht deren Qualität aber nicht aus, das Note 10.1 rangiert im Punkt Lautsprecher insgesamt im Mittelfeld.

Die Kamera scheint herstellerübergreifend ein leidiges Thema bei Tablets zu sein. Vielleicht sollten sich mehr Hersteller dazu entscheiden, wie beim Nexus 7 einfach keine Kamera für Fotos zu verbauen. Denn auch im Note 10.1 arbeitet ein veraltetes Modell, deren Fotos am besten als Schnappschüsse beschreibbar sind. Obwohl man gerade in Tablets Platz für lichtstärkere Objektive hätte, tritt auch beim Note starkes Bildrauschen auf. Mit 5 Megapixeln handelt es sich auch nicht um das hochwertigste Modell. Die Frontkamera hat ebenfalls kein besonders schönes Bild, für Videotelefonate reicht das aber aus.

Der Akku ist mit 7.000 mAh ausreichend dimensioniert. Samsung trickst bei der Laufzeit zwar etwas mit der zu dunklen automatischen Helligkeits-Steuerung, doch auch bei manueller Steuerung kommt das Note 10.1 auf ausreichende Laufzeiten. Beim Betrieb in Uni oder Arbeit, also Surfen, Lesen und kurzem Spielen kommt das Note 10.1 über einen Arbeitstag. Bei regelmäßiger Nutzung auf der häuslichen Couch hat es im Test über 2 Tage gute Dienste geleistet. Größter Stromfresser ist dabei natürlich das Display. Im Battery Benchmark werden verschiedene Alltagsszenarien durch CPU-Belastung, WLAN-, Bluetooth- und GPS-Nutzung simuliert. Dabei wird das Display abwechselnd an- und ausgeschaltet, die Helligkeit haben wir manuell auf 50% reguliert. In diesem Test hielt das Note 10.1 knappe 15 Stunden durch. Die Laufzeit ist nichts Besonderes, aber völlig ausreichend.

Fazit

Das große Note 10.1 wartet mit ähnlicher Ausstattung wie seine kleinen Komparsen Galaxy Note und Note 2 auf, bietet mit dem großen Bildschirm aber noch mehr Möglichkeiten, um ernsthaft darauf zu arbeiten. Die S Note App ist ein wahrer Kaufgrund für ein Samsung Note Gerät. Die Möglichkeit beliebige Skizzen zu erstellen, mathematische Probleme niederzuschreiben oder auch längere Texte mit der sehr guten Handschrifterkennung festzuhalten, wurde noch nicht besser gelöst. Schade dass die PDF-Unterstützung dabei noch etwas hakt. Die PS Touch App bietet ebenfalls einen überraschen großen Funktionsumfang. Mit dem S Pen lassen sich beide Apps hervorragend bedienen. Trotzdem ist fraglich, ob jemand die Möglichkeiten von PS Touch auf einem Tablet wirklich ausreizt.

Einen Stylus kann man allerdings auch für kleines Geld an jedem beliebigem Tablet nutzen. Deshalb kommen wir wieder auf die Frage zurück, ob sich der Aufpreis des Note 10.1 wirklich lohnt. Heruntergebrochen auf das Kernstück des Note 10.1, die S Note App, ist der Preis für das 3G-Modell von 500 € (idealo.de, Stand 13.11.2012) doch ziemlich heftig. Zusammen mit dem praktischen integrierten Stylus, dem Mehrfachbildschirm und den kleinen mini-Apps ergibt sich aber doch ein interessantes Gesamtpaket. Wer wirklich mit dem Tablet arbeiten möchte, der findet derzeit wohl keine bessere Android-Lösung, weshalb wir das Samsung Galaxy Note 10.1 guten Gewissens empfehlen können. Bei dem hohen Preis sollten sich anderen Interessenten den Kauf aber gut überlegen, für den reinen Zeitvertreib gibt es günstigere Tablets.

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