Apps
Mainboards

AMD 790GX Chipset: Dreikampf

Lange Zeit gab es für Käufer von AMD CPUs kaum eine andere Wahl, als sich Nvidia Chipsätze zu kaufen. Seit man sich bei AMD mit großem finanziellen Aufwand dazu entschlossen hatte ATI zu übernehmen, ist man nun in der Lage ganze Plattformen anzubieten. Mit dem 790GX kommt ein neues Kind des Zusammenschlusses vor. Als großer Bruder und Nachfolger des älteren 780G tritt er nun die Nachfolge genau dessen an.

Intro:       Zu Beginn wollen wir uns für die sehr gute Zusammenarbeit mit Michael Schmid von AMD bedanken, welcher uns die Mainboards von Asus und Gigabyte zur Verfügung stellte. Auch bedanken wir uns bei Bastian Fröhlig von Foxconn für das jeweilige Mainboard und Tamara Geiger von Sapphire für eine HD3450.  

  AMDs 790GX im Detail
  Mit der Übernahme von ATI holte man sich nicht nur Chipsatz-Knowhow in die eigenen Hallen, sondern es folgte auch enormes Wissen über integrierte Grafikkerne. Über nun schon mehrere Generationen dauert die Entwicklung an und der neue 790GX Chip stellt dabei die derzeit letzte Evolutionsstufe dar. Mit ihm wurde auch die verbaute Southbridge weiter entwickelt. So bietet die SB750 Southbridge nach langer Zeit genau das, was sich eigentlich viele von ihr wünschten.   Auf der technischen Seite bietet der 790GX 26-PCIe-Lanes, davon sind 16 Lanes dem Einsatz einer Grafikkarte vorgesehen. Im Crossfire Betrieb teilen sich diese in 2x8 Lanes. Von den übrigen zehn Lanes gehen nun noch vier an die Anbindung der SB750 Southbrige und derer Schnittstellen. Zum Schluss bleiben noch 6 Lanes für übrige Peripherie wie LAN und Onboard Sound.

In der Grafiksektion des 790GX hat sich im Vergleich zum 780G einiges verändert. Zwar sind die beiden Kerne des 780G und des 790GX gleich, doch taktet der 790GX nun mit 700 Mhz gut 200 Mhz höher. Der eigentlich Vorteil des 790GX liegt in seinem Sideport Memory. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich nichts anderes, als ein dem Grafikkern exklusiv zugewiesener Speicherchip auf dem Mainboard. Dieser hat eine Größe von 128 Mb und taktet mit reellen 666 Mhz. Er ermöglicht es dem 790GX in Spielen wesentlich schneller auf anfallende Daten zurückzugreifen. Somit umgeht man den Flaschenhals, dass der Grafikchip seine Daten über den langsamen Hauptspeicher des System schieben muss. Trotz alle dem lässt sich die ältere UMA Leitung aktivieren, welche auch die Kommunikation zum Hauptspeicher ermöglich.   An der  Anschlussfront hat man einiges zu bieten. So verfügt der 790GX je nach Mainboardhersteller über bis zu drei verschiedene Video-Anschlussvarianten. Auf der einen Seite der normal analoge RGA Kanal und auf der andere kommen digitale Anschlüsse wie DVI und HDMI zum Vorschein. Und auch wer zwei Monitore parallel betreiben will, wird sich freuen, denn auch der Dual-Betrieb ist ohne Weiteres möglich. Für unbegrenzten Filmgenuss greift der 790GX Chipsatz auf AMDs „Unified Video Decoder“ Architektur zurück und gewährleistet so 100%tige Hardwarebeschleunigung für H.264 und VC-1 HD Material.     Die Boards:   Da es uns heute rein um den Chipsatz und dessen Interpretation der Hersteller geht, halten wir uns in diesem Review nur kurz bei den einzelnen Boards an sich auf.   Foxconn A7DA-S   Auf den ersten Blick erscheint das Foxconn Board eher unauffällig. Das blaue PCB der Platine erinnert etwas an Gigabyte, doch Foxconns Schriftzug auf dem Aluminiumkühler der Northbridge ist kaum zu übersehen. Die 5-Phasen der Spannungswandlersektion werden ebenfalls gekühlt. Eine Heatpipe verbindet beide Kühler für den Wärmetransport.   Farblich geht es auf dem A7DA-S eher bescheiden zu. Blau überwiegt klar. Bis auf grün und gelb geht man keine farblichen Experimente ein. Und so bleibt der „chromatische“ Flash wie bei früheren DFI Platinen glücklicherweise aus.   Das Platinenlayout zeigt sich von seiner guten Seite. Abgewinkelte SATA-Ports am Mainboardrand verhindern ein Blockieren durch eventuell zu lange Grafikkarten. Auch die USB- und Firewire-Anschlüsse lassen sich gut erreichen. Positiv zu erwähnen sind die Power und Reset Buttons, welche gerade für den Testbetrieb ein Segen sind. Doch jedes Layout hat leider seine Schwachstellen und so geht es bei dem schlecht platzierten 12V GPU Zusatzstecker genau so eng zu, wie bei der Sockelhalterung nah an der Northbridge. Gerade einmal 10 mm sind dort zwischen Halterungsnase und Kühler.   Den Sideport Memory löst man über einen 128 Mb großen DDR3 Hynix Chip. Im Betrieb mussten wir aber leider feststellen, dass dieser mit 666 Mhz keinen Fehlerfreien Betrieb gewährleistet. So blieb es bei nur 533 Mhz. Weiterhin dient das Board mit 4 externen USB Anschlüssen, 1x Firewire und zusätzlich 1000 Mbit LAN. Als Monitoranschlüsse findet man die üblichen VGA, DVI und HDMI Buchsen vor. Hinzu kommen noch drei vollwertige PWM Lüfteranschlüsse, die sich über das Mainboard verteilen.  
      Asus M3A78-T   Das Asus Board kommt einmal mehr im typischem in Schwarz/Braun gehaltenen PCB. Auf den ersten Blick ist es die schlichteste Platine von allen. Simple großflächige Aluminiumkühler auf den Spannungswandlern und dem Chipsatz sorgen für die Wärmeabfuhr und sind zugleich der einzige „Farbklecks“ auf dem Board.
Zeigt sich Asus hier von Außen noch von der zurückhaltenden Art, findet man bei den inneren Werten seine wahren Stärken. Das Layout der Platine ist durchaus als gelungen zu bezeichnen. Zum Teil abgewinkelte SATA-Ports, ein abgewinkelter IDE-Port, gut erreichbare USB und Firewire Erweiterungssteckplätze und keine unnötig platzieren Zusatzstromanschlüsse.   Die Suche nach Schwachstellen dauert nicht all zu lang, denn spätestens wenn man einmal wirklich zwei Zwei-Slot Grafikkarten verwenden will, wird es eng auf dem M3A78-T. Die Grafikkarten liegen hier wirklich Rücken an Rücken und dann freut sich mindestens eine der beiden Karten nicht mehr, denn gerade die obere hat da wahrlich ein Frischluft-Problem. Foxconn lies, um dem entgegenzuwirken, einen freien Slot dazwischen.
Auch das Asus Board verfügt über den 128 Mb großen und 666 Mhz schnellen Sideport Memory und bietet so zusätzliche Performance für den 790GX. PWM scheint hingegen bei Asus nicht so beliebt zu sein, weshalb man nur den CPU Lüfteranschluss damit versorgte. Die restlichen drei Anschlüsse kommen ohne PWM aus. An der Rückblende hat sich Asus regelrecht ausgetobt und bietet mehr als die meisten anderen. 6x USB, Firewire, eSATA, optical Audio Out, HDMI, VGA und DVI stehen dem User hinten zur Stelle.
 
      Gigabyte MA790GP-DS4H   Für das Feld ungewohnt Bunt, wir reden hier schon fast vom „chromatischen“ Flash, geht es auf dem Gigabyte Board zu. Aber es sind die typischen Gigabyte Farben. Blaues PCB und überwiegend kontrastreiche Farben. Da gesellt sich der Schein von schimmernden Kupfer recht gesellig dazu, welcher von der „aufwendigsten“ Kühlerlösung im Feld kommt. Zwei Heatpipes verbinden großflächige Kupferkühler auf Chipsatz und Spannungswandlern. Die SB750 Southbridge muss sich dagegen mit Aluminium zufrieden geben.   Hat man sich dann einmal an die „Buntheit“ gewöhnt, kann man sich den wichtigen Dingen widmen – dem Layout. Neben den technischen Aspekten ist das Layout eines der wichtigsten Elemente eines Mainboards. Und genau hier macht Gigabyte leider einige Patzer. Das MA790GP-DS4H ist das einzige Board im Testfeld, welches ohne abgewinkelte S-ATA Ports kommt und sich somit schon fast selbst ein Bein stellt. Denn sollte man wirklich einmal zwei Grafikkarten betreiben wollen und die untere wäre dabei auch noch eine mit Dualslot-Kühlung, so ist es gut möglich, dass diese dann auch gleich einmal vier der sechs S-ATA Ports blockiert. Hinzu kommt eine eher sehr ungünstige Platzierung der USB-Anschlüsse, genau über dem zweiten PCIe Slot. Auch der Front Panel Audio Anschluss liegt recht unpraktisch hinter den Back Panel Audio Anschlüssen. Und auch wenn man kaum noch ein Floppylaufwerk braucht, ist es doch recht unpassend diesen weit unten ans Boardende zu verbannen. Hier hinterlässt das Gigabyte Board also einen eher weniger guten Eindruck. Die Rückblende bietet dann das übliche: 4x USB, LAN, Firewire, VGA, DVI, HDMI und einen optical Audio Anschluss.   PWM ist ein schönes Thema, um wieder auf gute Gedanken zu kommen, denn hier geht Gigabyte einen löblichen Mittelweg und bietet jeweils zwei PWM und zwei normale 3-pin Anschlüsse an. Somit sollte sich jeder wohlfühlen. Zu guter Letzt, bietet natürlich auch das Gigabyte Board den 128 Mb großen Sideport Memory, welcher dem 790GX mit 666 Mhz beiseite steht.    
  Testsystem  
Prozessor:

AMD Phenom X4 9750, Phenom X3 8750

RAM:

Corsair Dominator 1066 CL5

Mainboard: Asus M3A78-T, Foxconn A7DA-S, Gigabyte MA790GP-DS4H
Grafikkarte: HD3300 (790GX), Sapphire HD3450
Festplatte: Samsung Spinpoint 160Gb
Netzteil: PC Power & Cooling Silencer 750W
Gehäuse: CoolerMaster Cosmos S
Betreibssystem: Windows Vista Ultimate
  Synthetische Benchmarks
  Zum Einsatz kam wieder unser gewohnter Überblick an synthetischen, wie auch Game Benchmarks. Um dabei auch auf die Hybrid Funktion des 790GX einzugehen, testen wir auch dieses Hybrid Gespann aus HD3450 und der HD3300 Engine des 790GX. Dabei musste es sich in reinen synthetischen Benchmarks wie auch in Games beweisen. Was es gebracht hat sehen wir am Ende.       Nach dieser Testserie wird schon eines deutlich: Der langsamere Speicher auf dem Foxconn Board lässt genau dieses um einige Punkte zurück fallen. Vor allem und natürlich ausschließlich macht sich das in den Grafikbenchmarks bemerkbar. Auf der anderen Seite rennt das Foxconn Board in der Lesebandbreite den beiden Konkurenten auf und davon. Ansonsten nehmen sich hier die Boards an sich nicht viel. Keiner mag sich wirklich abschütteln lassen und gibt keinen Bereich einfach so her. So spielen die meisten Differenzen im Rahmen von Messschwankungen. Synthetisch gesehen, fährt man so auf allen Board gleich gut. Sehr schön zu sehen ist auch die Leistungssteigerung durch AMDs Hybrid Technik. Doch nicht alle Board skalieren gleich gut und so scheint es als käme gerade das Asus Board etwas besser damit klar.     Spielebenchmarks   Was natürlich am ehesten zählt, sind die Werte aus den Games der Nutzer selbst. Und so haben wir auch die Boards mit ihrer integrierten Grafikkarte auf unseren Spieleparkour geschickt. Wir erhoffen uns von einer integrierten Grafikeinheit nicht all zu viel, da sie nun einmal nicht prinzipiell zum Spielen gedacht sind.       Wir hätten dem 790GX ehrlich gesagt so eine Potenz nicht zugetraut. Selbst Crysis ist bedingt auf Medium spielbar, stellt man es noch auf Low ist dem spielen nix mehr im Wege. Auch der Leistungsabfall gegenüber DX10 ist erstaunlich gering ausgefallen. In allen anderen Games bekommt man stabile und vor allem recht ordentlich spielbare Frames. Man denke bitte daran, dass wir es mit einer kleinen integrierten Grafikeinheit zu tun haben. Von diesem Standpunkt muss man dem kleinen seinen Respekt zollen. Auch im Zusammenspiel mit unserer HD3450 und Hybrid Crossfire zeigt sich ein guter Performanceanstieg, welcher im durchschnitt beim 1,5-fachen der Einzelleistung entspricht.   Overclocking   Bei einer Platine mit integrierter Grafik würde man nicht zwangsläufig auch gleich an Overclocking denken. Doch AMD weiß die neuen 790GX Boards mit ihrer SB750 als die Overclocking Boards schlecht hin zu bezeichnen. Und so machten auch wir uns daran die Overclockingfähigkeiten der Boards auf die Probe zu stellen. Dafür nutzen wir eine Black Edition Phenom X3 CPU um so die Reglementierung etwas auszuhebeln.    
Hier stießen wir dann doch an mehr Grenzen als uns lieb war, aber wir hatten auch eine Überraschung zu erleben. Grundlegend sollte man einiges erklären. So ist mit dem Phenom der Northbridgetakt zu einer der wichtigsten Komponenten geworden, auch wenn einem dieser kaum wichtig erscheint. Denn überschreitet dieser die 2,2Ghz streikt dann schon fast jedes Board und lässt sich nicht weiter übertakten. Dabei ist dieser Takt über einem Multiplikator direkt mit dem Referenztakt verbunden. Stellt das Bios des Mainboards also diesen Multiplikator nicht zur Verfügung, wird der Overclockingversuch schnell zu Frust, zumal man nicht von jedem User erwarten kann, dass er sich eine Black Edition kaufen wird, um über einen freien Multiplikator zu verfügen. Deswegen testeten wir hauptsächlich auf die Ausreizbarkeit des Referenztaktes und nicht auf die Übertaktbarkeit einzelner CPUs. So stießen wir bei dem Foxconn Board schnell an unsere Grenzen, da man hier komplett auf einen einstellbaren Multiplikator verzichtete. So ging dem A7DA-S bei 247Mhz Referenzetakt einfach die Luft aus. Mit eingestellten Northbridge Multiplikator auf dem M3A78-T waren für Phenom-Verhältnisse gute 259Mhz möglich. Die Überraschung des Tests waren dann die 284 MHz des Gigabyte Boards. Dies ist der höchste Referenztakt den wir je auf einem Phenom System stabil zum laufen gebracht haben. Doch auch die Übertaktbarkeit unserer CPU wurde durch die SB750 und derer "Advanced Clock Calibration" Technolgie zum positiven beinflusst. Immerhin gut 200 Mhz mehr waren so auf dem MA790GP-DS4H drin.     Fazit     Unsere Fazit-Tabelle versucht nun noch einmal einen kleinen Überblick zu geben. Und so offenbaren sich auch auf schnellen Blick die Stärken und Schwächen der Boards. Zum Beispiel zeigt sich nun, dass Asus noch einiges beim Stromverbrauch nachzuholen hat, da dieser bis zu 30W über dem Rest liegt. Um die Boards in irgendeiner Hinsicht bewerten zu können, haben wir einen Mainboard Index eingeführt, welcher als Performance/Watt Index gehandelt werden muss. Er errechnet sich aus dem Produkt von synthetischer und 3D Leistung durch den maximal Verbrauch der Testkandidaten. Somit besteht auch eine Chance für Verbrauchsärmere und Leistungsschwächere in dem Index mit zu rangieren.   Zusammenfassend zeigt sich, dass es Gigabyte geschafft hat die Leistung am besten zu nutzen. Viel Leistung bei gutem Stromverbrauch vereint man recht gut miteinander. Doch patzt man beim Layout der Platine. Asus schlampt beim Stromverbrauch, bietet aber immernoch eine solide Leistung, welche sich durch aus mit dem Gigabyte messen kann. Foxconn fällt zurück, nicht nur beim Übertakten sieht man nur die Rücklichter der Gegenspieler, auch in der Spieleperformance hängt man durch den langsameren Speicher etwas hinten. Zugute halten muss man Foxconn aber den geringen Stromverbrauch der Platine, weswegen sie im Index Ranking auch sogar noch vor dem Asus Board landet. Somit belegt Gigabyte den ersten Platz und wäre auch die Wahl des Redakteurs. Foxconn belegt trotz geringerer Performance durch seine Sparsamkeit den zweiten Platz. Asus schlägt Foxconn zwar in der Performance, doch der leicht höhere Stromverbrauch Im Loadbereich lässt es hinter das A7DA-S fallen.   Da alle Platinen im Preissegment um 120€ liegen, ist eine Platzvergabe nicht all zu schwer. Sieht man vom Layout etwas ab bekommt man bei Gigabyte die beste Leistung fürs Geld. Asus zeigt Gigabyte Performance mit kleineren technsichen Schwächen. Foxconn kann bei der Technik und im 3D Segment weniger überzeugen, bietet aber die sparsamste Platine im Test. Doch allgemein gesehen zeigt der 790GX, dass er das Zeug zum perfekten Allrounder hat, Leistung satt und eine brauchbare integrierte Grafikeinheit verhelfen ihn hoffentlich zu großer Beliebtheit und jeder sollte bei einem Neukauf mal einen Blick auf dieses werfen.

Diesen Artikel teilen:

Welovetech