Hallo allerseits. Ich habe gesehen, dass ihr fleißig über Abi Themen diskutiert (Mauvaise Rencontre) und weil mir der Beitrag geholfen hat, würde ich euch auch paar meiner Arbeiten zeigen.
Der historische Kriminalfall
Historisches Vorbild für das Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner ist der 41-jährige Perückenmachergeselle Johann Christian Woyzeck (1780-1824). Am 21.Juni 1821 erstach dieser aus Eifersucht seine 46-jährige Geliebte Johanna Christiane Woost in einem Hausflur in der Leipziger Sandgasse. Woyzeck war langzeitig arbeitslos und obdachlos. Nach der Tat wurde er sofort verhaftet und es begann ein langer Rechtsstreit um die Zurechnungsfähigkeit Woyzecks. Zu Beginn wurde er 1821 zum Tode durch das Schwert verurteilt, 1822 ein zweites Mal und schließlich wurde die Hinrichtung auf den 13. November 1822 verschoben. Der Grund für die Aussetzung der Hinrichtung waren neue Zeugenaussagen, die die Vermutung aufkommen ließen, dass Woyzeck doch geisteskrank war. Letztlich erstellte der Medizinprofessor Johann Christian August Clarus zwei Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Somit endete der dreijährige Prozess Woyzecks und dieser wurde am 27.August 1824 öffentlich auf dem Leipziger Marktplatz hingerichtet.
In den nächsten beiden Jahren führten die Gutachter ihre Auseinandersetzungen weiter und veröffentlichten ihre Untersuchungen und Ergebnisse in Broschüren und Zeitschriften. Das Clarus-Gutachten mit dem Titel „Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders J. C. Woyzeck, nach Grundsätzen der Staatsarzneikunde aktenmäßig erwiesen“ erschien in dem Fachblatt „Henkes – Zeitschrift für die Staatsarzneikunde“. Georg Büchners Vater war Mitarbeiter dieser Zeitschrift. Im Haushalt der Büchners existierten die gesammelten Jahrgänge der Zeitschrift. Als Medizinstudent und während seines Aufenthalts im Elternhaus las Büchner die Gutachten im Herbst 1834. Aus dieser Zeitschrift hat Georg Büchner wahrscheinlich auch die Informationen über den Tabakspinnergesellen Daniel Schmolling, der seine Geliebte Henriette Lehne in der Hasenheide bei Berlin am 23.September 1817 umbrachte, und über den Leinenwebergesellen Johann Dieß, der seine Geliebte Elisabeth Reuter in der Nähe von Darmstadt am 15.August 1830 erstach.
Kürzlich wurde der Forschung eine mögliche neue Quelle zugänglich: Am 15.April 1816 ermordete der Schustergeselle Johann Philipp Schneider den Druckergesellen Bernhard Lebrecht vor dem Rheintor in Darmstadt. Schneider konnte seine Schulden nicht bezahlen. Anschließend reinigte dieser seine Hände und sein Gesicht am Bessunger Tor in Darmstadt. Außerdem wusch er seine Kleidung in dem See „Der Große Woog“ und erholte sich nach der Tat in einem Wirtshaus. Schneider wurde überführt, da ein Barbier die Leiche fand und anschließend die Polizei verständigte. Die Polizei bewies anhand seiner Mordwaffe, dass Schneider schuldig ist und er wurde verurteilt und hingerichtet.
Dieser Fall wurde 1816 vom Stabs-Auditeur Friedrich Schenk veröffentlicht und letztlich vom Darmstädter Hofgerichts-Advokat Philipp Bopp 1834 in einem Sammelband ausgewählter Fälle aufgenommen. Es lässt sich nicht hundertprozentig nachweisen, dass Büchner die Veröffentlichung kannte, doch Büchner könnte Bopp über gemeinsame Bekannte aus dem Kreis radikaler Demokraten in Darmstadt kennen gelernt haben. Im Großen und Ganzen lässt sich jedoch eindeutig sagen, dass einige Parallelen zu Büchners Drama deutlich sichtbar sind.
Wenn erwünscht ist, schreibe ich hier noch weitere Informationen über Woyzeck. Meldet euch


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