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Mozilla Thunderbird 12 - Programm des Monats Juni 2012

Nachdem die Award-Sieger der beiden letzten Monate auf Festplatten spezialisiert waren, kümmert sich das Programm des Monats Juni 2012 um etwas ganz anderes, nämlich um E-Mails. Das Open-Source-E-Mail-Programm von den Entwicklern der Mozilla Foundation nennt sich Mozilla Thunderbird und erschien am 24. April 2012 in der zwölften Version. Die Geschichte von Thunderbird reicht bis in den Juni des Jahres 2003, als die erste lauffähige Version des E-Mail-Clients veröffentlicht wurde. Über die Jahre hinweg hat sich Thunderbird etabliert und ist so zu einem der besten E-Mail-Programmen geworden, die es gibt.

Neben Microsofts Outlook und Windows‘ Live Mail zählt Thunderbird zu einem der beliebtesten E-Mail-Clients die es überhaupt gibt. Doch was macht Thunderbird so populär? Auf der Hand liegt, dass der Client im Gegensatz zu Microsofts Outlook kostenlos ist. Außerdem prahlt das Programm, wie auch der Browser Mozilla Firefox, welcher im Übrigen aus derselben Entwicklerstube stammt, mit unzähligen Add-ons, die sich aufgrund des integrierten Add-on-Managers und der hohen Kompatibilität zwischen den Versionen mit nur wenigen Klicks installieren lassen.

Infolgedessen kann jeder Entwickler seine Erweiterungen im Netz veröffentlichen, damit schließlich alle Nutzer Zugriff auf diese haben. Den Ideen sind somit keine Grenzen gesetzt und Thunderbird kann unzählige Erweiterungsmöglichkeiten aufweisen, wodurch es wiederum für fast jeden Anwender ein gutes Stück attraktiver wird. Kritisch steht dieser Sache aber eines gegenüber: Die Tatsache, dass Mozilla den Updatezyklus ihrer Programme über das letzte Jahr hinweg stetig verkürzt hat, ist vor allem für größere Unternehmen sehr unangenehm. Im Oktober 2012 soll so beispielsweise noch Thunderbird 16 erscheinen. Von Anfang 2012 bis Ende 2012 werden so voraussichtlich insgesamt sechs finale Versionen von Thunderbird veröffentlicht worden sein – für Unternehmen ist es beinahe unmöglich, diese Updates auf eine große Menge an Computern regelmäßig aufzuspielen.

Systemanforderungen Beim Blick auf die offiziellen Systemanforderungen offenbart sich uns ein weiterer Grund, warum Thunderbird weit verbreitet ist. Benötigt wird Windows 2000, Windows XP, Windows Server 2003, Windows Vista oder Windows 7. Außerdem ist mindestens ein Pentium 4-Prozessor (oder neuer) vorausgesetzt, welcher SSE2-Unterstützung bietet. 1 GB Arbeitsspeicher und 200 MB Festplattenspeicher werden ebenfalls empfohlen.

Das war jedoch noch nicht das Ende der Fahnenstange. Es werden nicht ausschließlich Windows-Computer unterstützt, sondern auch Macintosh- und Linux-Systeme. Für Macintoshs gilt: Mindestens Mac OS X 10.5 (oder neuer) sowie 512 MB RAM und ebenfalls 200 MB Speicherplatz auf der Festplatte. Außerdem wird ein Intel-Prozessor basierend auf der x86-Architektur vorausgesetzt, allerdings wird man nur solche in offiziellen Macintosh-Computern finden. Linux-Distributionen benötigen folgende Pakete, damit Thunderbird über die wichtigsten Funktionalitäten verfügen ka
  • GTK+ 2.11 (oder höher)
  • GLib 2.12 (oder höher)
  • Pango 1.14 (oder höher)
  • X.Org 1.0 (oder höher)
  • libstdc++ 4.3 (oder höher)
Damit Thunderbird seine Aufgaben optimal ausführen kann wird zusätzlich die Installation folgender Pakete empfohlen:
  • NetworkManager 0.7 (oder höher)
  • DBus 1.0 (oder höher)
  • HAL 0.5.8 (oder höher)
  • GNOME 2.16 (oder höher)
Die Hardwarekonfiguration sollte für die jeweilige Distribution ausreichend sein. Funktionen Funktionstechnisch gesehen bietet Mozilla Thunderbird alles – und aufgrund der vielen Add-ons eigentlich noch mehr als das – was man sich von einem kostenlosen E-Mail-Client sonst erhoffen würde. Alle gängigen Verschlüsselungen werden unterstützt. Bei der Einrichtung eines Kontos hilft Thunderbird bei der Suche der benötigten Daten, wie z.B. der POP3 und der SMTP-Adresse. Trotzdem sollte man diese Daten bereithalten, da Thunderbird nicht immer die richtigen Einstellungen findet und sich schließlich nicht anmelden kann. An dieser Stelle ist der Nutzer manchmal gezwungen nachzuhelfen. Dies ist aber auch das einzige Manko, das uns bis hierhin ins Auge fiel. Man muss an dieser Stelle auch sagen, dass das Konkurrenzprodukt von Microsoft, nämlich Outlook,  die richtigen Einstellungen in unserem Fall ebenfalls nicht von alleine gefunden hat.

Abgesehen davon ist Thunderbird sehr zuverlässig und einschlägig. E-Mails können geschrieben und versendet, verschoben oder gelöscht werden. Hat man eine wichtige E-Mail im Postfach, kann diese aber aus Zeitgründen nicht lesen oder nicht antworten, so gibt es die Möglichkeit sie zu markieren. Der Nutzer hat die Wahl zwischen insgesamt fünf solcher Schlagwörter. Jedes Schlagwort hat eine eigene Farbe. So gibt es beispielsweise „Wichtig“ in roter Farbe und „Zu erledigen“ in Blau. Der Betreff wird nach der Selektion eines Schlagworts in der jeweiligen Farbe dargestellt. Dies kann durchaus nützlich sein, wenn man diese Funktion regelmäßig nutzt. Auch der Spam-Filter, bzw. „Junk“-Filter, wurde sehr gut in das Programm integriert. Nachdem eine E-Mail ausgewählt ist, reicht ein einfacher Klick auf „Junk“ und weitere E-Mails von selben Absender werden ebenfalls als Junk markiert. Nun kann man alle als Junk markierten E-Mails löschen oder in den Spam-Ordner verschieben. Über „Extras“ kann man die genauen Einstellungen vornehmen.

Darüber hinaus bietet Thunderbird noch ein Adressbuch. Dort lassen sich Kontakte erstellen und mit sämtlichen Daten versehen, die man über sie hat. Zudem kann man die Kontakte einzelnen Listen zuordnen. Eine Möglichkeit wäre es, die Kontakte nach Geschäfts- und privaten Kontakten zu ordnen. Mit einer letzten großen Funktion kann Mozilla Thunderbird noch punkten. Der E-Mail-Client kümmert sich nicht nur um E-Mails, sondern ist gleichzeitig ein Newsreader. Als Newsreader bezeichnet man allgemein Computerprogramme, die sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben von Nachrichten in Newsgroups des Usenets dienen. Dabei spielt es keine Rolle ob man ein RSS- oder Newsgruppen-Konto einrichtet. Sobald man eine Quelle hinzugefügt hat werden regelmäßig Nachrichten der jeweiligen Quelle von Thunderbird heruntergeladen und im Client bereitgestellt – zumindest der Beginn der jeweiligen Nachricht. Möchte man den gesamten Text lesen, wird man mit einem Klick auf den angezeigten Link direkt über den Browser zur Quelle geleitet. Add-ons Wie bereits angesprochen wurde, gibt es für Mozilla Thunderbird eine riesige Anzahl an kostenlosen Add-ons, die jeder herunterladen kann. Wir stellen Euch hier die besten und beliebtesten Erweiterungen vor. Bevor das jedoch geschieht, erklären wir Euch, wie der Add-on Manager funktioniert.

Über den Add-on Manager lassen sich Erweiterungspakete installieren, deinstallieren, aktivieren, deaktivieren und aktualisieren. Mit einem Klick auf Extras und anschließend auf Add-ons öffnet sich der Add-on Manager. Dort kann man nicht nur oben genannte Aufgaben ausführen, sondern auch nach Erweiterungen und Designs und Plug-ins suchen. Alternativ kann man dies auch auf der offiziellen Mozilla-Website machen. Mit einem Klick auf „Download“ und einem weiteren auf „Installieren“ werden die Erweiterungen absolut unkompliziert und schnell in das Programm integriert. Lädt man eine Erweiterung jedoch von der offiziellen Mozilla-Website herunter, so muss die heruntergeladene Datei manuell eingefügt werden. Dazu muss man lediglich den Add-on Manager in Thunderbird öffnen, auf das Zahnrad klicken und anschließend auf „Add-on aus einer Datei installieren…“ gehen. Nach der Installation muss Thunderbird neugestartet werden, sonst ist die Erweiterung nicht verfügbar. Das Neustarten sollte aber bei neuen Durchschnittssystemen nur wenige Sekunden in Anspruch nehmen.

ThunderBrowse ist eine sehr sinnvolle Erweiterung für Thunderbird, welche es ermöglicht Hyperlinks in E-Mails direkt im E-Mail-Client zu öffnen. So kann man durchs Internet stöbern, ohne dafür erst seinen Standardbrowser aufrufen zu müssen. Dies kann wertvolle Zeit sparen und kostet das System weniger Ressourcen. Auch wenn die Erweiterung noch Ausbaupotenzial besitzt sind wir sehr zufrieden mit ihr. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass ThunderBrowse einen regulären Browser nicht komplett ersetzen soll, sondern lediglich eine Alternative für Links in E-Mails darstellt.

Das Deutsche Wörterbuch ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Zwar werden durch diese Erweiterung lediglich Wortfehler und keine Grammatikfehler korrigiert, dennoch ist es zweifelsfrei besser, wenn man eine wichtige E-Mail noch einmal kontrollieren lässt. Ob die Sätze grammatikalisch auch Sinn machen, muss man selber prüfen. Hier hat Microsofts Outlook die Nase eindeutig vorne, da es noch keine richtige Grammatikkorrektur für Thunderbird gibt. Es gibt zwar die Erweiterung Grammar Checker, welche bei uns im Test allerdings nicht einwandfrei funktionierte. Im Zweifelsfall kann man die E-Mail auch einfach nochmal von Word oder Libre Office korrigieren lassen, sollte das als notwendig empfunden werden. Die Contacts Sidebar zeigt alle im Adressbuch vorhandenen Kontakte unter der Ordnerübersicht an. Mit einem Rechtsklick auf den jeweiligen Kontakt wird so nun automatisch eine neue E-Mail an die ausgewählte Person erstellt. Besonders praktisch ist dies, wenn man viele Kontakte hat und viele E-Mails schreibt und nicht sämtliche E-Mail-Adressen per Hand eingeben möchte.

Die letzte Erweiterung, die wir euch vorstellen möchten, ist FoxClocks. Nachdem FoxClocks installiert ist, werden am unteren Programmrand die Uhrzeiten verschiedener Städte unserer Welt angezeigt. Möchte man beispielsweise eine E-Mail nach China schicken aber weiß nicht, wie viel Uhr es dort ist, so reicht ein kleiner Blick an den unteren Rand und man ist schlauer. Die angezeigten Städte bzw. Länder lassen sich über den Add-on Manager verwalten. Bei FoxClocks genügt ein Klick auf „Einstellungen“, dort findet man sich dann zurecht. Fazit Thunderbird arbeitet schnell und zuverlässig. Es bringt keine unerwünschte Software mit sich und ist kostenlos. Hinzu kommt, dass Thunderbird stetig verbessert wird und man es aufgrund der Vielzahl an Add-ons seinen Wünschen anpassen kann. Egal ob man es lieber eintönig oder bunt möchte – von Anwendungen bis hin zu den Designs ist für jeden etwas dabei. Es waren wieder nur Kleinigkeiten, die uns negativ auffielen. Wenn diese Fehler in den nächsten Versionen ausgemerzt werden sollten, besteht für Thunderbird die Chance die anderen E-Mail-Clients vom Thron zu stoßen.

Um die Auffälligkeiten noch einmal zu nennen: Thunderbird war nicht immer dazu in der Lage, die richtigen E-Mail-Server-Daten automatisch zu finden – wir mussten also nachhelfen. Dies schränkt den Komfort minimal ein und ist ärgerlich, da es direkt bei der ersten Verwendung deutlich wird. Man darf jedoch nicht vergessen, dass auch die Konkurrenz damit so seine Probleme hat. Ein Einzelfall ist Thunderbird damit also nicht.
Des Weiteren fehlt eine Grammatiküberprüfung. Zwar könnte man hier mit einer Erweiterung nachhelfen, allerdings sollte dies zum standardmäßigen Funktionsumfang dazugehören, wie wir finden. Die große Anzahl an Wörterbüchern, die als Add-ons erhältlich sind, tröstet uns nur leicht. Gefühlsmäßig finden wir allerdings auch, dass Thunderbird deutlich schneller arbeitet als z.B. Outlook. Bei einer kurzen Gegenüberstellung der Suchfunktion wird dies deutlich: Während Thunderbird nur den Bruchteil einer Sekunde benötigt um das E-Mail-Konto nach einem Wort abzusuchen, benötigt Outlook mehr als eine Sekunde. Wir finden, dass Thunderbird aufgrund des großen erweiterbaren Funktionsumfangs und des geringen Preises den Award zum Programm des Monats Juni 2012 verdient hat, auch wenn wir uns wünschen würden, dass die oben angesprochenen Mängel verbessert werden würden.
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