Digitalradio – Ein Überblick

Digitalradio – das ist seit dem 1. August das Zauberwort. Seitdem werden in Deutschland 12 Radiosender überregional über den DAB+ Standard (DAB: Digital Audio Broadcasting) ausgestrahlt, und das alles digital. Damit ist zumindest etwas Ruhe eingekehrt, denn die Digitalisierung des deutschen Hörfunks ist seit Jahren ein undurchdringliches Thema. Nun herrscht Klarheit: Der einheitliche Standard wird DAB+ sein, er soll den analogen UKW-Rundfunk langfristig ersetzen.
Doch um was genau handelt es sich beim neuen „Digitalradio“? Was sind die Vorteile gegenüber dem normalen Rundfunk und dem Internetradio? Welche Endgeräte stehen überhaupt zur Wahl, und wie funktioniert die Technik? Wo kann DAB+ empfangen werden, und welche Sender gibt es? All das, und was man sonst noch über Digitalradio wissen sollte, erfahren Sie hier!

Digitaler Hörfunk – Radio im 21. Jahrhundert
Das Digitalradio im DAB+ Standard ist der designierte Nachfolger des normalen, kurzwelligen UKW-Rundfunks. Die Umstellung des Hörfunks auf Digitaltechnik bringt entscheidende Vorteile mit sich und ist auch allein deshalb vonnöten, weil die Frequenzkapazitäten für das analoge Radio erschöpft sind und neue Programme im UKW deshalb nicht mehr auf Sendung gehen können (so etwa die Sender 90elf, Radio Absolut und Radio Horeb, siehe Empfangsgebiete & Sender). Der DAB+ Standard erlaubt es, innerhalb eines sehr kleinen Frequenzbereichs zahlreiche Sender gleichzeitig zu verbreiten (siehe Technik), und bietet so eine höhere Programmvielfalt als der analoge Rundfunk. Die Einführung des Digitalradios ist darüber hinaus eine Reaktion auf die zunehmende Rolle des Digitalen in allen Lebensbereichen und soll dem Medium Radio, das derzeit hierzulande noch größtenteils durch die überalterte Analog-Technik verbreitet und empfangen wird, neuen Schwung geben.
Automatische Sendererkennung
Nachdem das Empfangsgerät seinen Sendersuchlauf durchgeführt hat, werden beim Digitalradio alle verfügbaren Sender erkannt und können frei angewählt werden. Damit entfällt die mühsame, manuelle Suche nach dem richtigen Sender über das gesamte Frequenzspektrum und das Radio findet stets die perfekte, störungsfreie Einstellung. So erhält der Hörer außerdem eine gute Übersicht über die empfangbaren Programme. Da jeder Sender eine feste Frequenz hat, die sich auch zwischen den unterschiedlichen Empfangsgebieten nicht ändert, entfällt außerdem die Neueinstellung beim Verlassen eines Sendernetzes, und der Empfang verschwindet auch im Grenzbereich zwischen zwei Sendegebieten nicht, da sich die Signale unterschiedlicher Sendetürme auf der gleichen Frequenz gegenseitig verstärken.
Perfekter Empfang – auch im Auto
Mit der Einführung des digitalen Radios gehört das vom UKW-Rundfunk gewohnte Rauschen und Knistern der Vergangenheit an. Bei DAB+ werden die verfügbaren Programme stets einwandfrei und ohne Störungen empfangen, was wiederum der digitalen Technik zu verdanken ist, die zahlreiche Korrekturverfahren im Empfänger ermöglicht. Damit ist die Empfangsqualität auch unabhängig von der verwendeten Antenne stets sichergestellt. Auch im Auto gibt es keinerlei Probleme. DAB+ ist sogar bei höheren Geschwindigkeiten von über 200 km/h ohne Komplikationen empfangbar und somit auch auf der Autobahn uneingeschränkt verfügbar. Zahlreiche Autohersteller haben bereits auf den neuen Standard reagiert und bieten ab Werk Autoradios mit DAB+ an.
Gute Tonqualität
Die Digitaltechnik ermöglicht es, dass DAB+ eine exzellente Klangqualität bietet. Diese kann zwar von Programm zu Programm und von Sendung zu Sendung variieren (siehe Technik), jedoch ist eine CD-ähnliche Klangqualität ohne Weiteres möglich. Damit kann man Musik im Radio besser genießen, und auch klangstärkere Lautsprecher werden ausgereizt. Die digitale Komprimierung macht es möglich, dass auch bei niedrigen Bitraten qualitativ hochwertige Signale ausgestrahlt werden, die dem analogen Hörfunk in der Tonqualität weit überlegen sind. Mehr dazu in Technik.

MOT (Multimedia Object Transfer Protocol): Programmbegleitende Zusatzinformationen
Beim Digitalradio können neben der Audio-Spur auch weitere Datensätze terrestrisch übertragen werden, die dann über das Display des Empfangsgerätes wiedergegeben werden (Videos sind dabei nicht möglich). Als Ersatz für das vom UKW-Funk bekannte RDS (Radio Data System) gibt es nun DLS (Dynamic Label Segment), welches bis zu 128 Zeichen lange Texte erlaubt.
Darüber hinaus bietet das Digitalradio einige interessante Zusatzdienste, die entweder programmbezogen (PAD, programme-associated data) sein können oder unabhängig mitgesendet werden (NPAD). Zu den programmbezogenen Diensten können zum Beispiel Informationen über den aktuell gespielten Musiktitel, wie z.B. Interpret, Titel, Album, Album-Cover oder Songtexte gehören. Auch andere Informationen über die Art und den Namen der aktuellen Sendung, deren Moderator, Thema, oder Studio-Gast können mitgesendet werden.
Die eigenständigen, unabhängigen Datenströme können beispielsweise Nachrichten-Ticker, Börsendaten, Wettervorhersagen in Form von Text und Bild, aktuelle Verkehrsnachrichten (TA, traffic announcement) oder einen elektronischen Programmführer (EPG) enthalten.
Weiterhin sind einige interessante, interaktive Funktionen mit DAB+ möglich. So könnten Werbespots durch Informationen ergänzt werden, und Produkte könnten auf Knopfdruck direkt gekauft werden. Außerdem sind bei DAB+ Abstimmungen möglich, sodass ein Moderator etwa auf Basis der Hörermeinung entscheidet, welche Musik er auflegt. Je nach Endgerät kann man bei DAB+ sogar das gehörte Programm zu pausieren, zurückzuspulen, digital aufzunehmen oder auf vergangene Sendungen per on-demand zuzugreifen.
DAB – Der gescheiterte Standard
DAB (Digital Audio Broadcasting) war der ursprüngliche deutsche Digitalradio-Standard, der den analogen Rundfunk in Deutschland beerben sollte und mit der Kompressionsmethode MP2 arbeitet. In dieser Form ist das Digitalradio schon jahrelang auf Sendung, in Bayern sogar schon seit 1995, konnte sich aber nie durchsetzen, was die Entwicklung des verbesserten DAB+ Standards nach sich zog. Die Probleme von DAB waren vielfältig: Man optimierte den Standard für den Empfang im Auto, dafür war der Empfang in geschlossenen Gebäuden aufgrund der zu niedrigen Sendeleistung teilweise mangelhaft. Darüber hinaus waren geeignete DAB-Radios rar gesät und teuer. Diese technischen Nachteile führten dazu, dass es kaum Sender und Werbepartner gab, die sich für das System interessierten. Der nun eingeführte, wesentlich empfangsstabilere DAB+ Standard ist DAB weit überlegen, vor allem, da er das AAC+ Format zur Komprimierung der Audio-Signale nutzt, das doppelt so effizient wie das bei DAB verwendete MPEG-2 Verfahren arbeitet. Dadurch können bis zu dreimal mehr Sender in einem Multiplex versendet werden, was die laufenden Kosten senkt. Außerdem sind die Zeiten zum Programmwechsel in DAB+ deutlich kürzer und es besteht die Möglichkeit, 5.1 Surround Sound zu übertragen.
Digitalradio International
Zahlreiche europäische Länder sind im Bezug auf die Digitalisierung des Hörfunks bereits weiter als Deutschland und besitzen funktionierende und etablierte digitale Rundfunksysteme. So dürfen in Frankreich ab 2014 ausschließlich Radios mit Digitalempfänger verkauft werden. In Dänemark besitzen bereits 34 Prozent der Haushalte ein digitales Empfangsgerät, womit theoretisch 90 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. Auch 32 Prozent der britischen Haushalte besitzen bereits ein Digitalradio. Großbritannien will 2015 vollständig von analog auf digital umstellen – allerdings nur, wenn mindestens 50 Prozent der Radionutzung digital erfolgt; momentan sind es 24 Prozent. Auch weltweit zeigt sich der Trend zum digitalen Hörfunk: Neben den genannten Ländern besitzen auch Norwegen, die Schweiz, Italien, Kanada, Singapur, Südkorea, China sowie Australien Digitalradio-Netze, sodass weltweit mehr als 500 Millionen Menschen über 1.000 digitale Programme empfangen können.
Quellen & weiterführende Links
www.bayerndigitalradio.de/background/technik
Bayerische Landeszentrale für neue Medien - Digitalradio FAQ [PDF]
CT-aacPlus – A state-of-the-art audio coding scheme [PDF]
MPEG-4 HE-AAC v2 – audio coding for today's digital media world [PDF]
Codingtechnologies.com - Spectral Band Replication explained [PDF]
de.wikipedia.org/wiki/Digitalradio
de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Audio_Coding
www.autodino.de










Kommentare (6)
Horst58
Datum: 17.08.2011
Die Zukunft ist hier schon Schnee von gestern.
Ich kann nur sagen, daß ich schon seit mehr als nur ein paar Tagen vom neuen Digitalradio begeistert bin.
Immer und überall ohne Störungen Radiohören war ja mit der normalen UKW-Übertragung schlichtweg unmöglich.
Jetzt gehts.
Nachteil ist, daß man, weil (hier) für die UKW-Versorgung nur noch schwache Sender am Werkeln sind, mit einem herkömmlichen Radio nicht weiter als 20 bis allerhöchstens 30 km vom Senderstandort was zu hören bekommt.
Manche Automobilisten, die sich noch immer kein neues Autoradio zugelegt haben, sind ganz schön am Kot... (Bröckelhusten haben).
entwurfung
Datum: 17.08.2011
Horst58
Datum: 17.08.2011
entwurfung
Datum: 17.08.2011
na ja, das radioprogramm ist da sowiso scheiße
Horst58
Datum: 17.08.2011
Dafür hörts sich aber oft (be)rauschend an.
Für Radio Alfa und Radio Skive, die meiner Meinung nach ein sehr gutes Programm bieten, gilt die oben genannte Regel auf jeden Fall. Kaum bist Du auf Thy, ists aus mit dem Empfang über UKW.
NRJ und DR Boogieradio, also echte Jugendprogramme gibts über UKW sowieso nicht.
Selbst DR P1 bis DR P4 werden ihren Sendebetrieb, so ists jedenfalls schon mal vorsichtig angekündigt, bis 2015 einstellen und schon vorher die Sendeleistung reduzieren.
entwurfung
Datum: 17.08.2011
oder einfach daran, dass sender die metal spielen, und das sollten sie, damit ich sie für gut erachte, sowieos kaum existieren.
Hier kann man sich die ganze Digitalradio – Ein Überblick Diskussion anschauen