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Der gläserne Mensch: Nichts bleibt mehr geheim

George Orwell hätte an unserer Gesellschaft keine Freude, denn die düsteren Zukunftsvisionen, die er in seinem Science-Fiction-Roman „1984“ niedergeschrieben hat, sind nach Ansicht vieler Beobachter bittere Realität – leider! Menschen werden, egal ob on- oder offline, komplett durchleuchtet und ihre Daten für sammelwütige Geheimdienste (egal ob die amerikanische NSA, die britische GCHQ oder der deutsche BND) sowie gewerbliche Zwecke missbraucht.

Offline-Überwachung

Was nun klingt, wie die Worte eines paranoiden Bürgers, ist wahr und lässt sich an zahlreichen Beispielen belegen. Die Überwachung beginnt bereits beim Einkaufen, schließlich besitzen viele Menschen eine so genannte „Payback-Karte“. Mit dieser lassen sich bei jedem Einkauf sogenannte "Punkte" sammeln, die dann in Form von Prämien, Warengutscheinen oder sogar Bargeld ausgezahlt werden können. Die Konzerne machen das allerdings nicht aus reiner Nettigkeit, was sie treibt, ist die Hoffnung auf Kundenbindung und Neugier; schließlich werden beim Scannen der Karte die Kundennummer, das Datum, die Filiale, der Umsatz sowie die Warengruppe übertragen. So lässt sich spielend einfach nachvollziehen, wo Lieschen Müller ihre Kosmetika kauft, wie viel sie dafür ausgibt und wann sie nicht zuhause ist. Die Payback-Karte ist vielleicht die harmloseste Form der Bürgerüberwachung, jedoch bildet sie den Einstieg (wobei hier alle betroffenen Kunden selbst schuld sind, denn zum Gebrauch dieser Karten wird niemand gezwungen).

Wem das oben genannte Beispiel noch nicht ausreicht, dem sei die E-Card der gesetzlichen Krankenkassen ans Herz gelegt. Auf dieser werden aktuell zwar „nur“ der Vor- und Nachname, das Geburtsdatum, die Sozialversicherungsnummer sowie der akademische Grad (uns entzieht sich leider der Grund hierfür) gespeichert, doch die wichtigen Informationen lassen sich mit jedem handelsüblichen Kartenlesegerät und kostenlosen Tools problemlos auslesen. Verschlüsselungsoptionen gibt es nicht und es ist nur eine Frage der Zeit, bis darüber entschieden wird, wann auf der Chipkarte noch medizinische Daten etc. gespeichert werden (zumindest im Rahmen der vorhandenen Speicherkapazität). Als ähnlich informativ erweisen sich auch die neuen Ausweise und Reisepässe, die laut Aussagen des Chaos Computer Clubs mit einem RFID-Chip versehen sind und sich somit auch aus großer Entfernung auslesen lassen. Personalausweise, die man einlesen kann, etwa um Online-Dokumente oder das Shopping im Netz sicherer zu machen, besitzen allerdings ebenfalls keine besonderen Sicherheitsfunktionen; sprich darauf befindliche Daten lassen sich ohne Probleme kopieren und auf eine leere Karte speichern. Cyberkriminelle können so Straftaten unter falscher Identität begehen und kommen möglicherweise ungeschoren davon.

Ein drittes Beispiel dafür, dass Bürger auch offline sehr weitgehend überwacht werden, sieht man an den zahlreichen Kameras, die an großen Plätzen, Bahnhöfen oder ähnlichen Orten angebracht sind. Es wird oft damit argumentiert, dass diese der Sicherheit dienen, doch (meist jugendliche) Gewalttäter lassen sich dadurch oft nicht davon abhalten, Opfer ins Krankenhaus oder sogar ins Grab zu befördern. Der Einsatz von Polizei und privaten Sicherheitskräften wäre hier eine deutlich sinnvollere Möglichkeit, das Gewaltpotential von Schlägern zu reduzieren und einzudämmen. Zudem spielt die Bahn (und auch die Bundesregierung) mit der Idee, zukünftig unbemannte Drohnen zur Überwachung einzusetzen. Auch der Zugriff auf Telefongespräche und Bankkonten ist dem Staat, genauer gesagt der ausübenden Gesetzeskraft (Polizei) unter bestimmten Umständen (richterliche Anordnung) rechtlich gestattet, sodass keine Informationen - seien sie noch so persönlich – mehr sicher sind! Schöne neue Welt?

Online-Überwachung

Die Bespitzelung findet zum größten Teil allerdings nicht off-, sondern online statt. Angefangen von Mails, die mit der Zustimmung der Anbieter von jeglichen Geheimdiensten mitgelesen werden können, über Suchanfragen bei Bing und Google bis hin zum Chatten per Skype und Facebook: immer liest jemand mit. Dafür muss der berüchtigte Bundestrojaner noch nicht einmal installiert sein. Falls man doch irgendwie ins Visier der Behörden gelangt und der Trojaner, den die Regierung harmlos "Remote Forensic Software" nennt, auf der heimischen Festplatte landet, dann sieht es für den Anwender düster aus! Denn dann sind persönliche Dokumente und Passwörter, die über einen installierten Key-Logger ausspioniert werden, ein offenes Buch für die Beobachter.

Keine freie Wahl der Internetseiten

Doch das ist nicht die einzige Form, mit der Nutzer tagtäglich konfrontiert werden. Eine Alternative zum Ausspähen ist nämlich das Aussprechen von Verboten, so wie es jüngst in Großbritannien geschehen ist. So wurde das Internet vorab selektiert, um Pädophilen den Zugang zu entsprechenden Materialien zu verwehren. Eine Entscheidung, die aus unserer Sicht mehr als gerechtfertigt ist! Doch das positive Verbot kann auch schnell einen negativen Beigeschmack bekommen, etwa wenn bestimmte Internetseiten, Foren etc., die sich kritisch über Regierungsmaßnahmen äußern, ebenfalls geschlossen werden und der Staat nur noch den Zugriff auf einige wenige „Propaganda“-Webseiten erlaubt.

Einmal online, immer online

Viele Anwender machen sich über die staatlichen Überwachungsorgane keinerlei Gedanken, schließlich hat man selbst ja nichts zu verbergen. Aus diesem Grund werden beispielsweise bei Facebook auch jeder Urlaub, die neuesten Familienfotos oder andere private Dinge gepostet. Dabei sollte sich jeder Mensch ins Gewissen rufen, dass jeder noch so kleine Eintrag gespeichert und die eigene Akte somit Stück für Stück vervollständigt wird. Zumal Informationen, die einmal im Netz gelandet sind, nie wieder komplett entfernt werden können, auch wenn sich das manche Reputationsdienste auf ihre Fahnen schreiben.

So können Anwender sich schützen

Müssen Anwender die staatliche Überwachung einfach hinnehmen oder gibt es Möglichkeiten, sich davor zumindest teilweise zu schützen? Die simpelste Variante ist das Einschalten des eigenen Denkapparates, denn auch wenn die digitale und vernetzte Welt viele Vorteile bietet, so hat sie auch zahlreiche Nachteile; etwa das Ende der Privatsphäre. Was kann man also tun, um wieder ein Stück persönliche Freiheit und Unabhängigkeit zu erreichen? Abseits des Computers sollten Menschen lernen, ihre Einkäufe am besten ausschließlich mit Bargeld und ohne irgendwelche Kundenkarten zu erledigen; so bleiben diese vor den staatlichen Augen verborgen. Mit Ausnahme der Vermeidung von Plätzen, die durch Sicherheitskameras beobachtet werden, lässt sich hier allerdings nicht viel mehr an Freiheit realisieren.

Sicher suchen und surfen

Am PC hingegen gibt es erheblich mehr Optionen, die Spionage von Staat und der Werbeindustrie einzudämmen. So lässt sich beispielsweise schon durch die Wahl der Suchmaschine einiges an Privatsphäre zurückholen. Mit duckduckgo oder ixquick surfen Anwender anonym, ohne dass Suchergebnisse gespeichert und für Werbezwecke missbraucht werden. Wer absolut unerkannt im Netz unterwegs sein will, für den bietet sich beispielsweise TOR an. Das Tool erstellt einen virtuellen Tunnel der die Anfragen des Surfers weltweit umleitet und verschleiert und hinterlässt somit keinerlei Spuren mehr; der Nachteil: Die Geschwindigkeit verlangsamt sich und ist nur noch für das Surfen im Web zu empfehlen. Ähnlich funktioniert auch die kommerzielle Lösung CyberGhost, die in den Premiumvarianten eine deutlich schnellere Netzverbindung ermöglicht. Auch eine simple VPN-Verbindung, die es unter anderem bei BlackVPN gibt, kann viel bringen.

Sichere Cloud? Fehlanzeige!

Auch Cloud-Lösungen, insbesondere die kostenfreien Varianten von Google und Microsoft, bieten keine Sicherheit, auch wenn hochgeladene Dateien mit dem kostenlosen Programm TrueCrypt verschlüsselt werden können. Wer absolut auf Nummer sicher gehen will, der kommt um die Anschaffung einer NAS sowie den jeweiligen Berechtigungen und Verschlüsselungsmechanismen nicht herum. Gleiches gilt auch für das Chatten mit Freunden und Bekannten, schließlich speichern Skype (Betrieben durch Microsoft) und Facebook die Konversationen auf seinen Servern ab; privat sind die Chats also nicht! Abhilfe schafft hier die Nutzung von icryptit, bei dem User ein sicheres Passwort vergeben und anschließend ihre Gesprächspartner einladen können.

Mit nur wenig Aufwand und einer gesunden Portion Skepsis lässt sich die eigene Privatsphäre problemlos abschotten. Ein bisschen Anonymität im Netz schadet keinem User, ganz im Gegenteil!


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