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Western Digital Scorpio WD400VE

Seit einiger Zeit setzen die Hersteller bei der Konzipierung ihrer Laufwerke nicht mehr nur noch auf Geschwindigkeit, sondern auch auf ein niedriges Betriebsgeräusch. Gerade weil das Problem „Lautstärke“ bei den Festplatten noch nicht annähernd besiegt ist, rückt man mit einer 2.5“ Festplatte ein großes Stück entgegen. In diesem Review gucken wir uns das kleinste Modell der Western Digital Scorpio einmal genauer an und vergleichen diese mit einer konventionellen 3.5“ Festplatte.

Vorwort:

Seit einiger Zeit herrscht ein regelrechter Silent-„Wahn“ auf der gesamten Welt. Mit immer langsamer drehenden und teilweise auch komplett ohne Lüfter versucht die Industrie diesem Wahn nach zu kommen, was ihnen zugegebener Maßen teilweise auch sehr gut gelingt. Am Schluss bleibt in der Regel immer ein und die gleiche Lärmquelle übrig: Die Festplatte. Diesem Störfaktor ist die Industrie bis heute nicht wirklich Herr geworden, keine der angebotenen Möglichkeiten zur Ruhigstellung der Festplatten ist uneingeschränkt zu empfehlen. Deswegen steigen die Hersteller mit ein und produzieren immer leiser laufende Festplatten. Für ein durchschnittliches System sind die heutzutage erhältlichen Festplatten schon durchaus annehmbar in ihrer Lautstärke – entkoppelt oder gar gedämmt sind sie aus den meisten PCs nicht wirklich raus zu hören.
Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und somit reicht die Lautstärke heutiger Desktopfestplatten eben nicht jedem Benutzer aus. Das absolute Maß aller Dinge stellen hier die 2.5“ Notebook Platten dar. Es kursieren, hinsichtlich ihrer Lautstärke, viele Gerüchte. Mit der WD Scorpio haben wir uns einen Kandidaten aus der oberen 2.5“-Liga rausgesucht. Wie sich die Platte schlägt, und was sie einer durchschnittlichen 3.5“ Festplatte entgegen zu setzen hat, ist in dem Fortgang dieses Reviews zu sehen.

Spezifikationen:

- Notebook-Festplatte (2.5“)
- 5400 RPM
- 40GB (erhältlich in 40GB, 80GB, 100GB, 120GB)
- 12ms
- 8MB Cache (erhältlich in 2MB, 8MB)
- L100B70H9mm
- 2/2.5W (Idle/Last)

Äußeres:

Sie ähnelt einer 3.5“ Platte lediglich in groben Zügen. Die Ausmaße sind natürlich um Welten geringer als die, eines Desktop-Laufwerks. Was ebenfalls schnell auffällt, ist die allgemeine Festigkeit. Sie besteht aus verhältnismäßig wesentlich weniger massivem Material, als eine 3.5“ Platte. Letztere hat auf der Unterseite um die Platine rum millimeterdickes Metall – die Platine der Scorpio bedeckt fast die gesamte Platte und ist mehr oder minder ungeschützt. Wenn sie mit der Unterseite auf dem Boden liegt, hat die Platine direkten Kontakt mit dem Boden und ist nicht, wie bei einer 3.5“ Platte etwas hochgestellt. 2.5“ HDDs sind im Allgemeinen also wesentlich zerbrechlicher und filigraner als ihre großen Desktop-Kollegen.  
Auch wenn die Festplatte ein normales PATA Interface besitzt, ist der Anschluss etwas kleiner als der, einer Desktop Festplatte. Die Pins sind etwas kleiner und weiter zusammen gerückt.


   

   




Testsystem:

- VIA Epia TC6000
- 256MB SO DIMM DDR266
- 60W Notebook Netzteil
- Silicon Image Sil3112
- Maxtor 6B300S0




Montage:
Die Montage ist ein kleines Problem. Es ist nicht möglich eine 2.5“ Platte ohne „Hilfsmittel“ in einem Desktop System zu betreiben. Zum einen wird ein Adapter für den IDE-Port benötigt, zum anderen passt sie in keinen konventionellen Laufwerkskäfig. Es muss also ein passender Rahmen gekauft oder das handwerkliche Geschick auf die Probe gestellt werden. Beides gibt es zum Spotpreis bei eBay.
   

In der Regel sind Notebook-Festplatten ohne extra Stromversorgung lauffähig, der Adapter bringt aber einen Molex-Stecker mit sich, welcher an das Netzteil anzuschließen ist.

Danach unterscheidet sich die Scorpio nicht mehr von einer Desktopfestplatte. Kabel an das Mainboard anschließen und die entsprechenden BIOS-Settings setzen.


Leistung:

Natürlich kann man von einer Festplatte mit 5.400RPM, 2W Verbrauch und der Größe eines Personalausweises nicht viel an Leistung erwarten. Trotzdem sind wir mit sowohl der gemessenen als auch mit der gefühlten Geschwindigkeit zufrieden. Sie fühlt sich absolut nicht langsamer an, als eine 3.5“ Festplatte mit 5.400RPM und reicht somit für nahezu alle alltäglichen Anwendungen mehr als aus. Dass die Scorpio keine Konkurrenz zu aktuellen SATA Platten darstellt, sollte klar sein.



Zum Vergleich noch das HD Tach Ergebnis der Maxtor:


 
Lautstärke & Wärmeentwicklung:

Die Western Digital Scorpio wird ihrem Ruf als Leisetreter in vollem Umfang gerecht. Mehr noch, sie hat mich regelrecht „vom Hocker gehauen“. Im Leerlauf ist sie leiser als ein Yate Loon D12SL bei 5v. Vibrationen sind fast keine zu vernehmen, dennoch hört man einen Unterscheid zwischen entkoppelt und nicht entkoppelt. Ein optimalen Kompromiss aus Kosten, Aufwand und Nutzen stellt unserer Meinung nach eine Entkopplung mittels ein paar handelsüblichen Gummibändern im 3.5“ Schacht dar. Bei einem geschlossenen Gehäuse und den üblichen Nebengeräuschen (Lüfter usw.) ist die Scorpio dann nicht mehr hörbar. Da aber wie gesagt praktisch keine Vibrationen vorhanden sind, ist selbst das fast nicht nötig.
Mit Hilfe von kleinen Tools wie Silentdrive lässt sich das AAM der Platte aktivieren und einrichten, aber auch das ergibt wenig Sinn. Die Platte wird nur unnötig langsamer.
Dennoch wollten wir aus der Platte alles an Stille herausholen, was nur ging und haben eine Bitumenbox angefertigt. Im Großen und Ganzen ist es die gleiche Box, wie man sie auch für 3.5“ baut, sie ist nur nach innen hin weiter mit Bitumen ausgekleidet. 
   

   



Uns ist sehr wohl bewusst, was es bedeutet, wenn man von „Lautlosigkeit“ spricht. Hierbei möchten wir aber in Erwägung ziehen, die Sache als nicht mehr wahrnehmbar ab zu haken. In komplett passiven Systemen wäre es also doch sinnvoll, die Scorpio noch in eine Bitumenbox bzw. allgemein in eine Dämmung zu verfrachten. Aber auch an dieser Stelle sie gesagt, dass handelsübliche Festplattendämmungen zu groß sind und modifiziert werden müssen, dass sie passgenau für eine 2.5“ Platte verwendet werden können.

Die geringe Stromaufnahme von nicht einmal 3W lässt auf letztendlich sehr niedrige Temperatur schließen. In der Praxis hat uns das Laufwerk aber erneut überrascht: Auch nach 2h Betrieb war kein fühlbarer Temperaturunterschied vorhanden – Everest gab einen Anstieg der Temperatur von gerade einmal 3°C an.


Abwiegung:

Positiv: Negativ:
- Leise! - Ein Adapter wird benöigt!
- Platz und Strom sparend

- Teuer im Verhältnis zu 3.5" Festplatten

- Geringe Wärmeenwicklung



Fazit:

Ein Leistungswunder ist die Scorpio nicht, dennoch reicht sie absolut für alle alltäglichen Anwendungen aus. Überzeugen konnte sie mit unglaublich niedriger Wärmeentwicklung und natürlich einer enormen Laufruhe. An die von der Scorpio aufgewiesene Stille kommt keine 3.5“ Platte auch nur annähernd dran. Durch die geringe Wärmeentwicklung stellt eine Dämmung absolut kein Problem dar, ist aber nur in wirklich lautlosen Systemen sinnvoll. Aus einem Rechner, welcher lediglich als „leise“ zu bezeichnen ist, ist die Festplatte auch im unentkoppelten  Zustand nicht raus zu hören.
Für extreme Silence-Vorhaben empfehlen wir also ausdrücklich die Scorpio-Reihe von Western Digital.

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