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AMD 7-Series Chipsatz: Gigabyte 790FX DQ6 vs. Sapphire Pure 790FX

Vor etlichen Monaten stellte AMD die neue Spider Plattform vor und gab damit einen ersten Einblick auf die zukünftige Plattformstrategie. Zwei Teile dieser Plattform, den Phenom Quadcore und die neue HD Grafikkartenserie, stellten wir in den letzten Monaten ausführlich vor und nach einer Verspätung wollen wir uns nun an dieser Stelle dem letzen Puzzleteil widmen.

Genauer geht es um den neuen 790FX Chipsatz, welcher das neue Flaggschiff beim Angriff auf die Vorherrschaft von Nvidia ist. AMD bläst zum direkten Performanceangriff und widmet sich aktuellen Themen, um sich endlich wieder als gute Chipsatzschmiede zu etablieren. Ob dieser Angriff gelingt, oder ob es doch nur viel heiße Luft ist, werden wir wohl heute sehen.  


Wir danken an dieser Stelle auch Gigabyte und Sapphire, welche uns freundlicherweise Testsamples zur Verfügung stellten.  

  AMD 790FX:   Die letzten Chipsätze, damals noch von ATI, hatten ein großes Problem die Akzeptanz zu überwinden, denn trotz guter Performance leideten sie noch unter kleineren Kinderkrankheiten. Diese kamen leider immer eher von der mageren Ausstattung der SB600 Southbridge, welche hinzu kommend auch noch leichte Performanceschwächen hatte. Die derzeitigen Boards verfügen zwar noch immer über die SB600 Southbridge, doch wird hier meist durch Zusatzchips nachgeholfen. Später in diesem Jahr soll diese durch die SB700 abgelöst werden. Jene soll dann alle bisherigen Probleme beseitigen. Die neue Northbridge Familie hingegen macht eigentlich alles richtig, was man richtig machen kann. Zum einen ist sie die erste, welche in 65nm gefertigt wird und dadurch im Vergleich zu anderen Herstellern wesentlich weniger Abwärme erzeugt (ca. 10W). Zum anderen hat man auch Performanceoptimierungen integriert, welche das freie Overclocking auf AMDs Plattformen nicht neu definiert, aber zu mindestens sehr gut erweitert. So stiegen die Overclockingfähigkeiten, wie wir später sehen werden, in neue Dimensionen und die Erweiterung auf CrossfireX birgt neue Möglichkeiten bei der Grafikperformance. Denn so gab man dem 790FX volle 42 PCIe Lanes mit auf den Weg. Daraus resultieren also 2-mal PCIe 16x bzw 4-mal PCIe 8x, der alte 580X war höchstens zu einer 8x8 oder 16x4 Kombination in der Lage.    

  Sapphire Pure CrossfireX 790FX:     Technische Ausstattung und Zubehör:   Was die Anschlüsse angeht, bietet Sapphire mit dem DFI Klon eine gute Grundausstattung, welche alle wichtigen Bedürfnisse abdeckt. Rein technisch nutzt man so die maximal Möglichen, die die SB600 bereitstellt und erweitert sie durch Zusatzchips für z.B. zwei zusätzliche Sata Plätze. Einzig was die maximale Nutzung an PCIe Lanes angeht, spart man sich einen 16x PCIe Kanal. So stattet man das Board nur mit dreien aus statt vieren.       Was das Zubehör angeht, ist es recht ungewöhnlich einem Overclocking Board eine VoIP Karte bei zu legen, doch so können die OCer wenigstens immer schnell die Freunde anrufen, um neue Rekorde zu verkünden. Ansonsten zeigt sich beim Soundkartenmodul erneut die Verwandschaft zum DFI Board. Das restliche Zubehör zählt zum Standard:
  • Hanbuch
  • Treiber CD/Diskette
  • IDE / Floppy Rundkabel
  • 4x Sata Kabel
  • 2x  4Pol auf  2x Sata Adapter
  • VoIP Karte
  • Bernstein Audio Modul
  • Rückblende
  • 4x Jumper
   
      Layout:   Auf den ersten Blick kommt das Sapphire Derivat sehr dezent daher. Das schwarze PCB wird viele Windowshoper freuen, und auch die dezente Farbgestaltung kann durchaus überzeugen, ohne sich zu grell vom Rest abzusetzen. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist wohl jedem selbst überlassen. Die fast schon minimalistisch wirkenden Chipsatzkühler enden in einem massiven Alukühlkörper, welcher direkt über den Spannungswandlern liegt.   Die Spannungswandlersektion stellt mit seiner digitalen Auslegung auch eine Seltenheit dar. Über deren Vor- und Nachteile kann man aber ebenfalls streiten. Rein technisch verzichtet man zwar auf einen PCIe 16x Sockel, doch dies hat den Vorteil, dass man ohne weiteres drei Dualslot Graphikkarten verbauen kann.   Des Weiteren entgeht man mit den 4 um 90° abgewinkelten Sata-Anschlüssen dem Problem aus dem Weg, das Karten, wie eine 8800GTX oder HD3870 X2 diese versperren und eine Nutzung kaum möglich machen. Die beiden Unteren können dabei leider unbrauchbar gemacht werden, da diese im vollen Einzugsgebiet eines Dualslot Kühlers liegen. Die Platzierung der restlichen Anschlüsse wie IDE, Floppy oder Strom sind gut erreichbar und lassen kaum Kritik an deren Position zu. Um gerade Overclocker anzusprechen, sind auf der Platine extra Power- und Resetbutton verlötet, wie auch eine passende Post Anzeige. Einziger Nachteil ist, dass es im Handbuch keine Encryption Page gibt. Diese steht bei Sapphire aber zum Download bereit. Ein weiterer negativer Aspekt ist die Verwendung zweier Floppystecker zur extra Stromversorgung der PCIe Slots. Kaum ein Mensch nutzt aber noch Diskettenkaufwerke, geschweige denn, dass jedes Netzteil zwei dieser Stecker hat. Hier wäre die Nutzung normaler 4-Pol Stecker besser gewesen. Davon abgesehen behält man mit dem Board immer einen kühlen Kopf, denn immerhin 6 Lüfteranschlüsse sind nicht von schlechten Eltern. Dabei können diese alle per Lüftersteuerung kontrolliert werden.    
      Bios:   Beim Bios sei soviel gesagt: Wer DFI kennt, wird sich hier pudelwohl fühlen. Einstellungen satt. Kompromisse sind dem Bios ein Fremdwort und so kann man so gut wie alles ändern und einstellen. Einziger negativer Aspekt, den das Bios hier und da zeigt ist, dass vor allem unter der Nutzung eines Phenoms einige Einstellungen etwas versteckt sind und man bei diversen Multiplikatoren mit Hex Code arbeiten muss. Dieser Umstand könnte selbst einige Profis etwas aus dem Gleichgewicht bringen. Für die, die es während der OC Session immer leid sind alles neu einstellen zu müssen, gibt es einen Einstellungsspeicher. Doch lassen wir die Bilder sprechen:    
    Gigabyte 790FX DQ6     Technisches und Ausstattung:   Die Ausstattung des Gigabyte Boards gehört eindeutig in die Premiumklasse, denn es bietet nicht nur die standardmäßigen USB Anschlüsse, sondern deckt das Angebot zusätzlich noch mit SPDif, Optical und eSata ab. Alles in allem bietet das Board so über eine externe Blende ganze vier eSata  Plätze.     Das übrige Zubehör reiht sich in die Region hochwertiger Standard ein. Sata-Kabel mit Metallverriegelung und natürlich passende eSata Kabel.  
      Layout:   „Willkommen auf dem Rummelplatz“ wäre wohl der erste Gedanke, den man beim Anblick der Spitzenmodels von Gigabyte in den Kopf bekommt. Bunte Farben überall und von Jedem etwas. Ein blaues PCB und meist Gelb/Orange Töne bilden dabei aber eine harmonische Einheit und werden jeden Modding Menschen freuen. Und halt die, die auf Farben stehen.   Was das Cooling angeht, so geht ist man dann nicht ganz so spektakulär, was aber eher an der geringen Abwärme des 790FX liegt. Die Küpferkühlkörper sind per Heatpipes verbunden und enden in einem Kühler über den Spannungswandlern. Dazu kommt noch eine rückwärtige Kühlung des PCBs an der CPU, North- und Southbridge. Leider zeigt sich gerade beim filigranen Northbridgekühler das Problem der Größe. Denn mit der Halterung eines Scythe Mugen kommt man hier ins arge Bedrängnis, da dessen Klappbügel an den Kühllamellen hängen bleibt und nur mit gutem Zureden und eleganter Gewalt dazu zu überreden ist, die Kurve zu bekommen. Weitere Platzprobleme bekommt man auch beim Sata Quartett rechts neben den PCIe Slots. Auch wenn Gigabyte passende abgewinkelte Sata Kabel im Zubehör beigelegt hat, blockiert der dritte Slot im Ernstfall alle vier Kanäle. Auch die Platzierung des extra 4 Pol Anschlusses am unteren Ende des Boards ist, wie bei vielen anderen auch, ungünstig gewählt. Beim Rest ist dann aber wieder alles ok, so ist IDE, Floppy und Strom gut verteilt und im bei der Montage gut zu erreichen.   Der wohl den größte und negativste Aspekt ist die schon etwas unbrauchbare Verteilung der PCIe Plätze. Es ist zwar wunderbar, dass man das volle Potenzial des 790FX zeigen will, doch wird man hier auf Singleslot GPUs beschränkt, zu mindestens wenn man Quadcrossfire realisieren will. Jeder, der also mehr als ein Mittelklasse Quadcrossfire System aufbauen will, ist fast zu einer
Wasserkühlung gezwungen.   Zu guter letzt sei zu bedauern, dass es Gigabyte noch nicht geschafft hat auf seine High End Board durch aus sinnvolle Power und Resetbuttons zu verbauen. Ein optionale Post Anzeige ist kein Muss, wird in der Klasse aber durch aus zum Standard, fehlen tut sie auf dem Gigabyte ohnehin.        
    Bios:   Hier geht man konform mit den Ansprüchen an ein komfortables wie auch funktionell gutes Overclocking Bios, in dem man alles findet, was man braucht. Großartige Eingewöhnungsprobleme hat man kaum, da alles recht gut strukturiert ist und es auch an Einstellungen kaum fehlt. Im Vergleich zu DFI kann man aber durch aus mithalten. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren gönnt man auch dem Gigabyte Bios einen großen Speicher für mögliche Settings. Während der Testphase stellten wir nur im Zusammenhang mit unserem AMD Phenom Probleme fest und dann auch nur beim Overclocken. Denn ab ca. 2,9 Ghz neigte unser Bios zu Freezes, in wie weit das auch mit dem Memory Controller des Phenom zusammenhängt, konnten wir leider noch nicht herausfinden.        
      Performance:   Nach der Vorbetrachtung wollen wir uns der Bilder abwenden und die Zahlen sprechen lassen. AMD sieht in dem 790FX den High End Chip für AMD Systeme und so muss er sich auch gegen seinen Gegenspieler, den 590SLI von Nvidia, entgegensetzen. Doch auch muss er verlorene Ehre wieder herstellen, die man mit der 4er und 5er Generation verloren hat. Alles in Allem lastet also ein hoher Druck auf den AMD Platinen, die Foxconn Platine mit dem 590SLI in die Schranken zu weisen, um so die Ehre zu wahren.             AMD ist mit dem neuen Chipsatz wahrlich ein ebenwürdiger Gegner gelungen, welcher die Konkurrenz sogar in die schranken zu weisen weiß. Die Werte von 790FX und 590SLi liegen nah bei einander. Der 790FX kann sich dabei aber positiv absetzen und rangiert so leicht vor dem 590SLI. Zumindest ist das so, so lang man mit dem Gigabyte Board vergleicht. Dieses kann deutlich stärker Punkten als die Sapphire Platine. Die Performanceprobleme der Sapphire Platine sollten sich aber nicht nur auf die rein synthetischen Test beschränken,....     ... sondern bleiben auch bei unseren Game Tests bestehen. Woher das Problem bei Sapphire kommen, bleibt uns schleierhaft. Bei den Game Tests handelt es sich in allen Fällen um integrierte Benchmarks oder selbst erstellte Savegames.     In den Games kann sich das Gigabyte 790FX DQ6 teilweise deutlich von der der Foxconn Platine absetzen. Die vorher, bei der Sapphire Platine, festgestellten Performanceprobleme scheinen nicht mehr das Thema zu sein. Zumindest solang man nur das Dualcore System betrachtet. Im Quadcore Vergleich muss sich das Pure 790FX dann aber doch wieder gegen das Gigabyte geschlagen geben. Am Ende bleibt also ein fader Beigeschmack.   Overclocking:   Natürlich haben wir die neuen Boards auch auf den Overclocking Prüfstand gestellt, um zu sehen, welche Ressourcen sie zum vergnügten Taktschrauben zur Verfügung stellen. Damit wir die volle Leistungsfähigkeit der Boards unter Beweis stellen können, verwendeten wir für den OC Test unseren Athlon 64 X2 6000+, da die Phenoms zu schnell mit der HT Wall zu kämpfen haben. Dessen zu Grunde liegend begannen wir alles für den HT Run vorzubereiten, wobei keines der Boards mit Spannungen etc. geizte und diese auch ohne wiederrede übernahm. Die Ergebnisse waren verblüffend. Erreichten wir mit dem Sapphire Board noch den höchsten Takt unter Standardspannungen, dieser lag immerhin ca. 10-15mhz über der Konkurrenz, zog das Gigabyte mit erhöhten Spannungen auf und davon. Ganze 410Mhz lies das 790FX DQ6 zu und liefert damit eines der besten Ergebnisse überhaupt. Bei der Pure 790FX Platine gab es dafür Probleme bei der Spannungsannahme und so rangierte es mit "nur" 330Mhz auf dem dritten Platz.     Voller Frohmut gingen wir so nun ans übertakten des Phenoms. auf der Sapphire Platine gestaltete sich das hinsichtlich kleiner Bios Probleme und Verweigerung der Multiplikatorannahme und kleineren Spannungsprobleme schwer. So erreichten wir auf dem Board maximal 2,8Ghz. Das Gigabyte hingegen war auch hier großzügiger, wenn wir auch hier einige Probleme mit dem Bios hatten, welche sich darauf bezogen, dass ab ca. 2,9Ghz das Bios dazu neigte zu Freezen. Schlussendlich konnten wir mit dem Gigabyte einen maximalen Takt von knapp über 3Ghz verbuchen. Stabil lief der Kern bis immerhin 2,9Ghz.   FAZIT:       Unsere Fazit Tabelle versucht nun noch einmal einen kleinen Überblick zu geben. Und so offenbaren sich auch auf schnellen Blick die Stärken und Schwächen der Boards. Zum Beispiel ist nun ersichtlich, dass sich Gigabyte die Performance auch mit dem höchsten Stromverbrauch auf die Brust schreibt. Sapphire und Foxconn liegen fast gleich auf, auch wenn sich das Pure 790FX einen kleinen Ausrutscher bei einem hohen IDLE Verbrauch leistet. Um die Boards in irgendeiner Hinsicht bewerten zu können, haben wir für das Review einen Mainboard Index eingeführt, welcher als Performance/Watt Index gehandelt werden muss. Er errechnet sich aus dem Produkt von synthetischer und 3D Leistung durch den maximal Verbrauch der Testkandidaten. Somit besteht auch eine Chance für Verbrauchsärmere und Leistungsschwächere in dem Index mit zu rangieren.   So lässt sich abschließend sagen, dass vor allem das Gigabyte Board aus der Masse hervor sticht. Es zeichnet sich nicht nur durch eine gute Ausstattung aus, sondern kann gleichfalls mit einer feldführenden Performance trumpfen. Auch wenn man sich dies durch den höchsten Stromverbrauch bezahlen lässt. Beim Preis ist man dann aber wieder auf der guten Seite, zu mindestens im Vergleich zum Sapphire Board. Denn es stehen 160€ (Gigabyte) gegen ca. 195€ (Sapphire). Wenn man hier noch die Performanceprobleme der Sapphire Platine heranholt, sucht man nach echten Argumenten für das Board. Jedenfalls zeigten sich während des Reviews keine. Preis und Leistung stimmen einfach nicht bei der Sapphire Variante. Hingegen kann das Gigabyte mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis punkten. Man zeigt die besten Seiten des neuen 790FX und präsentiert Eindrucksvoll dessen Stärken. So verdient sich dieses Board auch ehrenhaft eine Redaktionsempfehlung. Auf Platz zwei wollen wir aber auch das Foxconn 590SLI Board loben, da dieses auch heute noch zu einem der Besten Boards für die AMD Dualcore Prozessoren gehört. Und mit um die 75€ ist das Board auf jeden Fall eine Sparempfehlung für alle, die noch auf Quadcore verzichten können.      
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