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Amazon Kindle Paperwhite - eBook Reader mit verbessertem Bildschirm

Die Geschichte von Amazons eBook Readern begann im Jahr 2007, als der erste Kindle auf den Markt kam. Ende 2010 hatten wir dann den Amazon Kindle DX im Test, der nach wie vor wegen seinem 9,7 Zoll großen Bildschirm einen Exoten darstellt. Damals war schon absehbar, dass es dem Bücher-Markt wie vielen anderen in der Medienbranche gehen würde. Die Entwicklung und der Absatz verlagern sich immer weiter in den digitalen Bereich. Schon dieses frühe Modell konnte uns überzeugen und zeichnete den Weg in die Zukunft. 2011 war es dann soweit - Amazon verzeichnete mehr Käufe von eBooks als von gedruckten Exemplaren. Heute, fast zwei Jahre später, ist der Markt weiter gewachsen und mit ihm haben sich die entsprechenden Geräte weiter entwickelt.

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Amazon Kindle Paperwhite Front

Anlass für uns, den neuesten Ableger von Amazons eBook Readern zu testen, den Kindle Paperwhite. Dieser zählt zur inzwischen fünften Kindle-Generation und löst den Kindle Touch ab. Den Kindle Paperwhite zeichnet, neben der neuesten Software und dem Touchscreen, nun eine zusätzliche Hintergrundbeleuchtung und erhöhte Auflösung aus. Namensgebend ist der, durch die Beleuchtung, strahlend weiße Hintergrund. Den Paperwhite wollen wir dabei nicht nur Hardware-seitig testen, sondern auch Amazons zugehörige eBook-Landschaft beleuchten.

An dieser Stelle bedanken wir uns für die Unterstützung und das Testmuster bei Amazon.

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Das inzwischen bekannte Kindle-Design wird auch vom Kindle Paperwhite nicht durchbrochen. Das Grunddesign der aktuellen Geräte ist immer gleich, sei es beim „Ur-„Kindle, Kindle Touch oder Kindle Paperwhite. Das ist aber gar nicht so verkehrt, viel Verbesserungspotential gibt es nicht. Der Bildschirm ist mit 6 Zoll etwas kleiner als eine normale Buchseite. Der Rahmen darum ist gerade dick genug, um den Kindle einhändig halten zu können, ohne dabei den Bildschirm zu verdecken. Der Rahmen ist oben und unten deutlich dicker als an den seitlichen Rändern. Für eine noch einfachere Handhabung hätte man diese Aufteilung besser andersherum vorgenommen, auch wenn das gewohnte Hochkant-Format dann verloren ginge.

links: Kindle Paperwhite; rechts: Kindle 4

Mit Rahmen ist der Kindle Paperwhite 169 mm x 117 mm x 9,1 mm groß und damit immer noch kleiner als herkömmliche Taschenbücher. Vor allem aber ist der Kindle dünner und leichter. Die nur 222 Gramm liegen besser in der Hand, als die meisten Schmöker. Da die Bedienung des Kindle Paperwhite über den Touchscreen erfolgt, besitzt es lediglich eine mechanische Taste. Die Taste zum Ein- und Ausschalten befindet sich an der Unterseite neben dem Micro-USB-Anschluss. Der Schalter ist ziemlich fummelig, schlecht zu erreichen und hat einen extrem festen Druckpunkt. Doch dadurch ist gewährleistet, dass man diesen in keiner Situation ausversehen betätigt. Vielleicht hätte der Druckpunkt etwas weicher, oder die Taste etwas größer sein können. Wirklich schlimm ist das aber nicht, da ein eBook-Reader wohl nicht so oft ein- und ausgeschaltet wird, wie ein Smartphone oder Tablet.

Das Design ist sehr minimalistisch gehalten. Der Paperwhite ist komplett schwarz gefärbt und trägt zwei „kindle“ Schriftzüge. Auf der Front finden wir diesen in Weiß unter dem Display, auf der Rückseite ist er etwas größer in den Kunststoff eingestanzt. Darunter sind das Amazon-Logo und die obligatorischen Siegel in dunklem grau aufgedruckt, so sind sie kaum sichtbar. Dass der Kindle über keine Eye-Catcher verfügt dürfte Absicht sein, schließlich wollen wir uns ganz und gar auf dessen Inhalte konzentrieren. Die Verarbeitung der verwendeten Materialien ist gewohnt gut. Die Rückseite besteht aus weichem Kunststoff, der sich angenehm anfühlt und vor allem gut in der Hand liegt. Dadurch stört die deutliche Kante an der Seite auch nicht beim Halten des Geräts.

Amazon hat unserem Testgerät gleich eine Schutzhülle beigelegt, welche normalerweise stolze 35 € kostet. Die Farbwahl ist in unserem Fall als mutig zu bezeichnen, jedenfalls trifft das knallige Rot nicht unseren Geschmack. Doch gibt die verfügbare Auswahl farblich für jeden etwas her, bleibt hierbei also unbewertet. Von außen gibt die deutlich strukturierte Leder-Oberfläche guten Halt und macht auch optisch einiges her. Die Hartplastik-Schale im Inneren ist nicht mehr sichtbar, sobald der Kindle darin befestigt wird. Dazu drücken wir den Kindle fest in den leicht elastischen Rand, störende Bänder oder ähnliches gibt es nicht. Einmal befestigt sitzt der Kindle Paperwhite bombenfest und löst sich nur ungern wieder von seiner neuen Haut. Die Innenseite des Deckels ist mit einem schicken Stoffüberzug bestückt und macht ebenfalls einen sehr hochwertigen Eindruck. In ihrer Hauptdisziplin – dem Schutz des Kindle – macht die Amazon Hülle alles richtig. Sie ist steif und dick genug um auch härtere Schläge abzufangen und sieht dabei schick aus. Besonders praktisch ist der magnetische Verschluss. Natürlich hält er in erster Linie die Hülle verschlossen. Zusätzlich lässt sie aber auch den Kindle wissen, ob der Deckel auf- oder zugeklappt wird. Daraufhin schaltet sich der Kindle selbstständig ein und aus. Nebeneffekt der robusten Hülle ist allerdings, dass der Kindle doppelt so dick wird und auch das Gewicht fast verdoppelt wird. Denn während die Amazon Lederhülle 159 Gramm schwer ist, wiegt der Kindle Paperwhite selbst nur 220 Gramm.

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Von außen betrachtet ähnelt die Form der Kindle-Modelle stark einem Tablet. Doch als eBook-Reader besitzen sie nicht nur eine völlig andere Software, sondern auch ein spezielles Display, welches der Kaufgrund Nummer Eins ist. Statt LCD-Bildschirmen verwenden eBook-Reader e-Ink-Displays, die sich durch zwei Besonderheiten auszeichnen. Wie den Vorgängern liegt auch dem Paperwhite ein e-Ink Pearl Display zu Grunde. Dieses besteht aus Mikrokapseln, in deren Polymere (Molekül-Verbindungen) positiv geladene weiße Partikel und negativ geladene schwarze Partikel „schwimmen“. Durch angelegte Spannung werden diese Partikel nach vorne und hinten bewegt und erzeugen dadurch bis zu 16 Graustufen. Die entstandene Struktur kann wochenlang beibehalten werden. Das e-Ink-Display verbraucht also zwischen den Bildwechseln kaum Strom.

Ein Pixel eines solchen Displays besteht wiederum aus mehreren Mikrokapseln, wodurch für das menschliche Augen keine herkömmliche Pixelstruktur mehr erkennbar ist. Es entsteht tatsächlich ein Bild, das echter Tinte auf Papier sehr nahe kommt. Das Display des Paperwhite besitzt außerdem eine höhere Auflösung als die Geschwister-Modelle und stellt den Text damit noch etwas schärfer dar. Eine matte Oberfläche verhindert Reflexionen und macht den letzten Schliff aus, sodass der Unterschied zu einer echten Buchseite sehr gering ist. Gerade im Sonnenlicht wird das Display nicht wie bei LCD-Bildschirmen unlesbar, sondern bleibt eben wie ein Blatt Papier gut lesbar.

Vergleichsbilder:

Klicken zum Vergrößern - Achtung hochauflösend.

 

 

links Kindle Paperwhite; rechts Kindle 4

 

 

Das Paperwhite-Display besteht aus drei Schichten. Über dem e-Ink-Bildschirm liegt ein kapazitiver Touchscreen. Dieser ist auf der Höhe der Zeit, beherrscht Multi-Touch und steht Tablets auch in Sachen Empfindlichkeit in Nichts nach. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist im Prinzip sehr gut, allerdings braucht der e-Ink-Bildschirm naturgemäß deutlich mehr Zeit für einen Bildwechsel, als ein LCD-Bildschirm. Neu am Kindle Paperwhite ist nun die dritte Ebene. Eine lichtführende Glasfaserplatte verteilt das Licht, das aus umgebenden LEDs strahlt, gleichmäßig auf der gesamten Oberfläche. Außerdem strahlt das Licht nicht direkt ins Auge des Lesers, sondern bestrahlt in erster Linie das Display. Natürlich wird das Licht von dort wieder reflektiert und kann den Leser trotzdem blenden.

Quelle: Amazon

Bereits bevor wir den Kindle Paperwhite in der Hand hatten, waren wir skeptisch, ob der Kindle dadurch nicht einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tablets verliert. Denn ohne Beleuchtung war das Lesen eines e-Ink-Bildschirms nicht so anstrengend, wie auf LCD-Displays, die stets direkt in das Auge des Betrachters leuchten. Also haben wir Abends einfach mal die Nachttischlampe ausgeschaltet und statt einem Buch den Kindle aufgeschlagen. Unsere Befürchtung hat sich leider bestätigt. Auch wenn sich die Beleuchtung sehr stark herab regeln lässt und der Text trotzdem gut lesbar bleibt, ist das Lesen mit einer Lampe im Hintergrund entspannter. Dabei fällt auf, dass die Beleuchtung auf unterster Stufe nie komplett ausgeht, auch wenn diese bei Tageslicht nicht mehr sichtbar ist.

Natürlich spricht nichts dagegen die Lampe anzulassen und trotzdem auf dem Kindle zu lesen. Schließlich ist es leichter und handlicher als ein normales Buch. Man gewöhnt sich schnell daran und zieht den Kindle bald einem gedruckten Buch vor. Doch dann bleibt natürlich die Frage, wozu eigentlich die Hintergrundbeleuchtung? Nun, wenn man Nachts als Beifahrer im Auto oder in ähnlichen Situationen keine Leselampe zur Hand hat, ist die Beleuchtung sehr praktisch. Und so anstrengend, dass die Augen sofort ermüden würden, ist das Lesen auch wieder nicht. Praktischer ist die Beleuchtung also eher bei Sonnenuntergang. Im Zwielicht würde das Lesen eines normalen Buches schwieriger werden, während der beleuchtete Kindle Paperwhite gut lesbar bleibt und noch nicht blendet.

Hauptvorteil am Paperwhite-Display ist wohl die namensgebende Eigenschaft, den eher grauen Hintergrund des e-Ink-Displays in ein echtes Weiß zu verwandeln. Dadurch steigen die Kontraste des Bildschirms deutlich an. Bei Tageslicht blendet das Display nicht und das Lesen wird etwas einfacher. Durch die lichtführende Glasfaserplatte des Displays muss der Kindle nur vier LEDs betreiben, um den Bildschirm auszuleuchten. Dank des laut Amazon „bahnbrechenden Energiemanagements“ läuft der Kindle Paperwhite auch mit Beleuchtung noch viele Stunden. So viele Stunden, dass wir in der kurzen Testzeit keine exakten Werte ermitteln konnten. Wie bei früheren Kindle-Modellen kann man viele Stunden abseits der Steckdose lesen. Eine hohe Beleuchtungsstufe scheint den Akku zwar doch zu belasten, größter Stromfresser bleibt aber eine 3G- oder WLAN-Verbindung. Amazon gibt eine Laufzeit von 8 Wochen mit mittlerer Beleuchtung an, vorausgesetzt man liest 30 Minuten am Tag und schaltet die Datenverbindungen aus. Wie mit dem normalen Kindle kann man auch einmal ohne Ladegerät auf Reisen gehen, der Lesestoff wird einem nicht so schnell ausgehen. Ein Zitat hat uns dabei noch beschäftigt: „Wir haben mehr als zwei Jahre daran gearbeitet, die gleichmäßige Verteilung des Lichts beim Kindle Paperwhite zu perfektionieren.“ Zugegeben, auf der relevanten Lese-Fläche des Paperwhite ist die Beleuchtung wirklich extrem gleichmäßig und angenehm verteilt. Doch der untere Bildschirmrand hätte wohl noch ein paar zusätzliche Monate Entwicklung benötigt, dort sieht man in allen Helligkeitsstufen deutliche Lichthöfe. Diese beeinträchtigen die Lesbarkeit aber nicht besonders. Ohnehin wird dort in der Regel nur der Fortschritts-Balken angezeigt, also halb so wild. Alles in Allem ist das beleuchtete „elektronische Papier“ des Kindle Paperwhite eine deutliche Weiterentwicklung und macht seinem Namen alle Ehre.

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Die Firmware des Kindle Paperwhite trägt derzeit die Versionsnummer 5.3.0. Sie knüpft damit an die Software des Kindle Touch an und ist benutzerfreundlicher als die Firmware des Standard Kindle. Auf der Startseite finden wir die letzten drei geöffneten Bücher bzw. Zeitungen oder Dokumente. Die Inhalte werden in schicker Cover-Ansicht dargestellt, der Titel in reinem Text wird nicht mehr eingeblendet. Auf Wunsch kann die Anzeige aber auch in altbekannter Listen-Ansicht erfolgen. Darunter finden wir etwas Werbung, in Form von aktuellen Amazon Bücher-Empfehlungen. Durch Wischen mit dem Finger gelangen wir auf die nächsten Seiten mit unseren restlichen Büchern. Diese Übersicht kann auf Wunsch auch anders geordnet werden. Es werden dann nur Bücher, Dokumente oder Zeitungen angezeigt. Die Reihenfolge kann neben der Aktualität auch nach Titel oder Autor festgelegt werden.

Dabei können wir außerdem wählen, ob nur auf den Kindle heruntergeladene Inhalte oder alle verfügbaren Bücher aus der Amazon Cloud angezeigt werden sollen. Die Amazon Cloud ist mit dem allgemeinen Amazon Konto verknüpft. Darin sind alle gekauften Bücher und Zeitungen verfügbar, wir müssen also nicht alle Inhalte auf dem Kindle speichern. Das hat zwei Vorteile: Erstens ist der Speicher des Kindle nur 2 GB groß. Da Bücher aber oft unter 1 MB groß sind, reicht auch das für tagelangen Lesespaß. Zweitens können mehrere Kindle auf das Amazon Konto registriert werden. Ein Buch kann dann auf bis zu sechs verschiedenen Kindle gelesen werden. Sobald ein Buch von einem Gerät gelöscht wird, ist es wieder für ein weiteres Geräte verfügbar. Zeitungen stellen dabei eine Ausnahme dar und sind in der Regel nur auf einem Gerät verfügbar.

Die Kopfzeile des Kindle Paperwhite ziert eine Info- und eine Menüleiste. Die dünne Infoleiste zeigt Uhrzeit, Akku-Status und die 3G- oder WLAN-Verbindung an, sowie den Geräte- bzw. Buch-Namen. Über die größere und gut zu bedienende Menüleiste gelangen wir stets zum Startbildschirm zurück. Daneben kann auch ein Bildschirm zurückgegangen und die Bildschirm-Helligkeit angepasst werden. Eine automatische Helligkeits-Regelung haben wir allerdings schmerzlich vermisst. Außerdem finden wir dort ein Shortcut zum Kindle-Shop und eine praktische Suchfunktion. Darüber können Buchtitel oder Stichworte in Büchern gesucht werden. Über einen fünften Button wird ein erweitertes Kontext-Menü ausgeklappt, über das weitere Optionen und Einstellungen erreichbar werden.

Wenn wir uns in Büchern oder Zeitungen befinden, ist der Touchscreen in drei Bereichen unterteilt. Die Kopfleiste wird angezeigt sobald wir den entsprechenden oberen Bereich berühren. Der rechts-orientierte Großteil des Bildschirms sorgt bei Berührung für das blättern auf die nächste Seite. Ein deutlich schmalerer Streifen auf der linken Seite sorgt für das zurück Blättern. Wahlweise kann auch durch einfaches Wischen geblättert werden. Die Seitenwechsel benötigen immer noch etwas Zeit, was dem e-Ink-Bildschirm geschuldet ist. Allerdings geht dies schon deutlich schneller als bei älteren Kindle-Geräten. Den Lesefluss stört das auch nicht. Die Menüleiste wird beim Lesen noch etwas erweitert. In Zeitungen gibt es zwei neue Shortcuts zum Inhaltsverzeichnis in neuer Ansicht mit kurzer Vorschau und in altbekannter Listen-Ansicht. Außerdem können Schriftgröße, Schriftart, Zeilenabstand und Seitenränder eingestellt werden. Besonders interessante Artikel können für später gespeichert werden. Diese landen allerdings alle in derselben unübersichtlichen Datei „Mein Clipboard“ und verlieren auch potentielle Bilder darin.

Wenn man sich in Büchern befindet, wird die Menüleiste abermals angepasst. Neben den Schrift-Einstellungen kann man über die Option „Gehe zu“ zum Anfang, Ende oder einer bestimmten Seite springen. Wenn man auf verschiedenen Geräten gleichzeitig ein Buch liest, kann die letzte gelesene Seite synchronisiert werden. Außerdem lässt sich das betreffende Buch über Facebook oder Twitter weiterempfehlen.

Es lassen sich auch Inhalte auf dem Kindle betrachten, die nicht direkt über Amazon bezogen wurden. Allerdings beherrscht der Kindle Paperwhite neben dem Amazon eBook-Format AZW nur MOBI eBooks. Andere eBook-Shops verkaufen Inhalte in der Regel mit dem offenen EPUB -Format, diese sind also nicht direkt nutzbar. Dafür gibt es bereits Freeware wie Calibre, die schnell und einfach PDFs oder EPUB-Bücher in das MOBI Format konvertiert. Abseits von Büchern und Zeitungen lassen sich auch PDFs, Microsoft Office-Dokumente (DOC, DOCX), Text-Dateien (HTML, RTF) oder Bilder (JPEG, GIF, PNG, BMP) auf dem Kindle anzeigen. Diese werden automatisch in das AZW Format konvertiert, um angezeigt werden zu können. PDFs können auch unkonvertiert angezeigt werden. Durch das kleine Display und die dann fehlende Option für Schriftgrößen, werden diese aber zu klein zum Lesen. Konvertierte PDFs verlieren ihre normale Positionierung und werden als Fließtext dargestellt. Der Inhalt bleibt aber erhalten, sogar enthaltene Grafiken werden übernommen. Generell ist der Kindle zum PDF betrachten nicht besonders gut geeignet, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ist die Funktion aber „nice-to-have“.

Besonders praktisch bei solchen Dokumenten und Büchern von Drittanbietern, ist die Kindle-E-Mail-Adresse. Für die Dateiübertragung muss der Kindle nicht per USB an den PC angeschlossen werden, was aber natürlich auch möglich ist. Stattdessen bekommt jedes Kindle-Gerät eine einmalige E-Mail-Adresse zugeordnet. Dorthin geschickte Dokumente werden automatisch über das sogenannte Whispernet an den Kindle übertragen.

Das Whispernet ist für Besitzer eines WLAN-Modells nichts anderes als eine Cloud. Interessant wird es erst für Besitzer des Kindle Paperwhite 3G. Denn für die Nutzung des 3G-Netz bedarf es keines Vertrags. Einkäufe und Synchronisierungen können unmittelbar über das Mobilnetz getätigt werden. Damit kann man auch unterwegs neue Bücher kaufen. Persönliche Dokumente werden ebenfalls über die 3G-Verbindung geladen, kosten dann allerdings 25 Cent pro MB. Um diese Kosten übersichtlich zu halten, kann im Amazon Konto ein Kostenlimit pro Dokument eingestellt werden.

Ein sehr praktisches Feature des Kindle Paperwhite ist die Integration des Dudens und Oxford Dictionarys, die schon vorinstalliert sind. Damit lassen sich im laufenden Text Definitionen zu jedem beliebigen Wort einblenden. Es können auch ganze Textpassagen übersetzt werden, die entsprechende Übersetzung ist aber oft etwas holprig. Besonders bei englischer Lektüre ist das sehr hilfreich und komfortabel. Ebenso praktisch ist die „Time-to-read“ Funktion. Diese berechnet auf Grundlage einer persönlichen durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit die Zeit, die man noch zum Beenden des Kapitels benötigt. Damit hat man einen guten Überblick darüber, ob man den Artikel noch bis zur Ziel-Haltestelle schafft oder ob man sich auf akuten Schlafmangel einstellen muss, wenn man das nächste Kapitel noch in Angriff nimmt.

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Natürlich möchte Amazon nicht nur einfach eigene eBook-Reader verkaufen, sondern damit vor allem das eigene eBook-Angebot an den Mann oder die Frau bringen. Der Kindle-Shop ist sowohl in den normalen Web-Auftritt von Amazon, als auch in das Menü der Kindle-Modelle integriert. Die Auswahl an eBooks ist fast so unerschöpflich wie bei den gedruckten Exemplaren. Derzeit soll es über 110.000 deutsche Bücher im Kindle-Shop geben. Neue Romane sind fast immer als „Kindle Edition“ erhältlich, also im eBook-Format. Aber auch ältere und unbekanntere Bücher gibt es inzwischen zu Hauf als eBook. Unter den Fachbüchern ist die Auswahl noch recht beschränkt, hier steckt viel Potential für die Zukunft. Zeitungen gibt es ebenfalls nur in überschauberer Anzahl, immerhin findet man darunter die größten Zeitungen wieder. FAZ, Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit sind alle für den Kindle erhältlich. Wer lieber internationale Zeitungen liest, kann unter anderem die die Financial Times oder das Forbes Magazine digital beziehen. Dabei lassen sich einzelne Ausgaben kaufen, oder wie gewohnt Abonnements abschließen.

Preislich liegen Neuerscheinungen als eBook meist wenige Euro unter dem gedruckten Exemplar. Ähnlich sieht es bei den Zeitungsangeboten aus, die außerdem meist schon am Vorabend des regulären Erscheinungstermins erhältlich sind. Sehr interessant ist außerdem das „Kindle Direct Publishing“. Über dieses Programm können kleine Verläge oder Privatpersonen kostenlos eBooks über die Amazon-Plattform verkaufen. Die Preise dieser „Independent“ Veröffentlichungen liegen oft nur bei wenigen Euro, Amazon behält vom Gewinn allerdings einen großen Teil ein. Damit findet man im Kindle-Shop Bücher, die wegen den Druckkosten nie im normalen Buchhandel erschienen wären. Darunter gibt es auch wahre Schmuckstücke zu entdecken. 200.000 Bücher soll es bis heute exklusiv im Kindle-Shop geben.

Natürlich ist der Kindle-Shop auch direkt über den Kindle erreichbar. Die Darstellung wird übersichtlich angepasst, der Funktionsumfang entspricht aber der Website. Die Darstellung und das Scrollen ist dabei deutlich langsamer als im normalen Browser. Umfangreiches stöbern ist also zu Hause bequemer. Empfehlungen oder den Nachfolger suchen, kann man auch gut unterwegs.

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Der Kindle Paperwhite ist definitv der beste Kindle, den es bisher gibt. Die Konkurrenz bietet vergleichbare Geräte meist zu deutlich höheren Preisen an. Dafür ist der Kindle auch stark auf das Amazon-Angebot zugeschnitten und unterstützt das offene EPUB Format nicht. Viel mehr Kritik können wir eigentlich nicht anbringen, denn der Kindle-Shop und das Whispernet lassen kaum Funktionen vermissen.

Der Kindle Paperwhite kostet mit 3G-Modul 189 € und mit WLAN-Modul 129 €. Letzterer ist sein Geld definitiv Wert. Gegenüber dem billigeren Standard Kindle (79 €) bietet er ein noch besseres Display und deutlich benutzerfreundlichere Software. Die 3G Variante ist für Kunden interessant, die viel unterwegs sind und/ oder selten an ein WLAN-Netz kommen, um neue Bücher zu kaufen. Besonders da der Paperwhite dazu keinen zusätzlichen Mobilvertrag erfordert. Aufgrund der 60 € Aufpreis für den Kindle Paperwhite 3G raten wir aber prinzipiell eher zum normalen Kindle Paperwhite.

Egal in welcher Version, die Käufer erhalten mit dem Kindle Paperwhite einen sehr guten eBook-Reader. Größe und Gewicht machen den Kindle handlicher als ein normales Taschenbuch. Gleichzeitig kommt das e-Ink-Display einer normaler Buchseite sehr nahe und ist deutlich angenehmer für die Augen, als das LCD-Display eines Tablets. Selbst in der Sonne ist der Bildschirm noch wie eine Buchseite lesbar. Die Beleuchtung sorgt für höhere Kontraste und die Möglichkeit, abends ohne eine weitere Lichtquelle zu lesen. Wen die enge Bindung an den Händler-Riesen Amazon und sein umfangreiches Angebot nicht stört, dem können wir den Kindle Paperwhite durchweg empfehlen.

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