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Icy Box Power Line im Test

Der Router hat seinen Platz im Erdgeschoss gefunden, der Computer aber im Wohnzimmer im ersten Stock. Was also ist zu tun wenn man dennoch ins Internet will um dort etwas nachzulesen, Videos auf Youtube zu sehen, Teil der sozialen Netzwerk Community zu sein oder die ein oder andere Online-Multiplayer-Partie zu absolvieren? WLan oder Kabel wären hier eine naheliegende Variante zur Behebung unseres Problems. WLan ist gerade bei den Gamern keine gute Lösung, da hier oft recht hohe Pingraten erreicht werden und plötzliche Verbindungsabbrüche jeglichen Spielspaß nehmen. Sicherlich könnte man ein Netzwerkkabel durch das Treppenhaus legen, dies sollte aber in den meisten Fällen eher temporärer Natur sein.

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Icy Box Power Line

Ein Umbau des Hauses oder der Mietwohnung aus rein diesem Grund dürfte für die meisten wohl keine Lösung sein, schließlich wollen die wenigsten mit Kanonen auf Spatzen schießen. Denn: Alternativen gibt es mittlerweile mit sogenannten “Internet via Steckdose” Lösungen. Aus diesem Grund wollen wir uns heute in der Redaktion das Powerline Network Adapter Kit “ICY BOX IB-PL500D” ein wenig näher anschauen und herausfinden ob dieses Produkt eine echte Alternative zu den eben genannten Varianten darstellen kann.

An dieser Stelle geht unser Dank an Raidsonic für die problemlose Bereitstellung des getesteten Produkts.

Die Adapter von Powerline sind schon länger erhältlich und werden in verschiedenen Varianten angeboten. So gibt es mit der IB-PL200D noch das kleinere Set, mit dem es möglich ist, mit bis zu 200Mbit/s Daten über das hausinterne Stromnetz zu versenden. Unsere Ausführung hingegen macht es möglich Daten mit einer maximalen Geschwindigkeit von 500Mbit/s zu transferieren. Somit erklärt sich auch der Produktname von selbst. “IB” steht hier für Icy Box, “PL500D” für Powerline und die maximale Geschwindigkeit. Sehen wir uns ein wenig auf der Herstellerwebseite um, finden wir hier auch noch die Varianten IB-PL250D und IB-PL550D. In diesen Ausführungen blockiert ein Set dieser Adapter keine Steckdosen, da die Adapter selbst auch über handelsübliche Steckdosen mit Entstörfilter verfügen. Da wir aber genügend unbelegte Steckdosen haben, stellt uns diese Einschränkung aber vor kein Problem. Getreu dem Motto “Einstecken, fertig, los!” wollen wir uns dieses Produkt jetzt ein wenig näher im Detail zur Brust nehmen.

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Optisch bietet das in weißes Plastik gehüllte Adapterset mit den Abmaßen von 94x57x42 mm (HxBxT, pro Adapter) wenig Spektakuläres oder Auffälliges. So finden wir auf der Vorderseite des Adapters neben dem Markenschriftzug und dem Hinweis das es sich um eine Powerline Ethernet Bridge mit max. 500Mbit/s Datenübertragungsgeschwindigkeit handelt nur drei Status LEDs. Diese leuchten dezent grün um uns zu signalisieren, das die Stromversorgung funktioniert und die Powerline- bzw. Ethernetverbindung aktiv ist. Die zuletzt genannte Anzeige unterscheidet zwischen schnellem Blinken (Datenrate größer 60 MBit/s), normalem Blinken (Datenrate zwischen 10 und 60 MBit/s) und langsamen Blinken (Datenrate kleiner 10 MBit/s). Seitlich finden wir lediglich den Reset-Button. Die benötigte Gigabit RJ45-Buchse haben die Ingenieure aus Taiwan auf die Unterseite des rund 232g leichten Gerätes verfrachtet. Direkt daneben befindet sich die sogenannte Group-Taste, auf deren Funktion wir an späterer Stelle genauer eingehen werden.

Icy Box Power Line

Technische Daten und Verpackungsinhalt: Einsetzbar ist dieses Set bis zu einer Stromkabellänge von maximal 300m. Pro Netzwerkgruppe können hier bis zu 64 (PL200D) bzw. 8 (PL500D) dieser Adapter genutzt werden. Dies dürfte aber für private Endanwender kaum zu überschreiten sein. Erfreulicher Fakt: Es können auch Geräte anderer Hersteller in Kombination mit diesem Produkt genutzt werden, solange diese mit der Bezeichnung HomePlugAV gekennzeichnet sind. Bei den Geräten von Icy Box werden die Netzwerkstandards 10BASE-T, 100BASE-T und 1000BASE-T, die mit einer 128bit AES Verschlüsselung kompatibel sind, unterstützt. Der Stromverbrauch liegt im Bereitsschaftsmodus bei weniger als 1W (dies aber auch nur dann, wenn die angeschlossenen Geräte sich ebenfalls im Standby-Modus befinden), bei Volllast sollte selbiger sich zwischen 3,8W und maximal 4,3W einpegeln. Und das Schönste: Die Icy Box IB-PL500D operiert Betriebssystemunabhängig und gänzlich ohne Installation von jeglicher Software wie Treiber.

Im Versandkarton finden wir neben den Adaptern selbst noch zwei jeweils 1,8m lange Netzwerkkabel und eine Kurzanleitung wie man diese Geräte richtig benutzt. Wie sich zeigen soll, ist mehr aber auch absolut nicht nötig, denn das auf der Produktverpackung angegebene Plug&Play funktioniert tadellos.

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“Einstecken, fertig, los!” Gesagt, getan. Jeweils einen Adapter in eine Steckdose, LAN-Kabel einstecken und fertig. Noch müssen wir aber die Adapter soweit konfigurieren, dass sie sich gegenseitig finden und miteinander arbeiten können. Dies geschieht durch die bereits erwähnte Group-Taste. Diese drücken wir am ersten Adapter für zehn Sekunden bis alle LEDs einmal an- und auch wieder ausgegangen sind. Nun erhält dieser Powerline-Adapter einen zufälligen Netzwerkgruppennamen. Jetzt drückt man an demselben Powerline-Adapter die Gruppierungstaste nochmals für 1-3 Sekunden bis die Strom-LED zu blinken beginnt. Hierdurch wird der Adapter für maximal zwei Minuten in den Gruppierungsmodus versetzt.

In diesem Zeitraum sendet er seine Netzwerkkennung damit weitere Adapter seiner Netzwerkgruppe beitreten können. (Dieser Vorgang kann manuell beendet werden indem die Gruppierungstaste wieder für eine bis drei Sekunden gedrückt wird.) Innerhalb von zwei Minuten muss am zweiten Adapter die Group-Taste gedrückt werden damit nach maximal zehn Sekunden der zweite Adapter Mitglied in der nun erstellten Netzwerkgruppe geworden ist. Möchte man mehrere Adapter in einer Netzwerkgruppe verwenden, muss dieser Schritt jeweils wiederholt werden. Hier empfiehlt es sich, die Adapter in möglichst nebeneinander liegenden Steckdosen zu installieren. Sind alle Adapter entsprechend konfiguriert, ist man von nun an in der Lage, Daten mit bis zu 500Mbit/s zwischen den Geräten auszutauschen. Ob und vor allem, wie schnell das Ganze vonstatten gehen soll versuchen wir im nächsten Kapitel zu klären.

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Getestet wird die Dateiübertragung einer genau 1GB großen ISO Datei zwischen einem Laptop über unseren Router und unserem Computer. Der gleiche Test wird anschließend per WLan wiederholt. Diese zwei Durchgänge führen wir einmal im gleichen Zimmer und einmal in zwei voneinander getrennten Zimmern durch. Alle Datentransfers wiederholen wir je dreimal und mitteln diesen Wert um ein möglichst genaues Ergebnis zu erhalten. Da der Hersteller auf der Verpackung die Tauglichkeit für Online-Multiplayer Spiele bewirbt, sehen wir uns dies natürlich auch an und testen wie oben beschrieben einmal im gleichen Zimmer per “Strominternet” und per WLan und das Selbe nochmal in zwei verschiedenen Zimmern. Auch diese Versuche werden dreimal durchgeführt um per Mittelung den möglichst exakten und realistischen Wert zu dokumentieren. Genug vom Testaufbau, die blanken Zahlen dürften an dieser Stelle wesentlich interessanter sein. (Anmerkung der Redaktion: Die zwei Zimmer sind von 3 Stahlbetonwänden getrennt und liegen in rund 6m Entfernung)

Übertragungsgeschwindigkeit
Platzierung der Geräte Übertragungsweg Durchschnittliche Übertragungsrate
Gleiches Zimmer Adapter 80,89 MBit/s also 10,13 MB/s
Gleiches Zimmer WLan 75,47 MBit/s also 9,37 MB/s
Getrennte Zimmer Adapter 39,02 MBit/s also 4,88 MB/s
Getrennte Zimmer WLan 38,64 MBit/s also 4,75 MB/s

Reaktionsgeschwindigkeit
Platzierung der Geräte Übertragungsweg Gemessener Ping
Gleiches Zimmer Adapter Durchschnittlich 32,98 ms
Gleiches Zimmer WLan Durchschnittlich 33,97 ms
Getrennte Zimmer Adapter Durchschnittlich 33,60 ms
Getrennte Zimmer WLan Durchschnittlich 33,88 ms
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Interessanterweise unterscheiden sich die Messergebnisse in den jeweiligen Bereichen nur äußerst minimal. Ob dies daran liegt, dass die von uns gemessene Entfernung einfach zu gering war um einen großen Unterschied zu spüren können wir an der Stelle leider nicht sagen. Gezeigt hat es uns aber zumindest eines: Besitzt man ein Gerät das über kein Wlan verfügt, bekommt man mit diesem Produkt einen sehr vergleichbaren Ersatz. Natürlich bezieht sich das nur auf die Geschwindigkeit, um das Kabel selbst wird man nicht herumkommen. Positiv: Spielen kann man online bedenkenlos und mit dem Powerline Adapterset sogar ganz ohne Verbindungsabbrüche. Die doch sehr starke Abweichung der beworbenen 500Mbit/s zu unseren Werten können wir an dieser Stelle nicht erklären. Seitens des Herstellers wurde aber darauf hingewiesen, dass diese Werte in der Praxis bauartbedingt abweichen können.

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Das Powerline Network Adapterkit IB-PL500D hält voll und ganz was es verspricht. Die saubere Verarbeitung, der Verzicht auf überflüssige Spielereien und die problemlose Kompatibilität zu Sets anderer Hersteller sowie die einfache Plug&Play Installation sprechen eine ganz klare Sprache. Zudem hat uns die Leistung, welche zwar weit unterhalb der theoretisch maximal möglichen Geschwindigkeit lag, im Vergleich zu WLan-Lösungen überzeugt. Und nicht zuletzt das eingehaltene Versprechen, online-multiplayertauglich zu sein, begeistert uns vollauf.

Für aktuell 69,97€ (Stand 22.06.2012, geizhals.de) bekommt der künftige Käufer eine sehr elegante Lösung zur Behebung des Problem des ausser Reichweite stehenden Routers. Letzlich ist dieser Preis im Vergleich zu WLan-Dongles doch recht hoch, dafür umgeht man hier eventuelle Netzabbrüche die aus dem Onlineerlebnis schnell Frust statt Genuss machen.

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